Far - Changing Tides

Far - Changing Tides Test+

Entspanntes Fahrwasser

Dennis Hilla / 7. März 2022 - 20:45 — vor 11 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4PS5SwitchXOneXbox X
Adventure
3D-Adventure
Okomotive
Frontier Foundry
01.03.2022
Link

Teaser

Auch in ihrem zweiten Spiel schickt euch die Schweizer Spieleschmiede Okomotive auf eine ruhige Reise. Allerdings gibt es Änderungen im Kurs, die nicht unbedingt einen Freudensturm entfesseln.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Puzzle-Plattformer sind ein durchaus beliebtes Genre im Indie-Bereich und so sind schon einige größere und kleinere Geheimtipps dieser Machart erschienen. Beispielsweise seien da Limbo (im Test, Note: 8.5) und Inside (im Test, Note: 9.0) von Entwickler Playdead genannt. Besonders erster Titel ist einer der größten Namen in dieser Indie-Untersparte. Nicht vergessen sollte man aber auch Titel wie Fez (im Test, Note: 8.5), Braid oder auch aktuellere Spiele: Little Nightmares und dessen Nachfolger, Celeste und Toodee and Topdee (im Test, Note: 8.0) sind nur ein paar Namen, die ihr euch merken solltet, wollt ihr den Einstieg wagen.

Im Jahr 2018 dachte sich das Schweizer Entwicklerstudio Okomotive wohl ebenfalls, dass ein Puzzle-Plattformer eine gute Idee sei, wollte Spieler aber nicht einfach nur hüpfen und knobeln lassen. Also hat euch Far - Lone Sails (im Test, Note: 8.0) in eine einsame Welt entlassen, die ihr mit einem seltsamen Landgefährt bereist habt, einer Mischung aus Truck und Schiff, um es ganz grob auszudrücken.

Mit Far - Changing Tides steht nun der Nachfolger bereit, der sich nicht nur einen Teil des Namens mit Lone Sails teilt, sondern auch die grundlegende Idee. Allerdings tuckert ihr mit eurem Gefährt nun nicht mehr über verlassene Landabschnitte, sondern bereist eine Welt, die im ewigen Meer ersäuft. Abseits davon gibt es auch noch einige Änderungen, die ich euch im oben eingebundenen Testvideo sowie im nachfolgenden Test näherbringen werde – und dabei die Frage beantworte, ob Okomotive das Spielprinzip erfolgreich erweitert hat oder doch lieber alles beim Alten gelassen hätte.
Oft genug müsst ihr auch von Bord gehen, um kleinere Rätsel zu lösen.
 

Einsam auf See

Die größte Änderung von Changing Tides im Vergleich zu Lone Sails ist wie eingangs schon erwähnt, dass ihr nun auf hoher See unterwegs seid. Dabei seid ihr abermals komplett alleine und auch was denn eigentlich geschehen ist, warum alles unter Wasser steht und was ihr überhaupt tun sollt, das verrät euch das Spiel nicht. Selbst Dark Souls hat hier direkteres Storytelling.

Doch einen wichtigen Indikator gibt es in der Welt von Far - Changing Tides schon: Wichtige benutzbare Objekte sind insofern leicht zu erkennen, als dass sie Türkis leuchten. So wird schnell klar, dass ihr euer Schiff in Bewegung bringt, indem ihr euer Segel hisst oder später auch einen Motor manuell befeuert.

Übrigens nimmt Okomotive den Begriff des Segelns durchaus ernst. Zwar wird aus Changing Tides zu keinem Zeitpunkt eine Simulation, es reicht aber nicht einfach, auf einen Knopf zu drücken und los geht es. Ihr müsst den Mast aufrichten, dann auf selbigen klettern und ein Seil holen, das ihr schließlich auf dem Deck (oder der Oberseite des Schiffes) festmacht, wodurch das Segel gehisst wird.
Der Reaktor läuft langsam heiß, also muss der Löschschlauch ausgepackt werden.
 

Weniger Pausen

Was Changing Tides bei aller Nähe doch deutlich anders macht als Lone Sails: Ihr habt weniger Zeit zum Durchatmen. Wer sich nun freut, weil weniger „Langeweile“ herrscht, mag in einer gewissen Weise durchaus Recht haben. Allerdings geht für mich dadurch auch ein Teil des Charmes vom ersten Teil verloren. Denn einsam auf dem Schrottgefährt zu stehen, den Blick schweifen zu lassen und darüber zu sinnieren, was denn hier eigentlich los ist, das hat für mich eine gewisse Faszination.

Allerdings habt ihr nun kaum noch Verschnaufpausen. Spätestens, wenn der Motor in eurem Schiff verbaut ist, müsst ihr ständig in Bewegung bleiben. Ihr müsst Brennstoff nachlegen und auf den Blasebalg hüpfen, euren Motorblock mit einem Wasserschlauch kühlen, euer Segel einholen bevor es gegen ein Hindernis kracht und sobald ihr die Möglichkeit habt auch abtauchen, um Hindernisse zu umschwimmen.

Oft genug müsst ihr auch von Bord gehen, wenn ihr an ein Hindernis stoßt und weitersegeln keine Option ist. Dann gilt es, Umgebungsrätsel zu lösen. Die überfordern selten, meistens müsst ihr einfach einen Mechanismus in Gang setzen, indem ihr Schalter bedient und Objekte dreht. Eine nette Abwechslung im Nomadenalltag.
Unter Wasser findet ihr neuen Brennstoff, schön sind die Tauchgänge aber nicht immer – also rein optisch.
 

Technisch unaufgeregt und doch gut

Optisch bleibt Changing Tides dem Stil seines Vorgängers treu, sieht insgesamt aber etwas schicker aus. Das Wasser könnte in der von mir gespielten Switch-Fassung etwas hübscher sein und die Kamera weniger bockig, in Anbetracht so schöner Anblicke wie dem im Hintergrund umherspringenden Wild ist das schnell vergessen.

Auch beim Soundtrack führt Okomotive die bewährte Tradition fort. Die Musik ist fast schon unauffällig und wird nur selten etwas flotter, passt sich damit aber perfekt an das ruhige Spieltempo an und unterstreicht die einsamen Momente auf See perfekt.

Autor: Dennis Hilla (GamersGlobal)

 
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Meinung: Dennis Hilla

Wie schon erwähnt, war Far - Lone Sails eine kleine Überraschung für mich. Das Abenteuer in einem seltsamen Gefährt bot so viele schöne Momente und hat mich dank seinem meditativen Ansatz gut unterhalten. Umso trauriger war ich darum, dass Changing Tides ein paar der Tugenden zu Gunsten eines insgesamt größeren Ansatzes einbüßt. Zeit zum Verschnaufen bleibt nur selten und die Bedienung des Schiffes ist oftmals unnötig kompliziert. Zumal der Ansatz, nur einen Action-Knopf zu nutzen, nicht immer ideal ist. Oft genug wollte ich nur schnell eine Reparatur vornehmen oder mit dem Wasserschlauch meinen Motor abkühlen, griff aber nach dem Hebel für das Schiffstempo. Nicht gerade ideal.

So doof es jetzt klingen mag, aber dieser verkomplizierte Ansatz macht sich auch in der Spielzeit bemerkbar. Wo Lone Sails mit drei Stunden die perfekte Länge hatte, wirkt Changing Tides mit seinen vier bis fünf Stunden auf mich einfach etwas zu lang. Doch bei all meinem Gemecker sollte ich die ganzen Stärken des Spiels auch nicht vergessen. Die Welt ist wunderschön und lädt zum Träumen und Nachdenken ein. Denn auch, wenn euch das Spiel im direkten Vergleich weniger Verschnaufpausen gönnt, so gibt es sie doch. Dazu gesellen sich teils fantastische Skript-Momente und das Ende hat mir doch ein kleines Grinsen entlocken können. Als Fans des Vorgängers macht ihr sicherlich nichts falsch mit Changing Tides. Wenn ihr jedoch den ersten Teil nicht gespielt habt, dann würde ich euch zunächst zu diesem raten.
 
Far - Changing Tides Switch
Einstieg/Bedienung
  • Sehr einfache Steuerung, reicht aber vollkommen aus
  • Ein belegter Knopf mehr wäre schlau
  • Steuerung bisweilen ungenau
Spieltiefe/Balance
  • Gewohnt entspanntes Spielprinzip
  • Einsame Stimmung, die zum Nachdenken einlädt
  • Kein Druck durch Zeitlimits, Tode oder ähnliche  Standards
  • Schiff wird kontinuierlich erweitert
  • Nette Puzzles, die nie überfordern
  • Radar nützlich bei der Brennstoffsuche
  • Gelungenes Ende
  • Mehr Stress als im Vorgänger
  • Rätsel etwas schwächer
  • Klingt unlogisch, ist aber so: Zu lang, die drei Stunden von Lone Sails waren ideal
Grafik/Technik
  • Stimmungsvoller Grafikstil
  • Viele schöne 3D-Hintergründe
  • Hindernisse für Mast nicht immer klar erkennbar
  • Unter Wasser teils eher hässlich
Sound/Sprache
  • Großartiger und passender Soundtrack
  • Gute Soundeffekte, die sich dem Geschehen anpassen
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
7.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Dennis Hilla 7. März 2022 - 20:45 — vor 11 Wochen aktualisiert
Dennis Hilla Redakteur - P - 163018 - 7. März 2022 - 20:46 #

Viel Spaß beim Lesen und Schauen!

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 68726 - 7. März 2022 - 23:36 #

Hab es letzte Woche im Game Pass durchgespielt und würde mich Dennis vollumfänglich anschließen. :) Ein schönes Spiel, aber doch klar schwächer als sein Vorgänger.

viamala 15 Kenner - 3086 - 8. März 2022 - 2:42 #

Ich mochte den Vorgänger schon sehr. Gerade wegen der Kürze und der Atmo. Vielleicht nicht ganz schlecht voher zu wissen das es wohl etwas schwächer ist. Ich gehe also mit etwas niedrigeren Erwartungen daran. Ich freue mich schon auf das Game.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 89828 - 8. März 2022 - 9:09 #

Ich wusste gar nicht dass es schon einen Vorgänger gab, der ist an mir vorbeigegangen. Da es im GP ist seh ich es mir mal an.

Admiral Anger Freier Redakteur - P - 78751 - 8. März 2022 - 9:18 #

Ich hab im GP Mal reingespielt, aber die furchtbare Steuerung sorgt bei mir eher für Frust als Entspannung.

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 151675 - 8. März 2022 - 14:44 #

Fand den Vorgänger ganz nett, aber das hier sieht mir zu sehr nach "Hektik" aus. Und bevor ich mich bei einem Entspannunsspiel aufrege, lasse ich es lieber. Schade.

TheRaffer 22 Motivator - - 33889 - 8. März 2022 - 19:37 #

Ja, den Hektik-Aspekt habe ich da auch rausgehört. *grübel*

Obwohl mich der Hintergrund schon neugierig auf die Story macht.

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 68726 - 8. März 2022 - 23:49 #

Naja, so wirkliche Hektik gibt es nicht, wird ja nicht bestraft, wenn dir das Schiff stehenbleibt, weil du vielleicht mal zu langsam Treibstoff nachgeworfen hast, startest halt den Motor neu und gut ist.

Kannst ja außerdem an vielen Stellen rein mit Segel fahren, ist langsamer, aber da musst du dann praktisch gar nix machen, außer mal ab und zu das Segel nach dem Wind ausrichten. Und selbst wenn du das Segel bei nem Hindernis zu langsam reinholst und reinkrachst (ist mir öfters passiert), reparierst du es halt, man findet mehr als genug von den Reparaturwerkzeugen.

Würde jedenfalls nicht sagen, dass das Spiel Aufregepotential hat. Ich denke, wer den Vorgänger mochte, wird auch Changing Tides mögen, nur halt etwas weniger als Lone Sails.

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 151675 - 9. März 2022 - 13:11 #

Ich beziehe mich da auf die Stelle im Video, wo Dennis mit einem Schlauch rumspringen musste. Schalter ziehen, schnell den Schlauch nehmen, dann wieder was anderes machen etc.. Das ist nerviges Spieldesign.

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 68726 - 9. März 2022 - 23:27 #

Hm, kommt mir jetzt ehrlich gesagt etwas übertrieben vor, das als nervige Hektik zu sehen, vor allem wenn dir der Vorgänger ja gefallen hat. Für mich hat es sich jedenfalls nicht nach so viel mehr Stress angefühlt, dass es mich gestört hätte. Aber musst du selber wissen. ;)

Admiral Anger Freier Redakteur - P - 78751 - 9. März 2022 - 19:04 #

Ich bin tatsächlich ein Mal gescheitert und musste neuladen, nachdem mir nach einem Abschnitt der Treibstoff ausgegangen war. Hatte vorher Ressourcen übersehen, aber offenbar nicht den Trigger-Punkt erreicht, damit im neuen Gebiet auch Drops erzeugt werden. Leider war es da auch noch windstill...
Für mich fühlt es sich ein wenig wie die nervige, kleine Schwester von Spiritfarer an: Viel zu tun für noch weniger Story.
Die Steuerung ist für mich halt die totale Katastrophe:
Die Verzögerung beim Springen finde ich wahnsinnig ätzend und vor allem die Leitern sind eine echte Geduldsprobe.
Kenne den Vorgänger nicht und werde auch nicht weiterspielen, dafür nimmt es mich nicht genug mit. Keine Ahnung, ob es am Ende eine gute Geschichte hat, aber ich finde es einfach wahnsinnig unspannend präsentiert.

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 68726 - 9. März 2022 - 23:29 #

Hätte nicht gedacht, dass man wirklich scheitern kann. :D Die Steuerung könnte wirklich besser sein, das stimmt. Und nein, das Spiel hat keine Geschichte, die es wert wäre, sich durchzuquälen, wenn man keinen Spaß hat. Sie ist kaum vorhanden, eher kryptisch und muss man sich zusammenreimen.

Vampiro 26 Spiele-Kenner - - 73083 - 9. März 2022 - 12:48 #

Macht einen charmanten Eindruck.

Maverick 33 AAA-Veteran - - 783250 - 9. März 2022 - 16:40 #

Vielleicht schaue ich in den Titel mal rein via GamePass. ;)

Gambit 05 Spieler - 48 - 22. April 2022 - 13:10 #

Haben schon mehrere berichtet, dass es schwächer sein soll als Lone Sails. Daher warte ich einfach auf nen Rabatt.