Neubewertung inklusive Bugs

F1 2010 Test

Die letzten Jahre waren für Fans der Formel 1 alles andere als einfach. Das letzte F1-Spiel erschien 2008, gleichzeitig nahm Michael Schumacher seinen Hut. Mittlerweile sitzt nicht nur der Rekordsieger wieder im Cockpit: Codemasters bringt mit F1 2010 die Königsklasse auf PC, PS3 und 360 zurück. Wir haben für euch die Krone geholt.
Christian Witte 22. September 2010 - 0:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
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1.10.2010: Wertung auf 8.5 reduziert

Bei der Veröffentlichung dieses Tests am 22.9.2010  vergaben wir eine Note von 9.0. Wir haben F1 2010 auch danach noch weitergespielt und natürlich auch die zahlreichen Bug-Bemängelungen im offiziellen Forum verfolgt. Dabei werden allerdings auch Dinge bemängelt, die gar keine Bugs oder Mängel sind:

1. Anders als immer wieder behauptet, befindet sich die KI mit auf der Strecke -- nur im Qualifying sowie im Training wird sie ausgeblendet.
2. Das KI-Ergebnis steht nicht vor Rennbeginn fest.

F1 2010 hat aber tatsächlich diverse Bugs, darunter solche, die nur sporadisch oder auf manchen Systemen auftreten, beziehungsweise die kaum auffallen. Beim Test haben wir Bugs dieser Klasse entweder gar nicht erlebt oder übersehen:

1. Die KI macht mitunter keine Boxenstopps.
2. Es kommt zu Abstürzen/Lockups beim Laden.
3. Tempobegrenzung ist in der Boxengasse immer an.
4. Aufpoppende Modelle oder fehlende Frames.
5. Speicherstände sind beim Neustart korrumpiert
.

Drittens schimpfen die Fans über sehr auffällige oder oft auftretende Bugs:

1. Der Spieler ist immer an Unfällen schuld, selbst wenn die KI ihm hinten reinfährt.
2. Boxencrew lässt einen nicht oder spät aus der Box.
3. Schäden an KI-Autos beeinträchtigen diese nicht.
4. Renn-/Qualifiyingergebnis divergieren vom echten Rennen (bis hin zur Rückstufung des Fahrers).


Diese letzte Gruppe von Bugs hätte uns beim Testen auffallen müssen, da sie jederzeit oder häufig reproduzierbar und zudem wertungsrelevant ist. Aufgrund dieser letzten Gruppe von Bugs verringern wir die Wertung von 9.0 auf 8.5. Trotz der Mängel halten wir F1 2010 immer noch für ein sehr spielbares, sehr gutes Rennspiel mit einem fantastischen Fahrerlebnis -- aber eben nicht für eine glasklare Kaufempfehlung, für die eine 9.0 oder höher steht.

In den vergangenen Jahren hatten es die Formel 1 und ihre Fans wirklich nicht leicht. Ein Skandal jagte den nächsten, das Renngeschehen wurde tendenziell uninteressanter, und das Medieninteresse ließ mit dem Verschwinden von Schumacher ebenfalls nach. Die Rennspiel-Experten von Codemasters aber dachten antizyklisch und sicherten sich die FIA-Lizenz für die nächsten Jahre.

Und siehe da: Die aktuelle Saison ist wieder sehr spannend, haufenweise deutsche Fahrer sind vertreten, und zu guter Letzt hat sogar Rekordmeister Schumacher, wenngleich mit größeren Anlaufschwierigkeiten, in einem Silberpfeil Platz genommen. Das Entwicklerteam hat sich freilich viel Zeit gelassen mit dem Polieren des zugehörigen Spiels: Wo andere Firmen bereits ihre 2011er Sportspiele veröffentlichen, kommt Ende September von Codemasters F1 2010. Viel später wäre nicht gegangen: Die Formel-1-Saison 2010 besteht nur noch aus fünf Rennen...

Dennoch fehlt beispielsweise der PC-Version zum Start noch ein Modus für DX 10 oder 11, letzterer wird zu einem späteren Zeitpunkt via Patch nachgereicht werden. Doch bevor wir nun in das virtuelle Cockpit springen, wollen wir uns den Anfang der Karriere in F1 2010 und somit dem Herzstück des ambitionierten  Rennspiels von Codemasters widmen.

HRT, Lotus, Virgin und die
erste Pressekonferenz

Der Spielstart von F1 2010 unterscheidet sich ein wenig von klassischen Rennspielen. Er führt euch nicht ins Hauptmenü oder auf den Rundkurs, um eine Proberunde zu drehen. Sondern direkt in die erste Pressekonferenz! Hier werden ein paar grundsätzliche Spielaspekte abgefragt, darunter euer Name, eure Herkunft, eure Ziele und wie lange ihr denn vorhabt, in der Königsklasse aktiv zu sein. Basierend auf euren Antworten wird der Schwierigkeitsgrad festgelegt und auch die zum Start möglichen Arbeitgeber, also Teams.

Wer sich für die vollen sieben Jahre der Karriere entscheidet, der muss bei einem der neuen Teams starten. Ihr habt dann die Wahl zwischen HRT, Lotus und Virgin -- und werdet fortan darum kämpfen, bei dem gewählten "Aufsteiger"  die Spitzenposition einzunehmen. Doch die Rennplatzierungen, bei denen ihr Punkte einfahren könnt, scheinen zu Beginn noch in sehr weiter Ferne zu liegen. Was aber nicht bedeutet, dass der Spielspaß leiden würde. Es ist vielmehr selbst am Tabellenende ungemein motivierend, um den besten Platz unter den Neulingen zu kämpfen, und auch den Teamkollegen in diversen Kategorien zu schlagen. Doch dazu später mehr, unser erster Weg führt uns nun zum Fahrerlager, wo uns unsere Agentin willkommen heißt...

Das Profil der Reifen ist besonders bei Regenrennen besonders deutlich zu erkennen.

Fahrerlager und Rennalltag

Die Presse erwartet euch nach den Rennen im Fahrerlager.
Im Fahrerlager angelangt, könnt ihr nachträglich die Optionen an eure eigenen Vorlieben anpassen. So lässt sich etwa die Steuerung für diverse Lenkräder oder den Controller verändern oder die Grafikeinstellungen bei der PC-Version. Letztere gibt übrigens dank höher aufgelöster Texturen und vorhandener Kantenglättung die beste Figur ab. Im Vergleich zu den Inhouse-Konkurrenten Colin McRae Dirt 2 und Race Driver Grid bleibt aber auch sie hinter den grafischen Möglichkeiten zurück. Bitmap-Zuschauer dominieren die Ränge und sowohl Strecke als auch Fahrerlager wirken äußerst steril. Nur die detaillierten und originalgetreuen Autos stechen mitsamt dem Wettersystem positiv heraus, doch dazu später mehr.

Im Fahrerlager habt ihr jederzeit Zugriff auf die anderen Spielmodi wie Multiplayer, Zeitfahrten oder einzelne Grand-Prix-Wochenenden. Ihr werdet im Fahrerlager aber auch Interviews geben, mit eurer Agentin über eure Ziele und mögliche neue Vertragsangebote reden. Oder zum nächsten Grand Prix aufbrechen.

Bevor es aber soweit ist, steht noch die Wahl zwischen einem verkürzten Rennwochenende oder der langen Variante an. Bei der kurzen Variante gibt es nur eine Trainingssession (anstelle von dreien), und auch nur eine Qualifikationsphase von 20 Minuten. Wer das volle Programm erleben möchte, entscheidet sich natürlich für die lange Variante, wobei ihr dabei auch direkt zum dreigeteilten Qualifying springen könnt. In den drei Sessions werden jeweils ein Teil der Fahrer entfernt, bis nur noch zehn übrig bleiben. Zu Beginn eurer Karriere werdet ihr selten den Sprung in Q2 oder gar Q3 schaffen.

Realismus zum Anpassen

Realismus und Renndistanz könnt ihr individuell anpassen. Im Karriere-Modus müsst ihr allerdings mindestens 20 Prozent der normalen Rundenzahl absolvieren, womit ihr meistens um die 10 Runden unterwegs seid. Dies mag sich vielleicht nicht nach viel anhören, da ihr ja aber vorher schon im Training und Qualifying gefahren seid, dauert so ein Rennwochenende relativ lange. Auch die Konzentration fällt entsprechend schwer. Während ihr in einem normalen Rennspiel nur selten mehr als fünf Runden absolviert, seid ihr in F1 2010 oft mehr als doppelt so lange unterwegs - jeder noch so kleine Fahrfehler kann bereits dafür sorgen, dass ihr wieder am Ende des Feldes landet und dort auch bleiben werdet.

Da aber auch Einsteiger nicht völlig abgeschreckt werden sollen, sind diverse Fahrhilfen zuschalt- und weitere Optionen anpassbar. Neben dem KI-Schwierigkeitsgrad lässt sich beispielsweise das Wetter einstellen, auf immer währenden Sonnenschein. Die Benzin- und Reifensimulation lässt sich ebenso anpassen wie das Schadensmodell. Diverse Hilfestellungen mit Bremshilfe, virtueller Rennlinie und Traktionskontrolle, sowie ABS dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Zu Beginn empfehlen wir euch auf jeden Fall, die Bremshilfe zu deaktivieren und ansonsten einige Punkte aktiviert zu lassen, damit die eigene Kontrolle über den Boliden nicht völlig verloren geht. Die Ideallinie hingegen ist als Hilfestellung besonders zu Beginn eine sehr nützliche Sache, denn so lernt ihr die Kurse auch richtig zu meistern und den optimalen Bremspunkt zu erwischen.

Dank dieser Optionen ist F1 2010 durchaus für blutige Einsteiger geeignet, aber auch für stark fortgeschrittene Simulationsfreunde. Selbst wenn beide Extremgruppen vielleicht nicht hundertprozentig glücklich werden: F1 2010 wird Neulingen einige herbe Rückschläge beibringen, absoluten Simulationspuristen hingegen zu wenig abverlangen. Dennoch bleibt der Titel für den Großteil der Spieler absolut spielbar und lässt sich großartig ans eigene Können anpassen.

Auch Nachtrennen sind bei F1 2010 enthalten, ganz wie in der echten F1-Saison.

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