Ganz großes Tennis!

Fussball Manager 12 Test

Um begnadet Fußball zu spielen, muss man bekanntlich nicht die hellste Flutlichtleuchte im Stadion sein. Wer aber die Geschicke eines ganzen Vereins lenken will, braucht definitiv Grips. Bald rauchen wieder mächtig die Köpfe – bei der neuen Fußballmanager-Simulation von EA, die jetzt bei uns auf dem Prüfstand war.
Harald Fränkel 18. Oktober 2011 - 21:02 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns erstellt.

Wer mit dieser Serie aus dem Hause Electronic Arts zu tun hat, dem schießt in der Regel schnell das F-Wort in den Sinn: Fehler. Dem Autor dieser Artikels, weil er den Titel des neuen Ablegers aus googletaktischen Gründen mindestens einmal orthographisch falsch Fussball Manager 12 schreiben und dabei schlimme innere Qualen leiden musste. Das deutsche Wort heißt Fußball, liebe Herren von EA, Fußball, mit Eszett, oder, wie die Süddeutschen neckisch sagen, mit Dreierles-Ess. Moment, sagt da der EA-Sprachverteidiger, wir benutzen korrekt das "SS" bei Versalienschreibung, denn das "ß" ist ein Kleinbuchstabe, und wir schreiben auf dem Cover und in jeder Pressemitteilung "FUSSBALL MANAGER". Ist uns doch schnuppe, antwortet der GG-Staatswanwalt, wir haben noch jeden versal gesetzten Titel gemischt geschrieben, und Ausrufezeichen und sonstige verrückte Zeichenverwendung lassen wir auch keinem Spiel durchgehen. Die Fans interessieren diese akademischen Diskussionen eher weniger, sie denken beim F-Wort daran, dass bislang noch jeder Serienteil mit einer Reihe von Bugs veröffentlicht wurde. Dass sie trotzdem immer wieder zugreifen, könnte etwas heißen.

In den Läden steht das Fußballmanager-Spiel Fussball Manager 12 erst am Donnerstag, den 20. Oktober. Dieses Jahr besonders gelungen sind aus unserer Sicht die Darstellung und Bedienung der Partien im 3D-Modus – obwohl der unseren Erfahrungen nach dann doch einen kleinen Balance-Makel aufweist. Darauf gehen wir später noch detailliert ein, genauso wie auf die weiteren größeren Verbesserungen im Transfer- und Finanzbereich. Zunächst wollen wir erkunden, warum ein Spiel faszinierend sein kann, obwohl es vorwiegend auf einem Datenbank-Ungetüm und vermeintlich langweiligen Tabellen basiert.    

Kühle Zahlen, große Emotionen
Ryan Babel von der TSG 1899 Hoffenheim legt Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller ein Ei ins Netz. Gut zu erkennen: Die Zuschauer im Stadion sehen absolut furchtbar aus.
Aus der Sicht eines Berufskritikers mutet es fast vorurteilsbehaftet und unfair an, wenn es darum geht, den Traditionstitel der Kölner Entwickler Bright Future zu analysieren und sezieren. Vor dem Hintergrund, dass eine aus Fans gebildete Schwarmintelligenz nach der Veröffentlichung stets eine ganze Liste von Bugs aufdeckt, die ein einzelner Rezensent niemals, nie und nicht alle zu erkennen vermag, geht es unweigerlich auf die Suche nach Ungereimtheiten. Weil der Käufer zu Recht wissen möchte, wie es darum bestellt ist. Ja, auch die neue Simulation hat hier und da kleine Macken. Die, die uns aufgefallen sind, werden wir ansprechen. Dabei sollte aber stets im Hinterkopf bleiben, dass der FM 12 verflucht spaßig ist. Ihn über Fehler zu definieren, wäre unsportlich, ein grobes Foul. Also lautet eine entscheidende Frage: Was macht den Reiz aus?

Müssten wir den FM 12 mit einem Wort beschreiben, würden wir den Begriff „Emotionen“ wählen. Denn am Ende des Tages ist das die Essenz: Die Entwickler schaffen es, dröge Zahlenkolonnen so zu verpacken, dass sie Gefühle wecken. Und zwar unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Wir haben zum einen mit der TSG 1899 Hoffenheim gefiebert, wollten beim Kampf um die Deutsche Meisterschaft den FC Bayern München hinter uns lassen. Zum anderen identifizierte sich der Verfasser dieser Zeilen mit dem SC Bayreuth 2011, den er selbst gründete. Er wählte für sein Heimstädtchen die Vereinsfarben aus, kreierte ein Wappen und gestaltete das Stadionumfeld, um sich dann – mit einer Extraportion Herzblut – von der Kreisklasse A ganz nach oben zu kämpfen.

Doch egal, ob Bundesligist Hoffenheim oder Provinzclub Bayreuth: In beiden Fällen ertönten nicht-druckreife Flüche vor dem Monitor, wenn einer der Spieler mal wieder eine hundertprozentige Torchance vergab, gefoult wurde oder gar verletzt ausschied. In beiden Fällen waren Jubelschreie hörbar, aber auch freudig geballte Fäuste zu sehen. Bei beiden Manager-Jobs lag die latente Angst in der Luft, mangels Erfolg als virtueller Manager entlassen zu werden. In beiden Fällen spürte der Wohnzimmer-Coach am eigenen Leib, wie es wohl sein muss, als echter Trainer nahezu hilflos an der Seitenlinie zu stehen und keinen direkten Einfluss zu haben. Dann nämlich, wenn die taktische Vorarbeit getan ist, ihr per Tastendruck nur noch Stoßgebete á la „Pass links!“, „Befreiungsschlag!“ oder „Schieß!“ brüllt und hofft, dass sie Wirkung zeigen. In diesen Momenten gingen mit uns die Gäule durch. Wir schrien zweimal, dreimal und letztlich einmal zu oft. Schon im ersten Punktspiel verbannte uns der Schiedsrichter auf die Tribüne, sodass es höchstens noch in der Pause möglich war, etwas auszurichten. Ja, solche Ereignisse sind äußerst ärgerlich. Doch gleichzeitig sind selbst derlei Bestrafungen einfach nur klasse. Weil sie sich authentisch anfühlen.         
Im 3D-Modus klicken wir uns komfortabel durch die Menüs im linken unteren Bildschirmteil und bestimmen die Taktik.

Umfangreich wie CalmundDer Fussball Manager gilt seit Jahren als Optionsmonster. Wobei das Wort „Manager“ im Titel ja schon mal eine glatte Untertreibung ist. Weil ihr eben keineswegs nur managt, sondern auch als Trainer fungiert. Stellt euch vor, jemand müsste die Jobs von Uli Hoeneß und Jupp Heynckes gleichzeitig erledigen. Alles klar? Natürlich, eine Manager-Simulation bildet die Realität nur grob ab. Im vorliegenden Fall sprechen wir aber immerhin von FIFA-, DFL- und DFB-Lizenzen für knapp 38.000 mehr oder minder bekannte Profispieler, über 4.700 Vereine und 31 Ligen. Das Können jedes Kickers ist durch 43 Fähigkeiten definiert. Ihr führt, wenn ihr wollt, mit jedem einzelnen Vertragsverhandlungen, bestimmt Trainingsziele oder legt sogar Spitznamen fest. Und das waren jetzt nur Beispiele. Zusammengefasst lässt
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sich das alles nur folgendermaßen kommentieren: völlig irre!

Die fünf Spielmodi erlauben es euch erstens, als Teammanager bei einem Verein eurer Wahl anzufangen oder zweitens gleich als Vereins- und Nationaltrainer in Personalunion. Im Karrieremodus erhaltet ihr lediglich drei Angebote von Clubs, müsst euch für einen entscheiden und im Lauf der Jahre auf bessere Angebote hoffen. Außerdem ist es viertens möglich (wir erwähnten es), einen eigenen Verein zu gründen. Den sogenannten Live-Season-Modus gibt es wie schon im vergangenen Jahr nur gegen Aufpreis. Möchtet ihr also mit dem realen Saisonstand loslegen und beispielsweise die Aufgabe übernehmen, den Hamburger SV aus dem Tabellenkeller zu zerren, kostet euch das 4,99 Euro extra. Dann kriegt ihr immerhin wöchentlich neue Daten. Für Realismusfanatiker, die das unbedingt brauchen, gibt es nur einen Rat: Bestellt den FM12 schnell noch auf Amazon.de oder beim EA-Online-Dienst Origin vor, dann ist Live Season als Bonus mit an Bord.     
Unser selbst gegründeter Verein, der SC Bayreuth 2011 wurde Meister der Kreisliga A und steigt somit in die Bezirksliga auf.
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