Test: Besser als Fallout 3

Fallout New Vegas Test

Fallout New Vegas möchte an den Erfolg von Fallout 3 anknüpfen und gleichzeitig die Serie zurück zu ihren Ursprüngen bringen. Und siehe da: Wer nicht nur die leicht angestaubte Engine sieht, sondern das Spiel dahinter, erhält ein post-apokalyptisches RPG der Extraklasse. Wir haben für euch den New Vegas Strip unsicher gemacht.
Christoph Licht 23. Oktober 2010 - 22:06 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Den Unkenrufen der beinharten Fallout-Altfans zum Trotz verkaufte sich Fallout 3 vor zwei Jahren wie geschnitten Brot, heimste hohe Wertungen ein und wurde mit Auszeichnungen überschüttet. Und das, obwohl nur das Setting und einige Spielmechaniken an die isometrischen Vorbilder erinnerten, das Spiel aber insgesamt eher dem Engine-Geschwisterlein Oblivion glich. Statt einen Nachfolger inhouse zu programmieren, wurde die zuletzt mit Alpha Protocol auf hohem Niveau gescheiterten RPG-Experten von Obsidian mit einer Art Fallout 3.5 betraut. Und, soviel sei verraten: Obwohl das Ergebnis einige Obsidian-typische Macken aufweist, insbesondere im Bereich der Technik: Es ist weit mehr als ein Addon geworden und bietet einen deutlich größeren Rollenspielanteil als der direkte Vorgänger.

Aus der Außenperspektive bekämpfen wir eine riesige Feuerameise. Dank unserer Kampfrüstung und starken Energiewaffe haben wir dabei die Muße, die große Weitsicht und die im Panorama ansehnliche Umgebung zu genießen.

Näher an Fallout 2 als an Fallout 3?

Die wichtigsten Neuerungen



Auch wenn sich Fallout-3-Veteranen sofort heimisch fühlen werden, gibt es doch die ein oder andere Änderung und Neuerung im Vergleich zum erfolgreichen Vorgänger (ohne DLCs).

  • Neuer Hardcore-Modus, siehe Seite 3
  • Levelcap erst bei 30
  • Langsameres Hochleveln
  • Neue Spezial-Angriffe im V.A.T.S.-Modus
  • Kimme und Korn für fast alle Waffen
  • Umfangreicheres Crafting-System
  • Waffen-Modifikationen
  • Neue Echtwelt-Waffen
  • Rückkehr des Reputationssystems
  • Begleiter-Rad zur schnellen Befehlsvergabe
  • Neue Charakter-Extras
  • Begleiter-Fähigkeiten, die allen helfen
  • Spezial- und Herausforderungsextras
  • Neue Minispiele zum schnellen Geldverdienen
  • Neue Gegenstände, Waffen und Rüstungen
  • Spezialanimationen für einige Nahkampfwaffen
  • Pflanzen können geerntet werden
  • Leicht verbesserte Grafikengine
Fallout New Vegas kehrt auch geographisch stärker zu den Ursprüngen der Serie zurück; statt dem unübersetzbaren "Capital Wasteland" (was sowohl "Hauptstadt-Ödland" als auch "Große Ödnis" bedeutet) um Washington D.C. herum, spielt New Vegas an der Grenze zwischen Arizona und Nevada. Damit gibt es wieder mehr Sand und Brachland als Stadtruinen (übrigens unter einem blauen Himmel). Die vorrangigen Schauplätze sind das ehemalige Las Vegas und der Hoover-Staudamm am Lake Mead. Die aus Fallout 2 noch wohl bekannte Republik Neukalifornien (New Californian Republic) tritt als eine wichtige Partei auf -- sie hat sich von der Westküste (wo Fallout 1 und 2 spielten) nach Osten ausgebreitet und versucht, Ruhe und Ordnung nach Nevada zu bringen.

Auch einige der Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger dürften vor allem älteren Rollenspielhasen gefallen. So wurden die Fraktionen im Spiel deutlich aufgewertet (ihr habt Beziehungen zu diversen Gruppierungen und könnt euch durch deren Uniformen als solche ausgeben), es gibt mehrere "Werkbank-Typen" fürs Herstellen von Objekten (Crafting), und der neue Hardcore-Modus räumt endlich mit einigen unrealistischen "Überlebe Supermutanten mit Autogun, indem du dir 20 Stimpacks in den Arm rammst"-Situationen auf.

Obwohl Fallout New Vegas sich einige Schwächen mit dem Vorgänger teilt, vor allem aufgrund der verwendeten Engine, und aktuell noch auf einigen Systemen in bestimmten Situationen Performance-Einbrüche erlebt, sind wir nach fast sechstägigem Test sehr angetan: Die Spannungskurve baut sich langsamer auf als bei Fallout 3, hält aber im Gegensatz zu diesem bis zum Ende durch. Zudem wird die Hauptstory durch zahlreiche optionale Quests und sehr ergiebiges Welterkunden unterstützt. Zudem levelt ihr nicht mehr so schnell auf wie in Teil 3, wo viele Spieler bereits nach etwa zwei Dritteln der Hauptstory den Maximallevel erreicht hatten. Das alles sorgt für sich steigernden, dann anhaltenden Spielspaß. Außerdem setzen die Missionen weniger stark auf Skripte als Fallout 3, sondern ergeben sich mehr aus dem tatsächlichen Spielgeschehen heraus.

Eine unserer Test-Heldinnen in drei Fraktionsrüstungen, von links: RNK, Pulverbanditen, Caesar's Legion.

Drei Fraktionen, viele Grüppchen

Wir befinden uns im Jahr 2281. Während ein Großteil Amerikas von Atomwaffen zerstört wurde, ist Las Vegas durch einen glücklichen Zufall -- der natürlich gut zur Metropole der Spieler passt -- vom Schlimmsten verschont geblieben.  Als die Überlebenden aus ihren Vaults kamen, konnten sie einen Teil der Glücksspielmetropole wieder aufbauen: New Vegas war geboren. Selbst 204 Jahre nach dem Großen Krieg gibt es dort noch Kasinos; für Strom und Wasser sorgt der nahe Hoover-Staudamm. Und ein mysteriöser Mann namens Mr. House sorgt dafür, dass es dem neuen Vegas nicht an einem gewissen Glanz und Glamour fehlt.

So viel "Normalität" bleibt natürlich nicht ohne Neider: Von Kalifornien aus hat sich die Republik Neukalifornien halb Nevada unter den Nagel gerissen -- doch auch einen mächtigen Gegner gefunden: Die Soldaten von Caesar's Legion kleiden sich zwar ein wenig wie römische Soldaten oder Zenturionen, sind aber eine üble Bande von Sklaventreibern und Wilden. Beide Fraktionen streiten um die Kontrolle des Hoover-Staudamms, denn wer ihn besitzt, kontrolliert auch Nevada. Doch auch weitere Parteien mischen im Großen wie im Kleinen mit: Da wäre zum einen natürlich Mr. House, aber auch kleinere Gruppen wie die Pulverbanditen. Da ihr euer Verhältnis zu diesen Parteien durch euer Verhalten maßgeblich bestimmt, wirkt die Welt realistischer als im Teil 3.

Neben den drei Hauptfraktionen (Groß-Khane, RNK und Caesar's Legion) gibt es auch unzählige kleinere Städte- oder Nebenfraktionen wie die Pulverbanditen oder die in New Vegas ansässigen Kings. Auch mit denen könnt ihr euch gut stellen -- und so Rabatte auf eure Einkäufe erhalten, Zugang zu neuen Quests bekommen. Oder ihr verärgert sie -- und werdet fortan sofort von ihnen angegriffen. Seid ihr bei einer Fraktion verhasst, könnt ihr Fraktionsrüstungen nutzen, um trotzdem einen Blick in ihre Basis zu wagen. Nehmt euch nur vor den Wachen in Acht – die durchschauen eure Verkleidung. Zwar interessiert es offensichtlich niemanden, wenn wir ohne Quest die Basis einer ganzen Fraktion ausrotten -- es werden dann einfach ab und zu weiterhin Standard-Kämpfer dort neu erschaffen, und andere NPCs gehen nicht auf den Sieg ein. Trotzdem haben unsere Handlungen spürbare Auswirkungen auf die Spielwelt – und wenn es nur ein Nebensatz in den Nachrichten der Radiosender ist, die wir über unseren Pip-Boy empfangen können. Das reicht mitunter bereits, um uns tiefer ins Spiel hineinzuziehen.

Der New Vegas Strip
Anders als der reale Strip ist der New Vegas Strip in drei Abschnitte unterteilt und ziemlich kurz.. 1 Gleich nach dem Betreten stoßt ihr auf das erste Kasino, dem Lucky 38. Das ist die Heimat von Mr. House.  2 Direkt auf der anderen Seite liegt das Gomorrah. Dessen Logo verrät bereits, welche Art von Unterhaltung euch darin erwartet. Im zweiten Abschnitt liegt auf der linken Seite 3 The Ultra Luxe und ihm gegenüber 4 das Tops, das eine besonders wichtige Rolle in der Hintergrundgeschichte spielt. Im dritten Abschnitt findet ihr hingegen 5 die lokale Basis der Republik Neu-Kalifornien und 6 das Vault 21 Hotel, die einzige Absteige auf dem Strip, wenn ihr nicht gerade ein High Roller seid.

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