Laufen, kämpfen, ärgern, siegen

Dragon’s Dogma Test

Eine Begegnung der anderen Art: Großer Drache, ebenso große Klaue, und eine unkonventionelle Organtransplantation. Wirre Ausgangssituation, zugegeben. Aber Dragon’s Dogma lockt noch mit einer riesigen Welt, dem Vasallensystem und dynamischen Kämpfen. Wir haben uns durch Gransys gekämpft und herausgefunden, was die Drachenjagd taugt.
Tim Gross 31. Mai 2012 - 10:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Wir erforschen eine dunkle Höhle, die Laterne wirft flackernde Schatten an die Wand. Unser namenloser Kamerad läuft vorweg und brabbelt etwas vor sich hin. Es geht weiter über eine wenig sicher wirkende Brücke und vorbei an spitzkantigen Felsen. Wir haben die karge Landschaft noch nicht ganz in uns aufgenommen, da werden wir seitlich von mystischen Flugwesen attackiert. Wild schlagen wir um uns, rammen unsere Klinge in die Feindeskörper, stets unterstützt durch unsere zaubernden und kämpfenden Begleiter. Nach dem Kampf herrscht Stille. Allerdings nicht lange, denn schon stürmt eine perverse Mischung aus Löwe, Ziege und Schlange auf uns zu und will uns an den Kragen. Eine wilde Tastendrückparade später liegt auch dieser Feind am Boden und wir können durchatmen – zumindest eine Weile.

In Capcoms neuem Rollenspiel Dragon’s Dogma erkundet ihr eine große Fantasywelt, erledigt rollenspieltypisch etliche Quests, steigt im Level auf, bringt hunderte und aberhunderte Feinde zu Fall und befehligt einen Trupp Söldner, eure treu ergebenen Vasallen. Dabei sammelt ihr nicht nur Erfahrung, sondern auch jede Menge hilfreiche Objekte ein, seien es Heilpflanzen, Gold, Ausrüstungsgegenstände oder auch ölgefüllte Flaschen, mit denen ihr bei Dunkelheit eure Laterne am Leuchten haltet. All das und noch viel mehr erledigt ihr nach dem Learning-by-Doing-Prinzip, denn Dragon’s Dogma erklärt sich nicht gerade gut und hält auch sonst nicht viel von Komfortfunktionen. Was wir damit genau meinen, und warum das Spiel trotzdem Spaß macht, lest ihr auf den folgenden Seiten.

Drache da, Drache wegNach dem actiongeladenen Start, nämlich der eingangs beschriebenen Szene mit dem Löwen-Ziegen-Schlangen-Etwas, dürft ihr erst mal euren Charakter erstellen. So weit, so Standard. Im extrem umfangreichen Editor passt ihr euren Helden nach Belieben an, wählt eine von vierzig Augenbrauen, lasst euch die Haare so schneiden, wie es euch gefällt, legt den gewünschten Körperbau fest und nehmt allerlei weitere Detaileinstellungen vor. Neben der Optik wird natürlich auch festgelegt, mit welcher Klasse ihr Dragon’s Dogma spielt. Zu Beginn stehen der Kämpfer, der Magier und der Streicher zur Wahl, später könnt ihr eure Klasse aber wieder ändern beziehungsweise mit einer anderen kombinieren. Dann endlich kann es mit der eigentlichen Geschichte losgehen. 

Ihr seid ein Bürger des kleinen Ortes Kassardis, das hübsch am Meer gelegen ist. Am nahen Strand könnte man so schön entspannen, der Sonnenuntergang lädt regelrecht zu einem Spaziergang ein – wenn da nicht der feuerspeiende Drache wäre, der gerade die Stadt niedermacht. Als wir das riesige Biest erblicken, schießt uns gleich der folgende Gedanke durch den Kopf: Den können wir nicht aufhalten, geschweige denn besiegen. Doch als Held mit Courage, schließlich spielen wir nicht umsonst Rollenspiele, stürzen wir uns selbstverständlich voller Tatendrang in den Kampf. Die anderen Stadtbewohner halten gebührenden Abstand, und so überrascht es nicht, dass wir den Kampf innerhalb weniger Sekunden als aussichtslos abhaken können. Als wäre unsere Niederlage nicht genug, setzt der Drache noch einen drauf. Mit seiner furchterregenden Klaue, die so groß ist wie unser gesamter Körper, operiert er kurzerklaue unser Herz heraus. Im Anschluss verspeist er das Heldenherz auch noch mit Genugtuung und macht sich mir nichts, dir nichts aus dem Staub. Aus irgendeinem Grund überstehen wir die harsche Behandlung und laufen fortan als “Der Erweckte” durch die Fantasywelt Gransys. Ehrensache, dass wir unser Herz zurück wollen. Also machen wir uns auf, die diebische Echse zu stellen.

Da der Drache gerade nicht vor Ort ist, wie gesagt hat er die Fliege oder wohl eher “den Drachen” gemacht, verlassen wir Kassardis in Richtung eines namenlosen Lagers, wo sich die Menschen zum Kampf gegen den schuppigen Feind rüsten. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem seltsam geformten Stein vorbei, genauer: ein Rift-Stein. Was daran so besonders ist, merken wir sofort, denn plötzlich materialisiert sich ein Mann aus dem Nichts. Es handelt sich um einen Vasallen, der uns aus unerfindlichen Gründen treu ergeben ist, auch wenn wir ihn noch nie gesehen haben. Na gut, es muss ja auch irgendwelche Vorteile haben, als “Erweckter” und ohne Herz durch die Lande zu streifen. Ein nicht näher betitelter alter Mann versucht etwas Licht in die Vasallen-Angelegenheit zu bringen und beschreibt den frisch Materialisierten als gefährlichen, nicht-menschlichen Soldritter. So wirklich bringt uns das auch nicht weiter, aber da wir im Kampf gegen riesige Echsen und anderes Gefleuch jede Hilfe gebrauchen können, nehmen wir den Vasallen gerne mit und brechen auf zum Lager.

Das Wandern ist des Abenteurers Frust
Hey! Ein Weg! Ja, davon gibt es viele in der Fantasywelt Gransys, und die dürft ihr ganz genau kennenlernen.
Wir fassen kurz zusammen: Wir leben ohne Herz, haben als "Erweckter" Kontrolle über mächtige Vasallen und suchen einen großen, fiesen Drachen. Gute Zutaten für eine fantastische Geschichte. Schade nur, dass genau diese Geschichte für die nächsten dreißig bis vierzig Stunden völlig in den Hintergrund tritt. Es ist fast so, als gäbe es gar keine Hauptquest. Stattdessen kümmert ihr euch um andere Dinge, die scheinbar wichtiger sind, als eure Pumpe zurückzuholen. Da die zahlreichen Aufträge, die ihr in der Folge bearbeitet, in 95 Prozent der Fälle nicht so recht mit dem Drachen in Verbindung stehen, vergessen wir das ganze Vorgeplänkel also erst mal. Macht auch nichts, denn Dragon’s Dogma hat nicht nur keine epische und spannende Geschichte, sondern auch keine interessanten Charaktere. Das zeugt in gewisser Weise von Kontinuität...

Zu tun gibt es trotzdem jede Menge, sei es in umfangreichen Hauptquests oder den zahlreichen Nebenaufträgen, die allesamt optional sind. Und zwar wirklich optional. Wer will, kann die Story beenden, ohne eine einzige Nebenquest zu erfüllen. Moment, wo bekommt ihr die ganzen Aufträge eigentlich her? Auf klassische Weise, natürlich. Entweder ihr sprecht mit Stadtbewohnern oder Herumreisenden, die mit einem auffälligen Fragezeichen über dem Kopf markiert sind, oder ihr werdet an einem von vielen Schwarzen Brettern fündig, deren Haftnotizen nur auf mutige Abenteurer wie uns warten. Habt ihr eine oder mehrere Quests angenommen, wird auf der Karte das Questziel markiert, das ihr im Menü als vorrangig festlegt.

Die meisten Aufträge – Achtung: Wortspiel – gehen mit teils extrem langwierigen Laufwegen einher, ab und zu müsst ihr auch ganz schön suchen. Denn nicht alle Questziele werden auf der Karte markiert. Dadurch, aber auch aus anderen Gründen wie Kämpfen oder dem häufigen virtuellen Ableben, kann es passieren, dass ei
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ne einzige Quest mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Für einen Auftrag haben wir fast vier Stunden gebraucht, wobei alleine die Reise zum Ziel rund zwei Stunden in Anspruch nahm. Um die Reisezeit so kurz und angenehm wie möglich zu gestalten, solltet ihr zumindest während der ersten 20 Spielstunden darauf achten, nur bei Tag zu reisen, da die Feinde des nachts nicht nur zahlreicher, sondern auch deutlich gefährlicher sind. Überhaupt macht das Laufen in Dragon's Dogma einen großen Teil der Spielzeit aus, denn nur die wenigsten Aufträge finden in direkter Nähe des Questgebers statt. Und so lauft ihr von A nach B, teils auch mehrmals, um irgendwelche Gegenstände einzusammeln oder Gegner zu töten. Abwechslung gibt es auch trotzdem. So erforscht ihr beispielsweise eine alte Ruine, vertreibt eine Familie für einen reichen Kaufmann von ihrem Land, infiltriert einen mysteriösen Kult, beschattet einen auffällig unauffälligen Ritter und noch so einiges mehr. Leider schaffen es die wenigsten Quests, eine schöne Geschichte zu erzählen. Daher sind es zumeist Gold und Erfahrungspunkte, die als euer Hauptantriebsgrund dienen, sich der Probleme des Landes Gransys anzunehmen.
Die meisten Quests erhaltet ihr in der Hauptstadt Gran Soren, entweder von Bürgern oder bei einem Schwarzen Brett.
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