Abenteuerurlaub in Nepal

Far Cry 4 Test

Im neuesten Ableger der einst von CryTek begonnenen Ubisoft-Reihe reist ihr in ein fiktives Kleinstland nahe Nepal, also an den Rand des Himalaya-Gebirges. Dort lebt Bösewicht Pagan Min seine Macht als Herrscher in vollen Zügen aus. Wir haben ihm in rund 15 Hauptstory-Stunden das Handwerk gelegt, aber auch viele andere Dinge erlebt.
Christoph Vent 14. November 2014 - 16:17 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal. Die Multiplayer-Modi testeten wir vor Ort bei Ubisoft in Düsseldorf.

Kann sich noch jemand an Jason Brody erinnern? Nein? Aber das war doch der Protagonist von Far Cry 3 (GG-Test: 8.5) – nur halt leider Gottes ähnlich austauschbar wie viele seiner Kollegen unter den Videospiele-Helden. An Bösewicht Vaas dürften sich hingegen viel mehr Spieler erinnern. Der fiel nämlich nicht nur durch seinen Mohawk, sondern auch seine unberechenbare Art auf, die ständig zwischen freundlich und tödlich schwankte. Nicht von ungefähr setzte Ubisoft auch bei der Ankündigung des Nachfolgers auf einen Fiesling. Der hört in Far Cry 4 auf den Namen Pagan Min und steht Vaas, bezogen auf seinen cholerischen Charakter, in nichts nach.

Bürgerkrieg in NepalNach vielen Jahren kehrt der in den USA aufgewachsene und von euch verkörperte Ajay Ghale in seine Heimat Kyrat, einen kleinen fiktiven Staat in der Nähe von Nepal, zurück. Der Anlass ist ein trauriger: Seine Mutter ist verstorben, ihr letzter Wunsch war es, an einem speziellen Ort in Kyrat ihre Ruhe zu finden. Gesagt, getan, denkt sich Ajay und reist Richtung Himalaya-Staat. Dass die dortige Lage ganz und gar nicht entspannt ist, war ihm wohl nicht in diesem Ausmaß bewusst. In Kyrat herrscht Bürgerkrieg gegen den Fiesling Pagan Min, der sein Volk unterjocht, so gut es nur geht.

Euer unfreiwilliges Abenteuer beginnt bereits bei der Einreise. Pagan Min lässt euren Bus stoppen und gibt sich sogar persönlich ein Stelldichein – er scheint bereits mit eurer Ankunft gerechnet zu haben. Ohne eine andere Wahl zu haben, begleitet ihr ihn in sein Anwesen. Bei dem Gespräch zu Tisch stellt sich heraus, dass Pagan quasi zur Familie gehört. Trotzdem ist euch die Lage nicht geheuer, sodass ihr bei der ersten sich bietenden Möglichkeit die Flucht ergreift. Zur Hilfe kommen euch dabei einige Anhänger des Goldenen Pfads, der gegen den Herrscher in den Krieg zieht. Kurze Info für Wüstenplanet-Fans: Gottkaiser Leto spielt aber nicht mit!

Kein angenehmer Zeitgenosse: Bösewicht Pagan Min.
Ihr schließt euch fortan den Rebellen an, um Pagan vom Thron zu stürzen. Auf dem Weg dorthin stehen euch allerdings noch einige andere Fieslinge im Weg, etwa der Sadist Paul de Pleure, der gleich ein ganzes Dorf zu seinem persönlichen Folterkeller hat umbauen lassen. Allzu gut ausgearbeitet sind die Charaktere in Far Cry 4 allerdings nicht. Weshalb beispielsweise Noore, die nun eine Gladiatoren-Arena leitet, auf Pagans Seite kämpft, obwohl dieser ihre Familie entführt hat, leuchtet nicht auf Anhieb ein, interessierte uns aber auch nicht wirklich. Auf der Seite des Goldenen Pfad bietet sich ein ähnliches Bild. Die genauen Hintergründe der Charaktere spielen kaum eine Rolle, im Grunde reicht es, die Ausgangslage zu kennen und dann die einzelnen Missionsziele abzuhaken.

Streitigkeiten im Widerstand
Ein Ausschnitt der Karte nach der Freischaltung aller Glockentürme. Nächstes Ziel sind die Außenposten.
Eure Hauptauftraggeber beim Goldenen Pfad sind Amita und Sabal. Einig sind sich die beiden nur selten, obwohl sie jeweils nur das aus ihrer Sicht Beste für Kyrat wollen. Während Amita relativ moderne Ansichten vertritt und beispielsweise gegen die Zwangsverheiratung von jungen Mädchen ist, geht Sabal konservativer an die Sache heran. Als etwa herauskommt, dass die royale Armee auf dem Gelände der örtlichen Teefabrik mehrere Opiumfelder betreibt, kommt es wieder mal zum Streit zwischen den beiden. Amita sieht den Verkauf der Drogen als notwendiges Übel für ein auch wirtschaftlich erfolgreiches Kyrat, Sabal möchte die Plantagen sofort niederbrennen. Ihr habt also die Wahl, nur die königlichen Truppen zu besiegen oder gleich die Anlage zu zer
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stören.

Je nachdem, wie ihr euch entscheidet, nimmt die Story einen leicht anderen Verlauf. Amita lässt es euch in ihrer Wortwahl etwa gleich spüren, wenn ihr Sabals Auftrag ausgeführt habt. Ganz den Rücken wird euch aber keiner der beiden jemals kehren – bis zum Schluss dürft ihr innerhalb des Goldenen Pfads die Seiten wechseln, wie es euch gerade beliebt. Zudem werdet ihr in den insgesamt 32 Hauptmissionen nur fünf Mal vor die Wahl gestellt – einen echten Wiederspielwert bieten diese „Entweder oder“-Missionen daher nicht.

Im Gegensatz zu Far Cry 3 hat die Geschichte von Far Cry 4 aber einen entscheidenden Vorteil: Sie wirkt deutlich weniger unglaubwürdig. Besaß euer Hauptziel auf der alten Tropeninsel – die Befreiung eurer Freunde – noch eine hohe Dringlichkeit, die durch die Spiel-Realität (herumfahren, jagen, dies und jenes tun) ad absurdum geführt wurde, kann in Teil 4 die Asche eurer Mutter sicherlich noch ein paar Tage darauf warten, verstreut zu werden. Solltet ihr also zwischendurch einfach mal die Aussicht in Kyrat genießen und einen kleinen Spaziergang machen, gibt es keinen Grund für ein schlechtes Gewissen.
Die Schergen von Pagan Min rücken meist im Dutzend an und sind selbst für geübte Spieler eine Herausforderung.

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