Planetarer Paukenschlag

Halo Reach Test

Über 30 Millionen mal hat sich die Halo-Serie weltweit verkauft. Lässt man eine solche Erfolgsserie enden? Man lässt. Wie lässt man eine solche Serie enden? Mit einem Paukenschlag! Bei Halo Reach fährt Bungie noch mal alle Rezepte auf, die die Saga um den galaktischen Krieg zwischen Covenant und Menschen zum Hit gemacht haben.
Rechen 12. September 2010 - 4:59 — vor 9 Jahren aktualisiert
360
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Ein Universum, in dem auch gute Hard-Science-Fiction spielen könnte. Taktisch angehauchte Baller-Action, die im ersten Teil das automatische Hitpoint-Aufladen (genauer: Schild-Regeneration) erfand. Alien-Gegner, die man gleichzeitig verachten und fürchten kann. Dazu zahlreiche Vehikel und Fluggeräte, in die wir zur Abwechslung vom Infanteristenalltag springen. Ferner ein enorm vielseitiger Multiplayer-Modus, der zu den meistgespielten auf dem Planeten Erde gehört. Und nicht zuletzt der Master Chief als wortkarger Elitesoldat, der fast im Alleingang Ereignisse von geradezu kosmischen Konsequenzen beeinflusst. Das waren die Zutaten, die aus der Xbox- und später 360-Exklusivserie Halo eine der erfolgreichsten Videopielemarken überhaupt gemacht haben.
 
Das Halo-Universum [Spoiler]
Im Jahr 2525 wird die menschliche Kolonie Harvest von den Covenant zerstört – der Verbund diverser Alienrassen hält die Menschheit für eine Beleidigung ihrer Götter, den "Forerunners". Diese wiederum löschten einst alles bewusste Leben in der Galaxie aus, indem sie sieben Halo-Ringwelten aktivierten, die in Wahrheit eine riesige Waffe darstellten. Dieser brutale Kahlschlag war die letzte Rettung davor, dass eine "Flood" genannte Parasitenform die Galaxie übernahm – indem er den Parasiten ihre Wirtskörper nahm.

Diesen Hintergrund ihrer Götter aber kennen die Covenant zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was auch zu einem gewissen leichtfertigen Umgang mit den Ringwelten führt. Auch von den Flood ahnen die Aliens nichts, sie wollen einfach die Menschheit auslöschen. Was ihnen auch Schlacht um Schlacht, Welt für Welt gelingt – ihre Schiffstechnologie ist der irdischen überlegen.
 
Im Jahr 2552 erreichen die Covenant den Planeten Reach, der die letzte größere Bastion der Menschheit außer der Erde selbst darstellt. Sie verwandeln mit ihren Orbitalbombardments einen Großteil der Oberfläche in geschmolzenes Glas und vernichten die dort massenweise eingesetzten Spartans. Diese Geschichte wird im letzten Halo-Teil Reach erzählt.
 
Halo 1 setzte hingegen ein, als einer der Elitekrieger, der Master Chief, mit der Pillar of Autumn von Reach zu einer Halo-Ringwelt flüchtet. Im Laufe der ersten drei Halo-Teile kommt es zu wechselnden Allianzen, wird die Bedrohung durch die wiedererweckten Flood-Parasiten immer größer, wird die Erde selbst attackiert und werden die Halo-Ringwelten gesprengt. Ganz am Ende driftet der Master Chief, in schockgefrorenem Zustand durchs All...


In Halo Reach verteidigen wir als Spartan-Elitesoldat (oben) den Planeten Reach gegen die Covenants. Das ist keine homogene Rasse, sondern eine Allianz von Aliens, die sich teils deutlich unterscheiden (siehe Bilder Mitte und unten).
Halo Reach taucht noch einmal tief in die bekannte Requisitenkiste, und sucht das Erfolgsrezept auf die Spitze zu treiben. Offensichtlichster Unterschied: Wo bislang ein einziger Elitekämpfer in Wunderrüstung herumlief, begleitet von normalen Soldaten, sind es nun gleich mehrere  – der Master Chief nämlich war schlicht ein Angehöriger der Eliteeinheit der Spartans. In Halo Reach erfahrt ihr, wie diese Antwort der menschlichen Rasse (oder genauer, der UNSC) auf die bösen Covenant ihr Ende findet. Reach ist nämlich in gewisser Weise das Prequel zu Halo 1. Das ist in soweit ein netter Kniff, als Halo Reach selbst definitiv das letzte Spiel der bisherigen Halo-Serie darstellt: Microsoft kaufte einst Bungie auf und machte aus dem PC-Spiel Halo einen zentralen Xbox-Exklusivtitel (einzelne Teile erschienen später auch für Windows und MacOS). Doch 2007 erlangte Bungie die Unabhängigkeit zurück. Reach ist der letzte Titel, den Bungie für Microsoft erstellt, wobei die Marke Halo beim Softwaregiganten verbleibt.

Alien-Invasion
 
In Halo Reach erlebt ihr das Ende einer Welt und den Untergang der Spartans. Deren Namen leitet sich nicht von ungefähr her: Auch die historischen Spartaner, die vorherrschende Macht auf der Peloponnes und zeitweise von ganz Hellas (Griechenland), waren für ihre Wortkargheit berühmt und wegen ihrer Überlegenheit im Kampf gefürchtet. Im Halo-Universum wurden die Spartans gegründet, um einen Bürgerkrieg zwischen den inneren und äußeren menschlichen Kolonien beizulegen, ohne dass es zu verlustreichen Massenschlachten kommt.

Ob Bungie aber schon bei Entwicklungsbeginn Ende der 90er Jahre plante, auch die Schlacht um die Thermophylen nachzustellen? Denn um nichts anderes geht es im Prinzip beim Prequel (siehe Kasten rechts) Halo Reach: Eine quantitativ unterlegene menschliche Streitkraft muss versuchen, den Planeten Reach als letztes Bollwerk zwischen den Alien-Invasoren und der Erde zu halten – ganz wie einst einige 300 Spartaner mit etwa 1000 Mann Hilfstruppen den Pass der "Heißen Quellen" gegen ein vielfach überlegenes Persisches Heer verteidigen sollte. Damit endet die Parallele aber nicht: Wohl jeder weiß, wie der Kampf "der 300 gegen eine Million" (um die übliche Übertreibung zu verwenden) am Ende ausgegangen ist...
 
Die heroische Abwehrschlacht erleben wir in Halo Reach hautnah mit, dazu schlüpfen wir in die Haut des neusten Mitglieds des Noble-Teams, einer Spartans-Squad. Sie ist Teil einer groß angelegten Gegeninvasion der UNSC, um die Covenant wieder von Reach zu vertreiben. Einen Namen bekommen wir nicht, unsere Kollegen nennen uns schlicht Noble-Sechs. Angeführt wird das Spartan-Team von Nobel-Eins, der sich uns als Carter vorstellt. Auch die anderen Mitglieder haben eigene Namen und sind außerdem allesamt vertont. So bekommt jeder der Soldaten eine individuelle Note, die sich auch in den Gesprächen untereinander bemerkbar macht. Kat ist zum Beispiel die Technik-Expertin der Squad, während Jorge der Mann, Pardon, Spartan fürs Grobe ist.
 
Wir dürfen den neusten Halo-Teil übrigens sowohl als Mann als auch als Frau durchspielen. Und, wie schon in Halo 3, gilt: Per Koop-Modus lässt sich die gesamte Kampagne auch zu zwei, dritt oder viert erleben. Und zwar wahlweise online oder via Systemlink, wobei jeweils zwei Spieler auch per Splitscreen agieren können. Minimal benötigt ihr also ein Systemlink-Kabel sowie je zwei Xbox-Konsolen, Halo-Reach-Spiele und Monitore, schon könnt ihr zu viert die Story erleben – ein Heidenspaß! Weiter hinten im Testbericht gehen wir noch genauer auf den Koop-Modus ein, und auch auf den zweiten (überwiegend) kooperativen Modus des Spiels, Feuergefecht.

Die Kampagne müsst ihr nicht alleine durchspielen. Bis zu drei Freunde könnt ihr mit auf die Reise nehmen.
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