Test: Luftschlacht um England

IL-2 Sturmovik - Cliffs of Dover Test

Die Luftschlacht um England war eine Bewährungsprobe für Mensch und Maschine. Mit dem neusten Ableger der IL-2 Sturmovik-Reihe, Cliffs of Dover, möchte 1C: Maddox Games euch die Möglichkeit geben, die bekannteste Luftschlacht des Zweiten Weltkriegs hautnah mitzuerleben. Wir haben den Joystick ausgepackt und den Kampf überlebt.
Christoph Licht 5. April 2011 - 21:07 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.
In unserem First15-Video zu Cliffs of Dover zeigen wir euch unkommentiert die ersten rund 15 Minuten.

von Martin Schnelle

Egal ob Landwirtschaftssimulator oder Kehrmaschinensimulator -- wer sich im Händlerregal umschaut, könnte den Eindruck gewinnen, dass das Genre der Simulationen geradezu blüht. Die Wahrheit sieht aber anders aus: Erstens kann man von Simulationen bei all diesen (teils sehr erfolgreichen) Spielen nur im weiteren Sinne reden, das Fahrverhalten etwa im LWS 11 hat nichts mit dem zu tun, das echte Traktoren an den Tag legen. Und zweitens trauen sich gerade im Bereich der ernsthaften Flugsimulationen nur noch wenige Entwickler zu, ein Fluggerät bis auf die letzte Schraube korrekt zu simulieren. Viel lieber geben sie sich simplen Reflexübungen im Stile eines HAWX 2 hin.

Einer der Entwickler, die noch den Mumm für echte Simulationen haben, ist das erfahrene russische Studio Maddox Games. Bereits 1992 gegründet, wurde es 1999 vom ebenfalls russischen Publisher 1C Company aufgekauft und ist vor allem für seine realistischen Flugsimulatoren bekannt: die IL-2 Sturmovik-Serie. Seit 2003 hat die Reihe einen sehr guten Ruf erlangt und mehrere Nachfolger und Spin-offs nach sich gezogen. Nun steht seit kurzem der neuste Teil mit dem Untertitel Cliffs of Dover in den Händlerregalen und verspricht eine akkurate Simulation der berühmten Luftschlacht um England aus dem Zweiten Weltkrieg, mit der die deutsche Wehrmacht die Briten zum Friedensschluss zwingen beziehungsweise die Invasion Englands (Operation Seelöwe) vorbereiten sollte. Dazu kam es bekanntlich nie -- doch vielleicht könnt ihr das Rad der Geschichte ja umdrehen, zumindest missionsweise? Wir haben uns in die Schlacht gestürzt und berichten euch von unseren Erfahrungen mit IL-2 Sturmovik - Cliffs of Dover.

Erwischt! Diese He-111 wird nicht mehr ihren Heimatflughafen erreichen. Treffer stellt die Grafikengine detailliert dar.

Historisch nicht ganz korrekt

IL-2 Sturmovik - Cliffs of Dover hieß eigentlich in der Entwicklung einmal Storm of War - Battle of Britain. Doch die Sturmovik-Macher nennen es jetzt Il-2 Sturmovik – Cliffs of Dover. Das ist insoweit sinnfrei, als es nach Wissen der Militärhistorie in der Luftschlacht um England kein russisches Flugzeug über dem Himmel Englands gab. Zwar kamen in der "Battle of Britain" unter anderem polnische und tschechoslowakische Piloten zum Einsatz, die vor der Wehrmacht aus ihren jeweiligen Ländern geflohen waren. Aber eben keine russischen Piloten und auch keine Sturmoviks. Das Auftauchen italienischer Flugzeuge im Spiel ist hingegen historisch verbürgt: Als die Deutschen bereits ins Hintertreffen geraten waren -- mehr zur Luftschlacht findet ihr auf der nächsten Seite -- "durfte" Hitlers Diktator-Kollege Mussolini ebenfalls einige Dutzend Bomber und Jäger nach Belgien entsenden.

Damit wären wir aber auch schon genug auf dem Umstand herumgeritten, ein Spiel ohne historische Sturmoviks als "Sturmovik" zu verkaufen: Irgendwo verständlich, dass Entwickler und Publisher das Risiko zu groß war, auf den bei Simulationsfans wohlklingenden Namen zu verzichten und eine komplett neue Serie zu erfinden. Außerdem hat Ubisoft, wie schon bei Assassin's Creed Brotherhood, in einem anderen Punkt dazu gelernt: Als Kopierschutz dient nicht mehr -- wie etwa noch bei Silent Hunter 5 -- eine permanente Internetverbindung. Die Simulation läuft jetzt ganz bewährt über Steam, inklusive Offline-Modus. Probleme wegen der Internetverbindung gab es während der Testphase damit nicht.

Angriff auf feindliche Bomber

Viele Einsätze fliegt ihr über dem grafisch naturgemäß tristen Ärmelkanal. Hier jagen wir Bomber vom Typ Do-17.
Die Radarstationen an der Küste des Ärmelkanals haben deutsche Flugzeugverbände geortet. Jäger müssen sofort aufsteigen, um zu verhindern, dass die Bomber ihre Last am Ziel abladen. Und dieses Ziel ist nichts anders als das eigene Flugfeld! Klasse, da haben wir es ja nicht weit bis zur Front: Innerhalb von wenigen Minuten befindet sich die Staffel „Hurricanes“ in der Luft, und nur Sekunden später kommt auch schon die Meldung eines Geschwaderkameraden: „Feindliche Bomber gesichtet!“

Nun heißt es schnell sein! Beide Verbände fliegen direkt aufeinander zu, wegen der Zeitknappheit entscheiden wir uns zu etwas, was man normalerweise gegen eine Formation waffenstarrender Bomber vermeiden würde: zu einem Frontalangriff. Unsere Trefferwahrscheinlichkeit sinkt auf diese Weise nämlich drastisch, außerdem haben die Bomber MGs, die ebenfalls nach vorn zeigen. Aber wir haben keine andere Wahl. Wenige Sekunden nach dem Erreichen der Gefechtsdistanz geht bereits einer der drei deutschen Bomber getroffen zu Boden und explodiert in einem Feuerball. Die anderen beiden fliegen allerdings weiter. Eine enge Kurve gezogen und schnell hinter die beiden Maschinen gesetzt. Doch es ist zu spät, sie werfen bereits ihre Sprenglast ab. Frustriert kümmert sich unsere Staffel um die beiden verbliebenen Do-17, ebenso um mehrere weitere deutsche Bomber, die von einem anderen Einsatz zurückkommen und Richtung Frankreich zurückfliegen.

Mit ungefähr diesen Erlebnissen beginnt die -- sehr kurze -- Kampagne auf Seiten der Engländer, in der es einige Meriten zu verdienen gibt. Und zwar nicht zuletzt im Kampf mit Widernissen, die nichts mit deutschen Flugzeugen zu tun haben.

Auf Seiten der Deutschen übernehmen wir hier die Rolle des Bordschützen und nehmen eine Spitfire aufs Korn.

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