Test: Zwei Standalone-Addons

GTA: Episodes from Liberty City Test

Wer nicht mit Microsoft-Points hantieren will oder GTA 4 bislang versäumt hat, kann mit Episodes from Liberty City die beiden Add-ons Lost and Damned sowie das brandneue Ballad of Gay Tony in einer Packung bekommen -- und braucht zum Spielen nicht das Hauptprogramm. Wir konzentrieren uns im Test auf das fulminante Ballad of Gay Tony.
Jörg Langer 28. Oktober 2009 - 22:13 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Steckt bei Rockstar Games ein Misstrauen gegenüber dem Download-Vertriebsweg oder einfach die Hoffnung dahinter, ganz neue Käufer anzusprechen? Auf jeden Fall ist Episodes from Liberty City eigentlich nur die Kopplung der beiden GTA4-Downloadinhalte The Lost and Damned sowie The Ballad of Gay Tony, von denen letzteres auch einzeln am 29.10. erscheint. Allerdings hat es eine neue (kaum veränderte) Karte von Liberty City und Berichten zufolge einen Radiosender (ViceCity FM, mit 28 Songs) mehr. Unser Test bezieht sich auf die DVD-Version.

Jörg Langer stellt euch GTA - Episodes from Liberty City ausführlich vor, ihr seht Szenen im Nachtclub, bei einer Schießerei, auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft -- inklusive Angriff auf eine riesige Luxusyacht.


Gute, alte Bekannte: Liberty City

Liberty City ist bis auf wenige Änderungen dieselbe, die ihr vermutlich schon aus GTA 4 kennt: Liberty City besteht aus vier großen Inseln mit fünf Stadtteilen und 63 Vierteln, die eine Art ernsthaftes Disneyland ergeben: Im Kleinen enthält Liberty City bekannte Versatzstücke amerikanischer Metropolen, darunter die Freiheitsstatue, die über den Köpfen der Menschen fahrende Straßenbahn aus Brookyln und einiges mehr. Diese Stadt ist der eigentliche Held von GTA 4 sowie den Add-ons: Sie ist groß, abwechslungsreich, gefüllt mit Passanten und Autofahrern, mit Bürgern, Polizisten und Gangstern. In diverse Läden oder Etablissments könnt ihr nach Lust und Laune hineingehen, checkt E-Mails im Internetcafé, färbt geklaute Wagen um in der Lackiererei, repariert euer Auto, geht einen trinken, schaut auch Varieté-Shows an. Es gibt Tag- und Nacht, Wetter, Freunde, die mit euch ausgehen wollen -- also einen richtigen Mikrokosmos in eurer Konsole. Und es gibt feste Regeln: Die Polizei schert es zwar nicht, wenn ihr schlimmste Unfälle baut oder Leute überfahrt -- aber wehe, ihr gebt einen Schuss ab oder wagt es, einen Polizeiwagen auch nur sachte zu streifen: In mehreren Fahndungsleveln, je nach Schwere eures Vergehens und eurer Folgestraftaten auf der Flucht, verfolgen euch ein oder zwei Streifenwagen aus der Nähe -- oder SWAT-Teams und Helikopter aus der halben Stadt.

Johnny Klebitz (links) ist euer ruppiges Alter Ego in Lost and Damned, Luis Lopez spielt ihr in Ballad of Gay Tony.

Beide in Episodes from Liberty City enthaltenen Episoden sind unabhängig voneinander, ihr erlebt also nicht gleichzeitig den Content von beiden -- was auch wenig sinnvoll wäre, da ihr jeweils eine andere Hauptfigur spielt: im ersten Add-on den harten Biker Johnny Klebitz, der durch eine Fügung des Schicksals zum Interim-Chef des Lost Motorcycle Clubs wird, im zweiten Add-on den Latino Luis Lopez, Leibwächter des Nachtclub-Kings Anthony "Gay Tony" Prince.  Neben Detailänderungen sind in Lost and Damned die beiden Clubhäuser der verfeindeten Motorradgangs dazukgekommen sowie ein Etablissement, bei dem ihr zum Armdrücken antreten könnt. In Ballad of Gay Tony findet ihr die drei Nachtclubs eures Chefs vor, eine innerstädtische Golfanlage sowie einen Schuppen, der Käfigkämpfe veranstaltet. Diese neuen Gebäude sind auch in der dem Spiel beiliegenden Ausfaltkarte eingezeichnet, die übrigens besser lesbar ist als die Originalkarte.

Viel neuer Stoff

Denkwürdige Charaktere, von oben: Nachtclub-König Gay Tony, der Lost-Präsident aus Lost and Damned und der aggressive Nebencharakter Mori hinter Held Luis.
Sowohl Lost and Damned als auch Ballad of Gay Tony erzählen eine eigene, umfangreiche Geschichte, die in der Länge ungefähr dem Epos um Nico Bellic aus GTA 4 gleicht. Ihr trefft auf einige bekannte Personen, in Ballad auch auf mindestens eine Figur aus Lost and Damned, doch die Stimmung ist eine merklich andere: In Lost and Damned habt ihr es vor allem mit dem "Gesetz der Straße" zu tun, mit Biker-Ehre und Inner-Gang-Rivalitäten. In Ballad of Gay Tony haltet ihr euch viel in Nachtclubs auf. Passend dazu haben auch beispielsweise dei Menüs, Ladebalken und Missions-Debriefings einen Disco-Look.

Die Bezeichnung "DLC" ist fast schon beleidigend für den schieren Inhaltsumfang, den ihr mit beiden Addons erwerbt -- und umso mehr in der vorliegenden, selbstablaufenden Kombi Episodes from Liberty City: Sowohl die Musik als auch die Radiosendungen und auch das Fernsehprogramm ist ein komplett anderes. Zwar ist die Auswahl kleiner als im Hauptprogramm, aber immer noch sehr groß. Bei den Radiosendern etwa sind Fusion FM, IF999, JNR, Massive, Classics, The Journey, The Vibe und Tuff Gong weggefallen, dafür sind RamJam FM, Self Actualization FM und ViceCity FM dazugekommen. 214 Stücken und Themes in GTA 4 stehen in Episodes of Liberty City 157 völlig neue Songs gegenüber -- da kann man sich nicht beklagen. Eingedampft wurden die Talkshows im Radio, hier stehen 9 Shows im Original 3 gegenüber. Und im Fernsehen könnt ihr 5 Programme empfangen, in GTA4 waren es 8.

Und auch bei den Charakteren hat sich Rockstar wieder viel Mühe gegeben, 40 Charaktere wurden für Lost and Damned vertont, im 2. Addon sogar 58. Dazu kommen neue Motion Capturings für die wieder ausufernden Zwischensequenzen. Wiederum hört ihr die Gespräche nur auf Englisch und könnt deutsche Untertitel zuschalten. Da Lost And Damned bereits im Frühjahr erschienen ist, verzichten wir auf eine detailliertere Vorstellung und schenken allen folgenden Platz dem brandneuen -- und hochinteressanten -- Ballad of Gay Tony. Wir finden das Szenario zudem ansprechender als die Bikerstory aus Lost and Damned und Luis sympathischer als Johnny, aber das ist Geschmackssache.

Ballad of Gay Tony: Sofort in die Vollen

Es ist ein schönes Gefühl, Ballad of Gay Tony  zu starten: Im Gegensatz zu typischen GTA-Traditionen beginnt ihr einmal nicht als kleiner Hilfsganove, sondern habt bereits einen gewissen Einfluss und etwas Geld in der Tasche. Ihr werdet auch sehr schnell mit guten Waffen kämpfen. Die künstlichen Hindernisse, die euch in GTA 4, GTA San Andreas oder GTA Vice City am Überqueren von Brücken gehindert haben, um das Spielfeld anfangs klein zu halten, gibt es in dieser Form nicht. Und auch bei den Missionen geht es viel früher in die Vollen, dazu gleich mehr. Klar: 95 Prozent der Käufer von Ballad of Gay Tony dürften GTA 4 schon gespielt haben, und ein Teil kennt auch schon Lost and Damned. Da kann Rockstar die Kunden nicht wieder bei Null anfangen und einen kleinen Loser spielen lassen. Das spiegelt auch euer Appartment wieder, das eben keine Bruchbude ist -- und in dem euch von Anfang an eine Reihe von Outfits zur Verfügung stehen.

Ihr spielt als Luis Lopez (um Stereotype war Rockstar noch nie verlegen) die rechte Hand von Gay Tony, bürgerlich Anthony Prince. Der kontrolliert die Nachtclub-Szene des Nobel-Stadtteils Algonquin, namentlich die beiden Etablissements Maisonette 9 und Hercules. Doch sein Status als König der Nacht ist nur geliehen: Tony hat Schulden bei Gangstern, Kreditgebern und dem Finanzamt. Diverse Geschäftspartner erweisen sich als rachsüchtig, hinterhältig oder wahnsinnig -- bevorzugt auch alles auf einmal. Immer wieder müsst ihr für Tony in die Bresche springen, wichtige Jobs übernehmen, euren Chef aus einem belagerten Hochhaus heraushauen, Geld auftreiben. Wie schon von GTA 4 gewohnt, ist Tony nicht euer einziger Auftraggeber. Unter anderem trefft ihr auf den Milliardär Yusuf, dem erst zirka 16 Hochhäuser und Etablissements der Stadt gehören. Er hätte aber gerne alle. So ist es durchaus als Drohung zu verstehen, wenn Yusuf gleich zu Beginn Tony begeistert-gönnerhaft anbietet, ihm seinen Club Maisonette 9 abzukaufen... 

Die Skyline von Liberty City betrachtet ihr öfters auch mal von Bord eines schnittigen Motorboots aus.
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