Headstart geglückt!

Guild Wars 2 Test

Karsten Scholz 27. August 2012 - 23:51 — vor 7 Jahren aktualisiert
In der Hauptstadt der Sylvari könnt ihr euch mit diesem fliegenden Pflanzen-Kokon zwischen den Stockwerken hin und her bewegen. Sehr stylisch!
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Die Wahl der Waffe entscheidetEgal, für welche Klasse und welches Volk ihr euch letztlich entscheidet: Euer Held greift im Kampf auf maximal zehn Fertigkeiten zurück. Die ersten fünf werden von der Wahl eurer Waffen bestimmt. Trägt unser Dieb zwei Dolche, stehen ihm vor allem Nahkampfangriffe zur Verfügung, die mit allerlei Sprungmanövern oder auch der Flucht in die Tarnung kombiniert werden. Wenn wir vom zweiten Dolch zur Pistole wechseln, ändern sich drei der fünf Angriffe. Plötzlich kombinieren wir Nah- und Fernkampfangriffe und verwirren unsere Gegenüber immer wieder mit gezielten Kopfschüssen und Schwarzpulver-Ladungen. Wenn wir uns schließlich eine zweite Pistole oder einen Bogen schnappen, mutiert der Dieb zum waschechten Fernkämpfer, der aus der sicheren Distanz ordentlich Schaden austeilt.

Vorteil dieses ungewöhnlichen Systems: Statt euch schon bei der Charaktererstellung oder an bestimmten Levelgrenzen auf eine Waffen-Spezialisierung festzulegen, könnt ihr munter rumprobieren. Natürlich werden die meisten von euch eine Präferenz entwickeln, und mit diesem Waffentyp (oder -Kombination) eure Fertigkeiten steigern. Doch wenn ihr mal eine besonders gute andere Waffe findet, ist das Ausprobieren eben nur einen Mausklick entfernt. Und bevor ihr euch verseht, habt ihr auch dafür einige Fertigkeiten erlernt, und verfügt plötzlich über eine ernsthafte Alternative. Apropos Alternative: Für euren Helden könnt ihr euch vorab zwei Waffensets definieren, zwischen denen ihr im Kampf per Knopfdruck wechselt. So könnt ihr mit den Pistolen einen feindlichen Zentauren anlocken und ihm einheizen, bis er nahe genug für den Gegenschlag an euch dran wäre. Jetzt wechselt ihr schnell auf die Dolche und gebt dem bereits geschwächten Feind in Windeseile den Rest. Und wenn ihr für eine Aufgabe ins kühle Nass springen müsst, wechselt ihr automatisch auf eine Harpune oder einen Speer, wodurch ihr wiederum fünf völlig neue Angriffe erhaltet.

Munter shoppt der Avatar
Im Vorfeld gab es bereits ordentlich Kritik am Shop von Guild Wars 2, schließlich bezahlt man ja bereits den nicht geringen Kaufpreis von 50 Euro (und mehr) für das Spiel. Es stimmt auch nicht, wie im Vorfeld von GW2-Apologeten verbreitet, dass es ja nur um optisches Tuning gehe im Shop. Im Einzelnen:

Viele der gegen Echtgeld kaufbaren Items dienen tatsächlich der nachhaltigen Veränderung des Aussehens eurer Figur. Ihr findet unter anderem Skins alter Rüstungssets aus Guild Wars, Boxhandschuhe oder diverse Brillen-Modelle. Alle diese Gegenstände besitzen keine Attribute und somit keine echten Vorteile.

Anders sieht das bei den Boosts aus, mit denen ihr eine gewisse Zeit lang die gewonnenen Erfahrungs- und Ruhmespunkte erhöht. Dieses "Geld gegen Zeitersparnis"-Prinzip ist ein klassischer F2P-Trick, um Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch während es viele F2P-MMOs übertreiben und es ohne Geld nur theoretisch möglich ist, das Gleiche zu erreichen, macht Guild Wars 2 bislang nicht diesen Eindruck auf uns. Und auch das Bezahlen für einen zusätzlichen Charakter-Slot in eurem Account ist okay.

Kritischer sehen wir den letzten erwähnenswerten Punkt im Zusammenhang mit dem Shop: Ab und zu findet ihr verschlossene Truhen, die nur der richtige Schlüssel öffnet. Der mit großem Abstand schnellste Weg, an den jeweiligen Schlüssel zu kommen, ist das Zücken eures Geldbeutels. Bisher nimmt das zwar noch nicht die Ausmaße eines Star Trek Online an. Aber dennoch packt uns jedes Mal die Gier, wenn wir eine solche Truhe im Inventar haben, und der Link zum Shop ist sooo nah...
Die weitere Charakter-EntwicklungNeben den an den jeweiligen Waffentyp gebundenen Fähigkeiten hat euer Charakter fünf weitere Slots in der Fertigkeitenleiste, die nichts mit eurer Bewaffnung zu tun haben, sondern für jeweils eine Heilungs- und Elite-Fertigkeit sowie drei Hilfe- Fertigkeiten vorgesehen sind. Mit jedem Level-Aufstieg erspielt ihr euch Punkte, die ihr nutzt, um diese sogenannten Slot-Fertigkeiten freizuschalten. So besitzt unser Dieb zum Beispiel später alleine 21 verschiedene Angriffe und Zauber der Kategorie Hilfe. Für drei davon müssen wir uns entscheiden. Dadurch gewinnt das Spiel trotz der Einschränkung auf zehn gleichzeitig aktive Fertigkeiten eine enorme taktische Tiefe, die speziell zur Vorbereitung aufs PvP das eine oder andere Hirn rauchen lassen wird.

Vervollständigt wird die Charakter-Individualisierung durch die Eigenschaften-Matrix, in der ihr erspielte Eigenschaftspunkte in passive Stärkungen investiert. Auch hier gilt: Die Möglichkeiten sind enorm vielfältig und laden zum Experimentieren ein. So können wir die Diebeskunst unseres Charakters weiter ausbauen und den Stehlen-Angriff noch effizienter machen, uns völlig auf seine Schlagkraft fokussieren oder seine Tarnkünste weiter verbessern.

Umdenken bei Kampfsystem und QuestsGerade zu Beginn kann Guild Wars 2 schon mal frustrierend sein. Das fängt schon bei der Zahl der Quests und Aufgaben an, die auf euch einprasselt – nur selten geht ihr zu einem Questgeber, viele Missionen erhaltet ihr, weil ihr in der Nähe seid. Doch wir reden auch vom Kampfsystem: Wer nur auf der Stelle bleibt und gemütlich seine zwei bis drei Lieblingsangriffe raushaut, wird regelmäßig ins Gras beißen. Die Gegner teilen ordentlich Kellen aus, und nur wenn ihr eurerseits ständig in Bewegung bleibt und im richtigen Moment das aktive Ausweichmanöver und die diversen defensiven Möglichkeiten eures Helden nutzt, habt ihr eine Chance, den Kampf lebend zu überstehen. Mit etwas Übung sind später sogar Gegnergruppen solo bewältigbar, die eine deutlich höhere Level-Stufe besitzen als ihr selbst. Anpassen müsst ihr euch auch im Gruppenspiel. Da es keine echten Heiler und Tanks gibt, ist jeder Spieler in erster Linie für sich und sein eigenes Leben verantwortlich. Ein Umstand, der vielen erfahrenen MMO'lern neu sein dürfte. Gleichzeitig passen aber auch alle aufeinander auf, da jeder jeden verletzten oder besiegten Kämpfer wieder ins Leben zurückholen kann – und das bringt Vorteile für alle mit sich, die auch den jüngeren MMO-Fans mit etwas Gut-zureden verständlich zu machen sein sollten.

Aber nicht nur das Kampfsystem erfordert Umdenken: Das altbekannte Quest-System vieler Online-Rollenspiele wurde auf den Kopf gestellt. Abseits eurer persönlichen Quest-Reihe, in der ihr die Geschichte eurer Spielfigur verfolgt, warten vor allem Aufgaben-Events auf euch, an denen ihr automatisch teilnehmt, sobald ihr euch der zugehörigen Zone nähert. Spannend: Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, das Ziel der Aufgabe zu erreichen. So erhalten wir in einem kleinen Dorf, das von Zentauren überfallen wurde, die Aufgabe, die lodernden Brandherde zu löschen. Dafür benötigen wir einen Eimer Wasser, den wir in der Nähe eines Brunnens finden. Alternativ können wir aber auch die überall in der Gegend aufgestellten Fallen der Pferdemenschen deaktivieren oder uns bei herumstreunenden Gegnern für den Angriff rächen. Alle diese Aktionen zählen zum großen Ganzen, und wird der Schwellenwert erreicht, gilt der Event für alle als gewonnen.

Noch interessanter als diese statischen, inhaltlich an normale MMO-Quests erinnernden Aufgaben sind die dynamischen Events. So kann es passieren, dass ihr durch Zufall in den Angriff eines feindlichen Heeres stolpert. Wenn ihr bei der Verteidigung helft und die Wellen der Gegner zurückschlagt, aktiviert ihr die nächste Phase des Events, in der ihr zum Gegenangriff blast und den Stützpunkt der Widersacher attackiert. Droht dieser zu fallen, erscheint schließlich ein besonders mächtiger Gegenspieler, den ihr besiegen müsst, um das Event erfolgreich abzuschließen. In dieser Form ist uns das noch bei keinem anderen Online-Rollenspiel untergekommen!
Der Shop in Guild Wars 2

Im Ingame-Shop warten nicht nur kosmetische Verbesserungen auf euren Helden, siehe auch die Infobox oben. Einige Beispiele:  1 Diese alte Rüstung stammt aus Guild Wars und kann nun als Skin-Set (ohne Attribute!) im Shop erworben werden. 2 Nach einer Menge Spaß klingt der Kuh-Todesstoß. Dem angeschlagenen Gegner eine Kuh auf den Kopf werfen? Wie gemein. 3 Zufällige Spaßgegenstände bietet "Schlitzklingels Spaßige Schachtel für jedermann". Was da wohl drin sein mag? 4 Einen sehr klaren Nutzen hat der Reparaturkanister, mit dem ihr eure Klamotten auch ohne passenden Händler ausbeulen könnt. 5 Noch beliebter wird bei vielen Spielern der Erfahrungspunkte-Schub sein, nach dem Motto: Geld gegen Zeit! 6 Alle Viel-Twinker werden schließlich mit dem zusätzlichen Charakterplatz liebäugeln.

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