Monumental.Brutal.Genial? [18+]

God of War 3 Test

Kein Berg, kein Fels, sondern Gaia, die Mutter der Titanen. Sie ist ein "Level" in sich und trägt euch den Olymp hinauf.

Titanen als "Level"
 
Keine Frage, die Bosskämpfe sind fulminant inszeniert, doch das kennen wir so ähnlich auch schon aus Dante's Inferno. Doch bei God of War 3 kicken die Kämpfe einfach noch mehr. Und das liegt an dem Szenario des von den Titanen attackierten Götterbergs und all den Ideen, die sich daraus ableiten. Kratos steht ja nicht einfach auf festem Boden und bekämpft den Gott des Meeres in einem Tümpel. Vielmehr richtet sich Poseidon zu Hochaushöhe auf, und Kratos selbst balanciert auf einer schwankenden Plattform -- nämlich Gaia höchstpersönlich. Und weil Poseidon ein verdammt mächtiger Gott ist, schleudert er sogar Gaia herum, krallt sich in deren steinernen Rinde fest -- und für Kratos steht die Welt Kopf. Nicht beirren lassen! Kratos hält sich automatisch fest, ihr könnt weiter nach Herzenslust drauflos hacken. Endlich verliert Poseidons Klaue den Halt, das Bild dreht sich wieder zurück. Das letzte Stündlein des Meeresgottes hat geschlagen!

Klingt das beeindruckend genug? Sony Santa Monica schafftt es aber immer wieder, noch einen draufzulegen. Als sei der kolossale Kampf zwischen Kratos und Gaia gegen Poseidon nicht schon atemberaubend genug, dreht sich das ganze Geschehen plötzlich. Wie eine Rakete schießt Kratos auf die aufgetürmten Wassermassen des Gottes zu, rammt mit voller Wucht in dessen Kopf und zerrt eine menschliche Gestalt mit einfacher Tunika aus dem Haupt der Sagengestalt. Die folgenden Szenen sind dann fast noch brutaler als der eigentliche Bosskampf.
 
Die Kamera zeigt das Geschehen nun aus der Opferperspektive. Kratos ins Abstruse übersteigerter Muskelkörper und sein grimmiger Blick schieben sich ins Bild. Unfassbar, wie gut das aussieht, man sieht seine definierten Muskeln, das Zusammenspiel von Bizeps und Trizeps, jede einzelne Faser seines Körpers strotzt nur so vor Kraft. Und Kratos ist kein friedlicher Bodybuilder mit Fistelstimme und treuem Blick. Sondern ein Charakter, für den kochende Weißglut noch die ausgeglichenste Wesensart ist. Jetzt aber ist Kratos richtig sauer! Mit Quicktime-Events tritt er auf sein Opfer ein, drischt mit seiner mächtigen Faust auf Poseidons Schläfen. Das göttliche Blut spritzt, bald schon ist Kratos ganzer Körper rotbesudelt. Mit einem hämischen Lachen dreht er dem einstigen Herrscher über Millionen Meeresbewohner den Kopf um und wirft ihn in die Tiefe.

Gleich geht es zu Ende mit dem Gott des Meeres! Und dieses Ende... wird kein leichtes sein.


Hades - das wandelnde Steak

Was uns antreibt in God of War 3, das ist die Jagd nach den Bosskämpfen, diesen völlig überdrehten, brutalstmöglichen Gemetzel. Nicht gegen irgendwelche Trolle oder Oger kämpfen wir hier, sondern gegen ausgewachsene Götter wie Hermes, Hades und den Titanen Kronos. Doch lasst uns eben kurz aus unserem Pixelblutdurst erwachen und innehalten: Sind die Schlachten wirklich so epochal, wie es der geschilderte Einstieg vermuten lässt?

[SPOILER-ALARM] Kurzgesagt: Zwei Levels spielen auf Titanen, und diese Abschnitte sind einfach nur fett. Den halbstündigen Kampf gegen Kronos wollen wir an dieser Stelle nicht vorwegnehmen -- erlebt es einfach selbst, es könnte einer der großen Momente eurer Spielerkarriere sein! Und zwar atmosphärisch, dramaturgisch, technisch -- wie elegant Sony Santa Monica hier mit Post-Processing-Effekten arbeitet, mit Tiefenschärfe! Und wie man wirklich das Gefühl vermittelt bekommt, auf einem vor Schmerz zitternden Koloss zu kämpfen. Aber: Anders als das in Sachen "Gegner in Konfextionsgröße 100XL" ebenbürtige Bayonetta hält God of War 3 diese epochalen Bosskämpfe nicht das ganze Spiel über durch. Die Designer (siehe unser Video-Interview) sprechen von Absicht, und dass sie ihre Groß-Highlights bewusst spärlich setzen. Wir finden, da wäre noch etwas mehr drin gewesen! [SPOILER-ENDE]

Aber keine Vorurteile: Wer da etwa glaubt, Hades sei aufgrund seiner vergleichsweise geringen Größe ein wandelndes Steak, das man nur noch braten müsste, der irrt gewaltig. Denn wer dem Gott der Unterwelt einen Batzen Fleisch herausschneidet (wir haben nie behauptet, dass dieser Testbericht appetitlich würde!), sollte damit rechnen, dass es wieder zurück zu seinem Besitzer will. Und es ist gar nicht so einfach, ein krabbelndes Filet Deus aufzuhalten, wenn gleichzeitig zig Hände aus dem Boden schießen und die eigene Energieleiste Richtung Nullpunkt bringen. Faire Idee: Wer mehrfach das Zeitliche segnet, darf die Schwierigkeit auf die leichteste von drei möglichen Stufen stellen. God of War 3 ist auf allen Stufen machbar, die höchste ist allerdings nur Kennern der Vorgänger zu empfehlen, denn hier muss jeder Hieb und jedes Quicktime-Event sitzen. Kratos lernt übrigens dazu und nimmt seinen Opfern allerhand Waffen ab. Die violetten Hadesklauen etwa opfern etwas Tempo für mehr Power, lassen mit ihren schweren Attacken den Boden beben und den Gegner bibbern. Aufgerüstet verschießen die Löwenhandschuhe zusätzlich Stachelkugeln, was sie zu einer wirkungsvollen Distanzwaffe macht. Sony Santa Monica hat sich also endlich die Kritik der Fans zu Herzen genommen, denen es bislang an Waffenvielfalt mangelte.


Im Reich von Hades. Wir wissen nicht, ob ihr nach God of War 3 je wieder Lust auf "Steak, blutig" haben werdet.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 27 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.