Auf den Spuren eines Strategie-Urahnen

Homeworld 3 Test

Rüdiger Steidle 10. Juni 2024 - 14:51 — vor 4 Wochen aktualisiert
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Keiner der Einsätze spielt einfach im „leeren All“, vielmehr gibt es in der Umgebung fast immer plastische Objekte wie dieses Eisfeld, welche Ihr taktisch nutzen könnt.
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Neue Herausforderungen

Dafür ist das Missionsdesign enorm abwechslungsreich. Mal sollen wir unsere Streitkräfte wie U-Boote unentdeckt durch eine Engstelle schleusen, mal müssen wir in Kommando-Manier ein feindliches Weltraumdock demontieren, bevor dessen Wächter auf uns aufmerksam werden, mal legen wir einen Hinterhalt für eine gegnerische Flotte, die in Kürze per Hyperraumsprung eintreffen wird. Jeder Auftrag ist spannend und anders als der vorherige. Wenn ich an der Missionsgestaltung überhaupt irgendwas auszusetzen habe, dann eigentlich nur: Im Verlauf der etwa zwölf Stunden dauernden Kampagne hätte ich mir auch mal eine „klassische“ Echtzeit-Schlacht gewünscht, bei der beide Seiten Ressourcen gewinnen, ihre Basis aufbauen und dann einander frei attackieren. Aber genau das bekomme ich im Skirmish-Modus, wenn ich möchte – ich kann es Homeworld 3 also nicht wirklich ankreiden.

Es gibt sogar noch eine dritte Spielart, und zwar den Wargame-Modus: Eine Art Roguelite, in dem ich mich mit der gleichen Armada von einem Level zum nächsten vorarbeite und es mit immer stärkeren Gegnern zu tun bekomme, während ich meine Flotte über Artefakte aufrüsten und spezialisieren darf. Allzu gerne würde ich euch mehr von diesen Kriegsspielen berichten, allerdings hat mich der Computergegner immer schon in den ersten zwei, drei Abschnitten vernichtend geschlagen.
Mit Minenlegern bereiten wir einen Hinterhalt vor, bevor die gegnerische Flotte durch den Hyperraum zu unserer Position springt.


Laufbahn mit Objektpermanenz

Übrigens: Eure Einheiten und Ressourcen übernehmt ihr auch in der „normalen“ Solokampagne in die jeweils nächste Mission. Es lohnt sich also, wenn ihr alle Rohstoffe abbaut, Upgrades erforscht und möglichst viele Raumschiffe konstruiert, bevor ihr eure letzte Aufgabe erfüllt. Zumal Verluste unvermeidlich sind – nicht zuletzt aufgrund der beschränkten Einheiten-KI.

Ein anderer Knackpunkt, der zumindest mir das Leben schwer gemacht hat, ist die Steuerung. Die Schlachtfelder in Homeworld 3 erstrecken sich wie schon in den Vorgängern in drei Dimensionen. Und es ist nicht immer einfach, Distanzen, Positionen und die Relationen der verschiedenen Einsatzgruppen zueinander abzuschätzen. Mit dem genretypischen Rechtsklick ist es in Homeworld 3 selten getan, um Bewegungsbefehle oder Angriffsorder zu geben. Stattdessen solltet ihr das Geschehen mit „P“ regelmäßig pausieren, mit der Leertaste in die eingefärbte Taktikansicht wechseln und mit „V“ den 3D-Kommandomodus aufrufen, um eure Kräfte präzise zu bewegen. Nur dann erhaltet ihr ausreichend Informationen und visuelle Hilfen.
 

Attraktiv, aber anspruchsvoll

In der Standardansicht sieht Homeworld 3 zwar wie beschrieben fantastisch aus, verbirgt aber entscheidende Details. Beispiel aus der Praxis: In einer Mission zerstören meine Truppen nach und nach mehrere Werften des Gegners, welche ansonsten regelmäßig Verstärkungen ausspucken. Wenn die Anlagen in die Luft fliegen, zerstören oder beschädigen sie alle Einheiten – ob Freund oder Feind – in unmittelbarer Nähe.

Der Explosionsradius wird von einer roten Halbkugel umrissen. Das ist theoretisch hilfreich, andererseits aber auch nicht, weil es in der Praxis auf die Kameraperspektive ankommt, ob meine Truppen in der Gefahrenzone sind oder eben nicht. Das mag zumindest teilweise meiner wenig ausgeprägten plastischen Vorstellungskraft geschuldet sein, aber ich hatte in Homeworld 3 immer wieder Schwierigkeiten, mich sicher zu orientieren. Das suboptimale Interface und die komplizierte Steuerung sind allerdings zweifellos Teile des Problems – wie schon beim ursprüngliche Homeworld. Insofern wird Teil 3 seinen Vorgängern gerecht.
Die dreidimensionalen Weltraum-Schlachtfelder sind mitunter unübersichtlich, weil Positionen und Abstände der Einheiten nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind.
Hagen Gehritz Redakteur - P - 184416 - 10. Juni 2024 - 14:43 #

Viel Spaß mit dem Test von Rüdiger!

Kinukawa 21 AAA-Gamer - P - 26078 - 10. Juni 2024 - 15:12 #

Bin mit Homeworld und seiner Steuerung nie richtig klar gekommen. Dagegen hat mich Sins of a Solar Empire eingefangen.

Hannes Herrmann Community-Moderator - P - 43364 - 10. Juni 2024 - 16:29 #

Danke für den Test, sollte mich das Echtzeitfieber nochmal treffen denke ich an das Spiel.

Deepstar 16 Übertalent - 4969 - 10. Juni 2024 - 18:22 #

Was mich bei Homeworld immer gestört hat, dass es zwischen den Missionen ein Levelscaling gab. Das Spiel einen dafür bestraft hat extra viel Zeit in den Missionen zu verbringen. Das war in Homeworld 2 so schlimm, dass bereits die zweite oder dritte Mission unlösbar schwer wurde. Nahm dann auch noch von Mission zu Mission zu. Homeworld 2 war am besten, wenn man wenig Zeit in den Missionen verbracht hat und seine ganze Flotte zum Ende von diesen selbst zerstört hat.

Das war bei Homeworld 1 noch besser gelöst. Es gab zwar Levelscaling, aber man konnte die KI überwältigen und das Spiel war auch eher darauf ausgelegt eine immer größere Flotte aufzubauen, weil gegen Ende der Kampagne ohnehin die Ressourcen fehlten um noch groß was zu bauen.

Bei Cataclysm gab es zwar schon das strikte Levelscaling wie später bei Teil 2, war aber dort immerhin noch sinnvoll in der Story eingebaut, weil man einen Antagonist hatte, der einfach Schiffe assimiliert.

Lange Rede kurzer Sinn, es scheint, dass man diesen Müll jetzt mit unabhängigen Missionen endlich über Bord geworfen hat. Eine gute Entscheidung.
Auch wenn die missionsübergreifende Kampagne sicherlich eigentlich eines der Merkmale der Serie war.
War aber aus meiner Sicht nie gut umgesetzt.

Epic Fail X 18 Doppel-Voter - P - 10575 - 11. Juni 2024 - 7:43 #

Ich kenne Homeworld nur in der Remastered und an die von dir aufgeführten Phänomene kann ich beim besten Willen nicht erinnern. Ich fand das Spiel nach hinten raus zu leicht, was vielleicht gerade am fehlenden Levelscaling liegt.

Vampiro Freier Redakteur - - 127290 - 11. Juni 2024 - 0:42 #

Danke für den Teat. Puh, bestätigt meine rudimentären Eindrücke und Befürchtungen, also unterirdische KI und fqde Story. Glaube, dafür habe ich erstmal keine Zeit. 12 Stunden finde ich aber verheißungsvoll.

Flooraimer 16 Übertalent - P - 4329 - 11. Juni 2024 - 11:42 #

Danke für den Test, Rüdiger.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 24691 - 11. Juni 2024 - 14:46 #

Schöner Test, anscheinend viel verschenktes Potenzial.

de_vipp 15 Kenner - P - 3425 - 12. Juni 2024 - 7:32 #

Mhmm guter Test! Ich denke ich warte erstmal und schaue, was da an Inhalten nachkommt.

Zille 21 AAA-Gamer - - 26534 - 13. Juni 2024 - 8:21 #

Danke für den Test! Ich werde wohl auch diesmal passen - Homeworld erschien mir mit den drei Dimensionen immer als zu kompliziert für spaßige Gefecht. Flöhe hüten in 3d hört sich trotz der anderen beschriebenen Stärken nicht nach Spaß an. Wobei ich den Rest schon interessant finde.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 84460 - 14. Juni 2024 - 10:42 #

Ich fand bei Homeworld 1 damals die Story und Atmosphäre so spannend - leider habe ich bei zwei Versuchen (Original und Remaster) nie das Ende der Kampagne gesehen. Dieses Missionsdesign! :-( Irgendwann hatte ich immer das Problem, dass ich zu wenige Schiffe aus der vorherigen Mission mitgenommen hatte und direkt zu Anfang der nächsten überrannt wurde.
Teil 3 bietet ja offenbar wieder superschicke Weltraumschlachten, aber schwächelt ansonsten sehr - das wird wohl kein Kauf von mir.

MScheyda 16 Übertalent - P - 5759 - 26. Juni 2024 - 18:10 #

Letzter Test eines sehr sympathischen Schreibers. :-(

Leider ist Rüdiger am 21. Juni verstorben ...

https://www.gamestar.de/artikel/gamestar-trauert-um-ruediger-steidle,3415494.html

Mein Beileid der Familie und engen Freunden!

Jochen B. 12 Trollwächter - 1020 - 26. Juni 2024 - 19:17 #

Sehr traurige Nachricht.

Mein aufrichtiges Beileid der Familie und all seinen GamersGlobal-Kollegen!

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 29041 - 26. Juni 2024 - 20:18 #

Das ist aber eine traurige Nachricht :-(

Harry67 20 Gold-Gamer - - 24691 - 26. Juni 2024 - 20:29 #

Oh nein. Das ist eine schreckliche Nachricht.