Test: Fantasy-Koop-Action

Hunted Test

Benjamin Braun 6. Juni 2011 - 19:47 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Ist ein Zwischengegner wie dieser Dämon besiegt, taucht er danach in einer schwächeren Form als Standard-Gegnertyp auf.
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Koop- und Crucible-Modus

Mit der KI ist das so eine Sache: Während der ebenfalls kürzlich veröffentlichte Bethesda-Titel Brink eine sehr spielstarke Team-KI bietet, hat die von Hunted immer wieder schon damit Probleme, auch nur eine Figur -- eben euren gerade nicht gespielten Partner -- sinnvoll agieren zu lassen. Nicht, dass die KI blöd wäre, aber Caddoc (oder eben die Elfin, wenn ihr den Krieger spielt) bleibt doch gerne mal irgendwo hängen. Dann fällt er natürlich im Kampf oder zum Rästellösen aus. Teilweise fängt er sich wieder, wenn man einfach weiterläuft, und auch das Verlassen eines Levels ist immer möglich. Solisten dürfen übrigens an bestimmten Stellen zwischen beiden Charakteren wählen beziehungsweise per Tastendruck den Partner zu einer bestimmten Aktion bewegen.

Am meisten Spaß macht Hunted eindeutig im Multiplayer-Modus, der sowohl über das Internet als auch über LAN möglich ist. Außerdem gibt es auf Konsole einen Splitscreen-Modus, bei dem der Bildschirm horizontal geteilt wird. Die Mitstreiter-KI leistet zwar meist gute Arbeit im Kampf, mit einem echten Mitspieler lassen sich aber Schildbrecherpfeile und Kombokills sehr viel effektiver nutzen.

Gemeinsam durch Gegnerhorden kloppen könnt ihr euch auch im Crucible-Modus: Nach einem simplen Baukastenprinzip erstellt ihr eigene Levels und arbeitet sie anschließend ab. Schon in der Kampagne findet ihr jede Menge Goldbeutel und Schatztruhen, mit denen ihr dort rein gar nichts anfangen könnt. Richtig geraten: Je mehr Gold ihr sammelt, umso mehr Levelbauteile und Gegnertypen stehen euch im Crucible-Modus zur Verfügung, den ihr jederzeit im Hauptmenü auswählen könnt.

Technisch schwach

Technisch hinterlässt Hunted einen durchwachsenen Eindruck und offenbart viele Detailschwächen. Insbesondere die Figuren sehen oft nicht sonderlich gut aus, wobei die Konsolenfassungen die PC-Version noch deutlich unterbieten. Beim ersten echten Gegner (nach dem Prolog) beim Betreten von Dyfed mussten wir unwillkürlich lachen -- das ist wohl kaum der Eindruck, den der "fürchterliche" Menschentöter erwecken sollte. Das offensichtlichste Manko aber ist die äußerst seltsame Beleuchtung. Insbesondere in den Dungeons ist beim vom Spiel gewünschten Gamma-Wert oft nur wenig zu erkennen, und zwar nicht nur dort, wo zunächst ein Lichtlein entzündet werden muss. Wer deshalb nicht umhin kommt, die Helligkeit dezent nach oben zu schrauben, sieht sich einer zwar stilvollen, aber mit diversen matschigen Texturen verunstalteten Umgebung gegenüber. Das Flair der Umgebungen, das irgendwo zwischen mittelalterlich und mystisch schwebt, leidet darunter ebenso wie unter einem schwankenden Detailgrad. Während die Mimik der Spielfiguren in einem 2011er Spiel nicht mehr gelungen wirkt, haben uns die Charakteranimationen insgesamt gefallen.

Klar, Dungeons sollen düster sein. Aber bitte nicht zu düster.
Hübsch anzuschauen sind theoretisch die Kampfanimationen. Doch aufgrund von Fehlern bei der Kollisionsabfrage und Clippingfehlern bieten sie in der Praxis ebenfalls kein perfektes Erlebnis. Künstliche Levelgrenzen sind ja ein "normales" Problem in Computerspielen, erst kürzlich ärgerten wir uns in Witcher 2 darüber. Doch in Hunted - Schmiede der Finsternis nerven sie noch mehr: Caddoc oder E'lara bleiben gerne mal an den Kanten eines maximal knöchelhohen Sandhaufens hängen. Springen dürft ihr, wie beim Witcher, nur dort, wo es die Programmierer vorgesehen haben. Dafür zeigt sich das Spiel mit Blick auf die PC-Hardware eher genügsam.

Testfazit: Im Koop spaßig

Große Spiele sehen anders aus: Ob Story, Spielwelt oder Grafik, in jedem dieser Bereiche hat Hunted mit zahlreichen kleineren und größeren Schwächen zu kämpfen. Zu klischeehaft sind die Charaktere, zu unglaubwürdig ihre Läuterung von schnöden Söldnern zu Kämpfern für Recht und Freiheit. Zuwenig erfährt der Spieler über die Welt, in der Caddoc und E'lara leben, und viel zu wenig über sie selbst -- außer, dass sie es lieben, sich gegenseitig zu necken. Beim Design der Spielwelt sind die Entwickler zwar um Abwechslung bemüht, und insgesamt gefällt uns das mittelalterlich angehauchte mysterische Fantasy-Szenerio, doch sie wird grafisch oft nur mäßig dargestellt, die Figuren wirken seltsam grob und die KI (oder wir) stolpern immer wieder über Kanten.

Dennoch ist Hunted kein Rohrkrepierer: Wer kein großes Fantasy-Epos erwartet, sondern eher ein Gears of War mit Rätseleinlagen (wenngleich ohne dessen Highlight-Momente), wird gut unterhalten. Im Mittelteil des gut 10 bis 13 Stunden langen Schnetzel-Abenteuers machen die Kämpfe richtig Spaß, weil dann sowohl eure erlernten Fähigkeiten als auch die der Gegner Abwechslung und etwas Taktik ermöglichen. Gerade, wenn ihr mit einem Freund zusammen loszieht, werdet ihr euch nicht langweilen -- zumal Spieler Nummer 2 auch erst im Spielverlauf dazukommen (oder wieder abspringen) kann. Solospieler sollten sich den Kauf hingegen sehr gut überlegen, auch wenn es im Bereich Fantasy-Action nicht viele Alternativen gibt.

Autor: Benjamin Braun // Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Hunted - Die Schmiede der Finsternis
Einstieg/Bedienung
  • Gutes Tutorial (Prolog)
  • Simple Maus-Tastatur-Steuerung (PC), eingängige Gamepad-Bedienung
  • Leuchtende Spur gibt bei Bedarf die Richtung an
  • Verschachteltes Menü
Spieltiefe/Balance
  • Viele Rätsel...
  • Schnelles, taktisch angehauchtes Kampfsystem
  • Zahlreiche Gegnervarianten
  • Viele Minibosse
  • Teils umfangreiche Bonusaufgaben,
    Aufwertungen durch Spielstatistik
  • Unterhaltsame Wortgefechte der Protagonisten
  • ...die sich auf Dauer zu stark ähneln
  • Charakterentwicklung zu stark vorgegeben
  • Charakterwechsel nur an bestimmten Stellen möglich
  • Nur wenig große Bosse
  • Bossekämpfe schwächer inszeniert als Standardkämpfe
Grafik/Technik
  • Abwechslungreiche Spielwelt
  • Einige tolle Effekte und einige schöne Kampfanimationen
  • Fehler in der Beleuchtung
  • Dungeon- und Nachtabschnitte teils zu dunkel
  • Kollisions- und Clippingfehler
  • Spiel kann mehrfach gestartet werden
  • Charakter- und Gegnermodell wirken oft grobschlächtig
Sound/Sprache
  • Gute Soundeffekte
  • Durchwachsene deutsche Sprachausgabe
Multiplayer
  • Koop-Modus (LAN & Online)
  • Splitscreen (nur Konsole)
  • Eindeutig zu zweit spaßiger als allein

 


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Action
3D-Action
ab 18
18
03.06.2011
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PCPS3360
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Benjamin Braun 6. Juni 2011 - 19:47 — vor 9 Jahren aktualisiert
Trabbi 12 Trollwächter - 1040 - 6. Juni 2011 - 20:52 #

Das neue Layout ist spitze! Habe zwar noch nicht den ganzen Bericht gelesen, aber die Optik ist auf Anhieb überzeugend!

Hagen Gehritz Redakteur - P - 63641 - 6. Juni 2011 - 21:16 #

Oha, am Anfang dachte ich noch am Ende heißt es Ko-op-Freunde rechnen sich 0.5 dazu, und dann steht da Solisten ziehen am besten noch ab. Scheint fast nur durchwachsene Bewertungen zu erhalten, das Spiel.
Von diversen Forenkommentaren her scheint es aber bei den Spielern etwas besser anzukommen.

Mir ist es gleich, der Test ist sehr gut geschrieben und legt gut dar warum Designmängel den Spielspaß auf diese Wertung drücken. Da ich aber nach jedem Co-op-Spiel auf Konsolen lechze, Fantasy liebe und den Entwicklern für Splitscreen dankbar bin stellt sich die Frage ob ich es kaufe gar nicht für mich.
Ich hoffe, das Spiel verkauft sich trotzdem gut. Vielleicht nimmt sich Fargo die Kritik zu Herzen und schafft dann einen Nachfolger, der Hunted als Marke richtig etablieren kann.

. 21 Motivator - 27978 - 6. Juni 2011 - 21:36 #

Guter Test. Mir machts auch Solospass, aber werde sicher auch noch den Ko-op testem

NovemberTerra 13 Koop-Gamer - 1564 - 6. Juni 2011 - 22:06 #

Spiele es seit samstag mit nem kumpel.. absolut geniales koop game.
An der spielzeit hat man im grunde nichts zu meckern, wie gesagt, spielen seit 3 tagen und sind grademal in der mitte vom zweiten kapitel.

Das beste am spiel sind allerdings die beiden charaktere! Deren kleine scherereien und gegenseitige anstachelungen haben einen unglaublichen unterhaltungswert!
Von der deutschen syncro bin ich positiv überrascht.
Die sprecher kommen glaubwürdig rüber trotz den asyncronität der lippenbewegungen.

Das einzige was ich dem spiel vorhalte ist die char entwicklung, welche leider stark beschränkt ist.
3 unterschiedliche talente pro char ist einfach zu wenig, das machen auch die 3 zusätzlichen zauber nicht mehr wett.
Trotzdem kann ich es kaum erwarten morgen weiter zu spielen ;)

Im grunde kann man sagen, wer nen anspruchsvolles rpg sucht ist bei hunted falsch, aber nen gutes, spassiges, action-rpg mit koop ist es allemal!

. 21 Motivator - 27978 - 6. Juni 2011 - 22:10 #

Gut gesprochen.

Lord Lava 19 Megatalent - 13731 - 7. Juni 2011 - 5:39 #

Gut geschriebener Test, der den Eindruck bestätigt, den ich durch andere Reviews bisher bekommen hatte .
Scheint ganz nett zu sein, man verpasst aber auch nix, wenn man es nicht spielt.
Da werde ich wohl auf Warhammer 40K: Space Marine warten, um mit einem Kumpel im Koop loszuziehen. Auch wenn ich das mit den zwei unterschiedlichen Charakteren ganz interessant finde.

Koveras 13 Koop-Gamer - 1507 - 12. Juli 2011 - 20:45 #

Seit wann werden weibliche Elfen "Elfin" statt Elfe genannt?