Test: Das große Rennspiel

Gran Turismo 5 Test

Nach nunmehr sechs Jahren Entwicklungszeit und etlichen Verschiebungen ist die Gran Turismo-Serie endlich mit einem vollwertigen Vertreter auf der Playstation 3 angekommen. Die GG-Piloten haben sich mit dem Test Zeit gelassen, denn eines ist GT 5 unbestreitbar: groß. Doch ist es auch großartig?
Jörg Langer 30. November 2010 - 13:56 — vor 8 Jahren aktualisiert
PS3
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Neues zum Schadensmodell
Es ist schon seltsam, wie viele Gerüchte es zum Schadensmodell von GT5 gibt -- so soll es ab Level 40 (dem Maximallevel) erst richtig funktionieren. Unfug.

Was wir herausfinden konnten: Erstens wird zwischen normalen und Premium-Wagen unterschieden, letztere haben das detailliertere Modell. Zweitens ist kein Minimallevel erforderlich, um Schäden zu erleben, das geht bereits mit Wagen im Arcade-Modus. Drittens scheint es vom Premiumwagen abzuhängen, wie detailliert das Modell ist, und ob es auch mechanische Auswirkungen hat. Viertens benötigen praktisch alle Autos unrealistisch viele Kollisionen, um Schäden zu zeigen. Wir demonstrieren euch das im Folgenden:



Mit dem Premium-Wagen Ferrari 458 Italia (zum Vergrößern auf 3840x2160 Pixel anklicken) haben wir ausgiebige Crashtests durchgeführt. Linksoben seht ihr den Originalzustand. Rechtsoben hat der noch relativ intakte Wagen zwei Frontalcrashs mit 300 km/h gegen eine Betonmauer hinter sich. Die beiden unteren Bilder zeigen den Wagen nach 20minütigem Dauercrashen -- normalerweise wäre keine Schraube mehr übrig. Es gelang uns nicht, uns zu überschlagen.

Am Ende der Crashserie konnte der Ferrari die Spur nicht mehr halten und ist zur Seite gezogen. Zudem stellten wir bei zwei Gängen Schaltschwierigkeiten fest. Das mechanische Schadensmodell ist also bereits enthalten, und war es auch vor dem aktuellen Patch 1.03, der drei wählbare Schadensstufen in Online-Rennen einführt.           Mitarbeit: Stefan Kainz
von Carsten Friedrich

Viel hat GT-Mastermind Kazunori Yamauchi im Laufe der sechs Entwicklungs-Jahre versprochen: die realistischste Grafik, die es jemals in einem Rennspiel gegeben hat, einen extrem umfangreichen Fuhrpark, verschiedene Rennserien, ein Wettersystem und, man glaubt es kaum, ein glaubwürdiges Schadensmodell. Für Gran-Turismo-Fans ist das in etwa so, als ob Weihnachten, Ostern und der eigene Geburtstag auf einen Tag fallen. Dementsprechend hoch waren daher die Erwartungen an Gran Turismo 5 – nichts anderes als die perfekte Rennsimulation schien Polyphony Digital da zu zimmern. Dass GT5 das nicht geworden ist, so viel können wir euch bereits jetzt verraten. Doch kein Grund, nun ins Inverse der euphorischen Vorfreude umzuschwenken und das Spiel zu verdammen: Gran Turismo 5 ist dennoch ein hervorragendes Rennspiel geworden. Wenn auch ein stellenweise ungeschliffenes.

Arcade-Modus: Schneller Fahrspaß

Wer bereits mit der Gran-Turismo-Serie in Berührung gekommen ist, wird sich auch in Gran Turismo 5 schnell zurechtfinden. Sogar das Gasgeben liegt wieder auf der X-Taste, lässt sich aber problemlos auch auf eine analoge Schultertaste legen – wer ein Lenkrad hat, benutzt aber selbstverständlich dieses. Für das schnelle Rennen zwischendurch ist der Arcade-Modus bestens geeignet. Wie gewohnt könnt ihr dort auf allen Strecken des Spiels eure Runden drehen, müsst dabei aber auf einen stark beschnittenen Fuhrpark zurückgreifen. Immerhin sind in diesem aber einige schnelle Wagen enthalten, die ihr im Karrieremodus erst nach mehreren Spieltagen freischalten könntet. So kann man schon mal ein mal eine Vorschau darauf erleben, was einen im "echten" Spiel erwartet. Im Arcademodus tretet ihr entweder allein gegen den Computer an oder zu zweit an einem Fernseher via Splitscreen.

Kein Problem: Einfach nur drauflos heizen -- ob im Arcademodus oder beim Compact-Car-Event der Anfänger-Runde.
 
Der GT-Modus
 
Im GT-Modus-Menü (oben) könnt ihr euch in diversen Bereichen austoben; allein die "Lizenzen" (Mitte, unten) sorgen für tagelange Herausforderung, wollt ihr in jeder Kategorie in jeder Einzelprüfung den Gold-Pokal holen.
Echte Rennfahrer stürzen sich aber sofort auf den GT-Modus und starten ihre Rennfahrer-Karriere, die sich über viele, viele Spielstunden hinweg und auf mannigfaltige Weise von Level 0 bis auf Level 40 bringen wird. Nach einer kurzen Outfit-Auswahl stehen uns einige Startmöglichkeiten offen: Wollen wir erst mal die Grundlagen des Rennfahrens erlernen und eine "Lizenz" machen? Angefangen bei der nationalen B-Lizenz führt diese bis zur Super-Lizenz, bei der schwerste Fahrprüfungen auf euch warten. Oder kaufen wir uns sofort einen Gebrauchtwagen, um uns direkt ins Renngetümmel stürzen zu können?

Für was ihr euch entscheidet, ist prinzipiell egal, beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile. So verdient ihr beim Abschließen der Lizenzprüfungen zwar kein Geld, dafür aber Erfahrungspunkte. Außerdem dürft ihr euch aber beim Bestehen über ein geschenktes Auto freuen, mit dem ihr danach eure ersten Rennen bestreiten könnt – der Upgrade auf einen besseren Gebrauchtwagen oder den ersten Neuwagen (hier verstecken sich die wesentlich detaillierter modellierten "Premium-Wagen" von GT5) fällt so ein wenig leichter, da ihr euer Anfangsgeld noch habt. Die Disziplinen beginnen mit einfachen Brems- und Kurvenmanövern; Schritt für Schritt bringt euch GT5 so das Renn-Fahren bei. Dabei hilft euch sowohl die ständig eingeblendete Ideallinie (blau=heizen, rot=bremsen) als auch ein Ghost eures bislang schnellsten Versuchs. Einen Bronze-Pokal werdet ihr bei den meisten Lizenz-Prüfungen der ersten beiden Klassen fast immer auf Anhieb schaffen, aber Silber ist schon schwieriger und Gold teilweise extrem knifflig. Übrigens gibt es für jede Pokalsorte Erfahrungspunkte, sodass es sich lohnt, die Disziplinen bis zur Perfektion anzugehen – ein geschickter Motivationstrick seitens der Designer, um euch wirklich mit den doch eigentlich tristen Grundlagen des Renngeschehens zu beschäftigen. Am Ende der Prüfungen einer Lizenz steht dann ein echtes Rennen.
 
Die gestalten sich dann meist recht einsteigerfreundlich, wer sich zu Beginn durchboxt und dann auf dem Gaspedal bleibt, gewinnt meistens mit vielen Sekunden Vorsprung. Überhaupt ist Gran Turismo 5 sehr geschickt darin, uns ständig zu belohnen. So bekommen wir für einen Goldpokal etwa einen neuen Konzeptwagen geschenkt, später schalten wir mit einem Levelaufstieg die nächste Spezial-Rennserie frei. Die ersten Stunden in Gran Turismo 5 motivieren ungemein, selbst als Lizenz-Fahrschüler!

Eine Cockpitsicht (mit Blick nach hinten durchs Rückfenster) gibt es nur bei Premium-Wagenmodellen.

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