Rückkehr des Master Chief

Halo 4 Test

Bungie ist Halo. Das jedenfalls galt neun Jahre lang, bis Bungie sich von Microsoft freikaufte und dabei die prestigeträchtige Reihe an 343 Industries vererben musste. Deren Halo 4 stellt den Auftakt zu einer neuen Trilogie dar, die die Vorgänger in den Schatten stellen soll. Wir sind mit dem Master Chief in den Kampf gezogen.
Benjamin Braun 1. November 2012 - 20:54 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Wir haben den Artikel um unsere Analyse und Bewertung des Multiplayer-Modus erweitert. Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Eines muss man Halo lassen: Das Science-Fiction-Universum hinter der 2002 (noch auf der ersten Xbox) gestarteten Spielereihe ist weitaus komplexer, als man das von einem Ego-Shooter erwarten würde. Wohl auch deshalb ist der Ruf der Fans nach dem lange angekündigten Kinofilm immer noch deutlich zu vernehmen. Noch viel lauter aber ist der Ruf nach einer Fortsetzung. Denn seit dem 2007 veröffentlichten Halo 3 erschienen lediglich die Serienableger Halo Wars, Halo ODST und Halo Reach (alle entwickelt von Bungie) sowie das HD-Remake des ersten Teils, Halo Combat Evolved Anniversary, von 343 Industries.

Anfang November 2012 ist es nun soweit: Microsoft schickt den Master Chief ein weiteres Mal in den Kampf. Bungie ist bekanntlich nicht mehr mit an Bord, weil sie sich von Microsoft loskaufte. Stattdessen werkelt 343 an einer neuen, natürlich wieder Xbox-exklusiven Trilogie. Wir haben den Auftakt der Reclaimer-Trilogie für euch gespielt und verraten euch in unserem Test, ob es angesichts von Halo 4 Zeit ist für alle Xbox-Verächter, vor Neid so grün zu werden wie die Rüstung des Master Chief.

Rückkehr aus dem EisVier Jahre, sieben Monate und zehn Tage ist es her, seitdem sich der Master Chief nach seiner letzten Mission in Halo 3 auf einem havarierten Raumschiff in einer Kryogenkapsel schlafen legte und seine Begleiterin, die KI Cortana, ein Notsignal absetzte. Den Untergang der menschlichen Zivilisation hatten sie verhindert – oder glaubten das zumindest. Doch im Jahr 2557 kommt es zu einem Zwischenfall mit der Infinity, einem Forschungsschiff des UNSC (United Nation Space Command). Nachdem die Infinity in Kontakt mit einem der Halo-Ringe geraten ist, muss es auf dem Planeten Requiem notlanden. Cortana ahnt, dass Unheil heraufzieht und erweckt den Master Chief aus seinem Kälteschlaf.

Die Welt und die Menschheit sind wieder mal in Gefahr, neue Allianzen wurden geschmiedet, die Flood kämpfen gemeinsam mit den Grunts, und überhaupt scheint sich alles gegen die menschliche Rasse verschworen zu haben. Ein Halo-Ring wird gebaut, mit dem den Menschen endgültig der Garaus gemacht werden soll. Von wem genau, das gilt es herauszufinden. Die UNSC steht bereit, dem Master Chief zu helfen, doch es werden Zweifel an den Informationen Cortanas laut und es dauert nicht lange, bis er wieder komplett allein auf sich gestellt ist. Gelingt es euch in seiner Person, den „Didaktiker“ zur Strecke zu bringen, um die Menschen und die Erde zu retten?

Cineastisch bis zum SchlussHalo 4 ist laut Microsoft die bisher teuerste Spieleproduktion des Konzerns. Angesichts der unzähligen Zwischensequenzen glauben wir das gern. Allein die mehrminütige Eröffnungssequenz erreicht beinahe das Niveau der phänomenalen Rendervideos aus Diablo 3. Allerdings mit dem Unterschied, dass Halo 4 die ernstzunehmendere Geschichte erzählt. Da geht es nicht nur um den Überlebenskampf der Menschheit, sondern auch um die persönliche Beziehung zwischen dem Master Chief und der KI Cortana. Wie sie ihrem Begleiter schon früh im Spiel offenbart, ist sie im Begriff, zu degenerieren und prophezeit, nicht ewig an der Seite des Master Chiefs bleiben zu können. Das ist Herzschmerz auf die etwas andere Art, geht es hier doch um eine eher sonderbare Freundschaft.

Was Halo 4 bei all den Querbezügen zu den Vorgängern ein bisschen vermissen lässt, ist das Mitnehmen der Halo-Einsteiger. Denn wie die Spartan-Superkrieger, zu denen auch der Master Chief zählt, genau entstanden und warum sie so umstritten sind, wird nur Kennern der Serie deutlich. Auch die Allianzen und Spezies im Halo-Universum werden zu wenig erläutert. Spätestens wenn dann von den Blutsvätern, die einst das Universum bedrohten, die Rede ist, dürften die meisten Neueinsteiger dazu geneigt sein, storytechnisch abzuschalten. Und der Didaktiker, nun, das ist halt einfach der Böse, der aufgehalten werden muss. Fans der Reihe allerdings können sich einmal mehr an einem für Shooter-Verhältnisse tiefgründigen Szenario und geschliffenen Dialogen erfreuen.

Viele Waffen töten viele Gegner
Auch wenn wesentlich mehr auf dem Spiel steht als das Leben der Crew der Infinity, müsst ihr zunächst das Forschungsschiff finden und dessen Flucht von Requiem ermöglichen. Dazu müsst ihr die Flugabwehr auf dem Boden ausschalten und ein mögliches Startfeld freikämpfen. Ihr schlagt euch durch ein dichtes Dschungelgebiet, eine weitläufige Wüstensteppe, aber auch durch die sterilen Gänge einer Forschungsstation oder die gigantischen Hallen des Didaktikers. Wie in den Vorgängern gibt es keine Anzeige für Lebensenergie, sondern lediglich für den Energieschild. Ist der aufgebraucht, ist der Chief zwar noch nicht tot, aber ihr solltet in jedem Fall aus der Schusslinie gehen, damit der Schild sich wieder aufladen kann.

Mehr als 20 Waffen stehen euch in Halo 4 zur Verfügung, um die Feinde aus dem Weg zu räumen. Ihr könnt immer nur zwei davon bei euch tragen und niemals zwei des gleichen Typs. Das Angebot reicht vom gewöhnlichen Assault Rifle über das Shotgun-ähnliche Streugewehr bis hin zu Sniper Rifle oder Raketenwerfer. Das Besondere an Halo: Schon in den ersten Levels könnt ihr fast alle verfügbaren Waffentypen irgendwo finden. Darüber hinaus gibt es noch diverse Alien-Waffen, die ihr bei gefallenen Feinden aufsammeln könnt. Oder vielmehr müsst ihr das sogar, da eure Munition ziemlich schnell zur Neige geht. Zu schnell: Gerade am Anfang sin
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d wir ziemlich oft gezwungen, Nachschub zu suchen. Da erweist es sich als zusätzlicher Nachteil, dass die am Boden liegenden Waffen nicht immer gut zu erkennen sind. Die Überreste der Feinde sind im Eifer des Gefechts nicht immer eine hilfreiche „Markierung“. Die Waffen der Menschen oder auch die Verbrennungskanone der Jäger-Spezies benötigen größtenteils gewöhnliche Projektile.Viele Alien-Waffen wie die Plasmapistole verfügen hingegen über einen festen Energievorrat: Jeder Schuss senkt den Ladestand des Schießprügels, aufladen ist nicht. Wollt ihr also eine Plasmapistole mit höherer Restladung, müsst ihr sie manuell bei einem der getöteten Feinde wechseln. Bei Projektilwaffen sammelt ihr die Munition anderer Waffen ein, indem ihr einfach drüber lauft. Aber nur, wenn ihr diesen Typ gerade ausgerüstet habt. Ihr könnt also keine Munition für das Sturmgewehr horten, wenn ihr es nicht bei euch habt. An einigen Stellen, insbesondere in Innenlevels, findet ihr auch regelmäßig Waffenstationen, wo ihr frische Knarren und drei Granattypen (Splitter, Plasma, Implosion) findet.
Schauplatz-Vielfalt
Halo 4 schickt euch in den acht umfangreichen Missionen in sehr abwechslungsreiche Bereiche. Ein paar Beispiele: 1 Im Dschungelabschnitt ist das Gebiet nicht ganz so weitläufig wie in anderen Außenlevels, dafür ist es das hübscheste im ganzen Spiel. 2 Draußen geht genauso viel ab wie in der Anlage, in der wir uns auf diesem Bild befinden; aus Spoilergründen werden wir nicht spezifischer. 3 Hellere und düstere Schauplätze wie in diesem Fall wechseln sich stetig ab, weshalb so schnell keine Langeweile aufkommt. 4 In der Wüste zeigt Halo 4, dass die Engine auch sehr weitläufige Areale mit hoher Weitsicht darstellen kann. 5 Wieder eine ganz andere Lichtstimmung erwartet uns in diesem schwebenden Turm; sie wirkt hell, aber auch ziemlich "giftig". 6 Es geht aufs Ende zu, und so ist es wohl kein Zufall, dass die Umgebung im letzten Beispiel-Screenshot ein bisschen was von einer Science-Fiction-Hölle hat.
 
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