Test: Die Scharte ausgewetzt

Final Fantasy 13-2 Test

Vom Vorgänger waren wir nicht gerade begeistert, zu weitgehend folgte FF13 der Formel "Interaktiver Film, der von Kämpfen unterbrochen wird". Vom Nachfolger hingegen sind wir sehr angetan – zumal er das Kunststück schafft, trotz Zeitreise-Story verständlicher zu sein als das reichlich wirre Final Fantasy 13.
Jörg Langer 8. Februar 2012 - 22:35 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Im Nachhinein betrachtet, waren wir mit unserer Note 7.5 (siehe Test) für Final Fantasy 13 im Jahr 2009 noch gnädig: So gut wie alles, was die Serie einmal ausgemacht hat, war darin von Square-Enix zurückgestutzt, kasualisiert oder komplett entfernt worden, bis auf die Kämpfe und die Cutscene-Lastigkeit. Doch just die edel inszenierte Story fanden wir hochgradig wirr, und das handelnde Teen- und Twen-Personal fast schon eine Belästigung. Kurzum: Wir hatten eine lange Liste von Dingen, die wir uns im nächsten Final Fantasy anders wünschten. Wir scheinen nicht allein mit diesen Wünschen gewesen zu sein: Der Nachfolger Final Fantasy 13-2 zeigt sich in fast allen von uns (und eben auch vielen Fans) kritisierten Punkten verbessert. Ihr könnt euch beispielsweise sowohl in einzelnen Levels als auch in der Spielwelt an sich sehr frei bewegen, die Story ist verständlicher, es gibt NPCs und diverse Siedlungen, und wenn ihr das Ende erreicht habt, werdet ihr unter Umständen nur die Hälfte des Spiels gesehen und damit auch nach dem letzten von gleich vier bockschweren Endkämpfen viel zu entdecken haben.
 
Dass Final Fantasy 13-2 für Nichtkenner des direkten Vorgängers unspielbar sei, wie wir in anderen Tests (die oft nur zwei Tage nach Erhalt des Testmusters erschienen) zuweilen lesen mussten, stimmt schlicht nicht: Die Story ist in Wahrheit, trotz Zeitreise-Thematik, weniger verworren. Da man aber zum tieferen Verständnis schon ungefähr wissen sollte, was in 13-1 passiert ist, lässt sich vom Hauptmenü aus eine Zusammenfassung aller 13 "alten" Kapitel aufrufen. Wer dann noch regelmäßig im Spiel das "Datalog" studiert, weiß bald auch als Quereinsteiger sehr gut, worum es geht und wen er da gerade getroffen hat. Zumal die beiden Haupthelden neu sind und die beiden einzigen wirklich wichtigen Alt-Kader, die auch in 13-2 vorkommen (Lightning und Hope) umfangreich eingeführt werden. 
 
Nach dem Fall ist vor dem EndeFinal Fantasy 13 handelte vom Kampf einiger junger Helden gegen ihr Schicksal und um ihre Heimat: der weit über dem Planeten Grand Pulse schwebenden Kunstwelt Cocoon (Kokon) mit ihren Millionen von Bewohnern. Als diese Kunstwelt, die von einer Gottheit am Schweben gehalten wurde, im Finale auf den Planeten unter sich zu stürzen beginnt, opfern sich zwei der Heldinnen und werden zu einer gigantischen Kristallsäule, die Cocoon fortan stützt. Mehr ins Detail gehen wir besser nicht, sonst müssen wir noch viele Seiten schreiben...
 
Wenn ihr Chocobos reitet (es gibt auch rote, die schnell aggressiv werden), greifen euch keine Monster an, und ihr könnt kurze Strecken "fliegen", um an Geheimorte zu kommen.
Final Fantasy 13-2 beginnt im Jahr "JS3", also drei Jahre seit dem (aufgehaltenen) Sturz. Da Cocoon durch die skizzierten Umstände in weiten Teilen unbewohnbar wurde, versuchen viele Menschen, auf Grand Pulse ein neues Leben zu beginnen. Sie gründen Siedlungen und haben sich daran gewöhnt, am Himmel ihre ehemalige Heimat als einen halb aufgespießten, halb eingefrorenen Mond zu sehen. Dort oben hat die Akademie die Führung übernommen, eine straff organisierte, von Wissenschaftlern geführte, auch militärisch starke Fraktion. Sie baut gerade einen Orbitalaufzug, der Cocoon und Grand Pulse besser miteinander verbinden soll, durchstöbert die Ruinenstädte der Kunstwelt auf der Suche nach Wissen und Artefakten. Ihr Ziel: Cocoon dereinst wieder schweben zu lassen, aber nur mit menschlicher Technologie, ganz ohne unberechenbare Gottheit.
 
Eine der Heldinnen aus Teil 1 war Lightning, eine taffe, zornige, bildhübsche, magisch begabte Kämpferin. Sie wollte ihre kleine Schwester Serah retten, die von einer Gottheit zu einem Kristall verwandelt worden war. Das gelang ihr am Ende, doch sie selbst verschwand – viele glauben, auch sie sei ein Teil der gigantischen Kristallstütze Cocoons geworden. Doch im spielbaren Prolog erleben wir, wie Lightning an einem Ort namens Walhalla gegen einen Erzfeind kämpft. Sie lebt also noch. Irgendwo und irgendwann. Im Zuge des Prologs schickt sie einen Zeitreisenden namens Noel nach Grand Pulse ins Jahr JS3, um ihre Schwester zu finden und zu ihr zu bringen.
 
An diesem Schauplatz solltet ihr von Lichtkegel zu Lichtkegel rennen, sonst greift euch ein Behemoth an.
Das erste von sechs langen Kapiteln beginnt damit, dass Serah aus ihrem Traum erwacht, in dem sie den Prolog quasi gesehen hat. Wenig später trifft sie auf Noel, erfährt, dass dieser aus dem Jahr JS700 stammt, wo er der letzte lebende Mensch sein wird. Beide zusammen machen sich auf eine Reise durch Raum und Zeit, um Lightning zu finden, das Rätsel hinter den plötzlich überall auftauchenden Zeitparadoxa zu lösen und – natürlich – das Universum zu retten. Denn scheinbar, und mehr verraten wir wirklich nicht zur Handlung, hat eine rätselhafte Macht die Zeitlinien so verändert, dass die Menschheit unweigerlich ausgelöscht wird. Doch wer? Und warum? Das alles werdet ihr im Laufe der gut 20stündigen Handlung erfahren, die ihr problemlos auch auf 40 oder mehr Stunden ausweiten könnt, wenn ihr alle Schauplätze sehen möchtet. Wer alle 160 Fragmente aufsammeln und andere Fleißaufgaben lösen will, sitzt noch beträchtlich länger an FF13-2.
 
Zweier- statt Sechserteam
Obwohl wir im Anfangsdorf in einer Strandvilla-WG leben, umgeben von hippen jungen Leuten (mehr dazu in der Stunde der Kritiker mit Gaststar Mick Schnelle), treten diese Tokio-Hotel- und "H2O - Plötzlich Meerjungfrau"-Chargen schnell in den Hintergrund: Wir bestreiten das gesamte Spiel mit Serah (die in Teil 1 quasi nur in Rückblicken vorkam) und der neuen Figur Noel. Im Vorgänger wechselten noch gefühlt alle fünf Minuten die Zweierpaarungen, dieses Mal können wir uns richtig an unsere beiden Helden gewöhnen, denen auch viel Zeit miteinander bleibt. Natürlich nur zum Reden, das Thema Erotik beschränkt sich in FF13-2 auf die eng bekleidete, bindegewebestraffe Serah und ihr protosüßes Kulleraugen-Gesicht.
 
Dennoch werdet ihr viele Handlungsträger aus FF13-1 wieder treffen, und sei es nur per kurzem Gastauftritt vor dem Finale. Der wichtigste von ihnen ist Hope: In Teil 1 war das noch ein nerviger, quengelige
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r, rachsüchtiger Junge, als wir ihn wiedertreffen, ist er erwachsen und ein hohes Tier in der Akademie. Mit ihm zusammen entwerfen unsere beiden Helden einen Plan, der ganze Jahrhunderte umspannt. Wer Zeitreise-Geschichten kennt, weiß, dass sie niemals wirklich schlüssig oder logisch sein können, aber im besten Fall mit ihren Komplikationen und "Was wäre wenn"-Überlegungen viel Spaß bereiten. Genau das hat Square-Enix geschafft: FF13-2 nutzt das Hin und Her in der Zeit sowohl spielerisch als auch erzähltechnisch sehr geschickt, die Handlung bleibt insgesamt schlüssig. Sie ist zwar serientypisch wieder mit ganzen Lkw-Ladungen von Pathos aufgeladen und feuert ungerührt Dialogzeilen auf euch ab, die geradewegs schlechten CSU-Werbeslogans entstammen könnten ("Gemeinsam kämpfen wir für die Zukunft!"). Doch sie schafft es auch, unsere Neugier wach zu halten und ein gewisses Mitgefühl für die beiden Helden zu erzeugen. Und sogar der Antagonist kann einem leid tun, weil er sein ungeheuer böses Werk aus einem an sich hehren, aber fehlgeleiteten Antrieb heraus verrichtet.  
Die Handlungsträger
Sechs der sieben Handlungsträger stellen wir euch vor (Nummer 7 ist Alyssa, wie Hope ein Mitglied der Akademie): 1 Serah sucht nach ihrer Schwester und rettet nebenbei die Welt. 2 Noel ist der Reisende aus der Zukunft, der letzte Mensch. 3 Lightning gilt als verschollen, sie kämpft eine ewige Schlacht. 4 Hope ersinnt als Anführer der Akademie einen Jahrhunderte überspannenden Plan. 5 Jul ist eine Seherin – und stirbt immer wieder neu. 6 Caius ist bereit, die Menschheit für sein Ziel zu opfern.
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