Test: Ein Fest für Bond-Fans

Goldeneye 007 - Reloaded Test

Bereits vor einem Jahr verhalf Entwickler Eurocom dem legendären James-Bond-Shooter für N64 zu einem Comeback auf Nintendos Wii. Nun erscheint das Spiel als Goldeneye 007 - Reloaded auch für Xbox 360 und Playstaton 3. Wir verraten, warum das Spiel zwar nicht mit aktuellen Pracht-Shootern mithalten kann, aber trotzdem viel Spaß macht.
Benjamin Braun 3. November 2011 - 15:58 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von uns.

Ende 2010 belebte Activision mit James Bond – Goldeneye 007 den nach Meinung vieler Spieler besten Konsolen-Shooter der 90er Jahre auf Nintendos Wii wieder. Das hierzulande indizierte N64-Original des englischen Entwicklers Rare (Perfect Dark, Viva Piñata) verkaufte sich seinerzeit exzellent und bot zudem einige Neuerungen, die das Genre der 3D-Shooter auf sämtlichen Plattformen nachhaltig beeinflusste. Dazu zählt unter anderem ein Spielabschnitt, in dem der britische Geheimagent einen Panzer besteigt, was in den späteren Jahren zahlreiche Nachahmer finden sollte.

Schon bei der Wii-Version handelt es sich um mehr als nur ein grafisch aufgehübschtes Remake. Genauer gesagt hat sie nicht mehr allzu viel mit dem Klassiker gemein. Die Handlung verschlägt Bond teilweise an ganz andere Schauplätze, sie spielt nicht mehr in der Sowjetunion, sondern in der Russischen Förderation. Und dennoch ist sie trotz weitreichender Änderungen in der Chronologie der Ereignisse insgesamt sogar näher an der gleichnamigen Filmvorlage. Auch spielerisch hatte sich mit Lebensenergieregeneration oder dem Deckungssystem einiges verändert – gerade mit Blick auf die KI und die variationsarme Spielmechanik präsentierte sich das Spiel allerdings auch in vielerlei Hinsicht veraltet. Mit Goldeneye 007 – Reloaded bringt Activision nun eine technisch aufwändigere Fassung für Playstation 3 und Xbox 360 heraus. Reichen HD-Grafik und ein ausgebauter Mehrspielermodus, um Besitzer der Konsolen von Microsoft und Sony in Verzückung zu versetzen? Wir haben uns mit dem MI6-Agenten durch unterirdische Anlagen und den dichten Dschungel Südamerikas geschlichen, das große Waffenarsenal und das eine oder andere Bond-Gadget genutzt.

Der neue Bond
Auch ein paar Bond-Gadgets gibt es. Vor allem nutzen wir unser Smartphone, um Fotos zu schießen oder (wie in diesem Fall) einen Geschützturm zu hacken.
Als Goldeneye 1995 in die Kinos kam, beendet der Film nicht nur eine mehr als sechsjährige Durststrecke der Bond-Fans, sondern ließ erstmals den Iren Pierce Brosnan in die Haut von Ian Flemmings berühmter Romanfigur schlüpfen. Brosnans Ebenbild nachempfunden war auch der Videospiel-Bond im N64-Shooter. Schon in der Wii-Fassung wurde sein Gesicht -- angeblich aus lizenzrechtlichen Gründen -- gegen das des aktuellen Bond-Darstellers Daniel Craig ausgetauscht. Daran hat sich auch in der Fassung für Xbox 360 und Playstation 3 nichts geändert.

Genau wie der Film startet das Spiel in einer Chemiewaffenfabrik an einem Staudamm im Norden Russlands. James Bond und sein Agentenkollege 006, Alec Trevelyan, treffen sich vor der Anlage, die sie für den MI6 infiltrieren und zerstören sollen. Die Operation gelingt, allerdings muss Bond mit ansehen, wie Tevelyan von General Ouromov erschossen wird. Im weiteren Verlauf erfährt Bond von der Janus-Gruppe, die in den Besitz einer mächtigen elektromagnetischen Waffe namens Goldeneye gelangen will. Mit ihr wären die Terroristen in der Lage, die gesamte moderne Kommunikationstechnik lahmzulegen und die westliche Zivilisation ins Chaos zu stürzen. Bonds einzige Chance, den teuflischen Plan von Janus zu unterbinden, ist die Technikerin Natalya Simonova, die er um jeden Preis schützen muss. Während seines Wettlaufs gegen die Zeit gibt es für Bond schon bald ein unerwartetes Wiedersehen…

James of Duty?Die Jagd nach Janus führt James Bond zu Schauplätzen rund um den Erdball. In den abwechslungsreichen Missionen ist der Doppelnull-Agent unter anderem in Südamerika, Dubai und an mehreren Orten in Russland im Einsatz; sucht einen Weg durch den Bauch eines Militärschiffs oder stapft durchs Dickicht eines Regenwalds. Das Geschehen wird regelmäßig durch Zwischensequenzen und, ab der Mitte des Spiels, zunehmend durch geskriptete Ereignisse aufgewertet. Mal reißt eine Druckwelle Bond zu Boden, der sich mit einem Piepsen in den Ohren wieder aufrafft, mal stürzt ein Helikopter gleich neben ihm ab und geht in Flammen auf. Diese Sequenzen, in denen der Spieler zwischenzeitlich vollkommen die Kontrolle verliert, erinnern entfernt an die Call of Duty-Serie, die ebenfalls von Activision stammt. Das Spiel an sich gibt sich aber wesentlich schleichbetonter, siehe dazu die nächste Seite.

Auch soundtechnisch sind einige Parallelen zu Infinity Wards Spielereihe zu erkennen. Zumindest, wer seine Konsole mit einer guten Surroundanlage verbunden hat, kommt in den Genuss eines guten Raumklangs mit einigen sehr guten direktionalen Effekten. Ob die Gegner uns aus dem Rücken beschießen oder von der Seite, ist meistens sehr gut zu orten. Auf einem Militärschiff sorgen summende Elektromotoren und andere Geräte für eine authentische Kulisse.

Die Sprachausgabe kann da nicht ganz mithalten. Das liegt aber nicht etwa daran, dass die deutschen Sprecher nicht gut wären – wovon wenigstens die Rollen von Bond und M mit den Originalsprechern aus den Filmen besetzt sind. Die deutschen Stimmen kommen schlichtweg fast ausschließlich aus dem Center, vollkommen gleich, in welcher Position wir uns zu unserem Gesprächspartner befinden. Der Stereo-Sound hat dieses Problem nicht. Die englische Fassung, die unter anderem Bond-Darsteller Daniel Craig als Sprecher zu bieten hat, macht ihre Sache da schon besser. Im Stereobetrieb fällt die Schwäche der deutschen Version
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allerdings nicht ins Gewicht.

Die Ruckler, unter der die Wii-Fassung zu leiden hatte, gehören in der von uns gespielten Xbox-Version der Vergangenheit an. Laut Activision läuft das Spiel durchgehend mit 60 Frames pro Sekunde, woran wir nach unserem Test auch keinen Zweifel haben. Womit Entwickler Eurocom die hohe Bildrate erlangt, ist aber selbst ohne genaueres Hinsehen zu erkennen: Zahlreiche schwach aufgelöste Texturen, farbig eintönige Levelabschnitte und hübsche, aber im Vergleich mit anderen aktuellen Shootern oft etwas veraltet wirkende Grafikeffekte. Dass insgesamt ein deutlich größerer Qualitätssprung zur Wii-Version möglich gewesen wäre, zeigen die Szenen im Schnee oder im dichten Grün des Regenwaldes. Die bieten nämtlich die detaillreichsten Szenerien. Und gerade der relativ lange Spielabschnitt in Südamerika punktet mit satten Farben und ansehnlichen Lichtspielen. Allerdings: Die meisten Umgebungen sind farblich eintönig und bieten so viel optische Reizwechsel wie die geklonten Gegner oder Statisten-NPCs. Wenn schon eine HD-Portierung eines Wii-Spiels, dann doch bitte durchgehend auf hohem Niveau und nicht nur hier und dort.

Nach dem Vorbild von Call of Duty bieten die Xbox- und PS3-Version die MI6-Ops. Darin erfüllen wir kleinere Missionen oder schalten eine Gegnerwelle nach der nächsten aus, mal schleichend, mal ballernd.
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