Who ya gonna call? Fun busters!

Ghostbusters - Sanctum of Slime Test

Ghostbusters - The Videogame überzeugte uns anno 2009 mit erkennbarer Detailtreue zur Serie, abwechslungsreichen Levels, Originalstimmen der Filmhelden und tollen Bosskämpfen. Ghostbusters - Sanctum of Slime überzeugt uns anno 2011 mit... ja, mit was eigentlich? Mit so gut wie gar nichts, wie ihr in unserem Test nachlesen könnt.
Philipp Spilker 31. März 2011 - 12:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt. In unserem 12minütigen Testvideo zeigen wir euch die größten Designsünden.

Koop-Spiele liegen voll im Trend, da ist es verständlich, dass manch ein Entwickler gerne ein Stück vom großen Multiplayer-Kuchen abhaben möchte. So auch das chilenische Studio Behaviour Interactive (ehemals Wanako Games), dessen Mitarbeiter sich ihr täglich Brot nun schon seit mehreren Jahren mit Downloadspielen verdienen. Kürzlich zeichneten sie zum Beispiel für das gratis über XBL erhältliche Xbox360-Spiel Doritos Crash Course verantwortlich.

Ihr neuester Streich heißt Ghostbusters - Sanctum of Slime, erscheint für PC, Xbox 360 sowie PS3 und gibt euch die Möglichkeit, die Kampagne mit vier Spielern gleichzeitig zu bestreiten. Wir haben uns für euch durch das Heiligtum des Schleims gekämpft und uns dabei reichlich gegruselt. Aber nicht etwa, weil das Spiel eine gelungene Atmosphäre zu bieten hätte. Sondern Design-Macken am laufenden Band.

Einer unserer Charaktere bemängelt hier, wie auch wir, das repetitive Leveldesign. Um ehrlich zu sein: Wir können am Screenshot nicht mehr erkennen, in welchem Level wir ihn geschossen haben -- so generisch sieht alles aus.

Wie viele Leute passen um euren PC?


Wenn ihr obige Frage mit "Locker vier!" beantworten könnt und außerdem mindestens drei Gamepads zur Verfügung habt, können wir euch gratulieren: Ihr werdet die PC-Version von Ghostbusters - Sanctum of Slime zumindest in der Theorie im 4-Spieler-Koop erleben können. Vorausgesetzt, ihr habt drei dem Gaming nicht abgeneigte Nachbarn, die gerne mal kurz zu euch rüberkommen. Habt ihr? Ihr Glückspilze! Anders als bei den Konsolenversionen des Spiels gibt es nämlich für den PC keinen Onlinemodus. Ihr müsst also tatsächlich drei weitere Mitstreiter lokal um euren Bildschirm versammeln. Ob ihr das allerdings überhaupt tun wollt, ist eine ganz andere Frage. Wir raten euch jedenfalls nicht dazu. Sonst habt ihr danach eventuell plötzlich keine drei dem Gaming zugeneigte Nachbarn mehr.

Warum? Weil Ghostbusters - Sanctum of Slime ein uninspirierter Dual-Joystick-Shooter von der Stange ist, der jegliche frische Idee vermissen lässt. Und weil der Schwierigkeitsgrad an nicht wenigen Stellen des Spiels derart unkontrollierte Ausschläge nach oben hat (im englischen Fachjargon "difficulty spikes" genannt), dass ihr regelmäßig Stressflecken im Gesicht kriegen werdet. Bei Sanctum of Slime kann selbst der kleinste Geist euren Untergang bedeuten -- meist hält euer Geisterjäger nicht mehr als zwei Attacken aus, bevor er das Zeitliche segnet. "Alles nicht so schlimm", würde jetzt wahrscheinlich Behaviour Interactive entgegnen. "Ihr könnt doch jederzeit von euren Mitspielern wiederbelebt werden, solange sie noch am Leben sind." Und damit hätten die werten Herren Entwickler auch recht, in der Theorie.

In der Praxis aber besteht dieser Prozess darin, dass ihr euch neben den Leichnam eines Teamkollegen stellen und wie wild einen Knopf auf dem Gamepad oder die Leertaste der Tastatur bearbeiten müsst, bis sich ein über dem Leichnam erscheinender Balken gefüllt hat. Dieser Zeitaufwand von minimal drei Sekunden ist jedoch meist zu groß  -- bis dahin hat euch in den kleinen Arenen des Spiels längst ein Geist eingeholt. Kurzum: Der Koop-Modus macht einfach keinen Spaß. Also spart es euch, erst mühsam eure Freunde zu versammeln. Spielt einfach mit der KI. Aber nein, das ist leider auch keine Lösung!

Von allen guten Geistern verlassen

Hier schauen wir mal wieder der KI beim Sterben zu.
Wir wollen fair sein: Ein ganz klein bisschen Intelligenz lässt sich schon in euren KI-Kameraden erkennen. Zum Beispiel sind sie echte Weltmeister darin, gefallene Mitstreiter wiederzubeleben. Viel schneller, als es ein menschlicher Mitspieler je tun könnte. Nur leider achten sie dabei nur selten auf geschicktes Timing. Wenn ihr also gerade wieder einmal durch eine Übermacht von euch umringenden Geistern gestorben seid und diese noch über eurem Leichnam schweben, um euch still zu verhöhnen, denkt sich die KI heldenhaft: "Der Spieler ist tot! Ich muss ihn retten! Um jeden Preis!"  Das freut die Geister, und sie hauen auch noch den KI-Kameraden tot. Woraufhin sich ein weiterer KI-Kamerad denkt: "Da liegen zwei Tote, ich gehe da hin und rette sie!" Diese Komödie in drei Akten haben wir so oft mitverfolgt, dass wir sie schon auswendig kennen. Sie endet immer gleich: mit einem Game Over-Screen. Und mit Flüchen, dass die KI nicht auf die Idee kommt, erst die Gegner zurückzutreiben, bevor sie wiederbelebt.

In 90 Prozent der Fälle könnt ihr beim Spielen des Singleplayermodus vom sicheren Scheitern der KI ausgehen, sobald ihr selbst leblos am Boden liegt. Denn insbesondere in hektischen Situationen (die ihr gerade im späteren Spielverlauf in Scharen vorfinden werdet) schaltet die KI ihren "Panic Button" ein und rennt fortan völlig kopflos durch die Gegend. Zufällig auftauchende Items wie zum Beispiel die sehr nützliche temporäre Unverwundbarkeit lässt sie rigoros links liegen, obwohl ihr längst den Radieschen von unten zuseht. Die KI-Opfer stürzen sich kamikazemäßig mitten ins Feindesgetümmel, anstatt zunächst einen sicheren Rückzugspunkt zu suchen. Hin und wieder drehen sich unsere Kameraden auch einfach nur panisch im Kreis, bis ein Gegner sie erlöst. Zwei besonders "schöne" Beispiele für einen solchen Totalausfall der KI könnt ihr in unserem Testvideo begutachten.

Statt die dringend benötigte Abwechslung ins Spiel zu bringen, sind auch die Autofahrten sehr monoton.
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