Klettern, Kämpfen, Kontrollieren

Enslaved Test

Enslaved - Odyssey to the West klingt nach "Sklaventrek in den Westen", handelt aber von einem sehr ungleichen Duo, das zusammen auf der postapokalytpischen Erde seinen Weg finden muss. Doch anders als etwa im Endzeit-Rollenspiel Fallout geht es in diesem Action-Adventure überwiegend knallbunt und actionreich zur Sache.
Jörg Langer 7. Oktober 2010 - 19:45 — vor 8 Jahren aktualisiert
360 PS3
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von Sven Ohnstedt

Eingesperrt in einer massiven ovalen Kammer, die auch wuchtigen Faustschlägen problemlos widersteht, scheint unser Schicksal besiegelt. Und das, obwohl wir Enslaved gerade erst gestartet haben! Wieso befinden wir uns überhaupt in Gefangenschaft, und wer hat uns eigentlich eingesperrt? Doch für Fragen bleibt keine Zeit: Eine heftige Explosion reißt unsere Zelle von ihrer Aufhängung und ermöglicht uns die Flucht. Die Kamera schwenkt ein wenig durch den Raum, eine Durchsage ertönt: Allen Passagieren dieses Flugzeugs wird geraten, sich möglichst schnell zu den Rettungskapseln zu begeben, die sich am anderen Ende der brennenden Maschine befinden.

Kaum setzen wir uns in Bewegung, wird schon verkündet, dass die erste von zehn Kapseln bereits voll sei. Es ist also Eile geboten, wenn wir dem Schlamassel lebend entkommen wollen. Nur, wer ist die Dame mit den rot-brauen Haaren am anderen Ende des Gangs? Hat sie das Terminal neben sich gehackt und so die Explosionen ausgelöst? Schwer zu sagen, ihr ängstlicher Blick spricht dagegen Bände: Auch sie möchte eine der Rettungskapseln ergattern und verschwindet einen Augenblick später kommentarlos hinter der Schiebetür. Der Wettlauf um die Rettungskapseln hat begonnen!

Flucht aus dem Feuerflugzeug

Ein seltener Anblick: Monkey bewundert andächtig das Panorama. Bei dem ganzen Klettern bleibt dafür selten Zeit.
Wir springen über erste Hindernisse, finden unterwegs unseren Kampfstab und zerlegen damit Wachroboter. Nur die Dame holen wir nicht mehr ein, sie verschließt die vorletzte Tür einbruchsicher.

  Notgedrungen entscheiden wir uns für die lange und unbequeme Route: In Schwindel erregender Höhe hangeln wir uns an der Außenfassade des Flugzeugs entlang, springen über die seitlich abstehenden Flügel und kommen so immer näher an die Rettungsschiffe heran. Rettungsschiffe? Pustekuchen! Nur noch ein einziges ist übrig. Hinter uns fängt das Triebwerk Feuer und verweigert seinen Dienst -- das Flugzeug gerät in Schieflage und setzt zum Tiefflug an. Wir springen hastig weiter und erreichen schlussendlich unser Ziel. Doch zu spät! Die Luke der letzten Rettungskapsel öffnet sich, die Startrampe wird ausgefahren. Die Dame ist schneller gewesen! Egal, wir schmeißen uns auf die Kapsel und halten uns gut fest. Sekunden später drückt es uns gehörig den Wind ins Gesicht, während das Flugzeug mit der Freiheitsstatue in New York kollidiert und kurz darauf mitten in der heruntergekommenen Metropole zerschellt. Aber auch wir bereiten uns auf eine unsanfte Landung vor. 

Das Bild blendet langsam aus, wird schwarz, das erste Kapitel ist beendet. So furios startet Enslaved -- Odyssey to the West in das Geschehen. Echtes Popcorn-Kino-Feeling eben, wie es sich für einen Action-Blockbuster gehört!

New York hat schon bessere Tage gesehen: Von der einst monumentalen Brücke ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Trip: Von der Sklavin zur Sklaventreiberin

Selbstverständlich haben wir den Absturz überlebt. Und das sogar weitgehend unverwundet, nur unser Schädel wurde ganz offensichtlich in Mitleidenschaft gezogen: Er brummt wie nach drei durchgefeierten Nächten nicht! Schuld daran trägt allerdings Trip, so der Name der Dame, die zuvor noch die Flucht vor uns ergriff. Sie ist es auch, die uns nun in Kenntnis über die Welt von Enslaved setzt: Mechs regieren den Planeten und halten sich die verbliebenen Menschen als Sklaven. Der oben geschilderte, in einer Katastrophe endende Flug diente schlicht zum Transport der eingefangenen Sklaven.

Auch von einer einst so prachtvollen Stadt wie New York sind nur noch baufällige Hochhäuser, zerfetzte Nationalflaggen und jede Menge Schrotthaufen übrig geblieben. Wild wuchernde Pflanzen überziehen die Stadt. Und das Land. Eine wahrlich trostlose und gefährliche Gegend -- zu gefährlich für Trip, die zu ihrem fernen Heimatdorf zurückkehren möchte, das ohne fremde Hilfe aber nicht schaffen kann.

Dabei ist die Dame höchst geschickt: Sie hat das Terminal im Flugzeug gehackt, und auch ihre Diebeskünste sind bemerkenswert. Während ihrer Flucht entwendete sie mal eben ein Sklavenband aus dem Schiff. Diese Dinger benutzen die Mechs gewöhnlich, um die Gehirnströme ihrer Gefangenen zu kontrollieren und zu manipulieren. Und ratet mal, wem sie diese Hirnfessel anlegt...

Das Spiel hat also kaum begonnen, schon sind wir ein halb-willenloser Sklave, in einer Symbiose verbunden mit der Ex-Sklavin. Stirbt Trip, sterben wir auch. Handeln wir gegen ihren Willen, kommen die unerträglichen Kopfschmerzen wieder. Folglich haben wir keine andere Wahl, als sie auf ihrem Weg zurück in die Heimat zu begleiten. Zwar erschließt sich dem Hirn des GamersGlobal-Testers nicht so ganz, wie kaltblütige Maschinen ohne menschliches Gehirn so ein Band sinnvoll einsetzen können, aber an den zahlreichen Logikaussetzern typischer Hollywood-Blockbuster stört man sich ja auch nur, wenn die Action einem Zeit zum Nachdenken lässt. Also setzen wir das ungleiche Duo erst einmal in Bewegung und stellen euch bei dieser Gelegenheit endlich unser Alter Ego vor, nun zu Trips muskulösem Begleiter mutiert. Bitte umblättern...

Waghalsige Sprünge gehören in Enslaved zur Tagesordnung, doch in euer Verderben fallen könnt ihr praktisch nie.

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3D-Actionadventure
16
Ninja Theory
Namco Bandai
08.10.2010 (Playstation 3, Xbox 360) • 10.06.2019 (Xbox One (Xbox 360 Backward Compatibility))
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