Test: Kratos hat's noch drauf

God of War - Ascension Test

Aller guten Dinge sind drei – aber nicht bei Sony Santa Monica Studio: Dort war man eigentlich schon fertig mit der God-of-War-Trilogie, bevor der Entwickler doch noch ein weiteres großes Kratos-Abenteuer ersann. Das erzählt nun die Vorgeschichte des Kriegers aus Sparta und liefert gleichzeitig erstmals einen Mehrspieler-Modus mit.
Christoph Vent 7. März 2013 - 19:01 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wie Gran Turismo, Uncharted und einige andere Serien ist God of War eine der Marken, die sehr eng mit Playstation verknüpft sind. Sein nicht nur technisch beeindruckendes Debüt feierte Antiheld Kratos bereits 2005 auf der Playstation 2. God of War 2 folgte 2007 und zeigte trotz bereits veröffentlichter Nachfolger-Hardware, was die Altkonsole noch zu leisten vermochte. Diese Tradition brach Sony Santa Monica Studio auch nicht bei God of War 3 (GG-Test: 9.0), das auf der Playstation 3 den Abschluss der ursprünglichen Trilogie bildete: Das Spiel sah für Konsolenverhältnisse fantastisch aus – die Entwickler quetschten wirklich alles aus der limitierten Hardware hinaus.

Aber nicht nur für ihre Grafikqualität ist die Serie bekannt, sondern auch für eine nahezu perfekte Spielbarkeit. Flüssig schnetzelt ihr euch mit Kratos im antiken Griechenland durch Unmengen von Gegnern, die in ihrem Design durchweg mythischen Wesen nachempfunden sind, kämpft gegen gigantische Bossgegner und löst zwischendurch einige Rätsel. In Kürze erscheint mit God of War - Ascension der vierte Teil der Reihe (Handheld-Spinoffs nicht mitgezählt). Moment, vierter Teil? War die Trilogie nicht abgeschlossen? Macht nichts, schließlich ist Ascension noch vor dem Erstling angesiedelt. Darüber hinaus bietet der Titel aber eine weitere Besonderheit: Erstmals metzelt ihr nicht nur offline im Solomodus, sondern auch in einem vollwertigen Multiplayer-Modus. Befürchtungen, dass darunter die Hauptkampagne leidet, können wir übrigens zerstreuen.

Flotter Einstieg in KettenGod of War - Ascension steigt nach einer kurzen Eingangssequenz sofort in die Action ein. Kratos ist angekettet, vor ihm tänzelt die Furienkönigin umher, die wie eine zu groß geratene Spinnenlady anmutet. Was es mit der Situation genau auf sich hat und wie ihr hier reingeraten seid, werdet ihr erst in den folgenden Spielstunden herausfinden, doch aus der Furies Worte an euch wird klar: Kratos wollte einen Eid lösen, den er einst dem Kriegsgott Ares gab. Die Furie möchte euch nun eines Besseren belehren. Nur, dass sie sich dafür natürlich den Falschen ausgesucht hat. Lasst das Metzeln beginnen...

Die Gegner sind wieder durchweg an mythische Wesen angelehnt und in ihrem Design sehr gelungen.
Serientypisch unterscheidet God of War - Ascension zwischen schwachen und starken Angriffen. Während erstere sich aufgrund ihrer schnellen Ausführung besonders gut gegen kleine und wuselige Gegner eignen, bieten sich die schweren Angriffe besonders gegen dickere Brocken an. Bei gedrückter Angriffstaste zaubert Kratos zudem einen alternativen Angriff aus dem Hut. Darüber hinaus kann der Spartaner noch um sich treten, um sich aus aussichtslosen Situationen zu befreien. Das ist auch nötig, denn in Ascension habt ihr es selten mit nur ein oder zwei Gegnern gleichzeitig zu tun. Vielmehr erwarten euch wahre Feindesmassen. Sind es anfangs nur Insekten, machen euch im späteren Spielverlauf Cerberusse, Greifvögel, Kriegselefanten, Medusen und weiteres mythisches Gesocks das Leben schwer.

Dynamische ArenakämpfeDie Kämpfe, die meistens in einem kleineren abgesperrten Bereich stattfinden, spielen sich wegen der vielen Gegner extrem dynamisch. Ständig müsst ihr in Bewegung bleiben, um nicht eingekesselt zu werden. Die starre Kamera stellt übrigens – anders noch als ab und an im direkten Vorgänger – kein Problem dar und behindert nur äußerst selten das Sichtfeld. Doch zurück zu euren Feinden: Die verfügen fast ausnahmslos über eigene Angriffstaktiken. Geister verschwinden etwa immer wieder im Boden und tauchen erst kurz vor euch mit einer Attacke auf. Ihre Spur könnt ihr jedoch durch ein blaues Leuchten auf dem Boden verfolgen und sie mit der Kette eurer Chaosklingen vorzeitig an die Oberfläche ziehen. Luftangriffe werden meist mit einer Markierung auf dem Boden angedeutet, ebenso der Radius anderer Attacken. Das geschieht allerdings sehr kurzfristig, was wiederum eine schnelle Reaktion eurerseits erfordert. Als leicht störend empfinden wir hingegen die kleine Atempause, die Kratos nach einer Ausweichrolle beziehungsweise einem Sprint einlegt, da sich deshalb wildes Hüpfen oft besser zum Entkommen eignet.

God of War - Ascension brennt gerade in der ersten Spielstunde ein wahres Feuerwerk ab. So werdet ihr zu Beginn regelrecht durch die Außenbereiche und die Gemäuer im Innern gescheucht. Ein erstes großes Highlight folgt, als ihr einen von mehreren Gefängnistrakten durchstreift: Draußen taucht ein haushoher  Bossgegner auf, der das Gebäude entzwei schlägt. Mit euch mittendrin packt er sich den Flur und schwingt ihn durch die Luft. Doch damit nicht genug, denn in genau dieser Situation müsst ihr euch um mehrere kleinere Feinde kümmern. Ist die erste Welle besiegt, dreht der Fiesling das Gemäuer um die Längsachse und eine weitere Welle naht.

Doch es gibt auch Ausnahmen von der Regel „Mini-Arena von allen Gegnern befreien“. Im späteren Spielverlauf reitet ihr etwa auf einer riesigen Schlange und müsst währenddessen Holzbarrieren und Feinde beseitigen. Doch dürft ihr nicht die Haken verpassen, da ihr sonst kurze Zeit später in den Tod stürzt. Solche Passagen, aber auch zeitkritische Abschnitte sorgen für Abwechslung und Tempo.

Reise durch Griechenland
Nach etwa einer Stunde hektischer Rennerei und Kämpferei kommt etwas mehr Struktur in die Handlung. In einer längeren Rückblende spielt ihr Kratos’ Weg in die missliche Situation vom Anfang nach. Um sich aus dem mit Ares geschlossenen Bund zu befreien – dieser schmiedet nämlich einen perfiden Plan –, möchte unser Held das Orakel von Delphi aufsuchen. Sein Weg führt unter anderem durch das Dorf Kirra, diverse Höhlen und Katakomben, Tempelanlagen und später auf die Insel Delos. Die häufig wechselnden Settings sind zweifelsohne eine der Stärken von God of War - Ascension. Die insgesamt 30 Kapitel dauern bis auf wenige Ausnahmen maximal 20 Minuten un
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d lotsen euch durch immer andere Ortschaften – euren Augen wird so gewiss nicht langweilig. Belohnt werdet ihr zudem regelmäßig mit prächtigen Kamerafahrten über das jeweilige Szenario hinweg, die dann oft fließend ins Spielgeschehen übergehen. Allerdings: Ganz so monumentale Schauplätze wie den Olymp im letzten Serienteil dürft ihr in Ascension nicht erwarten. Zudem fällt uns in den späteren Abschnitten immer wieder die Wiederverwendung schon bekannter Orte auf. Obwohl ihr sie schon vorher von Feinden gesäubert hattet, müsst ihr euch erneut durchschnippeln. Das wirkt ein wenig nach Spielzeitstreckung. Womit wir aber bei einer guten Nachricht sind: Rechnet für euren ersten Durchgang mit einer Spielzeit von acht bis zehn Stunden, weniger erfahrene Metzgermeister können auch zwölf Stunden benötigen. Ob nun etwas gestreckt oder nicht: Das ist durchaus ordentlich und nicht ungeheuer viel kürzer als die gut zwölf Stunden von God of War 3. Mit dem ersten Durchspielen schaltet ihr zusätzlich einen weiteren, besonders harten Schwierigkeitsgrad sowie die Option „New Game +“ frei, in dem ihr eure im ersten Durchgang eingesammelten Artefakte einsetzen könnt.
Mehr als nur ArenakämpfeNeben den üblichen Arenakämpfen mit kleineren Standardgegnern hat God of War - Ascension deutlich mehr zu bieten. Nach kurzer Spielzeit mehren sich die Auftritte größerer Feinde. 1 Dieser Medusa gebt ihr im Nahkampf den Rest. Weicht ihr den Schallwellen ihrer Schreie nicht aus, versteinert sie euch allerdings. 2 Immer wieder hangelt ihr euch mit Kratos an Felswänden entlang. Das ist zwar nicht anspruchsvoll, aber wer will sich bei so einem Ausblick beschweren? 3 Bei den Schwungabschnitten über mehrere Haken hinweg müsst ihr eure Absprünge genau abpassen. 4 In Rutschpartien wie dieser weicht ihr mit dem linken Stick Hindernissen aus und überspringt in Quick-Time-Events diverse Abgründe. 5 Später reitet ihr auf einer riesigen Schlange und bekämpft währenddessen Gegner. Passt ihr nicht auf, verpasst ihr den rechtzeitigen Absprung. 6 Mit dem Uroboros-Amulett repariert ihr zerstörte Strukturen. Dieses Spielelement verknüpft Ascension immer wieder mit Rätselabschnitten.
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