Test: Schnetzeln für die Legion

Dungeon Siege 3 Test

Mit Dungeon Siege 3 wird die von Chris Taylor begründete Spiele-Serie nach fast sechs Jahren endlich fortgesetzt. Verantwortlich zeichnet Obsidian Entertainment, die dem Action-Rollenspiel ein neues Kampfsystem verpasst und eine ordentliche Portion Story hinzugegeben haben. Hat Teil 3 noch etwas mit den beliebten Vorgängern zu tun?
Rechen 19. Juni 2011 - 0:33 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Als Dungeon Siege herauskam, war es so etwas wie das Anti-Diablo: Zwar klar von diesem inspiriert, aber doch ganz anders in der Machart: Echtes 3D, viel Augenmerk auf Komfortfunktionen und kein Level-System, sondern sich durch Benutzung steigernde Skills. Nachfolger Dungeon Siege 2, wie Teil 1 von Chris Taylors Gas Powered Games geschaffen, übertrieb es dann 2005 mit der Vereinfachung: Das Action-Rollenspiel schien sich über weite Strecken fast schon selbst zu spielen, noch nie war man leichter überzähligen Loot los geworden, et cetera. Dennoch verkaufte sich auch Teil 2 sehr gut, beide Spiele wurden gerne gemoddet, so basiert das Fan-Remake Ultima 5 Lazarus Project auf der Engine von Dungeon Siege 1. Als dann 2010 Teil 3 angekündigt wurde, war allerdings plötzlich Obsidian das Entwicklerstudio, Chris Taylor hatte eigenen Angaben nach nur noch eine "Beraterrolle" inne, und diese wohl auch nur anfänglich.

Aber nicht nur wegen diesem Entwicklerwechsel ist Dungeon Siege 3 eher als eigenständiges Spiel zu sehen, und nicht als Fortsetzung. Zeitlich spielt es nämlich deutlich später als Teil 1 und 2. So stehen euch als Waffen, neben Degen und Schwertern, auch Flinten und Pistolen zur Verfügung. Während eures rund zwölf Stunden langen Abenteuers stoßt ihr außerdem auf Kanonen und Automatoiden (Roboter). Außerdem spielt sich Dungeon Siege 3 auch anders als die beiden Vorgänger, was vor allem am flotten, intensiveren Kampfsystem liegt.
 
Jeyne Kassynder ist böse
 
Die Rahmenhandlung von Dungeon Siege 3 ist schnell erzählt: Die böse Jeyne Kassynder hat vor 30 Jahren fast alle Mitglieder der 10. Legion getötet und ist seitdem auf der Jagd nach den verstreuten Resten des Kriegerordens. Ihr seid einer der Nachfahren eines jener Legionäre und wurdet von Odo, der dem Massaker entkommen konnte, beschützt und in Sicherheit gebracht. Jetzt ist es an der Zeit, die Legion wieder aufleben zu lassen. Odo ruft alle lebenden Nachfahren der Legionäre zusammen. Als Treffpunkt dient ein altes Versammlungshaus. Doch oh weh: Jeyne Kassynders Schergen haben schon zugeschlagen, als ihr dort ankommt. Bis auf einige wenige Legionsnachkommen sind alle tot. Wir dürsten nach Rache und stürzen uns ins Abenteuer.
 
Anders als in den Vorgängern entscheidet ihr euch zu Beginn des Spiels für einen von vier Charakteren. Da wäre zum einen Lucas Montbarron, der Sohn des ermordeten Großmeisters, der mit dem Schwert in die Schlacht zieht und sich als klassischer Nahkämpfer spielt. Seine Halbschwester Katarina greift auf Pistolen und Flinten zurück, Reinhart Manx ist der Zauberer im Bunde. Und dann ist da noch Anjali, die zu den geheimnisvollen Archon gehört (siehe große Grafik oben). Auf Wunsch verwandelt sie sich in ein Flammenwesen und ruft zur Unterstützung ein feuriges „Pet“ herbei. Je nachdem, für wen ihr euch entscheidet, bekommt ihr leicht unterschiedliche Anfangssequenzen zu sehen, und manche Dialoge laufen etwas anders ab. Am Handlungsverlauf oder an den Enden ändert sich durch die Charakterwahl nichts.

Die anderen drei Charaktere begegnen euch einfach nach und nach im weiteren Spielverlauf. Einen von ihnen dürft ihr jeweils als Begleiter mitnehmen, der euch im Kampf unterstützt. Euren Kompanion kann dank Koop-Modus auch ein menschlicher Mitspieler übernehmen, was die Sache etwas leichter, besser zu koordinieren und lustiger macht, als mit der (ganz passablen) KI als Hirn eures Kompagnons. Das gilt allerdings für jeden Koop-Modus dieser Welt, der technisch funktioniert. Der Koop-Modus funktioniert übrigens auch an ein und demselben PC.
 
Zusammen mit Katarina mischen wir einen Haufen Lescanzi-Söldner auf, wobei wir der Übersicht wegen weit wegzoomen.

Kämpfe mit Pepp
Später halten auch böse Archon als Gegner her.
Die größte Stärke von Dungeon Siege 3 ist das runderneuerte Kampfsystem, das mit dem Gamepad flott von der Hand geht. Von der Maus- und Tastatursteuerung raten wir euch hingegen ab! Durch die hohe Anzahl an Tasten und Kombinationen ist diese überladen und wenig intuitiv. Wir haben deshalb auch am PC mit Gamepad gespielt. Normale Standardattacken führt ihr mit A aus. Mit jedem Treffer füllt sich dabei eure Mana-Leiste ein wenig auf. Spezialschläge (getriggert durch X, Y oder B) verbrauchen wiederum Mana, richten dafür aber jede Menge Schaden an. Lucas etwa pflügt durch Drücken des X-Buttons mit Wucht durch die gegnerischen Horden und fügt dabei allem, was ihm im Weg steht, Schmerzen zu. Die Mana-Leiste füllt sich in den Kämpfen so schnell auf, dass wir
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andauernd Spezialattacken ausführen, diese aber dennoch mit Bedacht einsetzen müssen. Dafür sorgen die blutrünstigen Gegnerhorden. Mit LT weichen wir aus und entkommen so feindlichen Hieben.
 
Neben Mana verfügen wir auch noch über Fokusenergie, durch deren Einsatz wir uns entweder heilen oder unsere Attacken noch weiter verstärken. Mana- und Heiltränke gibt es übrigens nicht, stattdessen sammeln wir von Gegnern fallen gelassene Heil- oder Manakugeln ein. Wie es sich für ein Action-Rollenspiel gehört, erbeuten wir in einem fort Items. Davon gibt es auch sehr viele. Schade ist hingegen, dass sie sich optisch wenig unterscheiden. Negativ aufgefallen ist uns das vor allem bei den Rüstungen, die sich fast alle sehr ähnlich sehen. Überschüssige Gegenstände verwandelt ihr entweder direkt in eurem Inventar in Gold, oder ihr verkauft sie bei Händlern. Dort darf auch neue Ausrüstung erworben werden. Meistens findet ihr jedoch auch so genügend brauchbares Rüstzeug, beim Händler werdet ihr also kaum Gegenstände erstehen. In der Folge türmen sich in unserem Inventar wahre Goldberge – ohne dass wir die sinnvoll einsetzen können. 
Im Montbarron-Anwesen rücken wir zu Spielbeginn einigen Schergen mit Zauberer Reinhart Manx zu Leibe.
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