Neuauflage mit Kettensäge

Landwirtschafts-Simulator 15 Test

Im diesjährigen Aufguss des Landwirtschafts-Simulators dürft ihr erstmals in den Wald vorrücken. Doch nicht nur die Kettensäge wartet: Auch eine verbesserte Grafikengine sowie ein paar kleine Änderungen beim Interface sind neu. Ob das reicht, um endlich ein rundes Spiel aus dem LWS werden zu lassen, lest ihr in unserem Testbericht.
Florian Pfeffer 5. November 2014 - 23:16 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Sämtliche Screenshots stammen von GamersGlobal.

Nachdem im letzten Jahr die mobilen Geräte eine Version des Landwirtschafts-Simulators abbekamen (bei GamersGlobal getestet als App der Woche), warten PC-Spieler bereits seit zwei Jahren auf eine Neuauflage des Landwirtschafts-Simulators (LWS). Die 2012er Fassung namens LWS 13 war uns im Test immerhin einige lobende Worte wert (GG-Test: 6.5). Und viele scheinen tatsächlich sehnlich darauf zu warten, denn wie sonst könnte man sich die fast schon an Fanatismus grenzende Leidenschaft vieler Fans erklären, die sich Jahr für Jahr für die virtuelle Landwirtschaft begeistern können? Als so genannter Core-Gamer wohl gar nicht, dennoch verkaufte sich die letzte Ausgabe des LWS über zwei Millionen Mal und auch dieser Serienteil ist aktuell sogar zweimal in den Top Ten der Verkaufscharts enthalten (als Download und Boxed-Version).

Die Modder-Szene brummt und Sonderhefte zum Spiel sind an den Kiosken zu finden. Wieso ist der Landwirtschafts-Simulator ein derartiges Phänomen und wie kommt es, dass Core-Gamer automatisch über allem die Nase rümpfen, sobald das Wort „Simulator“ in der berühmten Microsoft Flight Simulator-Schriftart auf einer Packung prangt? Ganz ehrlich: Wir wissen es auch nicht und können über die Gründe für den Erfolg nur mutmaßen. Einerseits dürften Personen an dem Spiel Gefallen finden, die sich für die detailliert nachgebildeten landwirtschaftlichen Fuhrpark und die Arbeitsgeräte begeistern. Andererseits kann man durchaus eine gewisse meditative Versenkung in die Feldarbeit konstatieren, die aufkommt, wenn man mit der Sämaschine, dem Grubber oder dem Mähdrescher geruhsam seine Bahnen zieht.

Aller Anfang ist… langweilig
Das neue Szenario "Westbridge Hills" spielt unverkennbar in den USA. Das Interface rechts unten ist nun übersichtlicher.
Wie bereits üblich in der Serie startet ihr eure Karriere im Landwirtschafts-Simulator 15 als Landwirt auf einem Bauernhof, auf dem schon einige wichtige Gerätschaften für den Anfang zu finden sind. Ihr könnt also sofort auf einem der drei Felder loslegen, die euch zu Beginn gehören. Neu ist die Wahl zwischen zwei Settings, nämlich dem amerikanischen Westbridge Hills und dem eher skandinavisch angehauchten Bjornholm. Das USA-Szenario richtet sich an fortgeschrittene Spieler, da dort die Felder größer sind. Das macht sie entsprechend teurer im Erwerb, sie sind aber auch nur mit besonders leistungsfähigen Maschinen vernünftig zu bewirtschaften, die ihr euch erstmal verdienen müsst. In Bjornholm dagegen werdet ihr schon nach kurzer Zeit einen kleinen Wirtschaftskreislauf zum Laufen bekommen. Hilfreich dabei: Ihr werdet von einigen Einblendungen unterrichtet, was jeweils als nächstes zu tun ist. Wirklich umfassend ist dieses Mini-Tutorial nicht, so dass ihr Informationen über Dinge wie Viehzucht selbst herausfinden müsst.

Es gibt zwar eine Hilfefunktion im Spiel, doch ist diese nicht nur umständlich aufzurufen, sondern lässt auch wichtige Aspekte komplett außer Acht. Weder wird dort erklärt, wie man Rinder züchtet oder Fahrzeuge bedient, noch kommt die Forstwirtschaft auch nur ansatzweise zur Sprache, die mit der 15er Ausgabe als neues Feature Einzug in den LWS hält. Weitere interessante Themen wie die Hühnerzucht werden so knapp behandelt, dass ihr euch alles wirklich Wichtige selbst erarbeiten müsst. Wo kann man Hühner kaufen? Wie pflanzt man Bäume? Wie funktioniert die Mausbedienung für die Palettengabel? Alles Fragen, die weder in der Onlinehilfe noch im Handbuch geklärt werden. Als einziger Hinweis erscheinen links oben die jeweilig passenden Tastaturkürzel, aber erst, wenn ihr euch dort befindet, wo sie zu gebrauchen sind.

Steine im Weg
Wenn ihr wollt, könnt ihr auf demselben Feld gleichzeitig umgraben, säen und ernten. Soviel zum Thema "Simulator".
Besonders die Art und Weise, wie manche Funktionen in das Spiel integriert sind, stört uns gewaltig. Eine Übersicht über den Standort aller eurer Fahrzeuge dürft ihr per Hotkey aufrufen, die Onlinehilfe aber genauso wenig wie die Missionsübersicht. Dafür müsst ihr erst zu einer Telefonzelle oder einem schwarzen Brett fahren, und dort eine bestimmte Taste drücken, was nur funktioniert, wenn ihr zuvor aus eurem Fahrzeug ausgestiegen seid. Handys sind wohl nichts für den LWS-Bauern, mag sich ein Entwickler gedacht haben. Für das Annehmen von Missionen könnten wir diesen Umstand in der Bedienung vielleicht noch akzeptieren, doch natürlich wollen wir nicht ständig über die halbe Karte fahren, nur um nachzusehen, wieviel Prozent der geforderten Gerste wir bereits produziert haben.

Noch schlimmer ist das bei der Hilfefunktion, die unserer Meinung nach zumindest über das Pausenmenü verfügbar sein sollte. So erscheint die Wahl des Entwicklers, welche Funktionen jederzeit per Hotkey aufrufbar sind und für welche man zu irgendwelchen Orten auf der Karte fahren muss, völlig willkürlich. Ein wenig kommt es uns vor, als soll mit der ständigen Hin- und Herfahrerei von der Langeweile auf dem Feld abgelenkt werden, die zwangläufig aufkommt, wenn ihr größere Äcker bestellt und immer wieder den gleichen Ablauf aus Grubbern, Säen, Düngen und Ernten absolviert.
Ein typischer Arbeitsablauf: Fütterung der Kühe
Um Milch zu erwirtschaften, die ihr an eine Molkerei verkaufen könnt, müsst ihr zunächst einmal Heu und Stroh herstellen, mit denen die Kühe dann gefüttert werden. Und das geht so: 1 Wir gabeln zuerst einen frisch gepressten Orangensaft... verzeihung, Heuballen mit einem Traktor auf, der über einen Frontlader mit Palettengabel verfügt. 2 Nachdem wir zur Futtermischmaschine gefahren sind, muss der Ballen per Maussteuerung in die Mischvorrichtung bugsiert werden. 3 Wir wiederholen das Ganze mit einem Strohballen. Hier leistet sich die Physikengine oftmals Aussetzer, die wahlweise den Traktor oder den Ballen wild durch die Gegend hüpfen lassen. 4 Nun braucht es noch ein wenig Silage, um im richtigen Mischungsverhältnis eine leckere und gesunde Mahlzeit für die Rinder daraus zu machen. 5 Die Futtermischung wird in die Tröge im Stall gekippt. 6 Das Ergebnis: Glückliche und satte Kühe!
 
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