Sehr gutes noch verbessert!

Grand Theft Auto 5 (Nextgen) Test

Es dauert meist einige Jahre, bis das Leistungsvermögen einer neuen Konsolengeneration ausgeschöpft wird; Rockstar nähert sich mit der Neuauflage ihres Open-World-Primus bereits nach zwölf Monaten dieser Grenze viel weiter als jedes andere Spiel. Neben der deutlich verbesserten Grafik gibt's nun einen gut spielbaren Egosicht-Modus.
Benjamin Braun 19. November 2014 - 19:38 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Mitte September 2013 veröffentlichte Rockstar Games Grand Theft Auto 5 (GG-Test: 10.0) für Xbox 360 und PlayStation 3. Die Entwickler holten technisch alles aus den alten Konsolen raus, was möglich war. Nun, 14 Monate später, steht die Umsetzung für Xbox One und PlayStation 4 in den Regalen, die neben überarbeiteter Grafik auch eine nagelneue Ego-Perspektive bietet. Rockstar North hat das Spiel tatsächlich noch besser gemacht!
 
Nextgen-Pracht in ReinkulturEs wäre vermessen zu sagen, es habe bislang noch kein Spiel gegeben, dass der gestiegenen Leistungsfähigkeit der neuen Konsolen Ausdruck verleiht. Immerhin lieferten Titel wie Cryteks Ryse - Son of Rome (GG-Test: 6.5) auf Xbox One oder Killzone - Shadow Fall (GG-Test: 7.0) auf PlayStation 4 bereits zum Launch der beiden neuen Konsolen teils beeindruckende Szenen. Was Rockstar Games mit Grand Theft Auto 5 anstellt, ist allerdings noch einmal etwas anderes. Immerhin handelt es sich hier um ein Open-World-Spiel, dessen Spielwelt nicht bloß Erkundungsfreiheit bietet, sondern das uns aus der Luft theoretisch meilenweit in die Ferne blicken lässt.
 
Der Aufwand, den Rockstar in die Überarbeitung der Grafik gesteckt hat, ist gigantisch. Es gibt kaum eine Textur, die die Entwickler nicht gegen eine höher aufgelöste Variante ausgetauscht haben. Der schon auf 360 und PS3 überaus ansehnliche Asphalt zeigt auf PS4 und Xbox One feinste Furchen, am mit Ziegelsteinen ausgebesserten Rand der Fahrbahn erreicht GTA 5 nahezu Fotorealismus. Auch Texturen von Gebäuden oder NPCs haben sich so stark weiterentwickelt, dass man beinahe glauben könnte, man befinde sich in einem vollkommen anderen Spiel. Selbst die Bäume am Straßenrand hat sich Rockstar vorgeknöpft und präsentiert sie mit detaillierter Borke und wesentlich feingeästeteren Krone. Es gibt Büsche, wo vorher keine waren, wovon besonders die zuvor karge Wüstenlandschaft profitiert. Aber das ist bei weitem nicht alles, auch im Effektbereich hat sich einiges getan. Im Lack der Autos spiegelt sich die Umgebung (auch wenn hier meist mehr getrickst wird, als echte Echtzeitspiegelungen zu zeigen), die Beleuchtung in Los Santos und dem Umland ist komplexer geworden. Egal, ob die Sonne mittags durch die Windschutzscheibe ins Gesicht sticht oder wir nachts die Scheinwerfer anwerfen, das alles sieht einfach sehr viel besser aus als auf den alten Konsolen. Dazu kommt, dass jetzt wirklich jedes Objekt korrekte Schatten wirft – in der Lastgen waren viele Objekte aus Performancegründen vom Beleuchtungssystem ausgenommen.
 
1080p in flüssig
Die grafischen Unterschiede zwischen den Konsolen sind marginal. Auch auf Xbox One ist GTA 5 eine Pracht. (X1)
Neben all diesen Überarbeitungen macht sich natürlich auch die höhere Auflösung in nativen 1080p sowie die stärkere Kantenglättung bemerkbar. Es gibt zwar immer noch ein paar flimmernde Objekte wie etwa Brückengeländer – und gerade auf der Xbox One ist bei weiter entfernten Objekten immer wieder das berüchtigte Gitternetzmuster zu erkennen. Aber so extrem wie in der alten Version ist das in der neuen nie. Gerade die "Maze Bank Arena" oder die im Bau befindlichen Hochhäuser in Downtown Los Santos sehen aus großer Distanz extrem scharf aus.

Während die Objektsichtweite an sich gar nicht so auffallend gestiegen ist, erkennt man beim Fahren in einem schnellen Auto dennoch, dass Passanten und andere Verkehrsteilnehmer, Bäume und sonstiges schon aus größerer Entfernung deutlich erkennbar sind. Störende Pop-ups gibt es in dieser Version kaum mehr, wobei es Rockstar nicht gelingt, sie komplett zu unterdrücken. Auch wenn sie am grundlegenden, nach wie vor einfach tollen Spielgefühl nichts ändert, sorgt die erhöhte Framerate für ein flüssigeres Spielerlebnis, das selbst fps-Fetischisten kaum einen Grund zum Meckern liefert. Apropos: Die PS4 erreicht fast konstant die 30 Bilder pro Sekunde, die Xbox One fällt nur selten darunter.  Der technische Vergleich mit Watch Dogs (GG-Test: 9.0) drängt sich natürlich auch bei den neuen Versionen auf. Aber auch wenn er nicht ganz fair ist (Ubisoft entwickelte sein Spiel immerhin parallel für sechs Plattformen): Im direkten Vergleich auf der PS4 sieht Ubisofts Open-World-Spiel ziemlich alt aus.
Die Egosicht ist neu in GTA 5. Sie ist mit Bedacht umgesetzt worden und funktioniert gerade zu Fuß sehr gut. (PS4)
 
Ego-Perspektive: Neuer BlickwinkelWährend sich am Angebot und Verlauf von Haupt- und Nebenmissionen quasi nichts im Vergleich mit den alten Fassungen verändert hat, gibt es doch eine nicht zu verachtende Neuerung. Auf PS4 und Xbox One könnt ihr nun nämlich auch in die Ego-Perspektive wechseln. Auch hier ist der Aufwand, den Rockstar betreibt, groß. Für die Egosicht haben die Entwickler das Movement der Charaktere angepasst, sodass sich auch das Spielen aus dem neuen Blickwinkel natürlich anfühlt. Anstatt die Perspektive umständlich über das Menü wechseln zu müssen, nehmt ihr die Änderung wie gehabt einfach per Knopfdruck vor, wobei alle anderen Zoomstufen erhalten bleiben. Wer möchte, darf natürlich auch das Sichtfeld anpassen, um mehr oder eben doch lieber ein bisschen "weniger" von seinem Umfeld zu sehen.
 
Zu Beginn ist die Egosicht noch etwas gewöhnungsbedürftig, und manch ein Spieler wird die Ausweichrolle hier als unnatürlich empfinden. Details wie diese könnt ihr aber über das Steuerungsmenü einzeln ein- und ausschalten
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oder ähnlich wie beim Sichtfeld per Regler individuell anpassen. Dort könnt ihr auch Einfluss auf die Tastenbelegung nehmen, wenn auch nicht vollkommen frei, um die Controller-Eingabe stärker in Richtung Shooter-Standard zu bringen. Eine sinnvolle Entscheidung: Sprinten per X-Taste oder Nachladen per Kreis-Taste kennt man zwar aus der Verfolgerperspektive, aus der Egoansicht allerdings kann man anfangs schnell mal durcheinander kommen. Auch Anpassungen der standardmäßig sehr starken Zielhilfe dürfte der eine oder andere vornehmen wollen – und erhält natürlich Gelegenheit dazu. Die Ego-Perspektive steht euch fast immer zur Verfügung. In ein paar wenigen Szenen schaltet das Spiel automatisch um, damit die Dramaturgie nicht leidet, und erlaubt euch dann auch nicht immer direkt die Rückkehr zur Egosicht. [SPOILER] Die Szene, in der Franklin nach dem genannten Autoklau losfährt und Michael plötzlich auf dem Rücksitz auftaucht, würde aus der Egosicht natürlich nicht mehr dieselbe Wirkung entfalten. [SPOILER ENDE]

Mehr zur Egosicht und zwei weitere Vergleichsbilder findet ihr auf der zweiten Seite unseres Testberichts.
before
after
Die PS3-Version rechts zeigt neben der geringeren Bildschärfe auch bei der Beleuchtung das schlechtere Bild, auch wenn die Spiegelungen auf dem Autolack im Vergleichbild nur begrenzt wahrnehmbar sind. Besonders die fehlende Kantenglättung (siehe Treppcheneffekte bei der Laterne) fällt bei vielen Objekten ins Gewicht.
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