Evil Genius 2 - World Domination Test+

Schurkensimulator mit Spaßbremsen

Dennis Hilla / 30. März 2021 - 15:50 — vor 24 Wochen aktualisiert

Teaser

Knapp 17 Jahre nach dem ersten Teil dürft ihr erneut euer eigenes böses Imperium aufbauen. Der fiese Nachfolger bietet zwar einige Detailverbesserungen, krankt aber an bekannten Stellen.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Mittlerweile ist es über 17 Jahre her, dass die Elixier Studios euch in Evil Genius zum Bond-Bösewicht haben werden lassen. In bester Dungeon Keeper-Manier durftet ihr euren eigenen Unterschlupf aufbauen, Schergen anheuern, die Weltherrschaft an euch reißen und die "Mächte des Guten" abwehren. Warum das im Jahr 2004 so eine grandiose Mischung war, habe ich euch in meinem Klassiker-Check-Video erklärt. Nun ist mit Evil Genius 2 - World Domination von Rebellion ein waschechter Nachfolger zu haben, der zwar einige Punkte verbessert, aber an anderen Stellen das Werk eines bösen Genies zu sein scheint.

Im Kern handelt es sich um dasselbe Spiel. Auf einer tropischen Insel sollt ihr euer geheimes Versteck aufbauen, inklusive Stromversorgung, Management eurer Truppen und natürlich vieler böser Fallen zur Abwehr von Spionen und Soldaten. Die Entwickler setzen auf eine comichafte Grafik, um die Ästhetik älterer Bond-Filme zu transportieren und auch das HUD und viele andere Elemente erinnern an die Abenteuer des britischen Supercharmeurs.

Doch weil selbst ein böses Unternehmen auf ein prall gefülltes Konto angewiesen ist, müsst ihr euch um ständigen Cashflow kümmern. Dazu nutzt ihr die Weltkarte, die aber noch in etwa so nervig wie im ersten Teil ist. Aber um die wirklich spaßigen Teile, wie neue Fallen und zusätzliche Verhörmethoden und Ebenen für euer Geheimversteck, freizuschalten, ist ein prall gefülltes Ganovenkonto nun mal unerlässlich. Letztlich lässt Entwickler Rebellion durch diese Nähe zum Vorgänger aber einiges an Potenzial liegen und liefert statt einer wahren Revolution nur eine seichte Evolution – die Fans aber trotzdem zufriedenstellen dürfte.
Wenn Agent X auf den Plan tritt, müsst ihr zunächst seine Tarnung auffliegen lassen, um ihn zu verjagen.
 

Ich erwarte, dass sie bauen

Damit so ein böser Unterschlupf auch gut funktioniert, müsst ihr die Grundversorgung sicherstellen. Das heißt, dass eure Schergen bei Laune gehalten werden. Das bedeutet nicht nur, dass sie eine Kaserne brauchen, in der sie schlafen können. Ein Freizeitraum hält die Moral hoch und in der Kantine nehmen sie ein warmes Mahl ein. Doch freilich läuft ein Geheimversteck nicht nur von fleißigen Handlangern, ihr braucht auch eine stabile Stromversorgung, müsst genügend Computer bauen, um die Weltkarte zu erobern und auch euer erbeutetes Geld kann nicht einfach in den Gängen gelagert werden.

Habt ihr eure Basis in den Grundzügen aufgebaut, dauert es meistens nicht lange, bis die Mächte des „Guten“ auf den Plan treten. Das kann in Form fast harmloser Ermittler sein oder aber es kommen mächtigere Geheimagenten. Diese tarnen sich und können nur durch die Fähigkeiten besonderer Handlanger oder eures Genies enttarnt und anschließend vertrieben werden. Wenn es allgemein um gegnerische Truppen geht, habt ihr zwei Möglichkeiten, wie ihr verfahren wollt. Entweder könnt ihr sie festnehmen und anschließend verhören oder sogar umdrehen, so dass sie für euch arbeiten. Oder ihr schaltet sie direkt aus, dann braucht ihr aber einen Verbrennungsofen, um die Leichen zu entsorgen. Sonst habt ihr schnell noch mehr Schergen auf der Matte stehen.
Auf der Weltkarte müsst ihr Bereiche erobern, Pläne durchführen und den Argwohn der Weltmächte in Grenzen halten.
 

Die Welt ist nicht nötig

Damit ihr genügend Geld habt, müsst ihr auf der Weltkarte Pläne abschließen. Dazu entsendet ihr Handlanger, manchmal benötigt ihr auch Berichte. Diese erhaltet ihr durch Verhöre oder indem ihr im Forschungsmenü spezielle Computerterminals freischaltet. Anders als noch im Vorgänger erhöht sich der Argwohn der Weltmächte nicht automatisch, indem ihr Gebiete auf der Map besetzt. Stattdessen geht er nun hoch, wenn ihr Pläne abschließt, ihr seht transparent vor dem Start, wie viel Argwohn ihr generiert. Wird es zu viel, dann geht das gesamte Gebiet zeitweise in den Lockdown. Das bedeutet, dass ihr kein Geld mehr an diesen Standorten verdienen könnt, bis die Sperrung aufgehoben ist.

Ihr solltet also stets schauen, dass ihr den Argwohn frühestmöglich abmildert. Auch dafür gibt es Pläne, die entweder Geld oder Truppen kosten. Ihr müsst also immer abwägen, welches Gut ihr gerade besser entbehren könnt. Denn wenn ihr Schergen hinaus in die freie Welt schickt, dann fehlen sie euch im Unterschlupf. Das kann besonders dann unpraktisch werden, wenn ihr angegriffen werdet. Denn dann fehlen euch im Zweifel Wächter und eure normalen Schergen müssen sich mit den feindlichen Truppen herumschlagen. Diese Nicklichkeiten und die fummelige Bedienung der Weltkarte tragen dazu bei, dass sie mich im Spielverlauf eher genervt als wirklich eine Bereicherung dargestellt hat.
Der Forschungsbaum ist nicht übermäßig kompliziert, bietet aber genug Vielfalt.
 

Ohne Forschung geht nichts

Sehr schnell solltet ihr nach dem Freischalten der Funktion sicherstellen, dass immer ein Forschungsprojekt läuft. Denn nur so schaltet ihr bessere Bewaffnung für eure Truppen frei, erhöht die Sendeleistung für die Weltkarte, erhaltet stärkere Fallen und noch vieles mehr. Allerdings ist Forschung ein langwieriger und auch kostspieliger Prozess, also stellt sicher, dass euer Tresorraum immer gut gefüllt ist und wenn ihr es nicht erwarten könnt, bis die neue Funktion fertig ist, könnt ihr nun auch endlich die Zeit um das Doppelte beschleunigen.

Auch wenn Fallen ein essentieller Bestandteil jedes bösen Verstecks sind, habt ihr vom Spielstart an nur begrenzten Zugriff auf sie. Wie so vieles anderes müsst ihr neue böse Bauteile erst im Forschungsmenü freischalten. So kommt es, dass eure Basis in vielen Fällen schon zu weit ausgebaut ist, um die neuen Fallen an taktisch wertvollen Plätzen aufzustellen. Dabei hat es schon etwas Befriedigendes, wenn ein Geheimagent von Giftpfeilen getroffen wird, ein Flipper-Bumper ihn durch die Gegend schießt oder Laser-Barrieren ihn knusprig braun grillen.

Autor: Dennis Hilla (GamersGlobal)

 
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Meinung: Dennis Hilla

Rebellion hat sich sichtlich Mühe gegeben, das "Dungeon Keeper meets Bond-Bösewicht"-Prinzip in ein modernes Gewand zu hüllen. Das ist größtenteils auch gelungen, die Animationen sind herrlich albern und gegen viele der Geheimagenten wirkt Austin Powers wie ein britischer Gentleman. Auch der Basenbau geht angenehm flüssig von der Hand, nicht zuletzt dank vieler Tutorials. In den Grundzügen ist Evil Genius 2 also ein spaßiges Schurkenfest, dem aber auf lange Sicht die Puste ausgeht.

Das liegt unter anderem an der Weltkarte, die sich mehr wie eine lästige Pflicht, als ein nützliches Feature anfühlt. Ich komme mir auf jeden Fall nicht so vor, als würde ich die Welt erobern, wenn ich auf ein paar Symbole klicke und dann teils minutenlang warten muss, bis ein Effekt eintritt. Außerdem schmeißt euch das Spiel viele Missionziele hin, bei denen ihr selbst erarbeiten müsst, wie ihr sie löst. So sollt ihr neue Schergentypen anheuern, dass ihr dazu aber eine Nebenmission starten müsst, habe ich nur durch zufälliges Herumklicken herausgefunden. Und damit ist Evil Genius 2 kein Geniestreich, sondern lediglich ein netter Zeitvertreib für Fans des Erstlings oder angehende Superschurken, die sich nicht an unklar kommunizierten Zielen oder teils langatmigen Abläufen stören. Denn der grundlegende Aufbau des unrühmlichen Unterschlupfes sorgt in Kombination mit der herrlichen Ästethik schon für Stimmung. Nur ist es schade um das verschenkte Potenzial.
 
Evil Genius 2 - World Domination PC
Einstieg/Bedienung
  • Viele Tutorial-Mitteilungen
  • Schwierigkeitsgrad kleinteilig einstellbar
  • Viele Infos stets im Blick
  • Teils komplizierte Menüs
  • Tutorials nirgends wieder auffindbar
Spieltiefe/Balance
  • Vier Genies, drei Szenarios...
  • Guter Mix aus komplexen Systemen und Einsteigerfreundlichkeit
  • Unterhaltsam umgesetztes Szenario
  • Viele Forschungsmöglichkeiten
  • Handlanger agieren weitestgehend sinnvoll und autonom
  • Vorspulfunktion eliminiert etwas Leerlauf
  • Gute Wegfindung
  • Auf Wunsch auch freies Siedeln abseits der Kampagne möglich
  • ...die sich aber nur marginal auswirken
  • Weltkarte wirkt aufgesetzt und nervt eher
  • Missionen sind stumpfe Aneinanderreihungen von Aufgaben
  • Nicht alle benötigten Schritte direkt ersichtlich
Grafik/Technik
  • Charmante Cartoon-Optik
  • Witzige Charakterdesigns und Animationen
  • Detailgrad könnte höher sein
  • Keine richtigen Cutscenes
Sound/Sprache
  • Sehr gute englische Sprecher
  • Zum Szenario passende Musikuntermalung
  • Gute deutsche Textübersetzung
  • Keine deutsche Sprachausgabe
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
7.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Minimum: Windows 10, Core i3-8100, GTX 1030 oder Radeon RX 550, 8 GB RAM
Maximum: Win 10, Core i7-4770k oder Ryzen 5 1600, GTX 1660 oder Radeon RX 5700. 8 GB RAM
 
Eingabegeräte
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Dennis Hilla 30. März 2021 - 15:50 — vor 24 Wochen aktualisiert
Dennis Hilla Redakteur - P - 141947 - 30. März 2021 - 15:50 #

Viel Spaß beim Lesen und Schauen!

Jörg Langer Chefredakteur - P - 429002 - 30. März 2021 - 19:06 #

Wo ist eigentlich der Evil Chefredi?

roxl 17 Shapeshifter - - 6745 - 30. März 2021 - 18:46 #

Schöner Test. Vielen Dank.

Das Gurke 14 Komm-Experte - P - 2422 - 30. März 2021 - 19:20 #

Ich habe den Vorgänger geliebt, dann kann ich hier ja wohl bedenkenlos zuschlagen :-) Den obligatorischen Season Pass gibts ja auch schon, vielleicht wird damit der Weltkarte mehr Leben eingehaucht.

PraetorCreech 18 Doppel-Voter - P - 10940 - 30. März 2021 - 21:23 #

Liest sich so, als hätten sie nicht nur die Stärken, sondern auch alle Schwächen des Vorgängers übernommen. Wird sicher gekauft, aus irgendeinem perversen Selbsthassgrund spiele ich ja auch immer noch den ersten Teil ab und an wieder.

Danywilde 24 Trolljäger - - 116873 - 31. März 2021 - 12:50 #

Schade, das klingt nicht wirklich so gut. Der erste Teil hatte mir anfangs durchaus Spaß gemacht, hat dann aber doch sehr stark nachgelassen.

Ich werde um dem zweiten Teil wohl einen Bogen machen.

Jamison Wolf 18 Doppel-Voter - P - 12080 - 31. März 2021 - 18:31 #

Tipp für Einsteiger, gleich am Anfang in den Keybind-Options "Tab Left/Tab Right" auf was anderes als "Q&E" setzen. Sonst kann man im Bau-Menü nicht die Karte rotieren mit Q&E sondern muss mit der mittleren Maustaste jonglieren ... und oh boy, die Kamera mit der Maus ist ein Graus.

Abgesehen von kleineren anderen Dingen und der nicht so Idealen World-Map-Spielerei, gefällts mir bisher sehr gut. Bin aber auch ein alter Evil Genius Veteran.

8/10 von mir. ;)

soulflasher 15 Kenner - P - 3024 - 2. April 2021 - 22:55 #

Das Spiel wurde halt nicht von einem Evil Genius entwickelt.
Nach lesen dieser Nachricht habe ich ihnen gerade 100 Euro von ihrem Konto abgebucht.
Witzig?
Schauen sie doch mal nach...
Nur um sicher zu gehen.

Ganon 24 Trolljäger - P - 65756 - 5. April 2021 - 10:51 #

Ich bin erstaunt, dass Rebellion sich immer noch halten kann. Gefühlt kommt da seit etlichen Jahren nur noch Mittelmaß und von riesigen Erfolgen ihrer Spiele hört man auch nicht unbedingt...

Extra-Kudos an Dennis übrigens für die schönen Zwischenüberschriften. :-)

Noodles 24 Trolljäger - P - 65936 - 5. April 2021 - 13:15 #

Die letzten Spiele der Sniper-Elite-Reihe waren doch kein Mittelmaß.

Ganon 24 Trolljäger - P - 65756 - 5. April 2021 - 23:29 #

Stimmt auch wieder. Sniper Elite ist eine ordentliche Serie und diese Zombie-Army-Ableger scheinen ja auch gut zu laufen. Aber so Kram wie Strange Brigade hat doch nicht wirklich jemanden interessiert, oder?