Test: Fantasy-Koop-Action

Hunted Test

Wo andere Koop-Actionhelden die Knarre zur Hand nehmen, greifen Krieger Caddoc und Elfin E'lara zu Axt und Bogen. Doch ansonsten sind sie Gears-of-War-Soldat Marcus Fenix durchaus ähnlich: Von Deckung zu Deckung springend, töten sie einen Gegner nach dem anderen. Und 10 weitere. Und dann noch mal 20. Hack-and-Slay-Fest oder Abklatsch?
Benjamin Braun 6. Juni 2011 - 18:47 — vor 8 Jahren aktualisiert
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von Benjamin Braun

Brian Fargo war einer der ganz Großen der Spielebranche: Der Chef von Interplay war nicht nur selbst an Kultspielen wie The Bard's Tale, Fallout und Descent beteiligt, sondern gehörte mit seiner Firma lange Jahre zu den wichtigsten Entwicklern und Publishern. Als Interplay 2004 pleite ging, war Fargo schon nicht mehr bei der Firma, sondern hatte ein Jahr zuvor die Firma inXile (lies: "In Exile", im Exil) gegründet. Nach dem durchwachsenen Hack-and-slay The Bard's Tale hat er nun für den Publisher Bethesda einen "Action-Dungeon-Crawler" entwickelt: Hunted - Die Schmiede der Finsternis. Brian Fargo (siehe unser Video-Interview) weiß, was er will. Aber ist er auch heute noch ein Garant für Qualität und kreative Ideen? Wir haben uns auf den Streifzug durch Gegnerhorden und wortwörtlich finstere Dungeons begeben.
Die verbotene Frucht

Unsere Reise beginnt mit einem Alptraum: Der Söldner Caddoc erwacht im Nachtlager irgendwo in der Nähe der Stadt Dyfed aus einer finsteren Vision, die ihn schon seit geraumer Zeit heimsucht. Eine mysteriöse Frauenstimme spricht darin zu ihm, ein furchteinflößender Dämon geht auf ihn los. Seine elfische Gefährtin E'lara nimmt Caddocs Traum nicht ernst, noch nicht. Doch als sie einige Prolog-Spielminuten später der leichenblassen Seraphine gegenüberstehen, ändert sich das: Es ist die Frau aus Caddocs Träumen, die die beiden nun um Hilfe bittet. Den Prolog könnt ihr im wesentlichen in unserem First15-Video miterleben. Um es kurz zu machen: Überall im Fantasy-Land fallen Horden teuflischer Gegner über die Bewohner her, verschleppen und versklaven sie. Caddoc und E'lara werden in die Ereignisse hinein gezogen und müssen plötzlich als die unfreiwilligen Helden im Kampf gegen das unsagbar Böse antreten.
Handlung nur auf Abruf

Caddoc und E'lara liefern sich dauernd Wortgefechte. Das wirkt auf Englisch allerdings besser als auf Deutsch.
In Hunted führt ihr Caddoc und E'lara in zerstörte Städte und Dörfer, durch zerklüftete Landschaften und nicht zuletzt in zahlreiche Tempel und Dungeons. Und zwar entweder allein oder im Koop-Modus, die Kampagne ist dieselbe. Immer wieder liefern sich der rationale Söldner und die draufgängerische Elfin unterhaltsame Wortgefechte, kommentieren das Geschehen oder feuern sich während der Kämpfe gegenseitig an. Mit ihren bissigen Bemerkungen behält E'lara zumeist die Oberhand. Allerdings haben uns die deutschen Stimmen nicht sonderlich überzeugt, sie klingen nicht, als wären die beiden Sprecher bei den Aufnahmen im selben Raum gewesen.

Die Handlung selbst wartet zwar mit ein paar kleineren Wendungen auf, entfaltet sich aber nur zögerlich. Und zwar durch Cutscenes und das Benutzen des "Todessteins" an bestimmten Leichen, was deren Erinnerungen abruft. An diesen und anderen Stellen werden zudem Einträge im Journal freigeschaltet, mal als Text und mal als Video, das manuell gestartet werden muss. Wer mehr über die Streitigkeiten zwischen den Städten Dyfed und Lyra, den König oder auch die eigenen Spielfiguren erfahren möchte, hat also die Chance dazu. Doch mal ganz ehrlich: Wichtig oder sonderlich gelungen ist die Story nicht. Im Vordergrund des auf sechs Kapitel aufgeteilten Spiels stehen ständige Kampfaction und diverse Rätseleinlagen. Ihr kommt problemlos durchs Spiel, wenn ihr jede einzelne Cutscene abbrecht und nie im Journal herumstöbert.

Simple Grundstruktur

Caddoc und E'lara sind nicht nur emotional unterschiedlich, sie kämpfen auch ganz anders. Der muskulöse Vin-Diesel-Verschnitt Caddoc ist trotz mitgeführter Armbrust für den Nahkampf prädestiniert, während seine Begleiterin am besten mit Pfeil und Bogen umgehen kann -- ihr Schwert ist nur für den Notfall gedacht.

Caddoc kann normale Hiebe mit seinem Schwert austeilen oder eine deutlich langsamere schwere Attacke starten. Mit erfolgreichen Angriffen generiert er außerdem "Zorn", den er bei einer gefüllten Anzeige in einen noch mächtigeren Schlag ummünzen kann. Per Hechtsprung weicht er feindlichen Angriffen aus oder wehrt sie mit seinem Schild ab. Dieser Schild hat allerdings nur eine begrenzte Haltbarkeit und zerbricht irgendwann.

Während Caddoc die Gegner aus nächster Nähe auf Korn nimmt, sollte E'lara möglichst auf Distanz bleiben, denn nur so kann sie ihre Fähigkeiten mit dem Bogen voll nutzen und in Windeseile einen Pfeil nach dem anderen abfeuern. Am besten verschanzt sie sich dafür hinter einer Mauer, um während ihrer Angriffe nicht so leicht selbst zum Ziel zu werden. Die Spielweise gleicht trotz des Fantasy-Settings frappierend der von Gears of War.

Die -- wie im gerade genannten SF-Vorbild -- oft in Wellen auf das Duo einstürmenden Feinde sind ziemlich schnell, manche teleportieren sich sogar. Da sie zudem recht clever agieren, muss auch E'lara immer in Bewegung bleiben. Beide Figuren dürfen an mehreren Stellen übrigens auch fest installierte Kanonen oder eine Art Pfeil-Gatling-Gun benutzen, um die Gegnerhorden niederzumähen. Doch Vorsicht: Wer versehentlich einen Gegner durchflutschen lässt, wird plötzlich von hinten attackiert. Bei all dem Gehacke und Geschieße geht teilweise die Übersicht verloren, doch wer immer flink die Buttons betätigt, auch mal ausweicht und den gefällten Partner per Lebenstrank wiederbelebt, kommt auch solo ganz gut durch. Nur wenn beide Akteure gleichzeitig zu Boden gehen, werden sie zum letzten, der zumeist fair gesetzten, Checkpoints zurückgesetzt. Das passiert solo häufiger, als wenn beide Helden von Menschen gespielt werden.
 

Gears of War lässt grüßen: Mit dieser Pfeil-Gatling-Gun hauen wir selbst stärkste Gegner problemlos aus den Socken.
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