Draufgänger mit Superkräften

Infamous - Second Son Test

Christoph Vent 20. März 2014 - 15:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
Nicht nur optisch ein Highlight: Die berühmte Space Needle klettert ihr bei bester Aussicht an der Außenfassade hinauf.
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Gelungene SpielweltDie Spielwelt bietet mit der Zukunftsversion von Seattle nicht nur eine willkommene Abwechslung zu üblichen Städte-Szenarios wie New York oder Los Angeles, sondern wird auch vorbildlich ins Spiel eingebunden. Vor allem die zwei größten Wahrzeichen Seattles, die Space Needle und die markante Monorail, sind die meiste Zeit über präsent. Dementsprechend spannend ist auch eine Mission im frühen Spielverlauf, in der ihr auf den Aussichtsturm hinauf müsst. Allerdings sind – was für ein Zufall – die Aufzüge defekt, sodass ihr bei bester Aussicht die Außenfassade hinaufklettert und euch an Stromkabeln entlang hangelt – spannend!

An ein Los Santos in Grand Theft Auto 5 (GG-Test: 10.0) kommt Seattle aber nicht heran. Das liegt zum einen am fehlenden Leben in der Stadt. Zwar fahren Autos über die Straßen und spazieren Fußgänger durch die Gegend, sie erwecken aber nicht den Eindruck, als würden sie tatsächlich ein Eigenleben führen. Die Monorail etwa dreht ihre Runden, ohne Halt an den Stationen zu machen – Passagiere gibt es hier wohl keine. Zum anderen fehlt es der Metropole abseits von Space Needle und Monorail an echten Wiedererkennungspunkten, wobei einzelne Stadtteile wie Chinatown dennoch ihre optischen Eigenheiten haben. Da ihr aber die meiste Zeit über die kürzeste Route über die Dächer hinweg wählen werdet und euch sowieso nicht hinter das Steuer von Fahrzeugen klemmen dürft, lernt ihr auch nicht beiläufig das Straßennetz auswendig.

Viele kleine Nebenaufgaben
Ob Superkräfte oder Explosionen: Die Grafik und die Effekte in Second Son überzeugen auf ganzer Linie.
Auch abseits der Hauptgeschichte gibt es viel in Seattle zu erledigen. In jedem Stadtteil gilt es etwa den Einfluss des D.U.P. zu drücken. Das geht zum Beispiel durch das Zerstören von Überwachungskameras und Kontrollpunkten oder aber das Sprühen von Graffitis. Wo sich solche Miniaufgaben verstecken, seht ihr auf der Minikarte. Sinkt der D.U.P.-Einfluss auf einen Wert unter 30 Prozent, steht ein finaler Kampf um das Viertel an. Jetzt rücken noch mal besonders viele Truppen an. Besiegt ihr sie, ziehen sie sich endgültig aus dem Stadtteil zurück und ein Schnellreisepunkt wird freigeschaltet. Pro Viertel stehen auch einige kleine Nebenaufgaben bereit, in denen ihr Geheimagenten ausschaltet oder Audioprotokolle mit dem Handy ortet. Wer Gefallen an solchen Aufgaben hat, wird hier noch einige Stunden über die Hauptkampagne hinaus beschäftigt sein.

Tolle Technik Nicht nur angesichts der Tatsache, dass es sich um ein PS4-Spiel der ersten Generation handelt, macht Infamous - Second Son eine sehr gute Figur. Schon der Einstieg in dem kleinen Küstenörtchen macht optisch einiges her, einmal in Seattle angekommen legen die Entwickler aber noch eine Schippe drauf. Besonders die knallbunten, teils bildschirmfüllenden Superkräfte hinterlassen einen grandiosen Eindruck. Die Wettereffekte müssen sich ebenfalls nicht verstecken: Die Sonne scheint uns tatsächlich zu blenden, und wenn es das erste Mal zu regnen beginnt, bleiben wir tatsächlich kurz stehen und beobachten die sich ausbreitenden Ringe in den Pfützen. Danach trocknen die Straßen unterschiedlich stark ab. Zerschlagen wir einen Briefkasten, flattern unzählige Papierstücke durch die Luft.

Alternativen
Voraussetzung, um Second Son folgen zu können, sind Infamous (GG-Test: 8.0) und Infamous 2 (GG-Test: 8.5) nicht, dennoch lohnen sich die Vorgänger auch heute noch. Ebenfalls mit Superkräften, aber deutlich härter zur Sache geht es in Prototype 2 (GG-Test: 8.0). Könnt ihr auf Superkräfte verzichten, legt aber Wert auf eine große offene Spielwelt, führt kein Weg an GTA 5 (GG-Test: 10.0) vorbei. Assassin's Creed 4 - Black Flag (GG-Test: 8.0) entführt euch hingegen in ein historisches Piraten-Szenario.
Die Weitsicht wurde – gerade im Vergleich zu den Vorgängern – stark erhöht, wobei auf eine Entfernung von etwa 200 Metern Objekte am Straßenrand aufpoppen. In der Praxis fällt das aber so gut wie nie auf. Geschummelt wird auch bei den Spiegelungen in Schaufensterscheiben: Hier erscheinen etwa keine vorbeilaufenden Passanten oder der eigene Charakter, auch reagieren die Pfützen nicht auf die eigene Spielfigur. Doch handelt es sich um Meckern auf sehr hohem Niveau. Auf Konsolen gehört Infamous - Second Son zu den derzeit schönsten Spielen. Die hohe Qualität wird jedoch durch kleinere Ruckler erkauft, in denen vermutlich die Spielwelt nachgeladen wird. Spielerisch wirkt sich das leichte Stocken aber nicht aus. Die Animationen sind zum großen Teil überzeugend. Ein paar Clippingfehler hier und dort spielen da kaum eine Rolle. Angenehm kurz fallen auch die Ladezeiten nach dem unfreiwilligen Tod aus – schon nach wenigen Sekunden seid ihr wieder einsatzbereit.

Sprachausgabe und Controllereinbindung
Benjamin Braun
Nach gut zwei Stunden in Infamous - Second Son konnte ich mir logischerweise noch kein vollständiges Bild vom Spiel machen und kann kein finales Urteil abgeben. Mich persönlich hat das Abenteuer von Delsin – von der nicht immer ganz flüssigen, aber dennoch insgesamt richtig starken Grafik zunächst mal abgesehen – bislang aber teils ernüchtert und selten begeistert. Die Inszenierung der Story ist mir gerade am Anfang übel aufgestoßen. Mir ist das alles zu sehr in die Länge gezogen und die Hauptfigur, die zwar viel, aber kaum etwas Interessantes oder zumindest Unterhaltsames zu erzählen hat, lässt mich ziemlich kalt. Ab Seattle scheint sich Second Son aber auch diesbezüglich zu fangen, wenngleich gerade der erste Teil erzählerisch meiner Erinnerung nach deutlich mehr zu bieten hatte.

Weiterspielen werde ich Second Son aber trotzdem, weil schon der Einsatz der ersten Kräfte gerade in den Kämpfen mächtig Laune macht und mir allgemein der Superhelden-/Superschurken-Ansatz gefällt. Ich vermisse trotz der coolen Kulisse, die technisch zweifellos zum Besten gehört, was es jemals auf einer Spielekonsole zu sehen gab, noch die Flüssigkeit des Spielerlebnisses, das die Vorgänger für mich ausgezeichnet hat. Aber das kann schließlich mit den weiteren Kräften noch was werden. Ob ich allerdings das üppige Open-World-Angebot wahrnehmen werde, weiß ich noch nicht. Das, was ich bislang gesehen habe, scheint mir doch größtenteils etwas für Komplettisten zu sein und dafür fehlt mir definitiv die Zeit. Für mich bleibt Infamous auch trotz der anfänglichen Enttäuschung in manchen Bereichen ein Pflichtkauf für PS4-Besitzer und für Action-Fans durchaus ein guter Grund, der bei einer noch nicht erfolgten Entscheidung zwischen Xbox One und PS4 der Sony-Konsole ein gewichtiges Argument gibt.
Die Soundeffekte als auch der Soundtrack hinterlassen kaum Grund zur Klage. Die deutsche Sprachausgabe ist hingegen durchwachsen: Einige wenige Stimmen passen nicht zu ihren Charakteren, auch die unpassenden Betonungen der Dialoge fallen des Öfteren negativ auf. Solltet ihr des Englischen mächtig sein, empfehlen wir euch die auf der Disc enthaltene Originaltonspur, die ihr direkt im Spielmenü aktivieren könnt. Wollt ihr hingegen auch englische statt deutsche Untertitel haben, müsst ihr die Konsole auf Englisch umstellen.

Vorbildlich eingebunden wurde der Lautsprecher des Controllers. Ruft euch euer Bruder oder ein anderer Informant über das Handy an, ertönt der Klingelton direkt über den Dual Shock 4. Auch einige andere Soundeffekte werden über diesen abgespielt. Der Gyrosensor kommt beim Sprayen zum Einsatz: Hier haltet ihr den Controller senkrecht in der Hand und sprüht mit der Schultertaste – so, als würdet ihr tatsächlich eine Sprühdose in der Hand halten. Aufgesetzt wirkt aber die Integrierung des Touchpads: Einzelne Türen öffnet ihr, indem ihr nach links oder rechts über das Pad streicht – intuitiv geht anders. Für einen regelrechten Fingerkrampf sorgt die Zerstörung der Kommandozentralen, da ihr hier sowohl das Touchpad halten als auch wiederholt die Schultertaste drücken müsst.

Autor: Christoph Vent (GamersGlobal)

Christoph Vent
Wer hat nie davon geträumt, mit Superkräften gesegnet zu sein? In Infamous - Second Son wird dieser Traum zur Realität. Spätestens mit dem Erlernen der dritten Kraft stehen euch unzählige irre Fähigkeiten zur Verfügung. Einfach mal ein Haus hinauflaufen und von dort oben ein paar Fieslinge mit einer Strahlenkanone unter Beschuss nehmen? Kein Problem. Diese Bewegungsfreiheit und vor allem die teils spektakulären Superkräfte haben dafür gesorgt, dass ich mit dem dritten Ableger der Reihe jede Menge Spaß hatte. Die Kämpfe spielen sich auch deshalb extrem dynamisch, da ich in den Gefechten gegen die Gegnermassen des D.U.P. immer in Bewegung bleiben muss, um nicht den unfreiwilligen Heldentod zu sterben.
 
Dass die Story nicht über Standardkost hinauskommt und hier und da die Inszenierung hätte besser ausfallen können, kann ich verkraften. Die Geschichte erfüllt halt ihren Zweck. Was mich aber wirklich ärgert: Wenn Sucker Punch schon auf ein Entscheidungssystem setzt, warum dann nicht gleich richtig? Wie oft ich zwischen dem guten oder bösen Pfad wählen darf, kann ich an einer Hand abzählen. Schlimmer noch: Im Spiel merke ich nichts davon, ob meine Entscheidung irgendwelche Konsequenzen hat. Klar, es gibt ein Karmasystem, das dient aber letztendlich nur dazu, zum geliebten Helden oder gefürchteten Schurken aufzusteigen. Wer über das verkorkste Entscheidungssystem hinweg sehen kann, erhält mit Second Son aber erneut ein richtig gutes Open-World-Actionspiel, das zudem noch toll aussieht. Gerade die Superkräfte sorgen für ein echtes optisches Feuerwerk.

Infamous - Second Son
Einstieg/Bedienung
  • Einstiegssequenz dient als Tutorial
  • Erlernen von Kräften erfolgt Schritt für Schritt
  • Sensible Steuerung
  • Spielfigur bleibt unnötig oft hängen
Spieltiefe/Balance
  • Entscheidungssystem...
  • Vier gut ausbalancierte Superkräfte
  • Massig Fähigkeiten
  • Spannende, schnelle Kämpfe
  • Abwechslungsreiche Missionen
  • Seattle gut gelungen
  • Dutzende kleine Nebenaufgaben
  • Upgradesystem
  • Rund 10 Stunden für die Kampagne
  • .... wirkt aufgesetzt
  • Kämpfe tendieren zu Hektik und Unübersichtlichkeit
  • Story könnte besser inszeniert sein
  • Seltene Aussetzer der KI
Grafik/Technik
  • Tolle Effekte bei Superkräften
  • Schöne Wettereffekte
  • Hohe Weitsicht
  • Gelungene Animationen
  • Meist flüssiger Spielablauf
  • Kleinere Ruckler
  • Einige aufpoppende Objekte in der Ferne
Sound/Sprache
  • Passende Soundeffekte
  • Rockiger Soundtrack
  • Gute englische Sprachausgabe
  • Deutsche Sprecher nicht immer gut besetzt
  • Falsch betonte deutsche Dialoge
  • Deutsche Fassung nicht lippensynchron
Multiplayer
Nicht vorhanden  

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Amazon.de Aktuelle Preise (€): 20,27 (PlayStation 4)
Userwertung
8.2
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Action
Open-World-Action
16
Sucker Punch
21.03.2014
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Christoph Vent 20. März 2014 - 15:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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