Need for Grid

Grid 2 Test

Anno 2008 mixte Grid erfolgreich Anteile von Rennsimulation und Arcade-Racer, der Nachfolger schiebt den Fokus jetzt deutlich stärker in Richtung Arcade. Ob Codemasters trotz dieses Ansatzes samt fehlender Cockpitperspektive dennoch ein gutes Rennspiel gelungen ist und womöglich sogar auf die Pole Position fährt, verrät unser Test.
Benjamin Braun 28. Mai 2013 - 14:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Bereits seit Mitte der 80er Jahre ist die britische Spieleschmiede Codemasters im Geschäft und machte sich vor allem unter Rennspielfreunden einen Namen. Beliebt sind nicht zuletzt ihre Simulationsserien wie Colin McRae Rally und dessen Nachfolger Dirt – 2009 kehrte nach vielen Jahren der Abstinenz auch die Formel 1 auf die wichtigsten Spieleplattformen zurück. Mit der Grid-Serie haben die Briten aber noch eine dritte wichtige Serie am Start, die 2003 als DTM Race Driver debütierte. Fünf Jahre nach ihrem letzten Teil Race Driver - Grid steht nun der Nachfolger Grid 2 in den Startlöchern. Wir haben uns für euch hinters Steuer geklemmt, in Nordamerika, Europa und Asien das Gaspedal durchgetreten und sowohl in den Straßen Dubais als auch auf prestigeträchtigen Rennkursen wie dem Indianapolis Motor Speedway um den Sieg gekämpft.

Ein neues TalentEigentlich braucht ein Rennspiel keine Story. Codemasters legt auch keinen Schwerpunkt darauf, bettet das Geschehen aber dennoch in eine Rahmenhandlung ein. Eine wichtige Rolle in dieser spielt Patrick Callahan, der mit der World Series Racing eine neue, weltumspannende Rennserie etablieren will – und ihr seid das Fahrertalent, das dafür den Weg ebnen soll. Dafür müsst ihr allerdings keine lästigen Interviewfragen irgendwelcher Polygon-Journalisten beantworten, sondern lasst einfach eure Leistung auf den Rennkursen sprechen. Die führen euch anfangs lediglich in die USA, wo ihr sowohl auf permanenten Strecken wie in Daytona fahrt, aber auch auf Stadtkursen und abgesperrten Pisten etwa an der Küste Kaliforniens.

Später geht es aber auch nach Europa sowie nach Asien und den Mittleren Osten. Dann rast ihr mit euren Boliden auch durch die Straßen Paris' oder Honkongs oder auf legendären Rennstrecken wie Brands Hatch. Je weiter ihr in der in Saisons eingeteilten Karriere voranschreitet, umso mehr und leistungsstärkere Fahrzeuge erhaltet ihr. Bis ihr in einen 1000 PS starken Bugatti Veyron einsteigen dürft, können allerdings acht Stunden und mehr Spielzeit vergehen. Und was in einer schäbigen Garage als Abstellort für eure Fahrzeuge begann, führt euch über kurz oder lang in eine hypermoderne Mechanikerwerkstatt.
Bis ihr mit dem dicken Aston Martin über Brands Hatch brausen dürft, vergeht einige Zeit. Zunächst müsst ihr euch in drei Saisons der World Series Racing eure Sporen mit schwächer motorisierten Fahrzeugen verdienen.

Mehr Arcade als SimulationEs deutete sich bereits in der Preview-Version an, dass Codemasters in Grid 2 stärker die Charakteristik eines Arcade-Racers betont. Ihr habt keinerlei Möglichkeit, Einstellungen an euren Fahrzeugen vorzunehmen oder im Einzelnen zu bestimmen, ob ihr mit Lenkhilfe, Bremsassistent oder Traktionskontrolle spielen wollt. Das nämlich könnt ihr lediglich mit der Wahl des Schwierigkeitsgrades beeinflussen, wobei selbst auf der höchsten der vier Stufen aus Grid 2 keine reinrassige Simulation wird. Zudem hätte unserem Eindruck nach die Balance besser gelingen können: Während die Rennen auf "Normal" für halbwegs erfahrene Spieler ein Kinderspiel darstellen dürften, ist zumindest der Erstplatzierte auf "Schwer" in manchen Rennen kaum erreichbar. Neben dem Schwierigkeitsgrad legt ihr außerdem fest, ob ihr mit automatischer oder manueller Schaltung spielen wollt. Ebenfalls entscheidet ihr euch entweder für das volle Schadensmodell oder lediglich optische Blechschäden.

Aktiviert ihr das Schadensmodell, wird schnell klar, dass Codemasters vom Fach ist. Touchiert ihr einen Gegner, bedeutet das zwar nicht automatisch das Aus, wenn ihr ihn oder die Streckenbegrenzung mit dem Kotflügel küsst, kann das allerdings schnell zum Nachteil werden. Durch Beschädigungen am Boliden wird das Fahrverhalten mitunter stark beeinflusst, indem zum Beispiel Teile einen Reifen blockieren oder durch einen seitlichen Aufprall die Antriebs- oder Lenkachse in Mitleidenschaft gezogen werden. Schon kleinere Schäden am Chassis können über Sieg oder Niederlage entscheiden. Brechen euch bestimm
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te Teile an der Fahrzeugfront weg, spielt unter Umständen die Aerodynamik verrückt, und es ist ohne ständige Korrekturen unmöglich, geradeaus zu fahren.

Der DrifterDas Erstaunlichste an Grid 2 ist aber gar nicht so sehr, dass der Simulationsaspekt allgemein stärker in den Hintergrund rückt, sondern wie wichtig das Element des Drifts ist. Ihr seid zwar nicht dazu verpflichtet, Kurven mit einem satten Drift zu nehmen, verzichtet ihr aber darauf, seid ihr zumindest auf den höheren Schwierigkeitsgraden klar im Nachteil. Vorausgesetzt, dass eure Drifts mehr oder weniger optimal gelingen, nehmt ihr so viel Geschwindigkeit mit in die Kurve, dass ihr an der Konkurrenz förmlich vorbeifliegt. Uns hat das Spielelement viel Spaß gemacht, zumindest Fans der Vorgänger könnte dieses Feature allerdings übel aufstoßen, zumal es nur eins von vielen ist, mit denen Codemasters den Simulationsaspekt aufweicht. Wie stark das der Fall ist, wird bereits bei der Steuerung deutlich: Auch wenn der Präzisionsvorteil bei Gamepad- oder Lenkrad-Eingabe spürbar ist, mit ein wenig Fingerspitzengefühl lässt sich Grid 2 auch mit der Tastatur nicht viel schlechter bedienen.
Die Rennevents
In Grid 2 gibt es neben den normalen Rennen noch andere Eventtypen. Ein paar davon möchten wir euch in dieser Box vorstellen. 1 Normale Rennen werden sowohl auf permanenten Rennstrecken als auch auf Stadtkursen und abgesperrten Pisten etwa durch die Berge veranstaltet. In diesem Fall fahren wir ein Live-Route-Event, in dem sich der Streckenverlauf dynamisch verändert. 2 In diesem Show-Event müssen wir Punkte durch die Verkettung von Überholmanövern sammeln. Kollisionen setzen die Boni zurück. 3 In Fahrzeugchallenges kämpft ihr schlicht gegen die Zeit. Erfüllt ihr die Zielvorgabe, gehört die Karre euch. 4 In den Ausscheidungsevents fliegt alle 20 Sekunden der Letztplatzierte raus. Hier ist Drängeln und Schubsen explizit erlaubt. 5 In den Duellen tretet ihr nur gegen einen einzelnen Fahrer an. Anders als sonst gibt es hier eine spürbare Gummiband-KI. 6 Drift-Events sind nicht unbedingt beliebt unter Rennspielfreunden. Es ist von Vorteil sie zu erfüllen, zur Pflichtübung werden sie in Grid 2 aber nicht.
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