Ein exzellenter Port

GTA 5 PC Test

Mehr als eineinhalb Jahre mussten sich PC-Spieler auf die Umsetzung des Open-World-Krachers gedulden. Rockstar Games enttäuscht nicht und liefert eine exzellente Fassung für den heimischen Rechenknecht, die darüber hinaus mit zwei exklusiven Features daherkommt.
Benjamin Braun 15. April 2015 - 21:30 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Update 17.4.: Nach einem Patch der Steam-Version am heutigen Tag startet GTA 5 auch auf einem unserer Rechner, bei dem das bislang nicht gelang. Vielmehr war dort nach der Auswahl zwischen GTA5 und GTA Online nichts weiter passiert, es erschien weder ein Ladescreen noch der Social Club-Login noch eine Fehlermeldung.

Wenige Tage vor dem Release von Grand Theft Auto 5 bezeichnete der Lead Gameplay Designer John Macpherson in einem Interview die PC-Version als die "ultimative Fassung". Die PC-Jünger haben indes sowieso nichts anderes erwartet und mit Anstand, aber wohl auch mit einer guten Portion Neid auf Konsolen-Serienfans die 574 Tage von der Lastgen-Veröffentlichung bis gestern ausgeharrt. Unter alle Zuversicht über bessere Texturen, eine flüssigere Performance oder eine höhere Sichtweite auf PC mischte sich bis zuletzt auch immer etwas Sorge. Schließlich hatte Rockstar die PC-Version gleich mehrere Male verschoben und sich bei der Umsetzung von GTA 4 nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wie gut die PC-Fassung tatsächlich ist, verraten wir euch in diesem Test, in dem wir uns vor allem mit der Technik samt umfangreichem Screenshot-Vergleich und der Steuerung der PC-Version, aber auch mit den Plattform-exklusiven Editoren beschäftigen. Für alle wichtigen Informationen zu Spielwelt, Story und Missionsvielfalt steht euch unser großer Testbericht zu Verfügung. Mit dem auch in der PC-Fassung enthaltenen Egosicht-Modus beschäftigen wir uns ausgiebig in unserem Testbericht zu PS4 und Xbox One.
 
Die Pracht hat ihren PreisDie wichtigste Nachricht können wir gleich vorwegschieben: Die PC-Version von GTA 5 hat nicht die schwerwiegenden technischen Probleme, die bei der Portierung des Vorgängers über einige Wochen hinweg für Ratlosigkeit unter den Spielern sorgte. Lediglich beim Sound treten regelmäßig unschöne, aber verschmerzbare Fehler auf. So kommt es beim Abspielen der Dialoge immer wieder zu ohrenbetäubenden Übersteuerungen, in seltenen Fällen werden einzelne Sprechzeilen überhaupt nicht abgespielt. Von diesen kleineren Problemen abgesehen, läuft die PC-Version rund und liefert bereits ab mittleren Grafikeinstellungen eine zumindest dezent bessere Grafik als die PS4-Fassung. Weiter entfernte Objekte wirken schärfer, die rein von der Menge her gleichgebliebene Vegetation zeigt feinere Strukturen. Beleuchtung und Spiegel- und sonstige Effekte sind leicht komplexer.
 
Gravierende Vorteile gegenüber den Versionen auf Xbox One und PS4 ergeben sich auf mittleren Einstellungen keine, sondern nur, wenn ihr über die entsprechende Hardware verfügt. Für die niedrigsten Grafikeinstellungen, die ein visuelles Ergebnis unterhalb der PS4-Qualität liefern, muss wenigstens eine DirectX-10-fähige Grafikkarte mit 1 GB Speicher verbaut sein. Für die mittleren Einstellungen sind bereits 2 Gigabyte Grafikspeicher notwendig, wenn das Ganze wenigstens konstant mit 30 Frames laufen soll. Wenn ihr die großen Vorteile der maximalen Grafikeinstellungen nutzen wollt, womit vor allem Echtzeitspiegelungen und Schatteneffekte eingeführt und eine allgemein deutlich höhere Detailschärfe auf kurze, mittlere und große Distanz erreicht werden, müssen es bereits 4 GB sein. Dass ab mittleren Einstellungen wenigstens 8 GB Arbeitsspeicher in eurem PC verbaut sein sollten und eure CPU auch keine lahme Krücke sein darf, versteht sich von selbst. Unterschiedliche PC-Einstellungen vergleichen wir auf Seite 3.
before
after
Die PS4-Fassung wirkt leicht gröber, gerade bei weiter entfernten Details wie den beiden Palmen rechts. Bei der Mauer auf der linken Seite ist deutlicher Treppchenbildung und trotz Standbild leichtes Objektflimmern zu erahnen.
 

Die kleinen TricksIm Gegensatz zu vielen anderen aktuellen PC-Versionen erlaubt GTA 5 eine große Menge individueller Anpassungsmöglichkeiten. Auflösungen sind bis runter auf 800x600 möglich und bis hoch auf 4K-Auflösungen wie 3840x2160 – was die GPU bis zu viermal so stark beansprucht wie 1920x1080. Ihr regelt auf Wunsch einzeln Schattendetails, Shaderqualität oder Objektsichtweite. Gerade letztere Einstellung bringt auf der niedrigsten Stufe allerdings massive Popups mit, die auf einem Level mit den alten Versionen für PS3 und Xbox 360 sind. Noch mehr Leistung kosten Feinheiten wie die erweiterte Objektsichtweite. Im Prinzip werden dabei Details in der Spielwelt in einer größeren Entfernung zur Spielfigur in den Speicher geladen. Was in der Theorie danach klingt, dass man am Observatorium über dem Schauplatz Los Santos stehend in der Ferne mehr erkennen könnte, stimmt allerdings nicht wirklich. Uns sind so gut wie keine Stellen aufgefallen, an denen sich diese Einstellung positiv bemerkbar macht. Stattdessen kostet sie Leistung.

Mit der "Bevölkerungsvielfalt" reguliert ihr, wie heterogen Fußgängergruppen und Fahrzeuge auf den Straßen wirken. Ihr seht also seltener dieselben Menschen oder Automobile, während ihr durch die Stadt fahrt. Auch das kostet allerdings viel Leistung und er
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weist sich letztlich als schöne, aber auch verzichtbare Option. Schön ist sie insbesondere in Verbindung mit der Option, die Menschendichte zu erhöhen. Erwartet allerdings nicht, dass damit auf einmal überall erheblich mehr Passanten herumlaufen als auf der PS4. Diesbezüglich sind die Unterschiede selbst auf der höchsten Einstellung nur klein. Die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen könnt ihr manuell nicht erhöhen. Es gibt wie gehabt nur einzelne Szenen innerhalb von Missionen, in denen GTA 5 die Menge generell leicht erhöht, wie etwa auf der Fahrt zur Autowerkstatt am Ende der Mission, in der Michael und Franklin ein Boot auf einem Anhänger verfolgen.

Besonders deutlich wirken sich die Kantenglättungseffekte aus: Insbesondere wenn ihr die diesbezüglich und in der allgemeinen Qualität separat anpassbaren Schatten nach oben schraubt, ergeben sich mitunter extreme Unterschiede zur Konsolenfassung. Dennoch gibt es letztlich wenig, womit das eigentliche Spielgefühl durch die Technik in höhere Sphären getrieben würde. Das gilt selbst für die exzellenten Reflexionseffekte etwa auf dem Lack der Fahrzeuge, wenn ihr die höchste Qualitätsstufe nehmt.
before
after
... der PlayStation-4-Fassung rechts. Die Vorteile sind jedoch weniger leicht zu sehen, als man vielleicht erst denkt, da sich hier das unterschiedliche Wetter sowie eine andere Tageszeit bemerkbar machen.

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