Test: Gruseliges Ausdauerklicken

Gray Matter Test

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Die grafische Präsentation von Gray Matter ist, abgesehen von den hakligen Animationen und Charaktermodellen, sehr gut gelungen. Das liegt auch an der stimmungsvollen Farbgestaltung, wie hier auf dem Campus von St. Edmund Hall.

Gute Präsentation mit Altersfalten

Klasse: Durch das Lesen wissenschaftlicher Aufsätze von Dr. Styles zieht uns die Story zusätzlich in ihren Bann.
Gray Matter ist schön anzusehen und wer je schon einmal in Oxford und Umgebung unterwegs war, wird feststellen, dass die Region sehr realitätsgetreu auf den Bildschirm übertragen wurde. Orte wie das College St. Edmund Hall und der Carfax Tower sind deutlich erkennbar. Mit diesem Realitätsbezug spielt Gray Matter auch in den Rätseln hin und wieder. So muss Sam sich im Lauf eines Rätsel an Orte in Oxford begeben, die Lewis Carroll zu ihrem Roman Alice im Wunderland inspiriert haben und gelangt dabei unter anderem auch in den Speisesaal des Christ Church College, der als Drehort für Harry Potter diente. Besonders schön ist den Entwicklern die Farbgebung der Umgebungen gelungen. Die trägt sehr gekonnt zur teils recht melancholischen und schaurigen Atmosphäre des Titels bei. Weniger gelungen sind allerdings die Charaktermodelle (insbesondere deren Gesichter) und vor allem die Animationen. Gerade hier merkt man dem Spiel seine lange Entwicklungszeit deutlich an.

Die zahlreichen Dialoge sind auch im Deutschen gut vertont. Wir empfehlen englischkundigen Adventurefans aber dennoch, auf der multilingualen DVD die englische Tonspur anzuschalten, die noch einen kleinen Tick besser gelungen ist. Die meisten Gespräche des Spiels finden in Spielgrafik statt, doch die Charaktere bewegen sich dabei nicht vom Fleck. Das hat Lost Horizon besser gemacht. Unschön, aber zu verschmerzen: Bei jedem Ortswechsel müsst ihr kurze Ladezeiten auf euch nehmen. Wiederum sehr sehenswert sind allerdings die gezeichneten Zwischensequenzen, die den Panels einer Graphic Novel ähneln. Daedalic wählten jüngst mit A New Beginning einen ähnlichen Ansatz: Dort sahen die Zeichnungen aber recht comichaft aus. In Gray Matter wecken sie eher Assoziationen zu Pinselstrich und Gemälden. Diese Cutscenes stehen dem Spiel sehr gut und unterstützen die Atmosphäre überwiegend vorbildlich.

Hotspot-Overkill


Eines der größten Probleme von Gray Matter haben wir uns für den Schluss aufgehoben. Wir taufen es feierlich auf den Namen "Hotspot-Trägheit". Denn wenn ihr in Gray Matter mit eurem Mauszeiger über einen Gegenstand fahrt, mit dem ihr interagieren könnt, dauert es immer etwa zwei Sekunden, bis euch ein Schriftzug auf dem Bildschirm anzeigt, um welchen Gegenstand es sich eigentlich handelt. Das ist ungeheuer nervig und ein schnelles Absuchen des Bildschirms nach Hotspots somit schlicht nicht möglich. Warum Wizarbox nicht einfach ohne Verzögerung eine Gegenstandsbeschreibung einblendet, sobald ihr einen Hotspot berührt, ist uns ein größeres Rätsel als jedes Rätsel, das wir im Spiel zu bewältigen hatten.

Mit der Leertaste könnt ihr hier zwar Abhilfe schaffen, aber optimal ist auch das nicht. Dadurch werden euch, wie für das Genre inzwischen Standard, alle Hotspots in der Umgebung eingeblendet. Aber der Spaß am Untersuchen eures Umfelds fällt damit natürlich größtenteils flach. Und es sieht auch nicht schön aus, da an hotspot-reichen Orten der gesamte Bildschirm von Beschreibungen zugekleistert wird.

Schade: Eigentlich sehr ansehnliche Umgebungen wie der Salon im Anwesen von Dr. Styles (links) werden durch die Hotspot-Flut (rechts) beizeiten sehr verdeckt. Ohne Hotspot-Anzeige aber ist Gray Matter nur schlecht spielbar.

Fazit: Story gut, Spiel durchschnittlich


Um es auf den Punkt zu bringen: Die Rätsel von Gray Matter sind nur Genre-Durchschnitt und, von einem Rätsel im finalen Kapitel mal abgesehen, wenig herausfordernd. Da es sich zusätzlich durch Macken wie unsichtbare Trigger und aus dem Nichts erscheinende Gegenstände oder Personen selbst bombardiert, zieht Gray Matter in dieser Hinsicht vor der versammelten (Vollpreis-) Konkurrenz diesen Jahres den Kürzeren. Jedem Moment, in dem uns das Spiel von Wizarbox begeistern konnte, stand ein Moment gegenüber, in dem wir das Bedürfnis hatten, dem Spiel recht unfreundliche Worte entgegen zu werfen. Zu häufig hakt der Spielfluß, zu deutlich werden immer wieder Macken und Stolpersteine.

Die Story hingegen, die gut ausgearbeiteten Charaktere, die schön gezeichneten Hintergründe und auch der gelungene, wenn auch etwas zu repetitive Soundtrack: Das alles sind Gründe, aus denen Adventure-Fans Gray Matter trotzdem nicht links liegen lassen sollten. Ihnen würde sonst eine der ungewöhnlichsten Geschichten der letzten Jahre entgehen. Jane Jensen hat ihr Handwerk also nicht verlernt.

Autor: Philipp Spilker (GamersGlobal)

Einstieg/Bedienung
  • Tutorial erklärt Steuerung und Features des Spiels
  • Übersichtskarte zeigt an, an welchen Orten noch etwas zu erledigen ist
  • Fortschrittsanzeige...
  • Langweiliger Anfang
  • Hotspot-Trägheit
  • Bei eingeschalteter Hotspotanzeige ist der Bildschirm überladen
  • ...ist wenig hilfreich
Spieltiefe/Balance
  • 12 Stunden Spielzeit
  • Große Rätselvielfalt
  • Einige Rätsel ziehen sich über mehrere Kapitel
  • Glaubwürdige Spielwelt
  • Sehr gute und exzellent recherchierte Geschichte
  • Gruselstimmung
  • Überwiegend sehr gut ausgearbeitete Charaktere
  • Verbindungen zu Echtwelt
  • Unsichtbare Trigger ziehen sich durch das gesamte Spiel hindurch
  • Spielfluß gerät sehr häufig deutlich ins Stocken
  • Zauberrätsel von Sam schaden teils der sonst glaubwürdigen Spielwelt
  • Auflösung der Geschichte lässt zu wünschen übrig
Grafik/Technik
  • Oxford wiedererkennbar
  • Schöne Hintergründe mit toller Farbgebung
  • Gelungene Cutscenes, die an Gemälde erinnern
  • Häufige Ladezeiten
  • Unzeitgemäße Charaktermodelle
  • Hakelige Animationen
Sound/Sprache
  • Gute und stimmungsvolle Musikuntermalung...
  • Gute deutsche Synchro
  • Multilingual
  • ...die leider mit der Zeit etwas repetitiv wird
Multiplayer Kein Multiplayer  
Hardware/Zubehör Mindestanforderungen: Windows XP, CPU mit 1,4 GHz, 512 MB RAM (1 GB RAM unter Windows Vista/7), ATI Radeon 9800 Pro/Geforce 6200TC oder vergleichbar und 6,5 GB Festplattenspeicher
Philipp Spilker 17. November 2010 - 21:46 — vor 11 Jahren aktualisiert
McFareless 16 Übertalent - 5567 - 17. November 2010 - 23:31 #

Schoener Test, der mich aber nicht zum Kauf des Spieles anregt, da die anderen beiden neuen Spiele für mich interessanter wirken...

Olphas 25 Platin-Gamer - - 62384 - 18. November 2010 - 0:04 #

Schade, davon habe ich mir wie sicher viele andere auch deutlich mehr versprochen. Der Test deckt sich mit dem, was ich sonst so gelesen habe. Story top, Spiel ... not so much. Und das nach der ewig langen Entwicklungszeit. Vielleicht hätte sich Jane Jensen ein Team dazuholen sollen, dass auch das Spiel um ihre Story herum entsprechend designed.

Koveras 13 Koop-Gamer - 1507 - 18. November 2010 - 5:56 #

Ich spiele die meisten Spiele (mit Ausnahme mancher kurzweiligen Actionspiele usw.) sowieso in erster Linie wegen der Story. Mich kann das also nicht abschrecken. :)
Ich habe den Artikel hier noch nicht gelesen (will ich nicht vorm Spielen), aber ganz allgemein denke ich das Probleme wie der Publisher-Wechsel mitten in der Entwicklung etc. bestimmt nicht ganz unschuldig an jetzigen Schwächen sind. Da wurden ständig wechselnde Dinge gefordert. Einerseits das Spiel zu machen, das man gerne machen möchte, aber andererseits auch allen Vorgaben "von oben" gerecht werden zu müssen, kann nicht einfach sein. Aber genau weiß ich es natürlich auch nicht, ich war schließlich nicht dabei.

Sarevo 13 Koop-Gamer - 1284 - 18. November 2010 - 0:58 #

was sind plot stopper?

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22747 - 18. November 2010 - 1:31 #

Das erkläre ich doch auf der gesamten ersten Seite des Artikels im Detail. Von Plot-Stoppern redet man in Adventures dann, wenn zunächst ein ganz bestimmter Gegenstand angeklickt oder eine ganz bestimmte Aktion ausgeführt werden muss, um im Spiel weiter zu kommen - ohne, dass dem Spieler ein Hinweis darauf gegeben wird und ohne, dass das Anklicken des Gegenstandes irgendeinen Sinn ergeben würde. Wie in dem Beispiel von der ersten Seite des Testartikels: Bevor wir nicht im Salon des Hauses bestimmte Gegenstände angeklickt haben, erscheint auch die Haushälterin nicht. Das ergibt keinen Sinn, das kann man auch nicht als Rätsel bezeichnen. Das streckt einfach nur die Spielzeit und stoppt den Plot.

Koveras 13 Koop-Gamer - 1507 - 18. November 2010 - 5:58 #

Noch schlimmer sind nur die Showstopper. :P

Rebbot 11 Forenversteher - 582 - 18. November 2010 - 10:45 #

Komisch, ich dachte immer Plot-Stopper wären eine Art Bug, die das Weiterkommen verhindern, wie z.B. wenn ein Gegenstand benötigt wird, den man früher im Spiel hätte einsammeln müssen, jetzt aber nicht mehr erreichen kann. So wird das zumindest von einem Großteil der Spielepresse und der Spielerschaft verwendet. Deine Definition höre ich zum ersten Mal...

Hoschimensch 15 Kenner - 2752 - 18. November 2010 - 12:12 #

Genau das dachte ich auch immer.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22747 - 18. November 2010 - 13:16 #

Wir haben die unsichtbaren Plot-Stopper jetzt mal durch unsichtbare Trigger ersetzt, um der Verwirrung Einhalt zu gebieten. Außerdem wollen wir nicht, dass bei Lesern, die den Artikel nur überfliegen, der Eindruck aufkommt, im Spiel seien schwerwiegende Bugs vorhanden. Dem ist nicht so. Aber die unsichtbaren Trigger stoppen natürlich zwangsläufig die Handlung - daher die ursprüngliche Wortwahl.

Tassadar 17 Shapeshifter - 8161 - 18. November 2010 - 1:04 #

Es ist schon erstaunlich, abgesehen von den Episoden von Telltale und den Pendulu Studios scheinen fast nur noch deutsche Entwicklerstudios (in allen Belangen) richtig gute klassische Point-and-Klick Adventurespiele herausbringen zu können.

Schade um die gute Story, Dialoge und Charaktere, als großer Adventurefan werde ich mir Gray Matter zwar trotzdem holen, aber vlt. nicht sofort.

Rebbot 11 Forenversteher - 582 - 18. November 2010 - 10:48 #

Warum ist der Artikel als Test für PC und 360 gekennzeichnet, wenn zur Xbox-Version kein Wort verloren wird? Mich hätten gerade die Unterschiede zwischen PC und Xbox-Version interessiert.

Anonymous (unregistriert) 18. November 2010 - 11:33 #

Das würde mich auch interessieren... zumal Wizarbox schon die Xbox-Umsetzung von Risen komplett in den Sand gesetzt hat. Ist das diesmal besser geworden?

Anonymous (unregistriert) 18. November 2010 - 14:24 #

"Warum Wizarbox nicht einfach ohne Verzögerung eine Gegenstandsbeschreibung einblendet, sobald ihr einen Hotspot berührt, ist uns ein größeres Rätsel als jedes Rätsel, das wir im Spiel zu bewältigen hatten."

Ok, dann kläre ich den Profiredakteur mal auf: Solche Sachen sind (so gut wie immer) Maßnahmen, um die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen und in Adventures nicht gerade selten. Ausnahme: Lost Horizon, wo man wirklich so gut wie alles wegklicken und beschleunigen konnte.

Rebbot 11 Forenversteher - 582 - 18. November 2010 - 14:39 #

Die Spielzeit wird nicht wirklich gestreckt, man kann ja alle Hotspots auf einmal einblenden lassen, was ich persönlich auch immer nach einiger Zeit mache, da ich nichts mehr verabscheue als Bildschirmabsuchen.
Dass die Hotspots aber beim "normalen" Absuchen erst mit Verzögerung eingeblendet werden, habe ich aber bisher noch nie bei einem Adventure gesehen und ist wirklich selten dämlich.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22747 - 18. November 2010 - 14:56 #

Ob man nun das Absuchen des Bildschirms mag oder die optionale Anzeige standardmäßig einschaltet, ist sicher Geschmackssache. Aber die verzögerte Einblendung der Hotspots lässt in Gray Matter wirklich jeglichen Spaß am manuellen Absuchen vergehen.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22747 - 18. November 2010 - 14:52 #

Also ich habe schon viele Adventures gespielt in meinem Leben, und nicht bei einem einzigen musste ich auf jedem Hotspot erstmal für zwei Sekunden mit dem Mauszeiger verweilen, bevor das Spiel sich erbarmte, mir den Namen des Gegenstandes zu verraten, auf den ich gerade zeige. Tut mir leid, dir das so deutlich sagen zu müssen. Es hat dich ja schließlich bestimmt viel Mut gekostet, mich anonym für völlig dämlich verkaufen zu wollen.

CyrrusXIII 11 Forenversteher - 598 - 18. November 2010 - 16:07 #

Liegt das an meinem Monitor/Auge, oder ist bei einigen Screenshots (auch bei anderen Berichten/Tests) eine Art Tearing auszumachen? z. B. beim ersten Screen dieser Seite ist ein kleiner Balken im Bild bei mir...

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22747 - 18. November 2010 - 16:55 #

Uns ist beim Testen der PC-Version kein Tearing störend aufgefallen. Und ich sehe auch auf dem ersten Screen der Seite keinen kleinen Balken im Bild. Ob's nun an deinem Monitor oder deinem Auge liegt, kann ich dir per Ferndiagnose natürlich nicht sagen. :)

hoschi 13 Koop-Gamer - 1631 - 19. November 2010 - 0:53 #

Schade. Hatte mir eigentlich eine Art Gabriel Knight Nachfolger erhofft. Naja dann halt nicht. Ich mag es eh nicht so wenn eine an sich realistische Mystery Story in übertriebener Weise in so unerklärliches Zauberei-Zeug abdriftet, weil sich damit im Endeffekt immer alles erklären lässt ohne viel Sinn.

Was die technischen Mängel angeht: Die waren selbst bei den besten Adventures nicht besser und die würde trotzdem jeder zweifelsohne empfehlen. Viel wichtiger ist bei Adventures ja die Story und die Charactere und Rätsel. Nervige Triggerpunkte hier und da - wayne? Schließlich sind Adventures immer reine Trigger Spiele. Es fällt halt höchstens nicht so auf. Also damit hätte ich nicht so die Probleme. Viel wichtiger ist wie gesagt ob der Rest einem zusagt und da hab ich irgendwie noch meine Zweifel

aykay (unregistriert) 22. November 2010 - 5:17 #

Hallo Herr Spilker,
habe hier an anderer Stelle gelesen, dass Hinweise auf entdeckte Fehler im Text erwünscht wären. Ist das so? Dann hätte ich da einen, einen leider sogar weit verbreiteten: "diesen Jahres". Damit sind Sie nicht alleine. Hieße es aber "diesen Jahres", müsste es auch "seinen Geldes", "ihren Sohnes" usw. heißen. Was bei dem "Jahr" manchem nicht verquer im Ohr stecken bleiben will, klingt bei anderen Sätzen mit falsch deklinierten Personalpronomen dagegen für jedermann falsch: "Er verlor einen großen Teil seinen Geldes", "Die Diebe stahlen ihr ein Rad ihren Autos" etc.pp. Das neutrale (Demonstrativ)Pronomen "dieses" wird jedoch von Nominativ bis Akkusativ dekliniert mit "dies(es) - dieses - diesem - dies(es)". Nebenbei, das deklinierte "diesen" existiert als solches tatsächlich nur einmal, und zwar als Akkusativ des männlichen Pronomens "dieser". Darüber hinaus existiert gar kein weiteres "diesen" im Deutschen. So konnte ich Ihnen "diesen" Hinweis auch leider nicht ersparen. ;-)

mazinegewehr87 06 Bewerter - 69 - 26. November 2010 - 15:37 #

ist es ein gutes spiel meine freundin mussdas wissen ^^ bitteschreibt mir

John of Gaunt 27 Spiele-Experte - 78234 - 26. November 2010 - 15:41 #

Ähm, lies den Test?!?