Eiyuden Chronicle - Rising

Eiyuden Chronicle - Rising Test+

Baumeister-Action ohne Substanz

Hagen Gehritz / 12. Mai 2022 - 14:42 — vor 3 Tagen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4PS5SwitchXOneXbox X
Action-RPG
505 Games
10.05.2022
Link

Teaser

Das Spin-off soll euch auf das klassische JRPG Eiyuden - Hundred Heroes einstimmen. Trotz charmanter Seiten taugt das Action-RPG nicht als Appetitanreger.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Eiyuden Chronicle - Hundred Heroes war das erfolgreichste Kickstarter-Projekt im Games-Sektor aus dem Jahr 2020 und wird leitend von ehemaligen Konami-Mitarbeitern entwickelt, die an den Suikoden- und Castlevania-Reihen mitgewirkt haben. Hundred Heroes wird ein klassisches JRPG, das wenig überraschend deutliche Anleihen an Suikoden zeigt. Wer schon vor dem für 2023 geplanten Release von Hundred Heroes in die Welt des Spiels hinein schnuppern will, der kann das nun mit dem Action-Spin-off Eiyuden Chronicle - Rising tun.

Rising wurde als Stretchgoal bei der Kickstarter-Kampagne finanziert und stammt nicht von denselben Entwicklern wie Hundred Heroes, sondern vom Studio Natsume Atari. Die Handlung ist dabei vor dem Hauptspiel angesiedelt, bringt euch aber einige der später rekrutierbaren Helden näher – auch sollen sich gewisse Items später ins Hauptspiel übertragen lassen.

Ihr spielt die junge Abenteurerin CJ, die ein riesiges Artefakt in den Runenhügeln bergen will, um sich in den Augen ihres Schatzjäger-Klans zu beweisen. Allerdings haben die Bewohner des Dorfes am Fuße der Hügel so langsam die Nase voll von all den Abenteurern. Damit CJ eine offizielle Erlaubnis zur Schatzjagd bekommt, muss sie auf Geheiß der Bürgermeisterin den Anwohnern helfen und so trägt sie dazu bei, dass der von einem Erdbeben verwüstete Ort wieder zu altem Glanz findet. Das klang für mich nach den Grundzutaten zu einem motivierenden Gameplay-Loop, in dem ich mit meinen Abenteuern nebenher etwas im zentralen Hub der Spielwelt bewirke. In der Umsetzung gerät das Konzept jedoch ins Stolpern.
Die Bosskämpfe machen besonders später Spaß, wenn eure Party gewachsen ist und ihr besondere Angriffe verketten könnt. Auch die großen Fieslinge respawnen und sind in späteren Quests wieder euer Ziel – teils haben sie dann aber neue Tricks gelernt.
 

 Stempeln gehen

Helft ihr Bewohnern, erhaltet ihr Stempel. Eine gefüllte Stempelkarte macht die Stadt belebter und schaltet fortgeschrittene Kombos frei. Dazu könnt ihr Stempel gegen Items tauschen. Wichtiger als reguläre Questgeber sind dabei die Ladenbesitzer, die ihre Shops auf- und ausbauen, wenn ihr ihnen in den umliegenden Wäldern, Schneebergen und den Runenhügeln Materialien besorgt. Ihr habt jedoch keinen Einfluss darauf, wo die Gebäude gebaut und wie sie gestaltet werden. Die gesuchten Ressourcen schlagt ihr im Vorbeigehen mit der Waffe aus Bäumen und Felsen, sobald ihr das entsprechende Werkzeug wie Spitzhacke angeschafft habt. Daneben verlieren Monster verwertbare Teile ihrer Körper, von denen sie sich dank eurer schlagkräftigen Argumente trennen. Anfangs sind die Kämpfe sehr stumpf, das bessert sich später. Zum einen, wenn ihr Materialien investiert, um neue Manöver für CJ und ihre Mitstreiter freizuschalten.

Zum anderen bringen die im Laufe der Story dazu gewonnenen Party-Mitglieder mehr Angriffs-Möglichkeiten. Das Besondere: Ihr wechselt durch die Angriffs-Knöpfe fließend zwischen den Charakteren. Leichte Attacken kommen von CJ, beim Auslösen schwerer Attacken springt sie weg und Känguru-Krieger Garoo mit seinem Großschwert erscheint und Fernattacken rufen (nach rund fünf bis sechs Stunden) Magierin Isha auf den Plan. Durch gut getimte Wechsel der Angriffsarten entfesselt ihr dabei besonders effektive Attacken. Magische Barrieren knackt ihr auch nur mit Zaubern, während Garoo gegnerische Schilde zertrümmert.

Eure Heldinnen und Helden steigen nicht nur im Level und verbessern beim Schmied die Werte ihrer (nicht austauschbaren) Ausrüstung auf, ihr legt ihnen Accessoires für Boni an und stellt Runen her, die ihre Angriffe mit Elementen aufladen oder Elementar-Schutz gewähren. Wenn ihr ab und zu Heiltränke aufstockt und Waffen sowie Rüstung verbessert, werden euch die Gegner in Eiyuden Chronicle - Rising schwerlich ins Schwitzen bringen. Andere Schwierigkeitsgrade stehen nicht zur Wahl.
Ein sympathisches Detail: Erhöht ihr die Sterne-Wertung eurer Waffe, habt ihr die Gelegenheit, ihr aus vorgefertigten Begriffen einen Namen zusammenzuschustern.


Viele Menüs, wenig Highlights

Ab und zu müsst ihr für einen Auftrag auch nur mit anderen NPCs reden und so kleine Alltagsgeschichten erleben (trotzdem bringen die teils mehr Geld und Erfahrung als ein Bosskampf). Allgemein haben einige Questgeber nette Marotten und die Streitigkeiten zwischen der herzensguten, aber kindischen CJ, dem nörgelnden Söldner Garoo und der raffgierigen Bürgermeisterin Isha sind durchaus charmant. Dennoch lässt sich Eiyuden Chronicle - Rising Stunden Zeit, bis sich die überschaubare Anzahl an Gebieten stärker öffnet und auch der zwingende Aufbau der grundlegenden Shops in den ersten fünf Stunden sorgt für ein Pacing mit angezogener Handbremse.

Außerdem ist die Progression durch die zahlreichen Shops in diversen Straßen mit einigen Laufwegen verbunden, zumal in der Switch-Fassung trotz eher matschiger Texturen die Ladezeiten beim Wechsel von Bildschirmen einen Tick zu lang ausfallen. Die Sache ist aber: Auch dadurch, dass ich dauernd durch die Straßen gehe, wird der Ort nicht glaubhafter. Dafür gestaltet sich die Quest-Routine zu mechanisch. Ständig erfülle ich simpelste Fetch-Quests, während die übergreifende Story auf der Stelle tritt. Und dafür geht es wieder und wieder in bekannte Gebiete. Gut, bei der Wiederkehr kann ich durch neue Kräfte weiter kommen, aber es ist nicht sehr stimmungsvoll, wenn derselbe Boss mit höherem Leven wieder an der gleichen Stelle erscheint oder derselbe wiederkehrende Felsen nun besseres Erz verliert, nur weil ich meine Spitzhacke verbessert habe.

In vielen Menüs gebe ich die sauer verdienten Ressourcen aus, um stärker zu werden und Gegner noch einfacher aus den Latschen zu hauen. Aber da ich die ganzen Systeme durch die Einfachheit nicht brauche, ist die Stärkung der Party (abseits der Freischaltung neuer Moves) fast so sehr stumpfes Abarbeiten von Listen, wie das Erfüllen der Quest-Ziele à la "Sammle 10 Steine". Die Action fließt vor sich hin, dank vieler Schnellreisepunkte wird die Ressourcensuche nie allzu mühselig, die Levels wachsen mit jedem Besuch und der Ort ändert sein Gesicht. Was dabei aber fehlt sind Highlights oder Überraschungen beim Erkunden abseits der nicht allzu häufig stattfindenden Bosskämpfe.

Autor: Hagen Gehritz (GamersGlobal)
 
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Meinung: Hagen Gehritz

Das Konzept von Eiyuden Chronicle, mit der Beute aus den eigenen Abenteuern den zentralen Hub wieder aufzubauen, fand ich spannend. Es hat mir gefallen, wie sich das Örtchen und andere Schauplätze mit der Zeit durch meine Hilfe wieder mit Leben füllen. Doch das Action-RPG lässt einiges Potential liegen.
 
Das Pacing ist gerade in den ersten vier bis fünf Stunden zäh: Ständig heißt es, nun geht das Abenteuer wirklich los, doch wenige Schritte im neuen Gebiet gibt es ein neues Hindernis und Teil der Lösung ist schon wieder die Beschaffung von Materialien zur Errichtung eines weiteres Shops. In den Story-Sequenzen gefielen mir die lustigen Dialoge zwischen den charmanten Party-Mitgliedern. Doch ansonsten wirkt der Kreislauf aus Beute aus Monstern und Umgebung prügeln, um dann damit meine Werte frisieren, zu seelenlos. Das liegt auch daran, dass ich fast nur Fetch-Quests erfülle. Statt als Held Abenteuer zu erleben und mit seltener Beute die Wirtschaft anzukurbeln, bin ich eher ein Lieferant, der mit diversen Einkaufszetteln in der Hosentasche immer wieder dieselben Gebiete abgrast (auch wenn diese sich schrittweise erweitern). 
 
Die verzweigten Areale belohnen Erkundung mit Truhen, aber was ich nicht gefunden habe, sind echte Highlights und durch die hakelige Bedienung und fehlenden Flow haut auch die Action nicht so rein, wie sie es könnte. Auch wenn mir Eiyuden Chroncile - Rising durch seine charmanten Seiten einigen Spaß gemacht hat und die Action kurzweilig ist, hinterlässt es so letztlich keinen großen Eindruck. 
Eiyuden Chronicle - Rising Switch
Einstieg/Bedienung
  • Systeme werden nach und nach eingeführt
  • Optional Figuren-Wechsel per dediziertem Knopf statt Verknüpfung von Figuren mit bestimmten Angriffen
  • Viele Schnellreise- und Speicherpunkte
  • Hakelige Steuerung, besonders bei Sprüngen
  • Auch nach fünf Stunden kommt die Geschichte durch all die Tutorials noch nicht recht in Gang
  • Kein freies Speichern und kein Continue bei Game Over
Spieltiefe/Balance
  • Zentraler Hub ändert sich merklich durch Erfüllung der Quests
  • Verketten der Angriffe mit Party spaßig
  • Gebiete erweitern sich mit Freischaltung neuer Fähigkeiten
  • Später spaßige Bosse
  • Charmante Party
  • Gameplay-Loop setzt nur auf Ansammeln von Ressourcen über Fetch-Quests
  • Viele Features, aber letztlich wenig spielmechanischer Tiefgang
  • Dungeon-Design ohne Highlights
  • Tendentiell zu anspruchslos
  • Geringe Vielfalt an Umgebungen und Gegnertypen
Grafik/Technik
  • Sympathischer 2,5D-Grafikstil
  • Matschtexturen und grobe Sprites
  • Etwas zu lange Ladezeiten beim Bildschirmwechsel
Sound/Sprache
  • Soundtrack mit vielen beschwingten, aber nicht zu aufdringlichen Stücken
  • Gute deutsche Übersetzung
  • Keine Vertonung
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
6.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Keine Besonderheit
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start


 
Hagen Gehritz 12. Mai 2022 - 14:42 — vor 3 Tagen aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 95847 - 12. Mai 2022 - 14:24 #

Viel Spaß mit dem Test!

Olphas 25 Platin-Gamer - - 62186 - 12. Mai 2022 - 15:19 #

Auf Hundred Heroes freue ich mich wirklich sehr. Da bin ich auch direkt auf den Kickstarter-Zug aufgesprungen, obwohl ich da mittlerweile sonst eigentlich gar nicht mehr aktiv bin. Aber ich glaub das hier brauch ich nicht.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 88760 - 12. Mai 2022 - 17:40 #

Das Spiel ist eine einzige Fetch Quest. Da stimme ich zu.
Es entwickelt aber meiner Meinung nach trotzdem den typischen
"Komm, einen machen wir noch" Sog.
Matschgrafik hab ich nicht zu Gesicht bekommen, oder gilt das nur für Switch? Was du an den Sprüngen hakelig findest erschließt sich mir nicht. Ich empfinde sie keinesfalls so.
Nach meiner bisherigen Zeit tendiere ich eher zu 7,5.
Allerdings mag ich solches Spielprinzip auch. Es entspannt mich. :)
Und ich bin ein ausgehungerter Suikoden Fan. Bin sehr gespannt wie sich das Spiel auf 100 Heroes auswirkt.

Sven Gellersen 23 Langzeituser - - 41637 - 12. Mai 2022 - 18:29 #

Ach, das Spiel wirkt auf mich charmant genug, dass ich es mir trotzdem anschauen werde. Auf Hundred Heroes freue ich mich auch schon.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 21712 - 14. Mai 2022 - 23:34 #

Mal ne Frage zu den mir wiederholt aufgefallenen monierten "Matschtexturen":
Was wird denn da bei der Switch als Referenzspiel betrachtet, also im Sinne von Positivbeispiel?

Hagen Gehritz Redakteur - P - 95847 - 15. Mai 2022 - 11:00 #

Zum Beispiel Super Mario Odyssey oder Crysis.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 21712 - 15. Mai 2022 - 12:23 #

Danke dir. Bei der allgemeinen Grafikqualität der Switch habe ich da noch nie richtig auf solche Unterschiede geachtet.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 88760 - 15. Mai 2022 - 12:58 #

Auf der Switch fällt das imo ohnehin nur am TV auf.

Desotho 17 Shapeshifter - P - 7427 - 15. Mai 2022 - 13:47 #

Auch wenn es im Grunde ein Haufen Fetch-Quests sind - mir gefällt es bisher nach 10 Stunden Spielzeit sehr gut. Das Kämpfen und sammeln macht Spaß, der Grafikstil gefällt mir sehr gut.

Chris_R76 09 Triple-Talent - P - 250 - 16. Mai 2022 - 7:55 #

Die Wertung mit 6.0 finde ich passend. Es ist tatsächlich eine Fetch-Quest Sammlung und das Questdesign nervt teilweise sehr. Person A steht in der Stadt herum und bittet Dich, mit Person B, die ebenfalls in der Stadt herumsteht zu reden. Nachdem man das getan hat, berichtet man Person A über das Gespräch und die Quest ist erledigt. Das ist ärgerlich und nicht besser als ein 0815-Mobile Game. So habe ich sicherlich schon 5-10 Stempel erhalten. Insgesamt bin ich jetzt bei knapp 50 Stempeln und lege das Spiel auch erstmal wieder zur Seite. Ich habe etwa 7 Stunden gespielt und mehr muss es wohl auch für mich nicht sein.

Es ist allerdings trotz der schwachen Quests irgendwie motivierend, die Stadt aufzubauen und ich freue mich jedes Mal, wenn wieder ein neues Gebäude entsteht. Da die Quests meist sehr kurz sind, eignet sich das Spiel gut, um mal eben 10 Minuten zu spielen, wenn man eigentlich gar keine Zeit hat. Die Präsentation des Spiels mag ich auch.

Das Spiel ist für mich auch ein gutes Beispiel dafür, dass der Xbox Game Pass toll ist, um neue Spiele zu entdecken. Gekauft hätte ich das Spiel sicherlich nicht.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 95847 - 16. Mai 2022 - 8:31 #

Was an diesen "Rede mit X"-Quests auch so faul ist: Oft genug beginnt es mit "Hast du X gesehen, ich kann sie nicht finden" und sie stehen IMMER da, wo sie auch sonst sind, z. B. in ihrem Laden, der normal geöffnet hat.

Aber zeigt: Ein mittelprächtiges Spiel kann zur richtigen Zeit Spaß machen.