Simplere Alternative zu LoL & Dota

Heroes of the Storm Test

Wie bei Hearthstone setzt Blizzard wieder auf Free-to-play, niedrige Einstiegshürden, leicht zu erlernende Mechaniken und jede Menge Feinschliff. Doch reicht das aus, um gegen die bärenstarke Konkurrenz von League of Legends und Dota zu bestehen?
Karsten Scholz 2. Juni 2015 - 15:08 — vor 2 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Nach den finanziellen Erfolgen von Free-to-play-Titeln wie World of Tanks oder League of Legends (GG-Test: 7.0) war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch eine etablierte Spieleschmiede wie Blizzard an dem alternativen Bezahlmodell versucht. Der erste Streich der kalifornischen Entwickler, das virtuelle Kartenspiel Hearthstone (GG-Test: 8.0), ist auch heute noch derart erfolgreich, dass Konkurrenten wie Scrolls oder Hex bestenfalls einen Nischenplatz einnehmen. Ähnliches soll jetzt auch Heroes of the Storm (kurz HotS) im Genre der MOBAs schaffen, und zwar mit den altbekannten blizzardschen Tugenden, mit denen sie in der Vergangenheit bereits den MMO-Markt revolutionieren und die Echtzeitstrategie am Leben erhalten konnten. Doch reichen der zeitlose Comicstil, 36 bekannte Blizzard-Spielfiguren, eine niedrige Einstiegshürde und jede Menge Polierarbeit aus, um sich gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz aus LoL, Dota 2 und Heroes of Newerth durchzusetzen?
 
Kein weiteres sperriges MOBABisher galt das Genre der MOBAs als sperrig und wenig einsteigerfreundlich - vor allem hier will Blizzard mit HotS ansetzen und sich von der Konkurrenz abheben. Wenn ihr euch zu Beginn des Spiels als Frischling outet, landet ihr im Tutorial, in dem euch die Warcraft-Legende Uther Lichtbringer unter anderem die Steuerung eures Helden erklärt: Mit einem Rechtsklick bewegt ihr euch über die Karte oder greift Feinde an, via Tastenkürzel aktiviert ihr eure Fertigkeiten und mit der linken Maustaste löst ihr Zauber aus, die in einem bestimmten Gebiet niedergehen. Auch das grundsätzliche Spielprinzip habt ihr schnell kapiert, unterscheidet es sich doch nur im Detail von anderen MOBAs. In den Partien kämpfen stets zwei fünfköpfige Teams um die Vorherrschaft auf der Karte. Den Sieg erlangt ihr, indem ihr euch durch mehrere Verteidigungslinien aus Mauern und Türmen prügelt und schließlich die Zitadelle des Feindes zerstört. Unterstützt werdet ihr dabei von regelmäßig auftauchenden Dienergruppen, die automatisch den Wegen auf der Karte folgen und dort jeden Feind angreifen, der sich ihnen entgegenstellt. Weitere Verstärkung winkt, wenn ihr abseits der Straßen neutrale Söldnertruppen bezwingt und sie so "überredet", fortan an eurer Seite zu kämpfen.
Alle paar Levels dürft ihr euch aus mehreren Charakterverbesserungen eine auswählen.

EXP für AufstiegeEgal ob ihr Diener umhaut, ein Söldnercamp hochnehmt oder Befestigungen zerstört, stets erspielt ihr euch für das Team-Konto Erfahrungspunkte und steigt so im Level auf.  Moment, ein Team-Konto? Genau, in HotS ist es völlig egal, wer dem Feind den Todesstoß verpasst oder Diener am Fließband erledigt, weil alle Kameraden gleichermaßen von der gewonnenen Erfahrung profitieren. Das mag nur ein kleiner Unterschied zur Konkurrenz sein, doch zeigt er in der Praxis große Wirkung. Interne Zwists um das größte Ego gibt es nicht, alle sitzen im selben Boot. Das freut vor allem Einsteiger, die in anderen MOBAs regelmäßig das Nachsehen haben, weil die Veteranen im Level davon ziehen.
 
Auf in den Kampf!
Mit jedem Stufenaufstieg erhaltet ihr übrigens nicht nur einen Wertepush, sondern dürft alle paar Levels bis zu sieben Verbesserungen erlernen. Welche, das entscheidet ihr: Bei jeder Wahl stehen mehrere Fertigkeiten zur Auswahl bereit, ähnlich wie bei der Talentmatrix in WoW. Die verstärken meist die drei Primärfähigkeiten oder die passive Eigenschaft eures Helden, ihr könnt auf die Art aber auch völlig neue Zauber wie einen Teleport freischalten, der euch per Knopfdruck aus einer Gefahrensituation herausbringt. Sobald ihr euch für ein Talent entschieden habt, stehen euch die verschmähten Optionen für den Rest der Partie nicht mehr zur Verfügung.

Simpler als Dota & LoL –
aber komplex genug
Abseits der Talententscheidungen gibt es für euch keine Möglichkeit, den eigenen Helden weiter zu verbessern. Ihr könnt ihn also nicht in eurer Basis mit Gegenständen und Rüstungen ausstatten, um etwa seinen Schaden zu steigern. Das mag Genreveteranen nicht gefallen, doch sorgt die Vereinfachung dafür, dass das Tempo in den Partien durchgehend hoch bleibt. Zwangspausen in der Festung gibt es kaum, ihr treibt euch ständig dort herum, wo der sprichwörtliche Bär steppt. Selbst bei schlechter Gesundheit müsst ihr euch nur selten per Ruhestein zurück zur Basis teleportieren, weil euch entweder ein naher Heiler verarztet, ihr Gesundheitskugeln einsammelt oder ihr euch zu einem der Heilbrunnen in der Nähe eurer Verteidigungslinie begebt.

Obwohl das Charaktersystem simpler ausfällt als bei der Konkurrenz, ist es aus unserer Sicht immer noch komplex genug. Das liegt vor allem an den 36 Blizzard-Helden, die sich unterschiedlich spielen - und das nicht nur, weil sie als Krieger, Assassine, Unterstützer oder Spezialist verschiedene Rollen einnehmen. Auch innerhalb eines Aufgabengebiets besitzen zum Beispiel Unterstützer wie Malfurion, Funkelchen oder Li Li ihren ganz eigenen Spielstil. Zudem lässt sich jeder Held je nach Talentwahl auf verschiedene Arten spielen, mal etwas defensiver, mal mit mehr Offensivkraft oder mit stärkeren Kontrollmöglichkeiten. Spätestens wenn ihr mit vier Freunden andere Spielergruppen herausfordert, müsst ihr genau überlegen, wie ihr euren Reck
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en im Laufe der Partie ausbildet und welche Helden- oder Talentkombinationen euch zum Sieg verhelfen.

Neben dem Charakterfortschritt innerhalb einer Partie gibt es in HotS auch ein mehrgleisiges Fortschrittssystem außerhalb der Kämpfe, da ihr euch mit jeder Schlacht Erfahrungspunkte für den eingesetzten Helden sowie euren Account erspielt. Mit den richtigen Belohnungen könnte solch ein System unglaublich motivierend sein, doch genau hier hapert es. Einzig die ersten Stufenaufstiege für euren Helden sind wichtig, weil ihr so neue Talente freischaltet. Nach ein paar Partien besitzt ihr jedoch das gesamte Arsenal eures Kämpfers, danach warten neben Gold nur noch kosmetische Spielereien wie Heldenporträts oder Skins auf euch. Nur wenig besser sieht es bei den Account-Belohnungen aus, die ebenfalls viel zu oft aus Gold bestehen. Auf Stufe 6 aktiviert ihr die wichtigen täglichen Quests, auf den Leveln 12 und 15 winkt eine Erweiterung der wöchentlichen Heldenrotation. Danach müsst ihr euch bis Stufe 30 beziehungsweise 40 gedulden, bis ihr euch den Zugang zur Helden- und Teamliga erspielt - was als Gelegenheitsspieler  locker ein paar Monate dauern kann.
Dynamische Kriegsschauplätze
HotS verwöhnt euch mit unterschiedlichen Karten, die ihre eigenen Besonderheiten besitzen. 1 In den Geisterminen sammelt ihr Schädel, um euren Golem auf der Oberwelt zu stärken. 2 Im Tempel des Himmels nehmt ihr wiederum Tempelanlagen ein, um feindliche Gebäude mit Lasern zu zerstören. 3 Erlangt ihr in den Drachengärten zeitgleich die beiden Schreine, dürft ihr euch in einen mächtigen Drachen verwandeln. 4 In den Garten der Ängste vernichtet ihr dagegen Unkraut, damit ein Pflanzenmonster an eurer Seite kämpft. 5 Steckt ihr schließlich dem Piraten in der Schwarzherzbucht genug Goldtaler zu, nimmt er eure Widersacher mit seiner Kanone aufs Korn. 6 Und sobald ihr in der Grabkammer der Spinnenkönigin 50 Scherben abgebt, treten drei Arachniden eurem Team bei.
 
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