Test: Ein Meilenstein der Serie?

Halo 3: ODST Test

Ursprünglich sollte dieses Spiel einmal ein Downloadinhalt für Halo 3 werden. Dann hieß es Halo: Recon. Mittlerweile ist es zum Vollpreistitel Halo 3: ODST ausgebaut worden, versetzt euch in die Haut von Elitesoldaten und lässt im Firefight-Modus selbst den Master Chief grün vor Neid werden.
Jörg Langer 20. September 2009 - 14:21 — vor 9 Jahren aktualisiert
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New Mombasa, Kilowani-Station, es ist 23 Uhr deutscher Zeit und die Furcht ist groß. Nein, wir  haben keine Angst vor den Covenant, jenen Aliens, die unsere schöne Erde in ein Trümmerfeld verwandeln. Wieso auch, die sehen mit ihren strahlend blauen Anzügen und Hörnern ja fast schon putzig aus. Wir haben Angst um einen Kameraden, Romeo sein Name. Er ist wie wir Mitglied der Spezialeinheit Orbital Drop Shock Trooper – zwar keine "Übermenschen" wie der Master Chief aus Halo 1 bis 3, aber dennoch absolute Elitesoldaten, die sich direkt vom Raumschiff aus mit Kapseln auf einen Planeten schießen lassen, um dort die Feinde zu überraschen.
 
Romeo hält sich den Brustkorb, das Atmen fällt ihm immer schwererer. „Lasst mich hier“, keucht er. Doch gemeinsam mit Duch, Mickey und Buck bleiben wir bei ihm, ziehen ihn in Deckung, während immer mehr Covenant aus dem Dunkel der spärlich beleuchteten Straßen heraneilen. Dann stürmen wie vor: Eine Granate nach links, eine in die Mitte und Feuern, was das Zeug hält. Eine Sache schafft Halo 3: ODST, das vom DLC zum Vollpreisspiel gewachsene Halo 3-Spinoff mit Bravour: Uns die Kameraden ans Herz wachsen zu lassen. Ja, wir wollen unseren Pixelkollegen retten – während wir in anderen Shootern wie Call of Duty: World at War meist nur austauschbare Pappkameraden sehen. Entwickler Bungie löst das clever, indem er das Spiel non-linear aufbaut und euch mittels Flashbacks immer wieder in andere Charaktere hineinversetzt.

Hier in diesem Plasma steckt der Helm eines Kameraden – der Flashback wird gestartet.
 
Hochspannender Prolog

Die Handlung spielt im Jahre 2552, in New Mombasa. Ein Wunderwerk der Architektur mit riesigen Wolkenratzern, aber auch geschmackvollen Einkaufspassagen, die sich um weite Parkanlagen schlängeln. Das komfortable Teleport-Verkehrsnetz der Stadt wird von der Super Intendent AI verwaltet, Staus gehören der Vergangenheit an. Doch dann erscheinen die Covenant-Kriegsschiffe und beschießen die Stadt. Schnell nehmen die fiesen Aliens das Zentrum ein, töten die Soldaten des United Nations Space Command (UNSC) , sozusagen der NATO der ganzen Menschheit. Die Bewohner werden massakriert. Doch die UNSC gibt nicht auf und entsendet die Eliteeinheit Orbital Drop Shock Trooper unter dem Kommando der Kommunikationsoffizierin Dare.
 
Warum bist du so hässlich: Die Flammen im Polizeiwagen hätten auch vor drei Jahren niemanden überzeugt.
Wir gehören als Rekrut namens „Rookie“ (was Neuling bedeutet) neben den erfahrenen Elitesoldaten Duch, Romeo, Buck und Mickey in unserer ODST-Kapsel Platz, schon werden wir gen Erde geschleudert. Als Frischling des Trupps müssen wir uns während des Flugs allerhand dumme Kommentare anhören. Aber nicht lange: Raketen rasen heran, treffen die Kapsel mit einem lauten Knall. Die Alarmleuchten gehen an, das Gamepad vibriert, als wolle es aus unserer Hand springen. Die Kapsel schlägt hart auf den Boden auf, uns wird für rund sechs Sekunden schwarz vor Augen. Dann blendet der Bildschirm wieder auf, und ohne Orientierung oder Kontakt zu unseren Teammitgliedern stapfen wir durch New Mombasa.

Diese Stadt kennen wir bereits aus Halo 2, Halo 3: ODST spielt zeitlich zwischen dem zweiten und dritten Teil der Halo-Trilogie. (Die echte Fortsetzung soll irgendwann mal Halo: Reach werden.) Die ersten Minuten in ODST sind wenig fordernd, hier und da laufen ein paar Covenant-Brutes Patrouille. Wer mag, kann sie mit ein paar Schleicheinlagen umgehen. Am Anfang mag das Sam-Fisher-artige Schleichen und Infiltrieren ja noch interessant sein, doch nach einer halben Stunde ödet es an.
 
Erschreckende Grafik
 
Leider wird das bis hierhin durchaus schon mal motivierende Geschehen wenig schön dargestellt. Rund acht Millionen Mal hat sich Halo 3 verkauft – wäre da keine neue Grafikengine drin gewesen? Technisch ist Halo 3: ODST quasi jedem ernst zunehmenden anderen aktuellen Action-Titel unterlegen: Matsch-Texturen, immer wieder die gleichen Gebäude oder Gänge in Gebäuden und Explosionen, die verpuffen wie eine Knallerbse – das kann selbst das technisch eher mittelmäßige Fear 2 - Project Origin besser, das ältere Far Cry 2 sowieso. Auch die Detailarmut ist unverständlich, selbst Bioshock aus dem Jahr 2007 sieht deutlich liebevoller und aufwändiger designt aus. Und bietet die schärferen Texturen. Technisch leistet sich Bungie hier ein Armutsszeugnis.
 
Besser gelungen ist die Hintergrundmusik. Sie reicht von orchestral bis Heavy Metal in den Schlachten, während in den Rookie-Missionen Geigenklänge vorherrschen. In den Menüs hört ihr treibende Rockmusik.

Halo 3: ODST setzt weniger auf den kunterbunten Knuddelfaktor von Halo 3, sondern ist stellenweise etwas erwachsener – hier spritzen schon mal kleinere Mengen Blut.

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