Gelungener Genremix

Grotesque Tactics 2 - Dungeons & Donuts Test

Tim Gross 25. November 2011 - 15:21 — vor 8 Jahren aktualisiert
In den Kämpfen tut ihr gut daran, eure Charaktere taktisch zu platzieren. Hier greifen wir den einzigen "Überlebenden" einer Skelettgruppe von hinten an, um zusätzlichen Schaden zu verursachen. Bogenschützen kämpfen besser aus der Distanz.
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Taktik erwünschtDie spannenden Kämpfe sind die große Stärke von Grotesque Tactics 2. Wie eingangs erwähnt, wechselt das Spiel in den Rundenmodus, sobald ihr auf Gegner trefft. In den Gefechten solltet ihr tunlichst auf eure Umgebung und die Standorte der Charaktere achten. Fernkämpfer platziert ihr typischerweise nicht mitten im Kampfgetümmel, sondern hinter euren Nahkämpfern. Noch besser ist es, wenn ihr Bogenschützen auf ein erhöhtes Feld stellt, denn dann gibt es Bonuspunkte auf den Angriff. Doch auch die Schwertträger sollten nicht einfach irgendwo herumstehen. Wer einen Gegner von hinten angreift, freut sich ebenfalls über großzügig bemessenen Extra-Schaden. Gerade auch beim Einsatz von Spezialtalenten solltet ihr die Taktik nicht außer Acht lassen. Mit dem Angriff “En Garde” etwa kann Drake durch Gegner hindurchstechen und einem dahinter stehenden Unhold ebenfalls Verletzungen zufügen. Eine Verschwendung, den mächtigen Angriff auf einen einzigen Gegner anzuwenden. Gleiches gilt für Flächenangriffe. 

Automatisches Heilen wie in vielen modernen Spielen sucht ihr übrigens vergebens. Nicht mal nach einem gewonnenen Kampf füllt sich die Lebensenergieleiste automatisch wieder auf. Ihr müsst also auf Heiler und Gesundheitstränke setzen. Zumindest ist es nicht so tragisch, wenn ein Mitglied eurer Party all seine Lebenspunkte im Kampf verliert. Der Kampf geht zunächst einfach weiter – und sofern ihr siegreich seid, stehen die verloren geglaubten Mitstreiter wieder auf (und warten auf dringend nötige Heilung). Nur auf euren Kommandanten Drake müsst ihr besondere Acht geben. Sollte er sterben, müsst ihr den letzten Spielstand laden. Allzu oft wird euch das aber nicht passieren, denn die Kämpfe sind nicht sonderlich fordernd. Wer schon mal ein Runden-Taktikspiel gemeistert hat, sollte selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad selten das Zeitliche segnen.

So spannend die Kämpfe auch sind, etwas hat uns durchweg gestört: die Kamera. Die ist nämlich sehr nah am Geschehen und kann nicht frei gezoomt werden. Wir können sie zwar jederzeit drehen, zu mehr Übersicht auf dem Schlachtfeld führt das aber kaum. Daher werdet ihr viel Zeit damit verbringen, die Kamera hin- und herzudrehen, um wenigstens grob den Überblick zu behalten. Eher verwirrend als hilfreich ist auch die Tatsache, dass die Kamera immer auf den aktiven Charakter ausgerichtet wird, sobald ein Spielzug beendet ist. Wenn der von Gegnern umringte Drake seine Runde beendet hat und ihr noch überlegen wollt, wie ihr weiter vorgeht, ist er unter Umständen schon aus eurem Sichtfeld verschwunden, da die Kamera auf die weit entfernt stehende Bogenschützin umschwenkt. Apropos Übersicht: Es gibt keine Karte, weder zum Aufrufen im Großformat noch als Minimap im HUD. Das erschwert nicht nur die Kämpfe, sondern auch die Wegfindung allgemein, wenn ihr beispielsweise einen Questgeber aufsuchen wollt. Ihr müsst euch die Umgebung also genau einprägen, um euch nicht zu verlaufen. Komfort sieht heutzutage anders aus.


Supertalent gesucht
Links werden die Werte des Charakters aufgelistet, rechts seht ihr den arg dürftigen Talentbaum.
Zurück zu den Spezialtalenten. Wie in den meisten Rollenspielen gibt es auch in dem von Entwickler Silent Dreams einen Talentbaum. Schade nur, dass dieser hier scheinbar zu wenig gegossen wurde, denn besonders umfangreich gestaltet er sich nicht gerade. Jeder der insgesamt sieben Charaktere hat genau vier Spezialattacken, die ihr im Laufe des Abenteuers im Talentbaum freischaltet und später verbessert. Dazu gibt es noch ein paar passive Fähigkeiten, die den Spielfiguren mehr Gesundheitspunkte oder Rüstung-Boni geben. Und das war es dann auch schon. Da jedes Partymitglied lediglich vier aktive Talente hat, ist es fast schon ärgerlich, dass die Ultimate-Fähigkeiten teils austauschbar sind. Überschaubar bleibt auch die Anzahl der Items. Platzprobleme solltet ihr in eurem Inventar eigentlich nie haben. Die Waffen etwa sind euren Gefährten scheinbar in die Wiege gelegt worden. Sweet Violance beispielsweise stürzt sich immer mit einer Sense bewaffnet auf Feindhorden und Drake bleibt durchgängig seinem Degen treu. Zwar findet ihr immer wieder neue und bessere Waffen. Sie unterscheiden sich aber lediglich beim Schadenswert. Einen optischen Unterschied werdet ihr nicht ausmachen können. Selbst im Inventar gleichen sich zwei Bögen wie ein dunkler Kellergang dem nächsten. Schade ist auch, dass ihr die wenigen Kleidungsstücke, die ihr im Spiel findet, nicht frei aus dem gemeinsamen Inventar auf eure Partymitglieder anwenden könnt. Drake könnt ihr zum Beispiel nicht ein seidenes Unterhemdchen überstreifen. Das ist ausschließlich für seine Mitstreiterin Angelina bestimmt. Er selbst darf als einziger den braunen Ledermantel tragen.

Wo wir noch beim Umfang sind: Irgendwann hatten wir für unseren Geschmack genügend Pilze, Skelette und Goblins niedergemacht. Es wäre schön gewesen, wenn wir auch mal auf andere Widersacher getroffen wären. Die armen Viecher tun einem sonst noch leid. Dafür spielen sich die sieben Charaktere sehr unterschiedlich und geben euch jede Menge Taktikoptionen. Zombie-Kriegerin Sweet Violence etwa ist besonders resistent gegen Gift- und Magieangriffe, während der exzentrische Chefkoch Norai mit seinen Feuerangriffen besonders gut mit Untoten zurechtkommt. Die hübsche und naive Candy war schon im Vorgängerspiel dabei und ist die klassische Fernkämpferin. Die leicht reizbare Angelina teilt nicht nur hohen Magieschaden (im Spiel Seelenschaden genannt) aus, sondern ist vor allem als Heilerin unverzichtbar. Komplettiert wird die Truppe von Söldner Deacon, der mit seinen zwei Schwertern für Unruhe sorgt.

Bei so vielen unterschiedlichen Typen bleibt es nicht aus, dass es auch mal Streit gibt. Und tatsächlich gibt es häufig tolle Dialoge, die euch die Charaktere ans Herz wachsen lassen. Die nicht gerade zartbesaitete und untote Kriegerin Sweet Violence etwa kann Angelina, nun ja, auf den Tod nicht ausstehen. Nur Koch Norai scheint sich mit allen Partymitgliedern gut zu verstehen – eventuell hat seine offenkundige Zufriedenheit aber auch was mit dem ominösen Fass zu tun, das er immer untern Arm trägt. Leider könnt ihr euch nicht nach Belieben mit euren Mitstreitern unterhalten, wie ihr das aus Dragon Age oder Mass Effect kennt. Es erklärt sich von selbst, dass ihr über die Dialoge auch nicht euren Einfluss auf die Charaktere steigert.
Normalerweise streift euer Kommandant Drake mit einer festen Gruppe von sieben Mitstreitern durch die Levels. Gelegentlich müsst ihr aber auch NPCs eskortieren und vor Feinden beschützen, hier etwa den Söldner Tevez (Mitte).
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