Überflieger mit Fingerschmerzen

Kid Icarus - Uprising Test

Zwei Dekaden sind eine lange Zeit, aber nicht lange genug, um eine der ältesten Nintendo-Serien in Vergessenheit geraten zu lassen: Kid Icarus. Das jüngst erschienene Uprising verspricht ein Grafikspektakel der Extraklasse in 3D und lockt mit zahlreichen Spielmodi und Augmented Reality-Features. Kann es die hohen Erwartungen erfüllen?
Florian Pfeffer 6. April 2012 - 0:34 — vor 7 Jahren aktualisiert
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 Alle Screenshots stammen von GamersGlobal. Sie wurden von uns per Pixel-Verdreifachung vergößert, wirken auf den kleinen Bildschirmen des 3DS aber natürlich viel schärfer.

Der Jubel unter den Zuschauern war groß, als Nintendo auf der E3-Pressekonferenz im Juni 2010 im Rahmen der Vorstellung ihres neuen Handhelds 3DS einen Nachfolger für ein fast 20 Jahre altes Spiel ankündigte: Kid Icarus. Nun sind wieder fast zwei Jahre vergangen, die Erwartungshaltung der zahlreichen Fans ist noch weiter gestiegen -- und das Spiel landete vor zwei Wochen endlich auf dem inzwischen nicht mehr ganz so taufrischen Handheld. Wir sind mit folgender Frage an den Test gegangen: Schenkt uns das große N eine würdige Fortsetzung -- oder wurde ein bisschen 3D in eine uralte Marke gesteckt, und Kid Icarus befindet sich im freien Fall? Was für eine Frage! Denn soviel sei vorweg genommen: Auch wenn die Steuerung, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig ist, hat Masahiro Sakurai, der auch schon für die Kirby- und Super Smash Bros.-Reihen verantwortlich zeichnete, das Projekt alles andere als in den Sand gesetzt.
 
Pit gegen die Medusa
In Kid Icarus – Uprising übernehmt ihr erneut die Rolle des Engels Pit, der von der Göttin Palutena beauftragt wird, die Welt vor der wiedererweckten, unheilbringenden Medusa und ihren Horden zu retten. Im Verlauf der Handlung mischen sich weitere Gottheiten wie Viridi, die Göttin der Naturkräfte, oder der Sonnengott Pyrrhon in den Konflikt ein. Die Handlung ist durchaus als komplex und sehr gut durchdacht zu bezeichnen – selten haben wir in einem Handheld-Spiel dieser auf Action ausgelegten Machart derartig viele Charaktere mit eigener Motivation erlebt, so viele Storywendungen und so viele Überraschungen erlebt! Der Solomodus hat es wirklich in sich, und wenn ihr die Geschichte bis zum Ende mitverfolgt, wird euch nicht nur einmal die Kinnlade herunterfallen. Da fast alle weiteren Berichte über die Story zu massiven Spoilern ausarten würden und wir euch das wirklich nicht antun wollen, haken wir sie aber unter "sehr gut gemacht" ab und kommen stattdessen gleich zum wohl umstrittensten Punkt des neuen Kid-Icarus-Spiels: der Steuerung. Nein, vorher wollen wir noch die Grafik loben, die aus der 3D-Fähigkeit des kleinen Handhelds wirklich sehr viel herausholt, gerade in den Flugszenen.
 
Frust und Lust am Plastikständer
Schon im Vorfeld wurde viel über die angeblich missglückte Steuerung diskutiert. Das 3DS gleichzeitig mit der linken Hand festzuhalten, zum Angreifen mit dem linken Zeigefinger auf die linke Schultertaste zu tippen und mit dem Daumen den Analogstick zu drehen, um herumzurennen, während gleichzeitig mit der rechten Hand der Stylus zu halten ist und damit auf dem unteren Bildschirm herumgefummelt werden muss (zum Bewegen des Fadenkreuzes), ist wahrscheinlich tatsächlich nicht die beste aller Designentscheidungen. 

Weil auch Nintendo offensichtlich erkannt hat, dass damit nicht nur Spielefans aus dem eigenen Land mit tendenziell kleineren Händen, sondern auch westliche Gamer mit ihren Patschern Probleme bekommen dürften, haben die Vertriebler aus Japan gleich verschämt einen nicht gerade massiven Plastikständer für den Handheld mit in die Packung gelegt. Darauf könnt ihr den 3DS ablegen (er wird dann von zwei Gummiplättchen, nun ja, "festgehalten") und das gesamte Teil vor euch auf den Tisch stellen. Sollte das von der Höhe her ein Schreibtisch sein, ist alles bestens, bei einem Couchtisch jedoch müsst ihr euch ein wenig herunter beugen, um den 3D-Effekt buchstäblich nicht aus den Augen zu verlieren. Mit dem beim 3DS mitgelieferten Plastikständer, dem Circle Pad Pro und dem Kid-Icarus-Halterchen benötigen wir demnächst einen Koffer zum Transport des eigentlich doch so kompakten Geräts. Aber immerhin: Wer den Plastikständer nutzt, wird in der Tat weniger verkrampfen beim längeren Spielen. Absolut notwendig ist er jedoch nicht, macht einfach öfters mal Pause, dann geht es auch.
 
Die Steuerung am Boden ist schwerer zu erlernen als am Himmel -- und kann bei langer Spielzeit zu Schmerzen führen.
Fliegen problemlos,
Laufen tut bald weh
Bei den Flugsequenzen ist die Steuerung noch einigermaßen problemlos, da ihr theoretisch mit dem Analogstick in der linken Hand eure Flugbahn beeinflussen und mit dem Daumen der rechten Hand ballern könnt, ohne den Stylus überhaupt zu benutzen. Hakelig wird es dann erst beim Übergang zu den Bodenabschnitten, wo ihr zum Stiftchen greifen und damit auf dem unteren Touchscreen das Fadenkreuz (und mit diesem auch die grobe Blickrichtung) bewegen müsst. Kid Icarus mal eben in der S-Bahn zu spielen, dürfte also schwierig werden. Alternativ tut es natürlich auch der Ständer des Circle Pad Pro, falls ihr das Teil euer Eigen nennt. Dabei könnt ihr aber nicht die Funktion des Touchscreens auf das rechte Analogpad legen, vielmehr spiegelt dieses das linke. Toll für Linkshänder, aber eine verpasste Chance für alle anderen. Warum die Entwickler sich nicht zumindest
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bei den Bodensequenzen für einen eleganteren Weg der Bedienung entschieden haben, bleibt ein wenig unverständlich. Zumindest hätte man die „Zeichenstrecken“, die ihr mit dem Stylus zurücklegen müsst, um das Fadenkreuz zu bewegen, verkürzen sollen, damit ihr nicht ständig wieder den Stift ab- und neu aufsetzen müsst.
 
Letzten Endes werdet ihr euch aber früher oder später genauso an die umständliche Steuerung gewöhnen, wie wir, und so nach etwa ein bis zwei Stunden Kid Icarus  buchstäblich in den Griff bekommen. Nachdem wir ein paar Mal fast soweit waren, den Stylus aus Steuerungsfrust heraus dem nächstbesten Redaktionskollegen an den Kopf zu werfen, kam dann doch der Aha-Effekt und wir konnten das Spiel plötzlich wie im Schlaf bedienen. Sehr einsteigerfreundlich ist das alles zwar nicht, aber immerhin könnt ihr euch von diesem Moment an auf den eigentlichen Spielinhalt von Kid Icarus konzentrieren. Dennoch schlagen wir für die nächste Auflage folgenden Warnhinweis auf der Packung vor: „Achtung! Dieses Spiel kann Handkrämpfe auslösen und bei übermäßigem Gebrauch das Karpaltunnelsyndrom verursachen!“

Der Bosskampf gegen Medusa ist einer der wenigen, bei denen wir auch fliegen dürfen. Wie die meisten der spannenden Bosskämpfe gliedert sich auf dieser in mehrere Phasen. Nach dem Sieg folgt eine der vielen Story-Überraschungen.
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