Runden-Taktik im Regenwald

Expeditions - Conquistador Test

Als spanischer Eroberer sucht ihr im frisch entdeckten Südamerika des 16. Jahrhunderts Ruhm und Reichtum. Dabei stellen sich euch nicht nur eingeborene Krieger bei kniffligen Taktik-Scharmützeln in den Weg, ihr müsst euch außerdem um die Anliegen eurer Mitstreiter kümmern, Quests absolvieren und den unerschlossenen Kontinent erkunden.
Rüdiger Steidle 30. Mai 2013 - 0:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Die Eroberung der amerikanischen Kontinente und Unterwerfung der eingeborenen Völker durch europäische Einwanderer gehört zweifellos zu den großen Tragödien der Menschheitsgeschichte. Die Wunden der Conquista sind auch fünfhundert Jahre später nicht verheilt. Es ist kein trivialer Hintergrund, den sich die dänischen Entwickler Logic Artists für Expeditions - Conquistador ausgesucht haben. Allerdings ein zugegebenermaßen reizvoller für die Mischung aus Strategie- und Rollenspiel, die euren taktischen Scharfsinn ebenso fordert wie logistische Planung, euren Erkundungsdrang und Feingefühl im Umgang mit euren Begleitern.

Das teilweise über Kickstarter finanzierte Projekt, das in bitComposer Games nun einen professionellen Vertriebspartner gefunden hat, macht euch zum Anführer einer spanischen Expedition, die zunächst die Insel Hispaniola und später das mexikanische Festland erforschen soll. Den Abenteurern geht es jedoch weniger um Kartographie, sondern vor allem um die sagenhaften Schätze, die die neue Welt verheißt. Als ungleich wichtiger entpuppen sich aber schon bald Proviant, Medizin und ein sicherer Platz zum Schlafen – denn Gold kann man nicht essen.
 
Bequatschen oder besiegen
Eure Schützlinge gewinnen im Spielverlauf an Erfahrung und bauen dadurch ihre Fähigkeiten aus.
Expeditions - Conquistador beginnt wie ein Rollenspiel mit der Erschaffung eures Alter Ego, wahlweise männlich oder weiblich. Ihr investiert Punkte in sechs Fertigkeiten: Taktik, Diplomatie, Medizin, Überleben, Erkundung und Führungsqualität. Danach heuert ihr zehn ähnlich bewanderte Unterstützer für eure Reise an. Da sich die Effizienz der Gruppe aus den Fähigkeiten ihrer Mitglieder ergibt, müsst ihr auf eine ausgewogene Mischung achten, denn mit Waffengewalt alleine kommt ihr nicht weit. So brillieren Soldaten zwar auf dem Schlachtfeld und sind aufmerksame Wachen, bei der Nahrungssuche aber sind sie keine große Hilfe. Doktoren wiederum kippen im Gefecht schnell aus den Latschen, können dafür aber Verwundete wieder hochpäppeln. Jäger füllen die Vorräte, Kundschafter klären die Umgebung auf und Wissenschaftler rühren Tinkturen an oder basteln Fallen.

Auf Hispaniola angelangt, wird gleich euer diplomatisches Geschick gefordert, denn der örtliche Gouverneur denkt nicht daran, euch bei eurem Vorhaben zu unterstützen. Vielmehr hat er seine eigenen Probleme mit den Eingeborenen und abtrünnigen Soldaten, die ihr doch bitte für ihn aus dem Weg räumen sollt. Solche Anliegen trägt Expeditions - Conquistador in Form von textlastigen Dialogfenstern an euch heran. Welche Auswahlmöglichkeiten euch dort zur Verfügung stehen und wie erfolgreich ihr beispielsweise eure Gesprächspartner täuschen könnt, hängt von euren Verhandlungsfähigkeiten ab. Die erwähnten rebellischen Dschungel-Stämme beispielsweise könnt ihr entweder durch Zureden überzeugen, sich doch bitteschön woanders niederzulassen, sie einschüchtern oder schlicht niedermetzeln. Eure Entscheidungen nehmen massiv Einfluss auf die Moral eurer Truppe: Springt ihr mit den Ureinwohnern allzu hart um, murren eure mitfühlenden Mitstreiter. Zeigt ihr euch dagegen nachsichtig, passt das den expansionistisch gesinnten Begleitern nicht. Je nachdem, wie ihr euch verhaltet, stoßen im Spielverlauf weitere Unterstützer zu eurer Party, während sich andere auf und davon machen. Dass eure Schützlinge regelmäßig mit ihren Sorgen, Geschichten und Anliegen an euch herantreten, verstärkt eure emotionale Bindung an sie und macht Abgänge zum doppelten Verlust.
Erkundung lohnt sich: Die grün und blau leuchtenden Objekte sind nützliche Gegenstände, die wir einsammeln dürfen.

Die Rache Montezumas
Die meiste Zeit verbringt ihr auf der dreidimensionalen Übersichtskarte, die ihr ähnlich wie in Might & Magic - Heroes erkundet. Ihr klärt also rundenweise das Gebiet auf, trefft auf diverse Gesprächs- sowie Handelspartner oder gegnerische Verbände und sammelt allerhand Schätze, Rohstoffe oder Nahrungsmittel ein. Habt ihr das relativ knappe Zuglimit erreicht, müsst ihr bis zum nächsten Tag rasten. Dann weist ihr euren Leuten je nach Fähigkeit Aufgaben zu (oder überlasst die Einteilung der nicht sonderlich kompetenten Automatik): Die Kundschafter fahnden nach Nützlichem in der Umgebung,
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die Soldaten schieben Wache, die Gelehrten brauen Tränke, die Jäger gehen auf die Pirsch und die Doktoren kümmern sich um etwaige Ausfälle. Wie gut eure Untergebenen abschneiden, hängt nicht nur von ihren Charakterwerten ab, sondern auch davon, wo ihr euer Lager aufschlagt. Anhöhen sind leicht zu verteidigen, geben aber selten reiche Jagdgründe ab. Im Dschungel findet ihr deutlich mehr Wild, dafür geraten eure Patrouillen dort schnell in einen Hinterhalt oder eure Schützlinge ziehen sich Infektionen zu.

Verletzte und Kranke sind ein großes Problem: Nicht nur, dass ihr eine Weile auf ihre Unterstützung verzichten müsst, auch der behandelnde Arzt kann sich derweil um nichts anderes kümmern als etwa das Sammeln von Kräutern. Ob ihr Verluste zu beklagen habt, entscheidet der Zufallsgenerator. Gehen eure Streiter in den Taktik-Gefechten zu Boden, gelten sie erst mal nur als K.O. und das Spiel entscheidet hinterher, ob sie schwere Verwundungen davongetragen haben. Aber selbst, wenn ihr Kämpfe tunlichst vermeidet, können euch Krankheiten oder Giftbisse auf der Reise dazwischen pfuschen.
In diesem Taktik-Gefecht müssen wir Eingeborene daran hindern, mit unseren Vorräten zu entkommen.
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