Gelungener Genremix

Grotesque Tactics 2 - Dungeons & Donuts Test

Mit Grotesque Tactics lieferten die Entwickler von Silent Dreams einen kleinen Überraschungshit ab. Der gelungene Mix aus Humor, Rundentaktik und Rollenspiel machte viel richtig, musste sich aber auch viel Kritik anhören - insbesondere der Umfang wurde bemängelt. Schafft es der Nachfolger Dungeons & Donuts, die Fehler auszumerzen?
Tim Gross 25. November 2011 - 16:21 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von uns. 

Langsam öffnen sich unsere Augenlider, der Kopf dröhnt uns, vorsichtig schauen wir uns um. Wir befinden uns in einem wenig einladend aussehenden Kellergewölbe, die Wände bestehen aus kaltem Stein. Wir erinnern uns an nichts. Weder wie wir hier hergekommen sind, noch was wir jetzt machen sollen. Und wer ist eigentlich dieser hübsche, blonde Engel, der uns mit einer Mischung aus Freude und Neugier anschaut? Zumindest Letzteres ist schnell geklärt: Die Dame mit den Flügeln stellt sich als Angelina vor und informiert uns auf schnippische Art, dass wir unter Heldenamnesie leiden. Macht aber nichts, versichert uns Angelina. Schließlich passiert das jedem Helden mindestens einmal im Leben – meistens zu Beginn eines Abenteuers. Kein Wunder also, dass auch unser Abenteuer so beginnt, oder?

Spätestens hier merkt ihr, Grotesque Tactics 2 nimmt sich nicht wirklich ernst. Alleine der Untertitel Dungeons & Donuts lässt auf ein untypisches, witziges Spiel schließen. Wie bereits im Vorgänger vermischen die Entwickler von Silent Dreams Humor, Rundentaktik und Rollenspiel miteinander. Und auch an anderer Stelle wird munter gepanscht, denn im Fantasyreich Glory wird nicht nur gekämpft und gelevelt, sondern auch gekocht. Ob das Spiel damit zum Pflichtkauf für Liebhaber unkonventioneller Software wird, lest ihr in unserem Test.


Das Gleiche nochmal, bitte
Im zweiten Teil von Grotesque Tactics sehr ihr Holy Avatar, der euch im Vorgänger vor dem Tod bewahrte, hauptsächlich als coole Statue - mit Sonnenbrille.
Zurück auf Anfang. Im ersten Teil wurde der damals noch depressive Drake vom Halbgott Holy Avatar aufgegabelt. Ziel war es, die Spielwelt von der fiesen Dark Church zu befreien. Zu diesem Zweck suchten sie gemeinsam nach strahlenden Helden – die letzten Endes nicht ganz so sehr strahlten. Vielmehr waren die Mitstreiter zwielichtig und kriminell. Trotzdem oder gerade deswegen wurde die Dark Church besiegt. Damit wisst ihr nicht nur, was im Vorgängerspiel passiert ist, sondern auch, was ihr in Grotesque Tactics 2 machen müsst, nämlich quasi das Gleiche. Nur die Dark Church spielt keine Rolle mehr. Stattdessen nehmt ihr den Kampf mit einem mysteriösen Nebel auf, der alles um sich herum verschlingt. Bevor ihr euch diesem Ungeheuer entgegenstellen könnt, gilt es willige Kämpfer zu finden, eine Gilde zu gründen, Quests zu erledigen und jede Menge Gegner zu plätten. 

Das Spiel versteht sich in erster Linie als Parodie auf klassische Rollenspiele. Bei den lustigen Anspielungen machen die Entwickler aber auch vor bekannten Spielen anderer Genres nicht Halt. So findet ihr beispielsweise Items wie die “Balls of Steel”. Shooter-Fans ist sofort klar, zu welchem Spiel hier ein Bezug hergestellt wird. Auch einige Filme werden in Grotesque Tactics 2 durch den Kakao gezogen. Ein Artefakt namens “HD-Ring” sieht Saurons Ring der Macht aus den Filmen von Peter Jackson erstaunlich ähnlich. Gerade aber in den vielen Dialogen kommt der Humor voll zum Tragen. Beispiel gefällig? Als ein extrem arroganter Hochelf nicht mit uns sprechen will und uns wegschickt, murmelt Drake gut hörbar vor sich hin: “Danke, dass ich in eurer Gegenwart atmen durfte. Arschloch.” An anderer Stelle haben wir eine offenkundig sinnbefreite, aber sehr unterhaltsame Unterhaltung mit einem Geist: “Gebt mir das Artefakt!” – “Nein!” – “Doch!” – “Niemals!” Glücklicherweise unterbricht ein Gruppenmitglied diesen Dialog, und weiter geht´s: “Ihr habt ja recht. Schluss mit den Spielchen, ich werde euch vernichten!” – “Nein!” – “Doch!” – “Niemals!”
Dass es im zweiten Teil von Grotesque Tactics nicht um ein ernstes, finsteres Fantasyreich geht, erkennt ihr nicht nur an den Dialogen, sondern auch den Gegnern. Oder könnt ihr in der Spielwelt von Skyrim  kunterbunte Pilze aufs Korn nehmen?

Von Schätzen und QuadratenAber ihr seid sicherlich nicht bloß am schrägen Humor von Grotesque Tactics interessiert, sondern auch daran, wie es sich überhaupt spielt. Und das geht so: Ihr lauft in Echtzeit durch die Levels, anfangs noch alleine, später mit eurer Party. Nur in der Zuflucht, die die Rolle eines stadtähnlichen, sicheren Lagers übernimmt, ist Held Drake immer alleine unterwegs. Hier findet ihr neben Händlern die obligatorischen Questgeber, die euch mit allerlei Aufträgen versorgen. Sobald ihr auf einen Gegner trefft, wechselt das Spiel in den Rundenmodus. Das heißt: Die Spielwelt teilt sich in Quadrate auf, eure Charaktere können sich nur noch über eine vordefinierte Anzahl von Feldern bewegen und ihr steuert die Gruppenmitglieder abwechselnd (mehr zu den Kämpfen im nächsten Abschnitt). Ihr stoßt aber nicht nur auf Feinde, sondern auch auf Truhen und kleine Schätze, die ihr auf Wunsch plündert. Den Inhalt der Truhen könnt ihr übrigens nicht sichten und selbst entscheiden, was ihr mitnehmen wollt oder doch lieber an Ort und Stelle zurücklasst. Stattdessen hebt Drake automatisch alles auf, was er darin findet. Gleiches gilt für die Hinterlassenschaften der besiegten Feinde. Alle Objekte wandern dann in ein gemeinsames Inventar. Wenn Drake einen Heiltrank aufsammelt, steht er also nicht nur ih
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m, sondern auch den anderen Charakteren zur Verfügung. 

Das Spiel lässt euch die Wahl zwischen Maussteuerung und der Eingabe per Tastatur. Letztere ist dabei besonders ungenau geraten. Wenn ihr Drake mit den Pfeiltasten durch die Gegend schickt, hat das mit Präzision wenig zu tun. Aber auch die Maussteuerung ist nicht perfekt. Im Test passierte es immer wieder, dass unsere Partymitglieder nicht auf unsere Befehle reagierten. Um Gegenstände aufzuklauben, mussten wir außerdem teils pixelgenau klicken. Im Endeffekt griffen wir auf eine Mischung aus Maus- und Tastatursteuerung zurück, was die Eingabeschwächen auf ein erträglich Maß reduzierte. Zu Beginn dürft ihr übrigens den Schwierigkeitsgrad auf amüsante Art festlegen, bei dem euch drei Wege offenstehen. Zu eurer Rechten lauert ein gigantischer Untoter, in der Mitte warten ein paar klapprige Skelette und auf dem linken Pfad müsst ihr, Zitat Holy Avatar, “ein paar Blümchen sammeln und vielleicht ein flauschiges Kuschelmonster besiegen”. Da ihr den Schwierigkeitsgrad zu jeder Zeit ändern könnt, empfehlen wir erfahrenen Taktikern, sich gleich zu Beginn dem riesigen Untoten zu stellen.  
Prinzessin Lasziva hortet die Schätze Glorys und verbietet den Leuten den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln. Das hält sie allerdings nicht davon ab, uns mit der Beschaffung eines royalen Donuts zu beauftragen.
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