Test: Der Wald ist nicht genug

Holzfäller-Simulator Test

Der Berufssimulationsmarkt boomt: Der geneigte Spieler kann sich mittlerweile als Notarzt, Straßenbahnfahrer oder Sprengmeister verdingen. Wen es eher in die virtuelle Natur zieht, der kann sein Glück nun im Holzfäller Simulator von UIG Entertainment als Waldarbeiter versuchen. Aber wollt ihr das auch? Unser Test verrät es euch.
Philipp Spilker 8. Mai 2010 - 14:25 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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von Florian Pfeffer

Ah, der Geruch von frischem Holz! Wilde Wald-Romantik, hünenhafte Männer, die mit Karohemden und Axt bewaffnet ins Gelände ziehen, in Panik aufspringendes Rotwild und unter den Schuhen knirschendes Geäst. Keile werden in Stämme getrieben, es kracht mächtig im Unterholz, wenn ein Baum fällt. Und abends wird dann die aktuelle Flamme Rosi mit dem Traktor aus dem Nachbarweiler abgeholt.

Derartiger Anachronismus ist zwar immer noch Gegenstand zahlreicher Groschenromane und Vorabendserien, hat aber beim Holzfäller Simulator von UIG Entertainment nichts verloren: Hier gibt's  Großmaschinen und industrielle Rodung. Der Spieler steuert fünf Arbeitsmaschinen, vom Traktor bis zum kompletten Sägewerk, zwischen denen jederzeit per Tastendruck gewechselt werden kann. Das hört sich nach Abwechslung an? Dachten wir auch.


Holz vor der Hütten

In der ersten Mission bestellt die französische Firma Melleroy 20 Bretter für Küchenarbeitsplatten von uns. Mit der Aufgabe werden wir sogleich allein gelassen: Ein Tutorial gibt es leider nicht, so dass die äußerst gewöhnungsbedürftige Tastatursteuerung per mitgeliefertem Faltblatt erlernt werden muss. Es gilt nun also Bäume zu schlagen, zum Sägewerk zu transportieren, auf das Förderband zu hieven und die fertigen Scheite auf einen LKW zu verladen. Die Reihenfolge dieser Arbeitsschritte ist fest vorgegeben und kann nicht variiert werden. Realismus schön und gut, aber an dieser Stelle wurde zugunsten der Spielbarkeit doch etwas getrickst: alle fünf Stationen befinden sich praktischerweise in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander auf einer idyllischen Lichtung.

Die Bäume stehen außerdem so vereinzelt, dass man bequem mit den schweren Arbeitsmaschinen zwischen ihnen hindurch fahren kann. Von schwer wegbarem Unterholz keine Spur, einmal abgesehen von ein paar Sträuchern, die jedoch keinerlei Widerstand bieten. Da es nicht möglich ist, das Gebiet zu Fuß zu erkunden, setzen wir uns nun also per Tastendruck in den Harvester, eine Art Traktor mit angehängter Kreissäge, und machen uns damit auf die Suche nach unserem ersten Opfer. Einige Bäume sind mit einem roten Kreuz markiert, die meisten nicht. Nur die Bäume mit einer Markierung können gefällt werden: nachhaltige Forstwirtschaft beziehungsweise schlampige Engine-Programmierung lassen grüßen. Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal fällt uns nun die Steuerung negativ auf, weil sie uns immer wieder zum Rangieren und Nachkorrigieren zwingt. Denn der Trecker kommt unglaublich träge in die Gänge, aber wenn er erst einmal in Fahrt gekommen ist, rollt er ungewollt wie eine angestoßene Billardkugel weiter.

Baumfällen schwer gemacht

Sind wir in der Nähe eines zum Fällen freigegebenen Baums angekommen, muss die Kreissäge angesetzt werden. Dies kann aber nur in einem sehr fest definierten Winkel und Abstand zum Baum erfolgen, wobei eine Art Radar in der unteren rechten Bildschirmecke helfen soll. Anhand dieser Radaranzeige die richtige Entfernung zum Baum zu finden, ist allerdings nicht nur zeitraubend, sondern auch ärgerlich gelöst. Die Anzeige ist äußerst ungenau, und der Holzernter reagiert sehr träge auf unsere Tastatureingaben. Irgendwann aber ist die Tanne dann endlich zentriert und die Kreissäge angesetzt. Einen Tastendruck später liegt das Nutzholz auch schon am Waldboden. Ein guter Zeitpunkt, die vom Hersteller in der Produktbeschreibung hervorgehobene Physikengine zu erwähnen, die den eben gefällten Stamm elegant den leicht geneigten Waldboden hinabrollen lässt, direkt auf das idyllisch plätschernde Bächlein zu, in dem er kurz darauf versinkt und für uns unerreichbar fortan am Grund als Dekogegenstand vermoost. Und dabei hatten wir immer gedacht, Holz schwimme auf Wasser …


Das X markiert den Punkt, nicht nur bei Guybrush Threepwood: Dieser Baum wird bald am Boden liegen.

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Simulation
Berufssimulation
UIG Entertainment
15.02.2010 (PC)
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