Der König des Fußballs

FIFA 12 Test

In den letzten Jahren geizte die FIFA-Reihe meist mit weitreichenden Neuerungen und verbesserte das Konzept nur um Nuancen. In diesem Jahr krempelte EA das Spielsystem allerdings kräftig um. Machen die Änderungen, die sich hinter „Player Impact Engine“ und „Taktisches Verteidigen“ verbergen, aus FIFA 12 das beste FIFA aller Zeiten?
Benjamin Braun 26. September 2011 - 15:14 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Es gibt einige Termine, die sich Fußballfans aus aller Welt in ihren Kalendern rot anstreichen: Fußball-Weltmeisterschaft, den Saison-Start der nationalen Meisterschaft oder das Finale der Champions League. Und es gibt ein weiteres Datum, das Freunden des runden Leders jedes Jahrs aufs Neue einen Vermerk im persönlichen Logbuch Wert ist: Es fällt meist in die Monate September oder Oktober und bringt die aktuellste Fassung der beiden wichtigsten Fußball-Simulationen unserer Zeit auf die heimischen PCs und Konsolen. Wir sprechen natürlich von EAs FIFA-Reihe und Konamis Pro-Evolution-Soccer-Serie.

Ähnlich wie bei den beiden Münchener Fußballvereinen 1860 München und dem FC Bayern, begegnen sich einige der Anhänger von PES und FIFA seit jeher mit Argwohn, ohne die "Gegenseite" überhaupt richtig zu kennen. Kein Wunder also, dass für manch einen Fan das Duell um die Krone der besten Fußballsimulation schon vor dem Release bereits vergeben ist. Tatsächlich haben sich beide Serien in den letzten Jahren zunehmend aufeinander zu bewegt. PES holte in puncto Präsentation merklich auf, während FIFA sich vom Arcade-Kicker zur anspruchsvollen Fußballsimulation wandelte. Doch wer hat in diesem Jahr die Nase vorn? Ist es Pro Evolution Soccer 2012 mit seinem temporeichen Offensiv-Fußball – oder doch FIFA 12 mit seinen intensiven Zweikämpfen, dem ausgeweiteten Kollisionssystem und den meist hauchdünnen Duellen? Wir wollen euch unsere Sicht der Dinge verraten.


Catenaccio-Taktik trifft es nicht ganz, aber FIFA 12 legt den spieltaktischen Schwerpunkt eindeutig auf die Defensive. Kluges Stellungsspiel und gute Übersicht werden belohnt.

Intensive ZweikämpfeWas muss eine Fußballsimulation für ein möglichst authentisches Spielerlebnis tun, das gleichzeitig einen hohen Unterhaltungswert bietet? Diese Frage dürfte auch den Entwicklern bei Konami und EA Canada jedes Jahr aufs neue durch den Kopf gehen. Bei allen Zwischentönen gibt es letztlich nur zwei Ausrichtungen, um erfolgreich Fußball zu spielen: eine defensive und eine offensive. Mit seiner Mauertaktik und schnellen Kontern hat sich Inter Mailand im vergangenen Jahr nicht nur die Coppa Italia und den Scudetto, sondern gar den Sieg in der UEFA Champions League gesichert. Die zweite, offensivere Variante mit schnellem Passspiel, hoher Tempovariation – auch bei Dribblings -- und Traumtoren der Marke Lionel Messi machte den FC Barcelona in den letzten drei Jahren zwei Mal zum Sieger in der Königsklasse.

Electronic Arts fährt in FIFA 12 eher die defensive Schiene und hat deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Zweikämpfe und das Positionsspiel gelegt. Das veränderte System bezeichnet EA als „Taktisches Verteidigen“. Timing und die Herangehensweise sind wichtig und verpflichten den Spieler zu mehr Kontrolle über das Spielgeschehen. Denn ohne unser Zutun stehen unsere Verteidiger auf verlorenem Posten. Und das, obwohl die Hintermannschaften sehr kompakt aufgestellt sind.

Das gilt standardmäßig aber nicht nur für Clubs, die sich einer dem Catenaccio nahen Spielweise verschrieben haben, sondern für so ziemlich jedes der Teams im Spiel. Unsere Möglichkeiten sind vielfältig genug, um auch dem Vorstoß der flinken, spielerisch versierten Angreifer vom FC Arsenal Herr zu werden: Zunächst stellen wir die freistehenden Stürmer zu, um die Geschwindigkeit des Angriffs zu reduzieren. Ist der Abstand zum Gegenspieler zu groß, überwinden die Kicker von Arsenal unsere Abwehrreihen nämlich in Windeseile mit ein paar wenigen schnellen Pässe
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n und stehen plötzlich frei und einschussbereit vor unserem Kasten. Verwehren wir ihnen aber diese Bewegungsfreiheit, ist der größte Trumpf der Arsenal-Spieler dahin, und wir haben eine gute Chance.

Beim Spielaufbau des Rivalen hilft es oft schon, die Übersicht über das Geschehen zu wahren. Denn bei weitem nicht jeder Pass unseres Gegenübers wird perfekt in die grundsätzlich engen Freiräume gespielt. Viele davon fangen wir wie gehabt einfach ab, wenn wir schnell genug reagieren. Um im Mittelfeld den ballführenden Spieler der Kugel zu entledigen, versuchen wir es zur Not auch mal mit einer Grätsche. Die Erfolgsaussichten sind allerdings eher gering im Vergleich mit FIFA 11, da die Akteure der diesjährigen Ausgabe noch schneller reagieren, Haken schlagen oder einfach mitsamt Ball über unsere Grätsche hinwegspringen. Nur in der richtigen Position und mit gutem Timing klappt die Grätsche, ohne gleichzeitig den Pfiff des Schiris zu riskieren. Effektiver ist es da schon, einen zweiten Spieler per rechtem Bumper herbeizurufen. Der erledigt dann die Drecksarbeit für uns und setzt den Gegner unter Druck, oder doppelt gemeinsam mit uns den Angreifer.

before
after
...der schaltet einfach auf Abend und Regen um.

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