Der Oldschool-Shooter

Hard Reset Test

Ein PC-exklusiver Shooter, der gezielt auf ein traditionelles Spielgefühl setzt und noch dazu auf einen Mehrspieler-Modus verzichtet? Wir prüfen in unserem Test, ob sich der durchschnittliche Eindruck aus der Vorabversion bestätigt – oder ob uns Flying Wild Hog dank Cyberpunk-Setting und eigener Grafik-Engine doch noch voll überzeugt.
Bernd Wener 13. September 2011 - 15:53 — vor 7 Jahren aktualisiert
Hard Reset ab 5,99 € bei Green Man Gaming kaufen.
Hard Reset ab 3,70 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.


Alles hätte so schön sein können! Als Major Fletcher freuen wir uns nach unserer Schicht als Söldner für die CLN auf den Feierabend nebst Drink in der nächsten Bar. Stattdessen werden wir zu Überstunden verdonnert und sollen einen Vorfall in Sektor 6 von Bezoar untersuchen. Dieser Moloch von Stadt ist die letzte Bastion der Menschheit und wird von den Maschinen, die sich aus Robotern und Cyborgs rekrutieren, angegriffen.

Ja, alles hätte so schön sein können bei Hard Reset! Doch wir wollen von vorne beginnen. Der PC-exklusive Shooter vom polnischen Team Flying Wild Hog soll explizit Freunde von Oldschool-Shootern wie Painkiller oder Serious Sam ansprechen. Traditionelle Spielmechanik ohne Ducken und Deckungssystem, Arena-Kämpfe, Health-Pakete statt automatischer Heilung, versteckte Secrets – alles Zutaten, die Leute, die mit Doom und Duke Nukem 3D spielesozialisiert wurden, aufhorchen lassen. Warum uns das Rezept dennoch wenig mundete, wollen wir euch hier erläutern.
Action- und effektgeladene Gefechte setzt die hauseigene Road-Hog-Engine knallig in Szene.

Ladebildschirm-GeschichteDie Geschichte von Hard Reset wird fast ausschließlich in Comic-Form während der Ladebildschirme zwischen den Missionen erzählt. Lediglich noch ein paar wenige Funksprüche während eurer Aufträge bekommt ihr obendrauf zu hören. Der Cyberpunk-Ansatz gefällt uns richtig gut, es geht um Nano-Technologie, ihr ladet euch künstliche Intelligenzen über eine Schnittstelle direkt ins Hirn. Dazu kommen die einfallenden Horden von Mechanoiden. Das Geschehen nimmt sogar eine kleine unerwartete Wendung, als wir einen bestimmten Wissenschaftler stellen.
Die dünne Hintergrundgeschichte wird während der Ladepausen im Comicstil erzählt.

Doch zu unspektakulär ist die Präsentation, zu oberflächlich die Erzählung. Allzu oft ertappten wir uns dabei, dass wir nach dem Laden die Sequenz überspringen wollten. Was es mit dem dritten Bosskampf auf sich hatte, wurde uns vom Spiel vorsichtshalber gar nicht erst näher erläutert. Schade, denn der Kampf auf dem Dach eines Hochhauses war ein richtiger Lichtblick, bei dem wir uns dachten: Super, jetzt kann die Action endlich richtig losgehen!

Dumm nur, dass es sich bereits um den Endkampf handelte. Ja, Hard Reset ist kurz. Gerade mal vier Stunden dauerte unser Ausflug nach Bezoar. Da tröstet selbst der Budget-Preis von knapp 30 Euro nicht, insbesondere weil das Spiel auch auf einen Mehrspieler-Modus verzichtet.

Traditionell oder altbacken?Wie vom Entwickler beabsichtigt, erweist sich das sich einstellende Spielgefühl bei Hard Reset als sehr traditionell. Die Levels sind allesamt recht linear aufgebaut, ab und an müsst ihr ein Terminal finden, um eine Energiebarriere zu deaktivieren. Dann erscheint -- uns hat das sehr gut gefallen -- ein Mauszeiger, mit dem ihr direkt in der Spielgrafik die Buttons des Terminals bedient. Segnet ihr das Zeitliche, setzt euch das Spiel an einen meist fair gesetzten Checkpunkt zurück. Warum Flying Wild Hog diesbezüglich von einer traditionellen Quicksave-Funktion abgesehen hat, können wir uns nur mit künstlicher Streckung der Spielzeit erklären. Zwar regenerieren sich eure Schilde, für bessere Gesundheit sorgen aber aufgesammelte grüne Container.

Rote und blaue Behälter enthalten Munition für eure Waffen. Orange Kästen wiederum bringen euch die sogenannte N.A.N.O.-Währung, mit der ihr an bestimmten Terminals Upgrades kaufen könnt. Die Nanos (das wäre vermutlich die umgangssprachliche Bezeichnung...) findet ihr oft hinter Mauern versteckt, die ihr mittels explosiven Fässern sprengen müsst. Sie wandeln eure Waffen in andere Modelle um.

Optisch vorzeigbar
Das Versagen auf der Story-Seite und das "vorzeitige" Ende des Spiels, gerad
Anzeige
e, als es spannend wird, sind jammerschade. Denn rein optisch macht Hard Reset vieles richtig. Scharfe Texturen, schöne Partikel- und Raucheffekte und eine Beleuchtung, die die düstere Cyberpunk-Stimmung gut einfängt. Das meist schummrige Licht wird immer wieder durch grelle Leuchtreklamen erhellt. Bunt leuchtende Automaten versuchen uns mit Sprüchen wie "Live to buy - buy to live" vom Konsum zu überzeugen.

Auch die Physik-Engine hat uns beeindruckt: Ob es nun die vielen Kisten und Autoreifen sind, oder die unter metallischen Klirren in ihre Einzelteile zerspringenden Gegnermassen -- in Sachen "merkliche Auswirkungen unseres destruktiven Tuns" steht Hard Reset dank Havok-Grundgerüst nur wenigen aktuellen Titeln nach. Es macht Spaß, die Waffen sprechen und die Objekte zerspratzen zu lassen.

Grafisch braucht sich Hard Reset, zumindest auf den hohen Detailstufen (siehe unser Vergleichsbild unten) also nicht vor der teureren aktuellen Konkurrenz zu verstecken. Doch es kommt auch auf die Vielfalt und Abwechslung des Gezeigten an. Und insbesondere die Gegnervielfalt lässt doch sehr zu wünschen übrig, dazu mehr auf der nächsten Seite.
before
after
Rechts: Dreht ihr alle Details auf Anschlag, lässt die Road-Hog-Engine ihre Muskeln spielen, knackscharfe Texturen und schicke Beleuchtung inklusive.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 50 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.