Review: Himmlisch anders

El Shaddai - Ascension of the Metatron Test

Spielen für einen höheren Zweck: Als Gottesdiener Enoch kloppt ihr gefallene Engel wieder in den Himmel zurück. Der wilde Mix aus Jump-and-Run und Beat-Em-Up besticht durch seine Wasserfarbenoptik, das intuitive Kampfsystem und die unterschiedlich gestalteten Levels. Wir sind für euch auf die Erde hinab gestiegen.
Florian Pfeffer 25. September 2011 - 11:29 — vor 8 Jahren aktualisiert
El Shaddai - Ascension of the Metatron ab 9,69 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

Ein heißer Kandidat für den unverständlichsten Spielnamen des Jahres: El Shaddai – Ascension of the Metatron. Wenn allerdings Otto Normalzocker nun an das neueste Transformers-Game denkt (Megatron genannt), könnte er falscher nicht liegen. Religionswissenschaftler horchen allerdings auf, ist doch "El Shaddai" nichts anderes als einer der jüdischen Namen für Gott, der im Allgemeinen mit "Der Allmächtige" übersetzt wird. Auch der "Metatron" ist nicht zu verwechseln mit dem fast gleichnamigen Gegenspieler Optimus Primes, sondern stellt vielmehr einen der höchstrangigen unter den Engeln dar, den Stellvertreter Gottes.

El Shaddai ist das neueste Werk des Japaners Takeyasu Sawaki, der sich bereits als Designer bei Titeln wie Okami, Project Zero oder Devil May Cry einen Namen machte. Nicht nur vom visuellen Stil, unübersehbar an die Wasserfarben-Optik diverser Animes angelehnt, ist El Shaddai klar ein fernöstliches Spiel. Auch die Vorliebe für mythisch-religiöse Motive aus dem exotischen westlichen Kulturkreis ist nicht etwa nur in einem kurzen Absatz über die Hintergrundgeschichte im Handbuch nachzulesen, sondern atmet aus jeder Pore des Spieles. Apropos Story: Wir riskieren einen kurzen Blick über den Tellerrand und machen einen Ausflug in die Bibelkunde.

Die Umgebungen sind oft bizarr und verschwommen. Hier gilt es außerdem, genau getimte Sprünge zu absolvieren.

Sintflut, go home!
Mit dem Arch prügeln wir uns mit mehreren Gegnern zugleich.
Die biblische Episode, bei der sich El Shaddai hauptsächlich bedient, ist in den Apokryphen zu finden, genauer im so genannten "Ersten Buch Enoch". Der Mensch Enoch, dessen Part ihr auch im Spiel übernehmt, wird dort aufgrund seiner großen Verdienste noch zu Lebzeiten von Gott in den Himmel entrückt. Dort fungiert er als Chronist und schreibt fleißig die Erlebnisse seiner neuen Engelsgenossen nieder, allen voran die der Erzengel Michael, Gabriel, Raphael und Uriel. Ungefähr zur gleichen Zeit finden ein paar niedrigere Engel namens Grigori Gefallen an der Anmut der Menschenfrauen und zeugen mit ihnen riesenhafte Kreaturen, die Nephilim. Diese leibliche Verbindung von Himmel und Erde geht erwartungsgemäß nicht gut aus: Die Riesen verwüsten die Erdoberfläche, fressen alle Menschen und Tiere und erzürnen Gott, der sich daraufhin gezwungen sieht, die Erde mit einer Sintflut zu überziehen, um die Nephilim zu ertränken. Die gefallenen Engel werden aus dem Himmel verbannt.

Wie es dann mit Noah (übrigens ein Enkel Enochs) und seiner Arche weitergeht, dürfte allgemein bekannt sein. Diese Geschichte wird bei El Shaddai, wie meist in japanischen Kulturgütern, nicht unverändert übernommen, sondern in die moderne Welt transferiert, an manchen Stellen beschnitten, an anderen ausgeschmückt und am Schluss noch mal krä
Anzeige
ftig durch den Ideen-Wolf gedreht. Heraus kommt eine phantastische Welt, in der ihr als Enoch von Gott auf die Erde gesandt werdet, um die abtrünnigen Engel aufzuspüren und dingfest zu machen. Gelingt es euch nämlich, alle sieben wieder zur Vernunft zu bringen und die Nephilim zu besiegen, wird Gott die Sintflut ausfallen lassen.

Die Erzengel werden als weiße Schwäne dargestellt, die permanent über Enoch kreisen und ihm mit Ratschlägen aus dem Off zur Seite stehen. Ebenfalls als Verbündeter Enochs tritt Lucifel auf (das "l" am Schluss ist wohl der Übersetzung aus dem Japanischen geschuldet...); genau wie der blonde Enoch ist er zeitgemäß in eine Jeans-Hose und ein legeres Hemd gekleidet. Er kann per Handy mit Gott telefonieren, um das Spiel abzuspeichern. In all den bunten, verstörenden Welten, durch die ihr als Enoch kommen werdet, stellt Lucifel eine der wenigen Konstanten dar und sein cooles "Hallo, ich bin’s wieder" wird euch des Öfteren nach einer nervenaufreibenden Hüpfeinlage einen Seufzer der Erleichterung entlocken. Kleine Anekdote am Rande: In Japan feiert die "Jeans zum Spiel" Internet-Berichten zufolge große Verkaufserfolge...

Lucifel lässt uns nicht im Regen stehen: Er steht in direkter Handy-Verbindung mit Gott und speichert das Spiel für uns ab.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 19 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.