Neuauflage für Anspruchsvolle

Dragon's Dogma: Dark Arisen Test

Im vergangenen Mai veröffentlichte Capcom mit Dragon's Dogma ein komplexes und anspruchsvolles Rollenspiel, das manch ein RPG-Fan bis dato nicht auf dem Plan hatte. Die Neuauflage Dark Arisen bieten neben dem umfangreichen Hauptspiel auch einen neuen, großen Dungeon, neue Bosse und ein paar kleinere Verbesserungen.
Benjamin Braun 22. April 2013 - 17:43 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

"Das ist doch dieses Koop-Rollenspiel von Capcom" fragte manch einer, wenn er den Namen Dragon's Dogma hörte. Denn auf Screenshots und in Videos wirkte das Fantasy-RPG wie ein auf den Mehrspieler-Modus ausgelegtes Spiel. Tatsächlich allerdings ist immer nur ein Spieler dafür verantwortlich, was in der Welt Gransys passiert. Überrascht waren einige Spieler aber nicht nur davon, sondern auch von der Tatsache, dass der Einstieg ins Abenteuer deutlich schwieriger ist als bei den meisten aktuellen Genrevertretern. Nun, ziemlich genau ein Jahr nach der Erstveröffentlichung, legt Capcom Dragon's Dogma mit dem Untertitel Dark Arisen in einer erweiterten Fassung neu auf. Nun könnt ihr nicht nur ein großes neues Gebiet erkunden, von neuen Feinden und gigantischen Bossen befreien, sondern – wenn euch das Hauptspiel nicht bereits zu schwierig war – euer Glück in einem Hardcore-Schwierigkeitsgrad versuchen. Welche Neuerungen es sonst noch in Dark Arisen geschafft haben und ob sich das Spiel für Kenner des Hauptspiels genauso lohnt wie für Einsteiger haben wir für euch herausgefunden.

Das grundsätzliche Spieldesign von Dragon's Dogma mit seinem Open-World-Ansatz und seinen hohen Einstiegshürden (vor allem, weil es keine vernünftige Einführung gibt) haben wir euch bereits vor einem Jahr in unserem Testbericht (GG-Test: 7.5) erläutert. Was neu und vielleicht besser ist in der Neuauflage – deren Zusatzinhalte es übrigens nicht einzeln zum Download gibt –, verraten euch die folgenden drei Seiten. Die wesentliche Neuerung ist ein neues Gebiet namens Bitterblack Island, außerdem erhält die Xbox-Version HD-Texturen, sodass sie laut Hersteller der PS3-Fassung gleicht. Und wem das Hauptspiel zu leicht war, darf sich mit Dark Arisen nun auch an einem Hardcore-Schwierigkeitsgrad versuchen. Der erhöht den erlittenen Schaden und den Ausdauerverbrauch nochmals deutlich, dafür winken aber auch mehr Gold und Erfahrungspunkte.

Nachts sind alle Katzen grau
Die Bosskämpfe sind sowohl wegen ihres optischen als auch ihres spielerischen Designs äußerst packend.
Es ist Nacht in Kassardis, jener Stadt am Meer, in der unser Held im Kampf gegen einen Drachen sein Herz verlor. Die Bewohner nennen uns nur den Erweckten, da wir auch ohne den pulsierenden Muskel in unserer Brust unter den Lebenden weilen. So richtig zielstrebig verfolgen wir die Spur des Drachen auf dem Kontinent Gransys allerdings nicht, sondern nehmen allerorts Aufträge an, um an Geld, Erfahrung und Ausrüstung zu kommen. Das ist aber auch bitter nötig, denn nur wer gestählt in die Schlacht zieht, hat eine Chance, am Ende siegreich zu sein. So und nicht anders ist es in jener Nacht, als wir in Kassardis auf Olra treffen.

Sie scheint zwar leibhaftig vor uns zu stehen, berichtet uns aber, dass sie ihrer menschlichen Hülle beraubt wurde. Wer genau sie ist und wer für ihr Schicksal verantwortlich ist, verrät sie uns nicht. Stattdessen bittet sie uns, mit ihr zur Bitterblack Island aufzubrechen, um ihren Peiniger zur Strecke zu bringen. Viel Überzeugungsarbeit leistet Olra also nicht, womit auch Dark Arisen der Linie des Hauptspiels folgt, dass die Story allenfalls Nebensache ist. Und da wir immer für eine gute Quest zu haben sind, willigen wir ein, um uns in der großen Festung der Insel mit allerlei Gesocks aus der Unterwelt anzulegen.

Du kommst hier nicht reinNach Bitterblack Island reisen solltet ihr allerdings nicht, bevor ihr euren Charakter ordentlich in Gransys, also dem riesigen, bereits aus dem Hauptspiel bekannten Teil der Spielwelt, aufgelevelt habt. Capcom empfiehlt, frühestens ab Stufe 50 zur Insel überzusetzen – und selbst dann kann es noch relativ haarig werden. Während Veteranen des Hauptspiels einfach ihren Charakter in Dark Arisen importieren, müssen Dragon's-Dogma-Einsteiger also zunächst 20 Stunden oder mehr in Gransys verbringen, bevor sie bereit sind. Das allerdings ist  auch überaus ratsam, denn Dragon's Dogma ist nicht gerade ein einsteigerfreundliches, selbsterklärendes Spiel. Es verrät euch nur das Allernötigste, und selbst das oft nur vage.
Zum Beispiel führt es euch nur relativ knapp in das sogenannte Vasallensystem ein.Vasallen, das sind eure Begleiter, die ihr teils direkt in der Spielwelt, vornehmlich aber über die Zwischenwelt-artige Rift anheuern könnt. Sie haben zum Zeitpunkt ihrer Verpflichtung grundsätzlich denselben Charakterlevel wie ihr, leveln aber in den Kämpfen für sich allein. Bis zu drei Vasallen könnt ihr an eurer Seite haben, wobei ihr nur zwei auswechseln dürft. Einer ist nämlich euer Hauptvasall, den ihr genauso wie eure eigene Spielfigur komplett selbst erstellt. So weit, so gut, doch alles andere müsst ihr euch selbst erarbeiten und euch so Stück für Stück in die Spielmechanik einarbeiten. Der Lohn für die Mühen ist das Gefühl, trotz all der Widrigkeiten die Prüfungen bestanden zu haben. Auch in Dark Arisen müsst ihr aber viel Geduld mitbringen, bis ihr diesen Punkt erreicht habt.



Lineare StrukturenWährend ihr euch mit eurem Helden und seinen Begleitern im Hauptspiel quasi frei durch die Spielwelt Gransys bewegen konntet, bietet die Insel Bitterblack einen komplett eigenen Bereich, der vorweigend den Charakter eines Dungeons mit Kanälen, engen Treppenhäusern und ähnlichem hat. Das Gebiet ist zudem deutlich linearer angelegt als das Hauptspiel, bietet aber dennoch immer wieder kleinere Nebenbereiche, in denen Feinde, Schätze und anderen Geheimnisse auf euch warten. Oft müsst ihr euch gar nicht mit Gegnern anlegen, sondern könnt auch einfach zum Ausgang weiterlaufen, der auf Bitterblack Island fast immer mit einer Zielmarkierung versehen ist. Besonders hilfreich ist die allerdings nicht immer, vor allem, wenn ihr in einem Treppenhaus unterwegs seid. Ob ihr gerade auf der richtigen Etage seid oder weiter nach unten oder doch wieder eine nach oben müsst, ist nicht zu erkennen. Zumindest könnt ihr euch, wenn ihr mal nicht weiterkommt oder dringend Nachschub braucht, mit bestimmten Inventarobjekten zum Eingang der Festung von Bitterblack teleportieren. Blöd, dass es keine Objekte gibt, mit denen ihr auch direkt wieder zurück an die erreichte Dungeonstelle gelangt! Zum Glück gibt es ein paar Abkürzungen, durch die die Reise z
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urück nicht ganz so lange dauert. Dennoch stellt sich uns die Frage, ob eine Art Stadtportal wie in Diablo 3 kein adäquates Mittel gewesen wäre. Aber Komfort wird eben nicht allzu groß geschrieben in Dragon's Dogma.

Immerhin geben euch die ständig vor sich hinquasselnden Vasallen öfters wichtige Hinweise. In einem finsteren Verlies etwa bekämpfen wir zunächst ein paar Magier, die uns von oben aus angreifen. In der Mitte des zylindrischen Raums steht ein gigantischer, an die Wand geketteter Oger. Klar, den müssen wir plattmachen, denken wir, schlagen munter auf seine Fußfesseln ein, woraufhin sich das erzürnte Biest losreißt. Unbesiegbar ist er zwar nicht, aber die dämlichen Vasallen machen es natürlich nicht wie wir, klettern also nicht nach oben und knallen dem Vieh Brandpfeile oder Magie vor den Latz. Vielmehr laufen sie unten rum und liegen innerhalb von Sekunden kampfunfähig am Boden. Aber gut, wir haben es auch nicht besser verdient! Hätten wir nämlich zugehört, wären die warnenden Worte unseres Hauptvasallen nicht im Nichts versiegt, der sinngemäß sagte: "Vielleicht tun wir gut daran, ihn in Ruhe zu lassen." Wohl wahr.
So gut wie jeder Gegner verlangt eine spezielle Taktik. Dieser Ritter streckt uns zum Beispiel ständig seinen Schild entgegen. Wir müssen also irgendwie hinter ihn kommen, um ihm überhaupt Schaden zufügen zu können.
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