Test: Humor-Tornado & KI-Flaute

Grotesque Tactics - Evil Heroes Test

Strategiespiele mit Humor sind selten. Strategiespiele mit starkem Rollenspiel-Einschlag auch. Grotesque Tactics aber will ein Rundentaktikspiel mit Rollenspiel-Elementen und humorigen Dialogen gleichzeitig sein -- kann das funktionieren? Unser Test verrät es euch.
Rechen 5. Juni 2010 - 23:28 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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Die Premium Edition
Im Gegensatz zur Downloadfassung bringt die Premium Edition von Headup Games merkliche Vorteile. Die wichtigsten:

• tolle Sprachausgabe
• Sichtbare Rüstungswechsel
• Zusätzliche Quests
• Zusätzliche Gegner
• Optimierung der Formation

Wer bereits die Download-Version hat, kann diese für 10 Euro auf den neuesten Stand bringen, was wir für sehr empfehlenswert halten.
 
Der Entstehungsgeschichte von Grotesque Tactics - Evil Heroes ist eine gewisse Romantik nicht abzusprechen. Ursprünglich wollte Silent Dreams ein ausgewachsenes RPG entwickeln und suchte dafür einen Publisher. Da sich keiner fand, legten die Entwickler ihr Projekt still träumen und entwickelten ein Rundentaktik-Spiel, das mit geringerem finanziellen Aufwand realisierbar schien. Das Ergebnis, Grotesque Tactics, veröffentlichten sie nur im Internet. Aufgrund positiver Pressestimmen und User-Feedbacks sprang dann doch noch ein Publisher auf: Headup Games wollte das Spiel als Premium-Edition veröffentlichen. Bald, am 17. Juni, ist es so weit -- wir haben die Retail-Version bereits jetzt getestet.

Am Anfang war der Pilz

Bereits das Intro von Grotesque Tactics - Evil Heroes macht deutlich, dass ihr es hier nicht mit einem klassisch-ernsten Rollenspiel zu tun habt. Euer Alter Ego Drake ist kein strahlender Held, sondern ein deprimierter Jüngling in schwarzer Lederkluft. Er will sich das Leben nehmen, weil er als Einziger die Militärakademie nicht absolviert hat, vielmehr wurde er in der letzten Prüfung von Pilzen besiegt. Also will sich Drake nun von... Pilzen töten lassen. Einige Augenblicke erscheint der halbgöttliche Holy Avatar, der berühmteste Held des Landes und vermutlich ein wenig Ultima-inspiriert. Er erteilt euch kluge Ratschläge und verrät euch, dass die Dark Church -- die obligatorische Vereinigung der Bösewichte -- ins Land eingefallen ist und die verteidigenden Truppen vernichtet hat.

Jungfrauen treten nach ihrer Rettung eurer Gruppe bei; als Fernkämpfer attackieren sie Pilze und Säbelzahnhasen.
Für Selbstmord bleibt somit keine Zeit mehr, vielmehr müsst ihr schleunigst Soldaten um euch scharen. Da aber die meisten Soldaten des Reichs -- darunter die Absolventen der Militärakademie -- getötet wurden, habt ihr keine große Auswahl. Euer halbgöttlicher Begleiter schlägt vor, zunächst in den Hochsicherheitskerkern nachzuschauen. Zweite Rekrutenquelle sind Jungfrauen, die ihr erst aus ihrer jeweiligen Not rettet und die dann, des adretten Holy Avatars wegen, bereitwillig der Gruppe beitreten. Die heißt übrigens "Evil Heroes", falls ihr euch fragt, woher der Untertitel des Spiels stammt.

Sowohl Holy Avatar (links) als auch Drake (rechts) haben das Herz auf dem rechten Fleck -- ihr werdet sie mögen.

In halbgöttlicher Mission

Im weiteren Verlauf des Spiels schart ihr bis zu zehn Gefährten um euch. Die Gruppenmitglieder geben dabei immer mal wieder Kommentare zur gegenwärtigen Situation ab oder zanken sich. Zwar ist die Charakterbindung bei weitem nicht so intensiv wie in einem Mass Effect 2, dennoch sind uns die einzelnen Mitglieder ans Herz gewachsen. Mit ihren unverwechselbaren Eigenheiten und schrulligen Macken bilden sie einfach einen liebenswerten Haufen, vor allem Drake und Holy Avatar kommen sehr sympathisch daher. Das liegt auch an ihren Reaktionen; wenn etwa Drake zu schreien beginnt, weil er von einem Skelett mit sinnlosen Quests veräppelt wurde. Oder wenn unser sehr bedeutsamer Holy gravitätische Reden schwingt.

Die Handlung entfaltet sich recht langatmig, und das, obwohl euch das Spiel nur etwa 13 Stunden lang unterhalten wird. Was für ein Actionspiel über dem Durchschnitt wäre, für ein Taktikspiel mit RPG-Elementen hingegen etwas knapp bemessen scheint. Die Langatmigkeit kommt vor allem daher, dass euch das Programm während der einzelnen Missionen viele Zwischenaufträge aufdrückt, die erkennbar die Spielzeit strecken sollen. Besonders genervt haben uns die inflationären Kämpfe. Zu oft hatten wir das Gefühl, dass die Missionen künstlich in die Länge gezogen werden. Generell sind die Aufträge eher trivial. Meist geht es ums Einsammeln von Dingen beziehungsweise ums Töten von Gegnern.

Ist Grotesque Tactics also ein uninteressantes Spiel, um das ihr meilenweit einen Bogen schlagen solltet? Mitnichten. Wie das folgende Video zeigt, hat der Titel nämlich neben den tristen 08/15-Missionen auch gehörige Stärken, insbesondere in der Humor-Abteilung.

Unser unkommentiertes Video zeigt euch die ersten 5 Minuten des Spiels -- und demonstriert die gute Sprachausgabe.
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