Test: Weniger Blut, mehr Spaß?

Injustice Test

Ed Boon steht für Mortal Kombat wie kaum ein anderer. Nach dem DC-Crossover vor bald fünf Jahren schickt er Batman und Co. erneut in die Schlacht gegen Schurken wie den Joker oder Lex Luthor – nun allerdings ohne die MK-Kämpfer. Unser Test verrät, ob die Netherrealm Studios auch ohne Scorpion und Baraka das Prügelgenre beherrschen.
Benjamin Braun 16. April 2013 - 15:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wer an Ed Boon und die Netherrealm Studios denkt, hat eigentlich nur eines im Kopf: Mortal Kombat. Für Boon und sein Studio war das schon lange mehr Fluch als Segen, da diese Festlegung der kreativen Freiheit deutliche Grenzen aufzeigte. Trotzdem gelangen Boon zwar immer wieder Genre-Neuerungen wie unterschiedliche Kampfstile oder der storylastige Conquest-Modus, aber so richtig gedankt hat es ihm eigentlich niemand. Das gilt ganz besonders für das Jahr 2008, in dem die Netherrealm Studios mit Mortal Kombat vs DC Universe ein Crossover veröffentlichten, in dem Mortal-Kombat-Urgesteine  wie Scorpion oder Fanlieblinge wie Baraka gegen das Personal der DC Comics antraten. Im Jahr 2013 wagt sich die Spieleschmiede erneut an ein Prügelspiel mit Batman, Lex Luthor und Deathstroke: In Injustice - Götter unter uns allerdings prügeln sich Comic-Charaktere der DC Comics allein. Und zwar ohne blutrünstige Finisher, dafür mit einigen frischen Ideen und auch diversen Überschneidungen mit Mortal Kombat.

Weg vom BlutklopperVor knapp zwei Jahren veröffentlichten die Netherrealm Studios ihr bislang letztes Mortal Kombat, das hierzulande aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung rasch indiziert wurde. Im Wesentlichen lieferte es genau das, was die Fans sich erhofft hatten: keine dreidimensionalen Kämpfe mehr, ultrabrutale Finisher und vor allem eine starke Rückbesinnung (man könnte auch sagen: Remake) auf die unter Fans bis heute geliebten ersten drei Teile. Für Injustice – Götter unter uns haben sich die Entwickler von der starken Gewaltdarstellung verabschiedet und schieben mit zwölf Helden und zwölf Schurken aus den DC Comics weniger blutrünstige Protagonisten in den Mittelpunkt. Denn nicht nur die Guten wie Batman verzichten darauf, ihrem Gegenüber nach dem Sieg endgültig das Licht auszublasen, sondern auch die Bösen wie Joker, Killer Frost oder Doomsday. Selbst die sogenannten „Heroic Brutalities“, wie sie in Mortal Kombat vs DC Universe zum Einsatz kamen, sind entfallen. Blut spritzt zwar, aber von den Blutfontänen aus der Mortal-Kombat-Serie ist Injustice weit entfernt.

Reichhaltige MovesJeder der 24 Kämpfer verfügt über drei  Standardangriffe, die durch die Richtungstasten zu speziellen Schlägen umgemünzt werden können. Allein dadurch ergeben sich je nach Kämpfer vier bis sechs weitere Attacken, hinzu kommen je zwei Würfe pro Charakter. Gerade die per Richtungstasten getweakten Schläge und Tritte sind gut geeignet, um längere Komboangriffe zu starten und somit besonders viel Schaden im Rahmen einer einzigen flüssigen Angriffsbewegung zu erreichen. So katapultieren bestimmte Attacken den Gegner in die Luft oder schleudern ihn an die Wand; während sie herumsegeln, könnt ihr sie weiter attackieren. Green Lantern etwa greift sich mithilfe seines Rings den Gegner, zieht ihn in die Luft und schmettert ihn dann mit Wucht auf den Boden, woraufhin er noch einmal aufdotzt. Damit eine darauffolgende Schlagkombo sitzt, müsst ihr Schlagabfolge und Timing exakt zur Position des Gegners abstimmen. Als Verteidiger könnt ihr diese Angriffswelle per Brecher unterbinden, was allerdings nur unter Einsatz eines Teils der Superleiste möglich ist – dazu später mehr.

Generell sind die Möglichkeiten im Kampf recht vielfältig. Batman beispielsweise nutzt seinen Greifhaken, um sich zu seinem Opponenten zu ziehen und mit einem gewaltigen Tritt gegen den Brustkorb durch den Ring zu pfeffern. Tritt er ihn im Anschluss in die Luft, kann er ihn gleich wieder mit einem nach schräg oben gerichteten Haken angreifen, mit einem Sprungschlag zusetzen oder eine Ladung scharfkantiger Objekte auf ihn rieseln lassen. Da das natürlich jeweils eine ganz andere Tastenkombination erfordert, ist die Koordination ohne entsprechende Übung gar nicht so leicht. Aber auch für die normalen Spezialangriffe ist eine gewisse Übung von Vorteil. Der Joker wirft zum Beispiel explosive künstliche Gebisse oder nutzt seine Pistole, um einen Schuss auf seinen Gegner abzugeben.

Batmans Superaktion ist eine der besten. Erst kommt die Rauchbombe, dann der Schocker und schließlich das Batmobil.
Welche dieser Spezialangriffe am effektivsten ist, kommt ganz auf den Gegner an. Denn alle 24 Akteure spielen sich vollkommen anders, was gegen den einen wunderbar funktioniert, lässt den nächsten kalt. Das gilt insbesondere für längere Kombos, weshalb ihr eure Fähigkeiten nicht „spammen“, sondern überlegt einsetzen solltet. Das Gute daran: Trotz der mitunter großen Unterschiede im Kampfverhalten hat keiner der Kämpfer große Vor- oder Nachteile im Duell, da die Balance stimmt. Nur fällt das gegen die KI nicht gleich auf. Ihr blockt im Gegensatz zum letzten Mortal Kombat nicht durch das Drücken einer bestimmten Taste, sondern durch eine Richtungsangabe mit dem Analogstick. Das erfordert eine gewisse Eingewöhnung und klappt dann leidlich, doch auch nach vielen Stunden wünschten wir uns noch das aus MK bekannte System
zurück.

Spaßige Super-AktionenMit den Angriffen und erlittenen Treffern ladet ihr eure Superleiste auf, die euch Zugriff auf verstärkte Spezialangriffe gewährt. In Injustice nennen sie sich schlicht „Superverbrenner“. Sie verursachen besonders viel Schaden und sind teilweise nur in der Luft ausführbar. Ein Balken in der Superleiste erlaubt euch zudem den Zugriff auf die Bonusfähigkeiten des jeweiligen Charakters. Wonder Woman etwa kämpft normalerweise mit ihrer Peitsche und greift bei aktivierter Bonusfähigkeit mit Schild und Schwert an. Andere Charaktere wie Lex Luthor erleiden bei aktivierter Bonusfähigkeit weniger Schaden und teilen etwas mehr aus.

Die Kämpfe laufen nicht in Runden ab, stattdessen verfügt jeder Kämpfer über zwei Energiebalken. Ist der erste geleert, wird der Kampf kurz unterbrochen, die Energieleiste des anderen Kämpfers bleibt davon aber stets unbeeindruckt. Nachdem der erste Balken der Gesundheitsanzeige geleert ist, besteht außerdem einmal pro Match die Möglichkeit, mit einem Brecher einen sogenannten „Konflikt“ einzuleiten. Dann startet eine Sequenz, in der beiden Spieler einen Teil ihrer Superleiste einsetzen können. Gewinnt der Verteidiger den automatisch ablaufenden Zusammenprall, erhält er Gesundheit zurück, wobei sowohl sein Einsatz als auch der des Angreifers berücksichtigt werden. Nur wenn der Verteidiger mehr gesetzt hat, gibt es auch ein
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e fette Gesundheitsbelohnung. Verliert der Verteidiger, verliert er entsprechend Lebensenergie.

Ist die Superleiste komplett aufgeladen, könnt ihr die sogenannte Super-Aktion starten. Sie funktioniert im Prinzip genauso wie die X-Ray-Attacke aus dem letzten Netherrealm-Spiel und besteht folglich aus einer nicht zu unterbrechenden Folge von Angriffen. Superman schnappt sich etwa seinen Gegner, fliegt mit ihm hoch in die Wolken und wirft ihn mit einem mächtigen Schlag wieder auf den Boden zurück. Diese Angriffe können mit gutem Timing allerdings geblockt werden, der Angreifer muss zudem darauf achten, dass er sich in einer adäquaten Position befindet. Der erste Teil der Super-Aktion muss also sitzen, damit ihr davon profitiert. Da die Super-Aktionen immer nach demselben Muster ablaufen und eine längere Sequenz nach sich ziehen, werdet ihr euch aber bald ärgern, dass ihr letztere nicht abbrechen könnt. Dafür sind einige sehr coole Aktionen dabei, die auch eine gesunde Portion Trash nicht vermissen lassen. Sehr gut gefallen hat uns zum Beispiel Batmans Super-Aktion, in deren letzten Abschnitt er per Funk sein Batmobil ruft und den Gegner überfahren lässt.
before
after
... PS3-Fassung rechts. Beim Detailgrad nehmen sich die beiden Versionen wenig, im 720p-Modus ist auf PS3 aber gelegentliches Kantenflimmern an den Kämpfern zu beobachten.
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