Test: Der Erbe von Populous?

From Dust Test

Wer hätte nicht gern die Kraft, Berge zu versetzen? From Dust lässt euch zwar "nur" Pflanzen, Sand, Wasser oder Lava an andere Orte packen, doch das ist schon mal ein guter Anfang. Durch Manipulation der Umgebung lenkt ihr die Geschicke eines mysteriösen Eingeborenen-Volks. Erinnerungen an Populous werden nicht von ungefähr wach.
Bernd Wener 16. August 2011 - 18:01 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

Das ist doch mal was: From Dust schenkt euch göttliche Mächte. Ohne weiteres versetzt ihr Pflanzen, Sand, Wasser und sogar brodelnde Lava von A nach B, um eurem Stamm Wege zu erschaffen oder die Bewohner vor Naturkatastrophen zu bewahren. In diesem Aspekt erinnert es uns sehr an Populous. Spielelegende Peter Molyneux hat zwar nichts mit dem Spiel zu tun, doch der Name des tatsächlichen Designers hat für Eingeweihte einen sehr guten Klang: Es handelt sich um das Urgestein Éric Chahi, der für seine Action-Adventures Heart of Darkness (1998) und Another World (1991) bekannt ist. Dann aber ist es sehr lange sehr ruhig um Chahi geblieben. Nach einer fast über 10 Jahre langen Pause von der Spielebranche kehrt er nun mit seiner neuesten Kreation zurück. Die ist wie Populous ein Götterspiel, konzentriert sich wie der Amiga-Klassiker aufs Heben und Senken von Terrain, zeigt dann aber auf den zweiten Blick doch etliche Unterschiede.

Die PC-Version
Ubisoft hat die PC-Version vorbildlich angepasst. Schon die Standard-Einstellung der Steuerung funktioniert sehr gut, darf auf Wunsch aber völlig frei konfiguriert werden. Per WASD-Tasten steuert ihr den Bildausschnitt, den Odem kontrolliert ihr mit der Maus. Die Kamera dreht ihr entweder bei gehaltener mittlerer Maustaste ebenfalls mit dem Nager oder mittels Q- und E-Taste. Materie hebt ihr mit dem linken Knopf auf und ladet sie per Rechtsklick wieder ab. Die Zoomstufe steuert ihr über das Mausrad. Wer möchte, darf natürlich auch am PC per Gamepad daddeln.

Grafisch springt selbstverständlich zunächst die höhere Auflösung des PCs ins Auge. Auch die Texturauflösung und somit -qualität ist am Rechner deutlich besser. Dadurch wirkt die Szenerie in From Dust eine ganze Ecke plastischer und lebendiger. Lava brodelt noch glaubwürdiger, die Hügel und Berge erscheinen weniger rund und daher noch einen Tick realistischer. Der Tiefenunschärfe-Effekt, den wir in der Konsolenfassung übertrieben fanden, setzt auf dem PC erst in größerer Entfernung ein. Das führt zu größerer Weitsicht und dementsprechend auch besserer Übersicht. Inhaltlich sind ansonsten keine Unterschiede vorhanden. Die PC-Version verfügt über dieselbe Kampagne und die gleiche Anzahl an Karten im Aufgabenmodus.
Grüner Daumen: Der Balken unten links zeigt uns den Fortschritt des Pflanzenbewuchs'. Unsere Insel ist nahezu vollständig begrünt und somit ist die nächste Stammeserinnerung nicht mehr weit (PC).

Die Erinnerungen der Ahnen
In Populous sowie dessen Nachfolger Populous 2 wart ihr mit viel Micromanagement damit beschäftigt, Gelände hoch- oder runterzuklicken, um euren Untertanen (oder besser: Gläubigen) größere Häuser zu ermöglichen. Je größer die Behausung, desto fleißiger die Fortpflanzung, hieß die einfache Regel. Der Dank eurer Leutchen war Mana, und damit konntet ihr weiteres Terraforming betreiben oder per göttlichem Wunder Wirbelstürme, Erdbeben oder Vulkane auf das Gegnervolk loslassen. Es gab auch Ritter, die feindliche Gläubige massakrierten, und ihr konntet frei gewordene Bewohner per "Papstsymbol" an eine beliebige Stelle der Karte stecken. Also alles sehr indirekt, unrd dennoch erstaunlich spaßig -- zumal Populous eines der ersten Spiele mit funktionierendem Multiplayer-Modus (per Kabelverbindung) war.

From Dust wählt einen grundsätzlich ähnlichen Ansatz, setzt aber doch ganz andere Akzente. So gibt es kein feindliches Volk (und leider auch keinen Multiplayer-Modus); euer Gegner ist die Natur mit ihren unwirtlichen Wüsten und sengenden Vulkanen und bedrohlichen Wirbelstürmen sowie die jeweilige Map. Spielziel ist es auch nicht, die ganze Karte zu besiedeln oder am Ende per "Armageddon" ein großes Hauen und Stechen auszulösen, sondern -- entfernt vergleichbar mit Lemmings -- eurem Volk den Weg bis zum Levelziel zu bahnen. Dazu sagt ihr ihnen ähnlich wie in einem RTS, wohin sie laufen sollen.

Die Story dazu geht so: Ihr helft einem geheimnisvollen Volk, die Erinnerungen und Kräfte seiner Vorfahren wiederzuerlangen. Auf jeder Karte gilt es, an vorgegebenen Punkten Dörfer zu errichten und den Naturgewalten zu trotzen. Zum Glück könnt ihr eure Umwelt manipulieren: Egal ob ihr Pflanzen (mit unterschiedlichen Eigenschaften) umtopft, mit einer Handvoll Sand euren Untertanen neue Wege über Flüsse aufschüttet oder ein Talbecken von Wasser befreit: Ständig habt ihr etwas zu tun, Leerlauf ist in From Dust ein Fremdwort.
Trotz einer abgeworfenen Ladung Sand ist der Weg zum Wasserschutz-Zeichen noch durch den Fluss versperrt. Erkennen könnt ihr das an der roten Linie. Die Zeit wird knapp, in gut zwei Minuten kommt die nächste Flut! (Xbox 360)

Göttlicher Staubsauger
Behutsam macht euch das Spiel mit euren neuen Mächten vertraut. Ihr werdet im Spiel mit dem "Odem" symbolisiert, mit dem ihr ähnlich wie mit einem Staubsauger eine Kugel voll loses Material aufsaugen und danach an der gewünschten Stelle wieder abladen könnt. So könnt ihr Zug um Zug ganze Landstriche leer räumen, bis der bloße Fels zum Vorschein kommt. Das erledigt ihr über die beiden Zeigefingertasten eures Gamepads. Je länger ihr den linken Schalter haltet, desto größer wird eure kugelförmige Ladung -- bis zur Maximalmenge. Über den rechten Trigger werdet ihr das Zeug wieder los. Anfangs dürft ihr nur Sand verladen, aber recht bald jongliert ihr auch mit Wasser, Pflanzen und sogar brodelnder Lava. Per rechter Schultertaste zoomt ihr zu einer weit entfernten Kameraposition, durch die ihr schnell größere Strecken überbrücken könnt. Auch in dieser übersichtlichen Perspektive bleibt ihr voll handlungsfähig.
Mit Tanz und Musik errichten eure Gläubigen in From Dust ganze Dörfer -- an vorgegebenen Stellen. (Xbox 360)

Euer Hauptziel in jedem Level besteht darin, an den durch Totems markierten Punkten Dörfer zu errichten. Wählt ihr eines davon aus und drückt den A-Knopf, rennen eure Untertanen sofort los. Allerdings nur, wenn der Ort sicher ist. Gegebenenfalls müsst ihr vorher das Gebiet um das Totem erst aufschütten, von unpassierbarem Dornengestrüpp oder umgebenem Wasser befreien. Fünf Eingeborene sind für die Errichtung eines Dorfs nötig. Den von den Bewohnern geplanten Weg zeigt euch das Spiel durch weiße Linien an. Rote Abschnitte bedeuten unüberwindbare Hindernisse, beispielsweise wenn ein Flusslauf den Weg blockiert. Wie ihr das Problem löst, bleibt euch überlassen. Ihr könntet euch im Beispiel dazu entscheiden, einen Damm aufzuschütten. Oder versuchen, den Fluss trocken zu legen. Zerstörerische Naturen sprengen flussaufwärts einfach einen neuen Seitenarm ins Gestein und leiten das fließende Gewässer somit um. Eurer Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Am Totem angekommen, führen die Stammesmitglieder einen Tanz auf, um Gebäude hochzuziehen. Ist ein Dorf einmal errichtet, müsst ihr es gegen d
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ie Naturgewalten schützen, damit es nicht wieder zerstört wird. Sollten alle Stricke reißen, könnt ihr den Menschen auch befehlen, das Dorf samt Totem zu versetzen und an einem sichereren Ort die Ansiedlung neu aufzubauen. Das ist hilfreich, wenn ihr zum Beispiel mit periodisch auftretenden Springfluten zu kämpfen habt. In diesem Fall versetzt ihr den Ort am Besten auf eine Anhöhe. Verliert ihr nämlich durch Überschwemmungen oder auch Brände zu viele Menschen, müsst ihr den Level von vorne beginnen. Schafft ihr dagegen, alle Dörfer (maximal vier an der Zahl) in einem Gebiet zu erbauen, öffnet sich der sogenannte Pfad. Damit ist ein Tor gemeint, zu dem ihr abermals fünf Personen entsenden müsst. Heil angekommen, schlüpfen sie hinein -- und ihr dürft euch auf Wunsch zur nächsten Karte begeben.

Gehässige Naturen werden vielleicht enttäuscht sein, denn Schabernack mit den Untertanen treiben, also etwa wie in Black & White große Felsen auf euer eigenes Dorf zu werfen, gereicht euch in From Dust grundsätzlich zum Nachteil. Zu schnell fällt die Bevölkerungsanzahl  unter ein Minimum, und ihr müsst den Level neu starten.
before
after
Rechts: Dieselbe Insel -- aber besiedelt und begrünt. Gegen das Wasser schützen sich die Dörfer mit dem entsprechenden Schutzzeichen. (Xbox 360)
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