Survival im Sandsturm

I am Alive Test

Klettern, klettern, klettern: Trotz einiger Schusswechsel geht es im Endzeit-Actionspiel hauptsächlich ums Emporkommen im Wortsinne. I am Alive bietet zwar anfangs viel Spannung und Adrenalin, benutzt aber später sehr oft dieselben Versatzstücke. Wir haben stimmungsvolles Setting, Mann-sucht-Familie-Story und Repetitivität gewichtet.
Florian Pfeffer 15. März 2012 - 19:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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In den etlichen Jahren, die seit der Ankündigung von I am Alive vergangen sind, wurde viel spekuliert, was dabei am Ende herauskommen würde: Ein großes Apokalypse-Spektakel a la Fallout oder Rage? Ein Shooter wie Legendary? Oder gar das Beste aus beiden Endzeit-Welten? Nun ist ein Spiel erschienen, das im mittleren bis niedrigen Preissegment angesiedelt ist und nur als Download vertrieben wird. Wer da ein wenig misstrauisch ist, kann ja mal weiter diesen Test lesen – vielleicht ist die Vorsicht ja unbegründet! Soviel aber schon mal vorweg: Manches an diesem Spiel täuscht oder lässt sich erst anders an, als es dann am Ende ist. Das fängt schon bei der Rahmenhandlung an: Die ist bei I am Legend… pardon, I am Alive auf den ersten Blick hervorragend. Sie beginnt spannend und kann mit einer interessanten Einführung punkten.
 
Das hier ist kein verblichenes Schwarz-Weiß-Foto, sondern ein Screenshot aus I am Alive. Der Staub und so...
I am Legend
Ihr übernehmt die Rolle von Adam Collins, der Zeuge einer gewaltigen Katastrophe wird, die die Ostküste der USA verwüstet. Adam erlebt das Unglück allerdings nicht direkt mit, da er sich im Gegensatz zu seiner Frau und seiner Tochter gerade auf der anderen Seite des Kontinents befindet. In der Folge der schweren Erdbeben bricht die gesamte Infrastruktur des Landes zusammen und Adam muss sich zu Fuß zurück in seine Heimatstadt Haventon aufmachen, eine mittelgroße Metropole. Für diese Reise benötigt er aufgrund der schweren Verwüstungen fast ein Jahr. Während seiner Wanderschaft filmt er immer wieder einzelne Abschnitte mit seiner Videokamera, die später offensichtlich von einer Unbekannten aufgefunden wird – ihr kennt das Prinzip aus Filmen wie Cloverfield. Eine der großen Fragen, die uns als Spieler bewegen, ist es folglich, wer diejenige Person eigentlich ist, die sich da unsere Aufzeichnungen auf dem Camcorder ansieht. 
 
Grau in grau
I am Alive beginnt, als Adam die Stadtgrenze von Haventon erreicht. Die Brücke, die über den reißenden Fluss in die eigentliche Innenstadt führt, dient als Tutorial des Spiels, um euch mit der Steuerung und den Klettermöglichkeiten vertraut zu machen. Die Brücke bietet wie ganz Haventon ein Bild der Zerstörung: Autos, Kranken- und Polizeiwagen sowie schwere Laster sind über- und ineinander gestapelt, Metallstreben ragen aus dem Boden, schwere Trümmerstücke blockieren die Straße, überall liegt eine dicke Staubschicht, die durch den Wind aufgewirbelt wird. Die ganze Umgebung wird fast in schwarz-weiß präsentiert, abgesehen von ganz wenigen Stellen, in denen ein paar Brauntöne zu sehen sind. Diese äußerst farbarme Grafik passt zwar zum Szenario einer postapokalyptischen Verwüstung, wirkt aber auf Dauer zu trist. Wir können uns kaum vorstellen, dass selbst die bunten Werbeplakate im örtlichen Einkaufszentrum, in das ihr euch im Verlauf des Spiels durchschlagen werdet, so von der alles überstrahlenden Sonne vergilbt sind, dass nicht doch das eine oder andere Blau oder Grün hervorblitzt. Sei’s drum, I am Alive bleibt sich zumindest während der gesamten Spieldauer von fünf bis sechs Stunden treu und zieht das triste Grau in grau bis zum Ende durch.
 
Nach dem Überqueren der Brücke, die von ihren Ausmaßen durchaus mit der Manhattan Bridge in New York zu vergleichen ist, gelangt ihr in die Kanalisation unterhalb der Straßenzüge und trefft dort zum ersten Mal auf einen der anderen Überlebenden. Diese können euch gegenüber freundlich oder feindlich sein, wobei der Zeitgenosse aus dem Kanal eindeutig in letztere Kategorie gehört. Mit gezogener Pistole fordert er euch unmissverständlich auf, sein Territorium zu verlassen. Hättet ihr selbst schon eine vernünftige Waffe, könntet ihr euch nun zur Wehr setzen, doch die werdet ihr erst kurze Zeit später in Form einer Machete bekommen. Es wird euch also nichts anderes übrig bleiben, als mit erhobenen Händen langsam das Weite zu suchen. Auch später habt ihr in Konflikten mit einheimischen Gangstern immer die Wahl zwischen verschiedenen Vorgehensweisen. Da Munition äußerst knapp ist und ihr für jedes Gegnergrüppchen von vier bis fünf Fieslingen meist nur eine, höchstens zwei Kugeln in eurer Pistole habt, müsst ihr euch eine andere Taktik einfallen lassen.
 
Trefft ihr auf eine Viererbande, etwa diese: Hebt erst mal die Hände, während die Angreifer euch mit der
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Waffe bedrohen. Dann lasst ihr sie näher heran kommen und rammt dem ersten die Machete in den Leib, sobald dieser nahe genug ist. Die nächsten beiden werden nun möglichst schnell erschossen, während ihr zum letzten Feind sprintet, den ihr wiederum in einem Buttonmashing-Duell mit der Klinge zu Boden ringt. Eine andere Variante wäre, die Pistole sofort zu ziehen und die Banditen damit in Schach zu halten und zusammen zu treiben. Sobald ihr einem eine Kugel verpasst, ist dies im Normalfall ein starkes Argument für die anderen, sich zu ergeben. Ihr könnt sie dann verschonen, mit der Machete bearbeiten, oder, falls ein solcher in der Nähe ist, sogar in einen Abgrund stoßen. Beim Zielen müsst ihr nichts weiter tun, als die linke Schultertaste zum automatischen Zielen zu drücken und dann mit dem rechten Zeigefinger abzuziehen. Verfehlen könnt ihr so den Gegner de facto nie. Wie wir bereits in unserem Angetestet-Artikel angemerkt haben, fühlt sich Adams rigorose Vergehensweise für einen eigentlich harmlosen Familienvater oft brutal und kompromisslos an – andererseits weiß schließlich keiner, wie er selbst in einer solchen Notwehrsituation reagieren würde.

Der erste Feind ist schon am Boden, die Übrigen bekommen es mit der Angst zu tun und ergeben sich. Der Bogen, den wir später im Spielverlauf erhalten, hat nur einen einzigen Schuss, der dafür immer tödlich ist. 
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