Test: Überraschend gut!

Duke Nukem Forever Test

Wer hätte es nach einer 14 Jahre dauernden Odyssee gedacht? Das auf der E3 1997 erstmals per Trailer vorgestellte Actionspiel, die berühmteste "Vaporware" der Spielegeschichte, steht seit heute tatsächlich im Laden. Und bringt euch das, was ihr erwartet habt: derbe Sprüche, halbnackte Frauen und Old-School-Action. Let's rock!
Christoph Licht 10. Juni 2011 - 9:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots sind von uns selbst erstellt.

14 Jahre sind für Computerspiele-Verhältnisse eine verdammt lange Zeit. Rollenspiele sahen damals noch aus wie Rollenspiele, Casual Games fristeten ein wohlverdientes Dasein als Ladenhüter, und weit und breit machte kein F2P-Browserspiel aus Gamern schlichte Variablen-Inkrementierer. Auch Schießbuden-Militärshooter à la Modern Warfare 2 waren damals noch nicht erfunden. Auf der E3 1997 stand vielmehr alles im Zeichen von 3D-Actionspielen wie Half-Life, Unreal oder Jedi Knight - Dark Forces 2. Außerdem zum ersten Mal auf dem Showfloor, damals in Atlanta, zu sehen: Daikatana, Prey und... Duke Nukem Forever. Drei Spiele mit einem gemeinsamen Nenner: einer turbulenten Entwicklungsgeschichte mit massenhaft Verzögerungen. Als erstes schaffte es anno 2000 Daikatana in den Handel. Prey gelangte erst 2006 in die Hände der Spieler. Doch auf keinen Titel mussten die Fans bisher solange warten, wie auf Duke Nukem Forever: volle 14 Jahre.

Möglich wurde das, weil nach der Pleite von 3D Realms die Ausputzer von Gearbox das nahmen, was es vom Spiel gab, und das hinzufügten, was ihm noch fehlte. Multiplayer. Ein Ende. Solche Kleinigkeiten. Nun steht Duke Nukem Forever im Laden und bietet alles, was den Vorgänger Duke Nukem 3D groß machte. Da wären markige Macho-Einzeiler, derber Schenkelklopf-Humor und viele leicht bekleidete Frauen auf der einen Seite. Aber eben auch abwechslungsreiche Levels voller Spielereien und lustiger Ideen auf der anderen. Aber reicht das in einer Zeit, in der Adrenalin-Shooter wie Call of Duty - Black Ops die Charts anführen, noch aus? Wir haben die Sonnenbrille aufgesetzt (aber nicht die rosarote!) und zum zweiten Mal den Zykloid Imperator besiegt. Und eine ganze Alien-Invasionsarmee. Für unsere werten Leser erötern wir die Frage: Ist der neue Duke nur ein rheumatischer Schatten des Vorgängers, oder hat er immer noch "Balls of Steel"?

before
after
Rechts die gleiche Szene, aber grafisch (wenig überraschend) sehr stark aufgebohrt und wesentlich düsterer in Duke Nukem Forever. (PC)

Mini-Duke im Duke Burger

Wir befinden uns im Spielzimmer des nach uns benannten Duke Burgers, einem Fast-Food-Restaurant in Las Vegas. Neben uns ragen Arcade-Automaten meterhoch in den Himmel. Durch die Augen des miniaturisierten Dukes blickend, sehen wir in der Ferne einen ehemaligen Restaurantgast liegen, an dem ein Schwarm Ratten knabbert. Wir eröffnen mit dem Ripper, einem schnell feuernden Sturmgewehr, das Feuer. Stupide stürmen die Viecher, die uns bis zum Bauch reichen, auf uns zu und in den Tod.

Wir haben eine Meute Ratten beim Essen gestört.
Ein Einzeiler später ist die Luft rein, und wir gehen auf die Tür hinter dem leblosen Körper zu. Ein großer Fehler: Die Tür fliegt über uns hinweg und mehrere -- in unserem geschrumpften Zustand haushohe -- Assault Trooper eröffnen das Feuer auf uns. Zeit, die Taktik zu wechseln: Im hinteren Teil des Raums haben wir ein paar Pfützen mit grüner Flüssigkeit gesehen. Wir locken die Trooper dorthin, sodass sie in die Flüssigkeit treten. Vor unseren Augen schrumpfen sie zusammen -- nun können wir ihnen auf Augenhöhe gegenübertreten. Doch selbst jetzt noch stellen die Aliens mit ihren Laserblastern eine ernste Gefahr dar. Wir zücken die Schrotflinte, werfen schnell ein Bier ein (das verringert den erlittenen Schaden) und stürzen uns ins Getümmel. Nacheinander gehen sie zu Boden und wir können unseren Weg fortsetzen. Doch unser Abenteuer als Mini-Duke ist noch nicht vorüber...

Das kommt euch ein wenig bekannt vor? Dann habt ihr vermutlich Duke Nukem 3D gespielt, den immens erfolgreichen und bei uns indizierten Vorgänger von Duke Nukem Forever. Bereits 1996 konntet ihr die Welt von unten sehen, damals aber noch unfreiwillig, wenn euch ein Gegner mit dem Schrumpfstrahler getroffen hatte. Im Nachfolger bestreitet ihr hingegen ganze Levels, ähnlich den Rat Maps bei Counter-Strike, nur aus dieser Perspektive. Doch das ist nicht die einzige ungewöhnliche Idee, die euch neben viel Altbekanntem in den rund 10 bis 12 Stunden Spielzeit erwarten.

Die Gegner? Alte Bekannte!

Die Kämpfe gegen die Standard-Aliens sind relativ simpel gehalten und kommen wie vor 15 Jahren ohne viel Schnickschnack aus. Immer in Bewegung bleiben, seitwärts laufen und das Fadenkreuz auf das Ziel halten. Doch eure Widersacher sind wesentlich intelligenter als damals. Sie weichen unseren Geschossen aus, suchen selbständig Deckung, fallen uns in die Flanke und schleudern, im Falle des Octobrain, unsere Raketen sogar zurück. Sowohl bei Standardgegnern (wenn sie euch zu nahe kommen) sowie in Bosskämpfen müsst ihr ab und zu Quick Time Events überstehen.

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Die vier Schwierigkeitsgrade (der letzte muss erst freigeschaltet werden) unterscheiden sich allein dadurch, dass Gegner mehr Schaden verursachen und mehr aushalten. Selbst auf der mittleren Stufe hatten wir mitunter an dem ein oder anderen Kampf zu knabbern. Erfahrenen Shooter-Spielern empfehlen wir dennoch, sofort auf der Stufe "Schwer" zu starten.

Die meiste Zeit kämpft ihr nur gegen Pigcops, Assault Trooper und Assault Captains. Letztere können nicht nur einen Jetpack tragen, sondern sich auch überall hin teleportieren. Die Pigcops, eines der Markenzeichen der Serie, tragen wechselnde Bewaffnung, besitzen einen fiesen Sprungangriff und verfallen in einen Berserkermodus, wenn sie fast tot sind. Später kommen noch die Enforcer als Standardgegner hinzu. Trotz der mangelnden Gegnervielfalt bleiben die Kämpfe immer interessant und aufgrund ihrer Zahl auch stets herausfordernd. Das klare Highlight von Duke Nukem Forever sind jedoch das halbe Dutzend Bosskämpfe, die ansehnlich in Szene gesetzt sind. Wenn plötzlich eine riesige Kanone vom Himmel fällt und sich sogleich ein Battlelord aus der Schlucht hochzieht, rücken wir unwillkürlich ein Stück vom Monitor weg.

Rundreise durch Las Vegas

In Duke Nukem Forever lauft und fahrt ihr durch die unterschiedlichsten Umgebungen. Wir stellen euch sechs Stück (spoilerfrei) vor: 1 Bereits zu Beginn macht ihr einen Ausflug als Mini-Duke im Casino. 2 Es folgt eine Straßenschlacht durch die Gassen von Las Vegas. 3 Später wird es eklig, dann seid ihr in einer bereits voll infizierten Umgebung unterwegs. 4 Duke Nukems Titty City -- mehr brauchen wir nicht zu sagen. 5 Euer Ausflug durch den Duke Burger, findet erneut in Miniaturform statt. 6 Mit dem Truck rast ihr durch die Wüste Nevadas Richtung Hoverdamm.

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