Ganz großes Tennis!

Fussball Manager 12 Test

Harald Fränkel 18. Oktober 2011 - 21:02 — vor 8 Jahren aktualisiert
Eine der zehn Kameraperspektiven erlaubt es, virtuell an der Seitenlinie zu stehen. Authentisch, aber unübersichtlich.
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Features, die die Fans wünschtenSchauen wir uns nun zunächst die kleinen Änderungen an, die beim FM12 dem Credo „Evolution statt Revolution“ gehorchen. Teilweise haben die Macher darauf gesetzt, Vorschläge der Fans zu berücksichtigen. So schafften es zwölf Ideen unter dem Motto „Dein Feature“ ins Spiel. Besonders gelungen ist unserer Meinung nach der Probetrainingstag. Hier absolvieren 100 potenzielle Neuzugänge von euch ausgewählte Übungen. Der Co-Trainer sortiert von Runde zu Runde die schwächsten Kandidaten aus, wobei ihr den Vorgang in Form eines Live-Tickers verfolgt. Spannend!    

Den Suchteffekt, den manche Spieler beim Sammeln von Achievements entwickeln, greifen die sogenannten Manager-Herausforderungen auf. Dabei zeigt ein Handy im Hauptmenü wechselnde Aufgaben. Werden die Ziele erfüllt, winken Punkte, die euch schneller in die nächste Manager-Stufe hieven. Zum Beispiel, wenn der Mannschaft mehrere Siege in Folge glücken oder ein Spieler direkt nach seiner Einwechslung ein Tor erzielt. Neu ist ferner der Laktattest. Nutzt ihr eine solche Diagnosemaßnahme, besteht die Chance, dass sich die Leistungen einiger eurer Kicker verbessern. Ein bisschen auf Risiko setzt ihr bei den Ansprachen vor einem Spiel. Dem Team mitzuteilen, dass es ganz sicher siegt, kann einen Motivationsschub bringen. Endet die Sache aber negativ, also mit einem Unentschieden oder einer Abfuhr, leidet die Team-Moral.
Weitere Merkmale, die auf Fan-Wünschen beruhen: Manager dürfen beim Vereinswechsel ihre Talentsucher-Liste mitnehmen; ihr könnt euch für internationale Finalspiele in eurem Stadion bewerben; unterbezahlte Profis verlieren dauerhaft Motivation; im Spieler-Infomenü ist der Trainingsfortschritt in Prozent sichtbar; der Aufstellungsbildschirm zeigt, wie sich die Erfahrung ändert und somit, wann die nächste Aufwertung eurer Schützlinge fällig wird. Langwierige Umbaumaßnahmen im Stadion sind zudem passé. Der Manager gibt einfach den Bau einer neuen Fußballarena in Auftrag und sein Team tritt bis zur Fertigstellung im alten Stadion an.

Die letzten 24 Stunden der Transferperioden gestalten sich spannender, weil ihr nun bis kurz vor Schluss versuchen dürft, Spieler loszuwerden. Bei der Ergebnis-Sofortberechnung ist es jetzt möglich, die Geschwindigkeit manuell zu regeln. An einer Chancenleiste lest ihr ab, welche Mannschaft gerade dominiert.

Schaffe, schaffe, Häusle baue! Die Entwickler selbst waren ebenfalls nicht unkreativ und haben sich für Fussball Manager 12 etliche kleine Verbesserungen überlegt. Über 700 sollen es sein, heißt es aus Köln. Nein, wir haben sie nicht gezählt und wollen auch gar nicht alle nennen. Die aus unserer Sicht wichtigsten Features freilich schon: Auf dem Vereinsgelände können nun bis zu drei Stadien und weitere 25 Gebäude in 289 Ausbaustufen stehen. Da viele Einrichtungen voneinander abhängig sind, obendrein altern und dann renoviert werden müssen, sollten nun auch Manager von Top-Clubs auf Trab gehalten werden. Schade finden wir allerdings, dass sich die Gebäude nicht mehr frei platzieren lassen. Bright Future lag indes die Spielerentwicklung am Herzen: Eine neue Art der Berechnung verhindert, dass sich irgendwann zu viele Jahrhundertspieler à la Pelé in eurer virtuellen Fußballwelt tummeln. 

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Weitere Detailverbesserungen in Kürze: Das Training ist wieder in Tage unterteilt; Spieler können angeschlagen sein, sodass ein Einsatz mit einem hohen Verletzungsrisiko einhergeht. Bei Neuverpflichtungen müsst ihr entscheiden, wie ihr sie den Fans vorstellt, zum Beispiel nur als Notiz auf der Vereins-Homepage oder bei einer Pressekonferenz (beides kann mit Überraschungen enden). Manager-Veteranen freuen sich, dass sie Spiele auch wieder im klassischen Textmodus verfolgen dürfen. Das Geschehen wird dabei Zeile für Zeile geschildert. Über den Kalender ist es (bei entsprechenden finanziellen Mitteln) möglich, Weltklassemannschaften zu Freundschaftsspielen einzuladen. Als Manager ruft ihr nun die Vereinsführung zur Jahreshauptversammlung zusammen, die noch mehr zur Realitätsnähe beiträgt.

Der Mehrspielerbereich hat sich indes kaum geändert, aber: Die Premium-Features des vergangenen Jahres sind diesmal kostenlos mit dabei.

Aller Anfang ist schwerWenn wir der EA-Simulation FM12 etwas vorwerfen könnten, dann vor allem, dass sie angesichts ihrer Komplexität für Neulinge die Hölle auf Erden ist. Ja, ihr dürft aus drei Schwierigkeitsstufen wählen, und zwar separat für die Bereiche „Transfers & Verträge“, „Vorstandsstatus“, „Moral & Vertrauen“ sowie „Scouting“ (Talentsuche). Ja, es ist möglich, Aufgaben virtuellen Mitarbeitern anzuvertrauen, die von der künstlichen Intelligenz gesteuert werden. Wer will, muss fast gar nichts mehr selbst erledigen, was aber auf Dauer natürlich auch nicht zielführend ist. Irgendwann wollt ihr ja verstehen, was ihr da treibt! Und ja, die moderne, schmucke Benutzeroberfläche ist gespickt mit Tipps und Hilfetexten. Trotzdem: Sich in den FM12 reinzufummeln, das ist für Einsteiger in die Materie brutale Arbeit.  Wünschenswert wäre ein interaktives Tutorial. Zum Beispiel ein virtueller Lehrer, der euren Mauszeiger für einen kompletten Spieltag wie von Geisterhand zu den wichtigen Menüpunkten führt. Ihr kennt das doch sicher: Erklärt euch ein Freund ein Spiel, dann habt ihr die Spielmechanik rasch verinnerlicht. Als Autodidakt gilt es, mühsam jede Kleinigkeit selbst zu erforschen, Frusterlebnisse einzufahren und stundenlang herumzuprobieren.

Im Fall des FM12 ist dann aber auch noch das nur als PDF-Datei verfügbare Handbuch lückenhaft bis irreführend. Schön, dass uns im Spiel  geraten wird, jedem Jugendspieler einen Mentor aus der ersten Mannschaft zuzuweisen. Würden wir gern tun. In der Anleitung findet das Wort „Mentor“ aber dummerweise nicht statt. Als Krönung stellt sich dann noch heraus, dass das Handbuch in einigen Fällen andere Begriffe verwendet als das Spiel. Laut Anleitung müsst ihr etwa im Taktikbildschirm auf den Menüpunkt „Komplex“ klicken, sobald ihr dem Team für die nächste Partie mehr als nur die Standardanweisungen geben und beispielsweise eine zusätzliche Siegprämie festlegen wollt. Im Spiel heißt der entsprechende Knopf dann aber „Detailliert“. Das mag im Einzelfall kein Weltuntergang sein. Es kommt aber mehrfach vor und ist somit ein Zeichen für Schluderei.        

Im Transfermarktbereich könnt ihr nun Spieler sehr viel genauer prüfen, bei Testspielen oder einem Probetrainingstag (Bild).
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