Kingdom Under Fire - The Crusaders

Kingdom Under Fire - The Crusaders Test+

Nach 16 Jahren erstmals auf PC

Hagen Gehritz / 12. Mai 2020 - 8:42 — vor 2 Jahren aktualisiert

Teaser

Wunschtest eines Topspenders der Weihnachtsaktion 2019: Der HD-Port des Xbox-Originals ist in manchen Aspekten sichtlich gealtert, doch die Mischung aus Strategie und Hack&Slay zieht nach wie vor.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Beim ersten Blick auf Kingdom Under Fire - The Crusaders mag man sich mit Grausen abwenden, das Banner wegwerfen und Richtung Hügel fliehen. Aber das ist schon etwas ungerecht, handelt es sich bei dem Titel vom südkoreanischen Entwickler Blueside doch nicht um ein neues Spiel, sondern um einen HD-Port des 2004-er Originals für die Xbox. Und da sich der aktuellste Teil Kingdom Under Fire 2 mit MMO-Elementen von den Wurzeln der Reihe entfernt hat, haben PC-Spieler damit erstmals die Chance, den originellen Mix aus Hack&Slay und Strategie zu erleben. So auch der Autor dieser Zeilen.

Diese Besprechung von Kingdom Under Fire - The Crusaders kam auf besondere Weise zustande: Im Zuge der Weihnachtsaktion 2019 hat Chorazeck als einer unserer Topspender der Aktion das Recht bekommen, sich einen Test zu wünschen. Er sandte uns mehrere Vorschläge und unsere Wahl fiel schließlich auf diesen Titel. Sonst wäre die Neu-Veröffentlichung von The Crusaders wohl unter meinem Radar durchgeflogen. Daher bin ich – soviel schon vorweg – ganz froh um diesen Joker-Einsatz.

Kingdom Under Fire - The Crusaders dreht sich um einen Krieg zwischen vier Fantasy-Fraktionen um eine heilige Stätte. Jede Fraktion stellt eine eigene Kampagne, die im Schwierigkeitsgrad steigen und zusammen auf 38 Missionen kommen. Dadurch kommt es auch vor, dass ihr dieselbe Schlacht erst aus Sicht der einen, dann vom Blickwinkel der anderen Partei aus miterlebt.
Gegen untote Orks erleichtern euch die Zauber von Paladinen das Leben sehr.
 

Ein-Mann-Kreuzzug

Eure wichtigste Einheit ist der Infanterie-Trupp, der vom Helden der jeweiligen Fraktion und seinen Adjutanten angeführt wird. Wird der Trupp aufgerieben, ist die Mission gescheitert – der Held selbst hat keine separate Lebensleiste, um die ihr euch sorgen müsstet. Generell müsst ihr euch wenig um die überlebensgroßen Kämpfer sorgen. Markiert ihr mit dem linken Stick einen Marschpunkt für diese Garde, der sie mit Gegnern konfrontiert, steuert ihr im folgenden Kampf direkt den Helden. Das erinnert sehr an Massenprügler wie Dynasty Warriors, auch wenn ihr hier "nur" Dutzende und nicht direkt hunderte Orks und Dunkelelfen und Untote weghaut.

Am effektivsten ist es dabei, den gegnerischen Anführer zu erledigen, damit die Moral direkt kippt. Im dichten Gewusel eurer und der feindlichen Truppen ist der trotz erkennbar anderer Rüstung nicht immer aufzutreiben und bleibt gerne auch verschwunden. Dann wird es trotz mächtiger Spezialattacken mühsam, den Trupp bis auf den letzten Feind niederzumachen. Wenn nämlich nur noch ein bis zwei Feinde übrig sind, fangen viele eurer Soldaten schon an zu jubeln, statt diszipliniert noch die letzten Überlebenden umzuhauen, die teils in der Menge eurer Leute schwer auszumachen sind. Für den totalen Übersichtsgau fand die Begegenung in einem Wäldchen statt, wo die Kamera gerne viele Bäume, aber wenig Kampfgeschehen einfängt.
Die Adjutanten eurer Helden entfesseln ebenfalls mächtige Spezialangriffe für Fertigkeitspunkte.
 

Die Kunst des Krieges

Aber es ist eben etwas anderes, ob ihr nun die ganze Zeit stumpf draufhaut und dabei hin und wieder mit kleinen Macken zu kämpfen habt oder ob ihr dies dynamisch im Wechsel mit einer anderen Mechanik tut wie in Kingdom Under Fire - The Crusaders. Euer Held ist das Aufräumkommando und der Joker in brenzligen Situationen. Aber genau so oft, wie ihr euren Helden direkt ins Feld führt, gebt ihr in hoher Taktfrequenz Marschbefehle an andere Truppen, die ihr auch bei einem Angriff nie direkt übernehmt: Infanterie, Pioniere, Lanzenträger, Kavallerie und Artillerie stehen zur Verfügung. Zwischen Schlachten könnt ihr die Truppen ausrüsten und verbessern, etwa von einfachen Pionieren zu feuerlegenden Pyrotechnikern oder von schwerer Kavallerie zu Sturmvogel-Reitern.

Wenn ihr mit dem linken Stick direkt aus der Verfolgerperspektive oder, bequemer, per einblendbarer Karte einen Zielpunkt vorgebt, setzen sich die Mannen direkt in Bewegung. Ihre Geschwindigkeit hängt dabei von der Formation ab. Die öffnet oder schließt ihr per Schultertasten: Bei offener Formation sind die Truppen schneller und weniger leicht für Artillerie zu treffen, aber ein leichtes Ziel für einen Sturmangriff der Kavallerie. Aus einem laufenden Gefecht lösen sich Truppen jedoch nicht so leicht und eine Reitertruppe im Galopp muss natürlich erstmal die Gäule wenden – so steuern sich die Truppen ein wenig wie Schlachtschiffe.

Was die Scharmützel auszeichnet, sind viele kleine, feine Details, die aber nie zu komplex werden, als dass man nicht zumindest kurz ohne große Sorgen direkt reinhauen kann. Aber der Sieg ist deutlich leichter errungen, wenn ihr Fertigkeiten und Zauber richtig nutzt, wenn ihr etwa den Gegner mit der Sonne im Rücken angreift, damit er geblendet ist, oder wenn ihr den Wald hinter lauernden Elfen an einem Flussufer mit Brandpfeilen anzündet, damit diese ihre Stellung aufgeben und ihr unbeschadet mit den Truppen durchs Wasser waten könnt. Dabei ist der Weg zum Sieg aber meist durch die Missionsstruktur klar vorgegeben – ihr müsst nicht groß kreativ werden, lediglich die Gegebenheiten des Terrains ausnutzen und die Trupptypen geschickt einsetzen. Auf dieser Ebene bietet Kingdom Under Fire - The Crusaders eine motivierende wie ungewöhnliche Spielerfahrung.
Die Fertigkeitslevel eurer Anführer bringen neue Manöver und ermöglichen Level-ups der Truppen. Die humorvollen Illustrationen der Fertigkeiten sind ein netter Bonus.
 

Nicht der beste Port

An Dynasty Warriors erinnert auch der überzeichnete Heavy-Metal-Soundtrack, dessen Schrammelgitarren die Fantay-Schlachten untermalen. Die Musik ist dabei der audiovisuelle Höhepunkt. Nach dem Lob für den spielerischen Kern folgt jetzt nochmal eine Dosis Gemecker über Nebenschauplätze: Die Geschichte bietet wenige Cutscenes in der schauderlichen Grafik. Stattdessen gibt es viele Textboxen (die übergroßen Texte und Anzeigen wirken übrigens nicht, als wären sie von der Auflösung angepasst worden), die aber vertont sind. Die wiederverwendete alte deutsche Vertonung (auch die englische Synchro klingt wie aus dem Original) wirkt aber nach heutigen Standards trotz sympathischer Sprecher recht steif – und klingt verrauscht. Das ist aber immer noch besser als manche Soundeffekte wie Sturmfluten oder der Siegesjubel der Truppen, die schlicht übersteuert aus den Boxen krachen und scheppern.

Blueside verpasst die Chance, mit einer gelungenen PC-Steuerung die größtenteils gute, aber beim Zielen etwas hakelige Controller-Steuerung mit guter Mausbedienung zu toppen. Stattdessen wurde die Bedienung mit Maus und Tastatur eher notdürftig drangepappt. Die Tastenbelegung ist unintuitiv, die Möglichkeiten der Maus werden nicht wirklich genutzt und das Interface passt sich nicht an, sondern zeigt weiter die Gamepad-Knöpfe (aber nach Standard der Xbox One Controller) statt die entsprechenden Tasten an.

Autor: Hagen Gehritz

 
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Meinung: Hagen Gehritz

Kingdom Under Fire - The Crusaders erschien zuerst vor 16 Jahren und das sieht man sofort. Ich kann es nicht anders sagen, der Ersteindruck ist abschreckend. Hier und da gibt es eine schicke Textur, aber diese öden Umgebungen, die steife Sprachausgabe und diese Visagen, in denen ich die Polygone einzeln zählen kann! Aber auch wenn eine anstürmende Orkarmee durch das in die Jahre gekommene Technikgerüst keine epische Schlachtstimmung mehr erzeugt: Die ungewöhnliche Spielmechanik ist um einiges besser gealtert.

Auch hier gibt es klare Schwächen wie die hakelige Steuerung oder das unübersichtliche Gerangel beim Verprügeln der Feinde mit Helden. Doch beim Spielen überwog bei mir klar der Spielspaß beim Flankieren der Feinde mit der Kavallerie oder dem Anzünden des Waldes, in dem sich die Gegner verschanzen. Ich erlebe die Schlacht durchweg nah an den Truppen; wenn ich den Befehl für Brandpfeile gebe, sehe ich, wie einer der Kompanie die Reihe abläuft, um die Pfeile anzuzünden, während der Feind näherrückt. Die vielseitigen, aber nicht überkomplexen taktischen Möglichkeiten dicht an meinen Leuten statt distanziert von oben auszuschöpfen, gibt dem Schlachtgeschehen etwas Mitreißendes – in dieser Form hatte ich das bei keinem anderen Spiel als bei Kingdom Under Fire - The Crusaders. Das versöhnt mich mit den vorhandenen Schwachpunkten.
KUF - The Crusaders PC
Einstieg/Bedienung
  • Einfache Kampagne dient als Tutorial
  • Optionales Training für jeden Truppentyp
  • Zielen etwas hakelig
  • Tastatur/Maus-Steuerung schlecht eingebaut
  • Keine Übersicht der Helden-Schlagkombos
Spieltiefe/Balance
  • Ungewöhnliche Genre-Mischung
  • Viele taktische Faktoren: Terrain, Wetter, Formation, Fertigkeiten
  • 38 Missionen in 4 Kampagnen
  • Trupps und Ausrüstung detailliert anpassen
  • Mächtige Spezialattacken im direkten Kampf
  • Über ein Dutzend Truppentypen plus fraktionsexklusive Einheiten
  • Direkter Kampf unübersichtlich
  • Während Missionen keine Checkpoints
  • Letzte Überlebende eines Feindtrupps aufspüren ist mühselig
  • Mission gibt meist grundlegende Taktik vor
  • Story spielt sich überwiegend in statischen Textbox-Dialogen ab
Grafik/Technik
  • So einige Modelle und Gebäude haben schön scharfe Texturen
  • Ladezeiten dauern nur einen Wimpernschlag
  • Grafik überwiegend schauderhaft
  • Kamera zeigt teils lieber Umgebung als Geschehen
  • Irritierend wackelnde Kamera auf Weltkarte
  • Auflösung von Texten und Anzeigen nicht angepasst
Sound/Sprache
  • Überdrehte Gitarrenriffs
  • Originale deutsche Vertonung enthalten
  • Deutsche Synchro nicht gut gealtert
  • Einige Sprachaufnahmen übersteuern
  • Grammatikalische und inhaltliche Fehler bei Item-Texten
Multiplayer
Im Port nicht vorhanden
7.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Minimum: Win 7, Core 2 Duo/ Athlon 64x2 5600, GT 420/ HD 6850, 4 GB RAM, 2 GB Speicherplatz
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Hagen Gehritz 12. Mai 2020 - 8:42 — vor 2 Jahren aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 97051 - 12. Mai 2020 - 0:51 #

Ich wünsche viel Spaß mit dem Test. Ich hatte auf jeden Fall welchen.

Chorazeck 26 Spiele-Kenner - - 75692 - 12. Mai 2020 - 17:16 #

Vielen Dank für den guten Überblick - freut mich das es sich für mich lohnen wird

Danywilde 30 Pro-Gamer - - 132870 - 12. Mai 2020 - 12:51 #

Eine schöne Auswahl Chorazeck, von diesem Spiel hätte ich sonst nie gehört.

Kannst Du noch sage, wie Du auf das Spiel gekommen bist?

Die Optik schreckt mich allerdings schon etwas ab, aber ich behalte es mal im Hinterkopf!

Chorazeck 26 Spiele-Kenner - - 75692 - 12. Mai 2020 - 16:47 #

Hatte es zufällig auf Steam gesehen und damals auf der Xbox vollends verpasst. Klingt, trotz Grafik, interessant genug es zu kaufen. Ich liebe solche Genremixe!

Bantadur 17 Shapeshifter - - 7043 - 14. Mai 2020 - 12:32 #

Sehr schön, dass auf diesem Wege dieses ungewöhnliche Spielkonzept unter die Leute gebracht wird. Ich wäre sonst auch nie über den Titel gestolpert.

Epic Fail X 18 Doppel-Voter - - 10064 - 12. Mai 2020 - 8:58 #

Und plötzlich wirkt M&B: Bannerlord wie ein wundervoller, farbenfroher Schmetterling. Interessant sieht das Spiel aber allemal aus.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 97051 - 12. Mai 2020 - 13:28 #

Mit Mount & Blade hat Kingdom Under Fire wirklich das Kommandieren vom Schlachtfeld aus gemeinsam. KUF ist dabei aber etwas geordneter und beherrschbarer: Man spielt nicht nur seinen Helden, sondern schaltet die Einheiten durch, Befehle auf dem Schlachtplan geben ist ebenfalls eine Erleichterung und ganz besonders sind die Kommandos eben nicht in einem verschachtelten Menü auf den F-Tasten verborgen.

thoohl 19 Megatalent - - 19510 - 12. Mai 2020 - 9:05 #

Laut Steam gibt es auch einen zweiten Teil !?

Hagen Gehritz Redakteur - P - 97051 - 12. Mai 2020 - 9:11 #

Ja, aber wie in der Einleitung beschrieben ist KUF2 in Richtung MMO gewandert.

thoohl 19 Megatalent - - 19510 - 12. Mai 2020 - 18:27 #

Glatt überlesen..

bluemax71 18 Doppel-Voter - - 9828 - 12. Mai 2020 - 10:57 #

Hm sieht ja wirklich etwas abschreckend aus. Spontan würde ich zu den Elfen tendieren, keine Ahnung warum ;-)
Vielleicht schaue ich es mir mal an.

ZockerVater 23 Langzeituser - - 44106 - 12. Mai 2020 - 11:05 #

Hast du die Sprachversion immer wieder gewechselt oder warum sehe ich deutsch und englisch im Video quasi zu ähnlichen Anteilen?

Hagen Gehritz Redakteur - P - 97051 - 12. Mai 2020 - 11:28 #

Habe für eine Mission auf Englisch gewechselt, um zu sehen ob es funktioniert und die Synchros vergleichen zu können.

BobaHotFett 13 Koop-Gamer - 1516 - 12. Mai 2020 - 11:11 #

Kuriose Wahl.

Slaytanic 25 Platin-Gamer - - 60200 - 12. Mai 2020 - 11:38 #

Das finde ich auch. ;)

soulflasher 15 Kenner - P - 3024 - 12. Mai 2020 - 11:53 #

Ancestors(Legacy) lief ja auch nur so unter dem Radar.

rammmses 21 AAA-Gamer - P - 28111 - 12. Mai 2020 - 15:34 #

Das profitiert ja nicht gerade von "HD", da lieber verwaschen auf einem Röhren-TV ;) Aber echt gar keinen Aufwand reingesteckt, selbst die riesigen Texte aus der Zeit von kleinen TV haben sie nicht verändert.

TheRaffer 22 Motivator - - 33863 - 14. Mai 2020 - 17:52 #

"Fremdschämige Kampfbikinis"...stimmt...
Schade, dass die M&T Steuerung offenbar so misslungen ist. :(

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 217586 - 14. Mai 2020 - 19:20 #

:d3|1c10u5:d4rk:3|v3n:bu++ch33k5:^^

The Real Maulwurfn 17 Shapeshifter - P - 6776 - 14. Mai 2020 - 19:32 #

Und du wunderst dich, das Kommentare von dir verschwinden.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 97051 - 14. Mai 2020 - 21:19 #

Die scheinen mir aber auch mit das Hochauflösendste im ganzen Spiel. Buttocks Under Fire?

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 217586 - 14. Mai 2020 - 23:00 #

^^

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 71365 - 21. Mai 2020 - 10:05 #

Ok, danke für diesen Hinweis, jetzt konnte ich es tatsächlich entziffern. ;-)

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 71365 - 21. Mai 2020 - 10:06 #

Interessanter Joker, von der Reihe hatte ich bisher noch gar nichts gehört. Leider scheint ja auch die PC-Umsetzung eher auf dem Niveau von damals zu sein. "Press ´ to show keyboard/mouse settings". WTF?!