Test: Was 23 Jahre vorher war

Drakensang: Am Fluss der Zeit Test

Knapp eineinhalb Jahre sind erst vergangen, seit Radon Labs mit Drakensang die Welt des Schwarzen Auges erfolgreich reanimierte. Ganz anders in Aventurien, wo zwischen Teil 1 und 2 stolze 23 Jahre liegen. Allerdings spielt Teil 2 vor Teil 1. Wir haben uns auf die Zeitreise gewagt und das Rätsel um die mysteriöse Raulskrone gelöst.
Mick Schnelle 15. Februar 2010 - 21:15 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
Drakensang - Am Fluss der Zeit ab 3,29 € bei Amazon.de kaufen.
Dunkelheit liegt über einer schummrigen Gasse. Das Mondlicht leuchtet silbern, in der Ferne bellt ein Hund. Ansonsten ist es still – wenn wir das angstvolle Meckern einer Ziege ignorieren, die angepflockt mitten auf dem Weg steht. Ob das arme Tier ahnt, dass es nur ein Lockvogel ist? Wohl kaum, dafür warten wir mit unserer Heldentruppe gebannt hinter einem Kistenstapel darauf, dass das Böse auftaucht. Noch immer ist nichts zu hören, doch ganz leise bauen die Geigen des Soundtrack-Orchesters Spannung auf. Und dann, ganz plötzlich, passiert es! Gerade noch haben wir uns beim Kommandanten der Nachtwache rückversichert, da stürmt eine dunkle Gestalt auf das arme Zicklein zu. Mit fletschenden Zähnen stürzt sich das Unwesen auf das Tier – der Werwolf ist endlich aufgetaucht! Jetzt heißt es Klingen ziehen, Zauber bereitmachen und die Pfeile auf den Bogen legen. Denn schon entbrennt ein wilder Kampf mit der Bestie. Der Sieg scheint nahe, doch das Untier flieht... und die Wachleute rennen hinterher. Ehrensache, dass unsere Party da nicht zurückstehen kann, und der Bestie ebenfalls nacheilt. Doch bis zum schröcklichen Finale im örtlichen Praiostempel ist es noch ein Stück. Das merken wir auch am eigenen Leibe, als uns plötzlich klar wird, dass das Untier unsere Helden seinereits in einen Hinterhalt gelockt hat. Möge Praios uns beistehen...

Vom Azubi zum Helden

Zwerg Forgrimm und Dieb Cuano (links und Mitte) sind noch aus dem ersten Teil bekannt. Ardo, der Strahlemann aus besserem Hause, war zu dem Zeitpunkt schon tot.
Keine Frage, wer sich im neuen Drakensang-Spiel auf den Fluss der Zeit wagt, hat hinterher einiges zu erzählen. Das neue DSA-Rollenspiel von Radon Labs steckt voller spannender Geschichten und Missionen, wie der oben beschriebenen. Dabei gehört die nicht mal zur Haupthandlung, sondern ist nur eine der optionalen Nebenquests, die man auch leicht übersehen kann. Anders als im Vorgänger gibt es deutlich weniger langweilige Hole- und Bringequests. Das merkt ihr schon gleich zu Beginn eures Abenteuers, das auf einem mickrigen Boot am Großen Fluss beginnt. Als noch unerfahrener Recke seid ihr eigentlich auf der Fahrt nach Nadoret, wo ihr eure Ausbildung zum Kämpfer oder Magier (je nachdem, für welche Richtung ihr euch zuvor entschieden habt) absolvieren müsst.

Doch  bei einem letzten Halt geraten die Dinge ein klein wenig durcheinander. Das beginnt schon beim vermeintlich romantischen Spaziergang mit einer niedlichen Jungmatrosin, in deren Verlauf ihr nicht nur den Flussvater verärgert, sondern auch auf die ersten Monster trefft. Zudem macht ihr die Bekanntschaft von drei merkwürdigen Fremden, die offensichtlich Geheimnisse vor allen anderen haben. Und dann ist da noch der nächtliche Überfall, in dessen Verlauf ihr eins übergebraten bekommt und … doch nein, allzuviel wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Ehe ihr euch verseht, seid ihr ganz tief in Intrigen und Verrat verstrickt, trefft auf Geheimagenten, Piraten, korrupte Kommandeure und einen geheimnisvollen Magier mit dem Namen Kaltenstein.

Hardcore-DSA

Wer die sehr empfehlenswerte Demo gespielt hat, weiß, wie geschickt die Radon-Labs-Jungs den Spieler in die atmosphärisch dichte Handlung von Fluss der Zeit hineinziehen und ihm so ganz nebenbei die Grundelemente des Spiels beibringen. Schon nach spätestens fünf Minuten erlebt ihr euren ersten Kampf, eingeblendete Tutorialboxen erklären dabei das Wichtigste; Drakensang-Veteranen wissen's schon.

Die Gefechte laufen in Echtzeit ab. Ihr könnt aber jederzeit pausieren und eurem Helden (im späteren Verlauf werden es bis zu drei mehr) Befehle erteilen, um etwa Spezialattacken auszuführen oder Zauber zu beschwören. Nach wie vor gilt es dabei einige DSA-spezifische Dinge zu beachten. Etwa, dass Heilpunkte nicht allein über die Gesundheit entscheiden. Die füllen sich automatisch wieder auf. Wer aber Wunden erleidet oder sich vergiftet, braucht Heilverbände oder einen Gegenzauber. Ob diese Maßnahmen vom Erfolg gekrönt sind, entscheidet wie bei der Papiervorlage ein Würfelwurf auf den betreffenden Charakterwert.

Klingt kompliziert, ist es im Prinzip aber nicht, schließlich kümmert sich der PC darum, alle DSA-Regeln der 4. Edition einzuhalten. Im Hinterkopf solltet ihr das Regelwerk aber schon haben. Spätestens, wenn es es um das Verteilen der Abenteuerpunkte geht, die eure Streiter fürs Erledigen von Quests oder das Meucheln von Gegnern erhalten. Denn Drakensang hält sich auch hierbei eng ans originale Regelwerk. Was bedeutet, dass es eine große Zahl von Charakter- und Eigenschaftswerten gibt, die ihr theoretisch aufleveln könnt. Und anders als bei den meisten computerbasierten Rollenspielen sind hier auch exotischere Werte wie Betörung, Wildniswissen oder Schleichen wichtig, wie wir noch im späteren Verlauf des Spiels sehen werden.

In dieser hohlen Gasse trifft unser tapferer Heldentrupp zum ersten Mal auf den mysteriösen Werwolf. Ein weniger tapferer Soldat weiter hinten ergreift sicherheitshalber schon mal die Flucht.

Kommentare nicht sichtbar (49)