Test: Kleiner, großer Bolide?

Gran Turismo PSP Test

Lange Zeit war es still um Gran Turismo für die PSP, dann kam das Spiel doch noch pünktlich zum Start der Go in den Handel. Doch kann die Vorzeigesimulation im Motorsport-Genre auch auf dem Handheld überzeugen? Welche Einschnitte es gibt, und ob GT der erwartete Knüller geworden ist, klären wir im Test.
Christian Witte 26. Oktober 2009 - 16:19 — vor 9 Jahren aktualisiert
PSP
Gran Turismo PSP ab 49,95 € bei Amazon.de kaufen.

Anmerkung: Sowohl die Screenshots als auch das Video wurden von der originalen PSP-Auflösung (480x272) hochskaliert.

Gran Turismo steht für eine der realistischsten Rennsimulationen auf der PS3 -- nun ist die PSP-Variante erschienen. Gran Turismo PSP startet dabei wie von den großen Konsolen her gewohnt mit einem sehenswerten Render-Intro. Anschließend findet ihr euch in einem schlichten, aber schicken Menü wieder. Hier sollte übrigens beim Kauf der UMD-Version euer erster Weg in das Optionsmenü gehen, um dort das Spiel zu installieren. Dazu braucht ihr über 800 MB an  freien Speicherplatz auf eurem Memory Stick für dieses Unterfangen und rund 15 Minuten an Zeit. Doch danach sind die Ladepausen auf ein gutes Maß reduziert. Das Spielen direkt von UMD ist hingegen nicht als erträglich zu beschreiben.

In unserem Video seht ihr ein Rennen gegen drei KI-Fahrer, das Hauptmenü, die Perspektiven und die Replay-Funktion.

Steuerung bis ins Kleinste einstellbar

In den Optionen könnt ihr noch vieles mehr tun, natürlich lässt sich hier auch die Steuerung im kleinsten Detail an eure Wünsche anpassen. Außerdem könnt ihr diverse Statistiken, eure Fahrzeugsammlung und einiges mehr einsehen, darunter auch Wiederholungen die ihr zuvor gespeichert habt. Zu guter Letzt findet sich hier auch noch eine ausführliche Anleitung, die weitere Tipps für den Rennalltag bereit hält.

Der nächste Schritt führt euch zu den Fahrherausforderungen, die mit den "Prüfungen" der alten Teile am besten zu vergleichen sind. Hier lernt ihr jedes mögliche Fahrmanöver im Detail kennen, somit könnt ihr bereits viele Stunden an Spielzeit investieren, um euer Können immer weiter zu verbessern. Es geht los mit dem Bremsen innerhalb einer bestimmten Haltezone, wobei ihr gleichzeitig natürlich ein Zeitlimit einhalten müsst. Später kommen diverse Kurvenfahrten bis hin zu extremen Fahrmanövern bei hoher Geschwindigkeit. Die Herausforderungen motivieren euch dabei durch das gewohnte Medaillensystem. Auf Wunsch könnt ihr euch auch zu jeder Prüfung eine Demo mit Sprachausgabe als Vorführung und Erklärung ansehen. An diesem Modus gibt es somit nicht das Geringste auszusetzen.

Das Hauptmenü sieht nach etwas mehr aus, als dahintersteckt. Vor allem vermissen wir eine Karriere.

Das virtuelle Autohaus

Nachdem wir uns die ersten Credits mühsam verdient haben, führt uns der Weg als nächstes in das virtuelle Autohaus. Leider gibt es hier den ersten Dämpfer für das Sammelvergnügen, denn uns stehen je nach Spieltag (im Spiel, nicht im echten Kalender) nur gewisse Automarken mit bestimmten Autos zur Verfügung. Somit verhindert das Spiel, dass ihr gleich euer Wunschauto erwerben könnt, und ihr seid gezwungen, immer wieder vorbei zu schauen, bis ihr irgendwann die gewünschten Wagen findet. Auch gibt es keinen Anhaltspunkt dadurch, welche Modelle überhaupt zur Wahl stehen werden. Das ist besonders schade, da es insgesamt 800 Wagen in Gran Turismo gibt und auch alle namhaften Hersteller vertreten sind, darunter BMW, Audi, VW, Toyota, Chevrolet, Bentley und viele mehr. Übrigens sollen erworbene Fahrzeuge euch im kommenden GT 5 für die PS3 zur Verfügung stehen, wenn ihr diese in der PSP-Version erworben habt!

Bevor wir zum Einzelspieler-Modus selbst kommen, sei noch kurz der enttäuschende Multiplayer-Part angesprochen. Denn es gibt hier nur die Möglichkeit mit Freunden direkt im Ad-hoc-Modus zu spielen, Ghostcars über das Internet beziehen oder gar über das Internet spielen ist nicht möglich. Nun mag es der Sinn einer Handheld-Konsole sein, vor allem mit Freunden im selben Raum zu spielen, aber dennoch hätten wir hier mehr erwartet.

Sehenswerte Wagen wie diesen Jetstream Blue Metallic von Chevrolet bietet auch die PSP-Variante

Wo ist der Karrieremodus?

Damit kommen wir nun aber zum eigentlichen Herzstück der meisten Rennspiele, nur leider fehlt dieser in der PSP-Version. Richtig gelesen, es gibt keinen Karriere-Modus in Gran Turismo PSP, und auch nichts Vergleichbares. Im Prinzip ist es euer Geld und euer Fuhrpark, der durch Inkrementierung für Langzeitmotivation sorgen muss -- und umso schneller eure Boliden, desto stärker auch die Konkurrenz, und desto rasanter die Rennen. Übrigens landen bis zu 30 gekaufte Wagen in euren "Favoriten", sie werden automatisch vom Programm getuned. Natürlich könnt ihr vor einem Rennen auch selbst Hand anlegen und etwa die Bereifung vorne und hinten wählen.

Trotz Fehlen eines Karrieremodus stehen euch via Singleplayer-Modus Einzelrennen, Drift-Rennen, Zeitrennen und einiges mehr an Varianten zur Auswahl. Eine Anpassung der Rundenanzahl und die enorme Streckenvielfalt (45 Stück!) machen dabei wieder einiges an Boden gut. Stadtkurse, Rundkurse, Rallye-Etappen alles ist mit an Bord. Ihr könnt euch euch in New York, Suzuka, Laguna Seca oder Seoul und anderen Orten nach Lust und Laune austoben. Die Steuerung klappt übrigens mit dem kleinen Analogstick der PSP ziemlich gut, auch wenn man damit nicht die Genauigkeit der Konsolen-Varianten erreicht. Wer will, darf auch das Digital-Steuerkreuz verwenden, doch wir würden davon abraten.

Vier Kameraperspektiven stehen euch zur Wahl: Freier Blick auf die Straße sowie zwei von-außen-Perspektiven. Die vierte Perspektive ist die Cockpitsicht, diese ist einfach schwarz dargestellt, jedoch mit einigen funktionierenden Elementen wie den Außen- und Rückspiegeln. Auch in den anderen Perspektiven seht ihr, was hinter euch los ist, drückt einfach die linke Schultertaste. Wir empfehlen die Stoßstangen-Ansicht als beste Kombination aus Übersicht und Geschwindigkeitsgefühl.

Die Cockpit-Perspektive gefällt nicht jedem, Teile der Redaktion finden sie inklusive Außenspiegel sehr gelungen.

Wechselbad der Technik

Gran Turismo bleibt in jedem Fall auch auf der PSP eine Rennsimulation, in der ihr stark auf eure Lenkung, Bremspunkte und mehr achten müsst, um eine Chance zu haben. Netterweise seht ihr mit blauen Balken die Ideallinie direkt auf dem Asphalt eingezeichnet, rote Balken zeigen an, wo ihr bremsen solltet. Wer es übertreibt mit Gas oder Bremse, verliert schnell im Grünbereich wertvolle Zehntelsekunden, oder dreht eine ungewollte Pirouette im Kies.

Auf der technischen Seite gibt es leiderneben einigem Licht auch Schatten. Die Automodelle (ihr tretet in der Regel gegen drei Gegner an) sind detailliert und schön anzusehen, die Strecken überzeugen mit vielen Details, leisten sich aber teils etwas matschige Texturen. Negativ ist uns hier außerdem bei den "langsameren Wagen" das schlechte Geschwindigkeitsgefühl aufgefallen. Wenn ihr also mit den anfänglichen Wagen oder einem Oldtimer mit 100 bis 50 km/h unterwegs seid, fühlt sich das eher an wie auf dem Münchner Mittleren Ring. Darauf fährt man außerhalb der Stoßzeiten mit etwa 60 bis 70 km/h...

Sehr gelungen hingegen sind die Wiederholungen nach einem Rennen: Beliebig pausierbar, mit von euch gewählten Kameraperspektiven und bei jederzeit möglichem Hin- und Herspringen zwischen den Autos entfalten die Rennen nachträglich eine Brisanz, die sie zumindest mit den anfänglichen Sportwagen im eigentlichen Rennen nicht immer haben.

Die Replay-Funktion mit ihren aufregenden Blickwinkeln ist neben der Fahrphysik das Highlight von Gran Turismo PSP.

Fazit

Leider kann Gran Turismo für die PSP nicht ganz die hohen Erwartungen an die Serie erfüllen. Das liegt an mehreren Punkten. Zum einen fehlt ein Karriere-Modus, es gibt kein optisches oder vollständiges Schadensmodell. Auch ein Online-Modus fehlt und der erratische Auto-Shop ist ein weiterer negativer Punkt für Sammler. Dieser bietet nämlich nur pro Spieltag gewisse Marken und Fahrzeuge an.

Auf der Habenseite steht die große Anzahl an Fahrzeugen, haufenweise Strecken, viele normale Spielmodi (keine Karriere) und Fahrherausforderungen. Dazu kommen klare Simulationselemente und ein gutes Fahrgefühl. Auch die Grafik ist insgesamt gut gelungen, noch besser aber finden wir die Sounds sowie die Musik. Auf Wunsch könnt ihr auch eigene Musik abspielen.

Was bleibt ist eine gute Rennsimulation, die aber leider unter einigen Schwachstellen und unter einem fehlenden Motivator "Karriere" leidet. Somit bleibt „nur“ ein Gut für Gran Turismo auf der PSP, was nach all der Wartezeit und angesichts der ruhmreichen Serie ein wenig enttäuschend ist.

Autor: Christian Witte
Einstieg/Bedienung  Methodischer Einstieg dank Fahrherausforderungen
  Gute Steuerung mit Analogstick  Sehr simulationslastig, schreckt Einsteiger ab
Spieltiefe/Balance 45 Strecken Gut anpassbarer Schwierigkeitsgrad Ordentliche KI 800 Rennwagen...  ... von denen aber nur wenige pro Spieltag zur Auswahl stehen
Grafik/Technik Gute und detailreiche Wagenmodelle Abwechslungsreiche Streckentypen Sehenswerte Wiederholungen  Kein Schadensmodell Bei "langsameren" Wagen schlechtes Tempogefühl Teils verwaschene Texturen
Sound/Sprache  Satte Motorensounds
  Eigene Musik abspielbar Sprachausgabe bei Fahrprüfungen  Spieleigene Musik eher schwach
Singleplayer Diverse Einstellungsmöglichen für Einzelrennen Abwechslungsreiche Streckenauswahl  Diverse Renn-Typen (Rallye, Rundkurse, Stadtkurse etc.)  Kein Karrieremodus  Fahrzeuge und Händler nur nach Zufallsprinzip verfügbar
Multiplayer  Funktionierender Ad-hoc-Multiplayer-Modus  Keine Ghostcars   Keine Weltrangliste Kein Internet-Modus

Christian Witte 26. Oktober 2009 - 16:19 — vor 9 Jahren aktualisiert
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 15 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.